Ecuador II – 03.04.2022 – 08.04.2022

03.04.2022 – Das Frühstück holten Paul und ich uns heute morgen in einem Backshop ab, um es genüsslich an einem See voller Flamingos zu verzehren. Das war die Theorie. In der Praxis wateten im örtlichen See lediglich weit entfernt zwei Flamingos, waren somit schemenhaft zu erkennen und aus den Empanadas und gefüllten Teilchen schimmerte nach dem Hineinbeißen der Schimmel hervor. Angeekelt liefen wir zu „Pan and Vino“, wo wir gestern ein tolles Frühstück genossen hatten und versuchten einerseits etwas zu essen, das uns von der Schimmelstulle ablenkte und gleichsam den Magen beruhigte. Ich schaffte dies allerdings nicht ganz. Ein Spaziergang zum Strand erfolgte und bis 13 Uhr suchten wir unser Lager unter bzw. in einem Gebüsch, welches uns etwas Schatten spendete, am Strand auf.

Ein letztes Mal konnte ich das Meeresrauschen, die Wellen und das angenehme Nass von Isabella auskosten. So ganz allein im Wasser stehend flossen auch meine Gedanken. Es war gleichsam ein Ort, an dem ich urplötzlich angefangen hatte, meine Reise in die Fremde und doch näher zu mir selbst zu reflektieren und weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Es war sehr emotional und bewegend und gut, dass ich mit Paul einen tollen Gesprächspartner hatte.

Für diesen Tag musste ich mich dann gegen 14 Uhr von dem netten Norddeutschen verabschieden, um die Fähre nach Santa Cruz zu erreichen, bis er wieder morgen bei mir im Hostel „Vista del Mar“ aufschlagen wird. Die Rückfahrt war in Anbetracht meines angeschlagenen Magens zwar nicht zu brenzlig, aber auch nicht immer angenehm. Ich bekam einen Platz im Schatten, was gut war. Allerdings lag er direkt an der nicht einladenden oder abschließbaren Bordtoilette, welche von weniger Glücklichen besucht werden musste. Zudem war starker Wellengang, wodurch die Fähre auch eine halbe Stunde länger als auf der Hinfahrt brauchte und dort wo ich saß, war er am heftigsten zu spüren. Erleichtert stieg ich um 17 Uhr 30 von Bord der „Angy“, checkte ein, besorgte mir Pasta und Gemüse, kochte, aß, tauschte mich mit neuen Bewohnern im fast schon „Deutschen Eck“ aus und musste mehrfach schwer schlucken, als ich erneut grausame Schilderungen über mein neues Reiseziel, Guayaquil, hörte. Dort muss ich noch zwei Tage unterkommen und habe mir als Konsequenz direkt eine sehr komfortable, gut gelegene und sichere Unterkunft gebucht.

Meine Grüße aus tiefstem Herzen gehen heute an meine Mama. Vielen Dank für alles, was du mir im Leben ermöglicht und mitgegeben hast.

04.04.2022 – Nachdem ich mich im Office von LATAM Airlines und dem Tourismus- Büro über den bestmöglichen Ablauf für meine morgige Abreise informiert hatte, steuerte ich das Darwin Center an. Ein Guide führte über eine Stunde über das Gelände und gab sein Wissen zu Fauna und Flora der Galapagos – Inseln weiter. Die Darwin – Finken waren ebenso Thema, wie die vier Leguanarten, die Besonderheiten zu den Landschildkröten, wie auch die Reise Darwins oder die Gründung der Schildkrötenaufzuchtstation, welche noch besichtigt wurde.

Darwin selbst hat die meisten der 15 Galapagos – Inseln, auch aufgrund seiner ständigen Seekrankheit in seinen 5 Wochen Aufenthalt so oft es ging aufgesucht. Santa Cruz jedoch hatte er nie betreten. So dokumentierte er nur 7 der 18 verschiedenen Finkenarten, die heutzutage mit seinem Namen klassifiziert und als wissenschaftliches Paradebeispiel für seine Evolutionstheorie genutzt werden. Auf 4 Inseln sind die gigantischen Landschildkröten leider ausgestorben. Piraten fingen sie oder Seefahrer brachten neue Räuber mit, wie z. B. Hunde und Ziegen, die sich an den Gelegen vergriffen und die frisch abgelegten Eier aßen. „Lonesome George“ war die letzte männliche Schildkröte ihrer Spezies auf Pinta, die man 1971 fand, nachdem man seit 1906 schon glaubte, es gäbe gar keine Sattelrückenschildkröte mehr. Man suchte vergeblich ein Weibchen für ihn, sodass er 2012 als letzter der Pinta – Schildkröten ohne Nachkommen verstarb. Somit kann man den großen Wert des Darwin Centers begreifen. Einerseits ist es Aufzuchtstation, weiterhin Forschungszentrum und andererseits ein Ort der Aufklärung für uns Menschen, wie zerbrechlich unsere Ökosysteme sind, welche Rolle die Evolution spielt, wie der Kampf ums Überleben verläuft, wie wichtig vor allem die Erhaltung der Arten vor dem ungezügelten Eingriff des schlimmsten Räubers, des Menschen, ist. Während in freier Wildbahn bereits zu viele Widrigkeiten und Gefahren, zu denen auch der Klimawandel zählt, auf die nächsten Generationen Babyschildkröten warten, gelingt die professionelle Aufzucht in 99,9 % der Fälle. Ob aus einem Ei ein Männchen oder Weibchen schlüpft, hängt nämlich von der Temperatur ab, in der das Ei liegt. Weiter unten im Nest bei 28 Grad entwickeln sich die Männchen, oben bei 29,5 Grad die Weibchen. Im künstlich geschaffenen Nest im Labor kann die Population effektiv gesteuert und die Erhaltung der Art gewährleistet werden. Die Babyschildkröten schlüpfen nach 120 Tagen, statt wie in freier Wildbahn nach 145 Tagen. Sie wachsen auf in Sicherheit, bis sie nach 5 Jahren an das Leben in der Wildnis, je nach Zielinsel, gewöhnt und letztendlich frei gelassen werden.

Einige ältere Exemplare, die bis zu 250 – 300 kg schwer sind, waren zudem auch beim Fressen oder Ruhen zu beobachten.

Sobald die Führung zu Ende war, hatte ich die Gelegenheit, mir ebenso die Aufzucht und den Schutz der heimischen Pflanzenarten anzuschauen, wie auch eine kleine Darwinausstellung und ein Center, das auf die Gefährdung der Meeresarten durch Überfischung, durch die Erderwärmung oder durch das Plastik in den Meeren hinwies. Das waren teils erschreckende Einblicke und wieder steht der Kapitalmensch am Anfang allen Übels und am Ende der vergifteten Nahrungskette. Das sollte einem zu denken geben.

Der Besuch des Centers hatte sich definitiv gelohnt und ließ bei mir den Gedanken zurück, dass es nur gerecht ist, als Tourist eine sehr hohe Summe für den Erhalt der Inselgruppe und somit dem Schutz von Tieren und Pflanzen bezahlen zu müssen.

Nachmittags traf ich mich mit Christoph auf einen Kaffee. Paul stieß mach seiner Rückkehr ebenso dazu. Wir kochten anschließend im Hostel und ich verbrachte meinen letzten Abend mit den  beiden Ecuador-Reisegeährten.

Meine Grüße möchte ich an Anna B. senden. Ich habe nämlich bald einen Anschlag auf dich vor.

05.04.2022 – Kleine Info vorab: Da ich auf Galapagos nur selten und schwer Intermet zur Verfügung hatte, nutze ich den Abend, um ein paar Bilder hochzuladen und die letzten Beiträge visuell zu füllen.

In der Früh schlich ich mich aus dem Zimmer im „Vista del Mar“, sprang um 7 Uhr ins Taxi zum Flughafen, bzw. zur Fähre und dann ging es mit dem Bus zum Flughafen auf Baltra. Mein Flug nach Guayaquil verlief reibungslos und es wartete ein Fahrer, sogar mit Namensschild, auf mich, welcher mich zum „Hello! Las Penas Siglo XXI B&B“ brachte. Wer hat sich nur solch einen Namen für ein Hotel ausgesucht.

Es liegt im abgesicherten Bezirk Santa Ana. Der Taxifahrer mahnte mich schon, in die falsche Straße abzubiegen. Nach dem Check – In stärkte ich mich im „Mami – T Yelmar“, bevor ich Pool, Fitnessstudio und das türkische Dampfbad im Hotel voll auskostete.

Der Blick von der Dachterrasse konnte sich auch sehen lassen und mit dem heutigen Sundowner grüße ich einmal meinen vorherigen Reisebegleiter Paul und weiterhin Daniel O., der gestern ins neue Lebensalter feiern durfte.

06.04.2022 – Ausgammeln und relaxt starten war angesagt. Vor allem, weil andere Hotelgäste nicht viel von der Nachtruhe hielten. Durch ein exzellentes Frühstück gestärkt absolvierte ich abermals ein Sportprogramm in Freiluftkraftraum und Pool. Mittags machte ich mich auf, um im Barrio „Las Penas“ den Santa Ana – Hügel zu besteigen. Dazu durfte ich triefend die nötigen 444 Stufen zurück legen.

Ich erkannte sogleich, warum dieser Bereich als sicher eingestuft wird. In dem Bezirk geben sich Straßenposten, private Security, örtliche Polizeibeamte und Militärpolizei die Klinke in die Hand. Oben angekommen, eröffnete sich mir vom Leuchtturm aus ein Blick über Malechon, Fluss, ins Stadtzentrum und auch auf das angrenzende Armenviertel hinter der Kapelle.

Der Malechon sollte mein nächstes Ziel sein. Er wurde vor 2 Jahren fertig gestellt, sollte mehr Touristen anlocken und dann kam aber erstmal nur Covid. Ansonsten wird die Flaniermeile, welche mit Museen, Denkmälern, Statuen, Parkanlagen, Gewerbe und dem Freiteitpark „La Perla“ aufweist, gerne von den Stadtbewohnern zur Naherholung genutzt. Am „Hemiciclo de la Rotonda“ traf ich auf Sylvia, deren Vater ein bekannter von Steffis Papa ist. Er stellte den Kontakt für mich her und Sylvia bot sich an, mich etwas herum zu führen. Darüber war ich natürlich schon im Vorfeld froh. Sie zeigte mir auch etwas abseits von der Promenade die Gegend und fuhr auch mit mir mittels der Drahtseilbahn auf die Insel Duran, wo ich mein erstes leckeres und zumindest für hier letztes Yuka – Brot aß.

Auf dem Rückweg hatten wir einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang hinter Guayaquil.

Zum Ausklang und Abendessen nahmen wir in der „Gancho Restobar“ Platz und ließen es uns gut gehen, bis es Zeit war, Abschied zu nehmen.

Sylvia wurde von ihrem Bruder Willi und Sohn Nico abgeholt, die ich glücklicherweise noch kurz kennenlernen durfte. Vielen Dank für den schönen letzten Abend. Natürlich gehen meine Grüße an die Familie Jonitz und an meine letzte Reisebekanntschaft Sylvia im Speziellen.

07.04.2022 – Irgendwie kam ich in den vergangenen Tagen schwer morgens in Tritt. Es ist aber auch wirklich schweineheiß in Guayaquil. Selbst die Locals pfeifen aus dem letzten Loch. Das Frühstück war immerhin ein kleiner Wachmacher und danach konnte man sich ja nochmal legen.

Das Mittagsessen ließ ich mir erneut im „Mami – T“ schmecken, besuchte danach des Kaffemuseum und unternahm einen Spaziergang an der Riverside – Promenade.

Nach 15 Uhr wurde ich zum Flughafen gebracht, gab mein Gepäck bei der KLM auf und freute mich auf den zweiteiligen Heimflug über Amsterdam nach Frankfurt, wo ich morgen zwischen 17 Uhr und 18 Uhr, sofern alles ohne Zwischenfälle abläuft, landen werde.

Vorm Abflug habe ich mal noch ein kleines Whisky – Tasting eingelegt. Ich kann für alle Kenner und Könner die zwei Kandidaten von rechts empfehlen.

Bis dahin möchte ich alle grüßen, die mich auf meiner Reise bisher begleitet haben, sei es direkt oder übers Internet. Ich habe mich über jede Begegnung, jede Nachricht und jeden Anruf riesig gefreut.

08.04.2022 – Mit etwas Verspätung startete mein Flug von Guayaquil nach Amsterdam mit der KLM. Ansonsten verlief der erste Rückflug unspektakulär, dennoch nicht anstandslos. Nach der Bordverpflegung hatte fast keiner mehr um mich herum eine Maske auf. Eine Stewardess klärte mich auf, dass dies in den Niederlanden seit Ende März nicht mehr notwendig sei, sofern man sich nicht mehr am Flughafen, sondern in der Luft befinde. Ich habe meine Maske aufgelassen, was auch schon an dem niesenden Kind in der nächsten Reihe lag. An solch eine Art von wieder gewonnener Freiheit muss ich mich wohl noch gewöhnen. Damit ich die zwei kleinen Schreihälse vor mir nicht mehr hören musste, widmete ich mich dem Bordprogramm und sah mir tatsächlich bis zur Landung 3 Blockbuster an, als ob ich einiges nachzuholen hätte. Hätte nie gedacht, dass ich bei einem neuen Bond – Film mal einschlafen würde. In der Nacht gab es dreimal leichte Turbulenzen. Gegen 13 Uhr 30 betrat ich, etwas müde, seit 4 Monaten wieder europäischen Boden. In der Zeit bin ich dabei 7 Stunden vorgereist.

Von Amsterdam, wo ich knapp 3 Stunden Aufenthalt und eine Massage hatte, nach Frankfurt war es dann nur noch ein Katzensprung. Und während nach der Landung die ersten Kommentare von den Umsitzenden zum deutschen Wetter folgten, war ich innerlich unglaublich glücklich wieder im Lande zu sein.

Der gute Ömer hat sich angeboten, mich am Flughafen abzuholen. Da sagte ich natürlich nicht nein und freute mich schon im Vorfeld ein altbekanntes Gesicht zu sehen. Zu meiner Verwunderung hat es Steffi auch geschafft;). Zuhause wurde ich noch vorzüglich verköstigt und am Folgeabend mit einem Besuch im „Hotum“ und ganz lieben Menschen überrascht.

Es war ein genialer Abend. Tausend Dank! Bis zur nächsten Reise ist hier erstmal Sendepause.

Ein Kommentar zu “Ecuador II – 03.04.2022 – 08.04.2022

  1. Lieber Tobias, es ist sehr erfreulich, dass du gesund wieder in Deutschland gelandet bist. Ich habe die Reise mit dir wieder gerne unternommen. Zwischendurch habe ich mich gefragt, warum ich so gerne in Deutschland bleibe, wo doch die Welt so aufregend ist. Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder in Mainz, Dahn oder auf deiner nächsten Reise. Alles Liebe, Rosel Wittwer

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