Costa Rica II – 01.02.2022 – 09.02.2022

01.02.2022 – Ich habe besser geschlafen, als bei dem ganzen Ungeziefer erwartet und organisierte Greg und mir ein Taxi zu den „Nauyaca Waterfalls“, rund 45 Minuten entfernt von Uvita. Vom Eingang aus liefen wir eine Weile steil bergab zum eigentlichen Einstieg in den Trail und von dort aus gute 45 Minuten, 5 Kilometer, mehr zum Wasserfall. Voll geschwitzt kamen wir an, aber es hat sich gelohnt und wir verbrachten einige Stunden dort auf den beiden Ebenen.

Mit einem Uber traten wir die Heimfahrt an, nachdem uns ein paar Schweizer ein Stück den Berg hoch mitgenommen hatten. Greg lud mich noch zum Essen bei sich ein und wir hatten noch eine schöne Zeit zusammen.

Heute musste ich hart mit meinem neuen Rucksack ins Gericht gehen. Ich hatte extra eine gute Summe investiert, um einen guten Backpacker zu haben. Bei einer zu abrupten Aufhebeaktion riss mir eine Halterung im Tragegurtsystem heraus. Glücklicherweise hatte ich „Denyknoten“, also Kabelbinder, dabei und reparierte es in „Mac Gyver – Manier“. Zufrieden kann ich mit meiner Neuerwerbung allerdings nicht hundertprozentig sein. Mal sehen, wie lange das gute Stück noch hält. Ich machte die Probe aufs Exempel und marschierte 2 Kilometer zum „Blue Sunshine Hostel“, wo ich ein 4-Bettzimmer für mich alleine erhielt und einen netten Abend verbrachte.

Meine lieben Grüße gehen heute natürlich an die Geburtstagskinder Lea und Svenji. Pura Vida.

02.02.2022 – Ab- und Anreise: Heute war  der Weg das Ziel. Von Uvita aus nahmen Zlati aus Prag und ich um 7:30 Uhr ein Taxi zur Hauptstraße in Uvita, nur um dann kurz vor 9 Uhr feststellen zu müssen, dass der Bus knapp an unserem Hostel vorbeifuhr. Dennoch – der Weg zur Bank war nötig, da es in Corcovado, unserem Ziel, keine selbige gibt. An der Haltestelle lernten wir Tor aus UK kennen und teilten uns anschließend von Palma Norte nach Sierpe ein Taxi. Von dort aus stiegen wir nach der Mittagspause auf ein Schnellboot um und schnellten über den Sierpe River aufs offene Meer hinaus bis nach Drake Bay, wo wir 1 Stunde später anlandeten. Tor hatte dort schon eine Unterkunft gebucht und Zlati schloss sich mir im „Casa Tucan“ an. Während die beiden Mädels an den Strand und abends auf einen Nachthike gingen, wollte ich erstmal locker ankommen, legte eine Wäsche ein und traf beide später am Strand wieder, bevor ich spontan den „Drake Bay Hiking Trail“ in Angriff nahm, um noch etwas weiter zum „Cocalito Beach“ zu . Unverhofft keine schlechte Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Es war malerisch und dazu flogen grüne und rote Aras durch die Lüfte. Eigentlich dachte ich, dass das kaum getoppt werden konnte. Doch auf dem Rückweg, da war es da. Ein junges Faultier bewegte sich im Geäst, quasi ein Teenager in seiner wilden Phase: Ein überaus faszinierender Moment.

Abends war Enstpannung nach Faultiermanier in der Hängematte angesagt, weil es morgen um 5 Uhr zur Tagestour durch den „Corcovado Nationalpark“ rausgeht.

Zum Schnappszahlen- und Geburtstag alles Gude, lieber Tom. Das Highlight des Tages geht natürlich an dich. Hangloose Digger.

03.02.2022 – „Casa Tucan“ kann ich nicht empfehlen. Es war sehr schwül, Bett und Kleidung sind klamm und es modert etwas. Heute Abend werde ich die weitere gebuchte Nacht überstehen, dann suchen Zlati und ich uns was anderes. Auch die Wäsche wird einfach nicht richtig trocken. Also verbrachte ich so wenig Zeit wie möglich dort und brach kurz vor 6 Uhr morgens zum Tagestrip in den Corcovado Nationalpark auf. Ich hatte bei Sukia Travel einen Platz ergattert, um zuerst mit dem Schnellboot eine Stunde nach Sirene zu fahren. Dort stapfte unsere 8-köpfige internationale Truppe mit Ranger Andre 3 1/2 Stunden durch den jüngeren Regenwald (circa 300 Jahre) auf der Suche nach dessen ursprünglichen Bewohnern. Wir entdeckten unter anderem Spidermonkeys, Seeadler, Tinamous, Wildschweine, ein Faultier, einen Nasenbär und sogar einen Tapir in dem geschützten Reservat.

Der Tapir war faul und hatte seine 300 Kilo fest platziert.

Der Ameisenbär und Pumas gingen uns leider durch die Lappen.

Anschließend sprangen wir auf das Boot auf. Die Weiterfahrt nach San Pedrillo folgte. Wie auf dem Hinweg hielt ich gespannt Ausschau nach Walen und Delphinen. Leider vergeblich. Ich musste auch stark damit kämpfen, nicht einzuschlafen und über die kleine Reling zu kippen. Der Spanier, Alberto, hielt seelenruhig ein Nickerchen, während wir mit vollem Tempo über die Wellen hüpften. An der nächsten Station war ein sehr moderater Hike angesagt, nachdem wir ein Krokodil und eine Kreuzotter fanden und an einem Wasserfall Rast, Lunch und ein Bad einlegten.

Und hier trennte sich die Spreu vom Weizen, bzw. die flotten Läufer mit Stechschritt und die Schlenderer. Gelesen hatte ich bereits in einer Facebook-Gruppe, dass der Hike in schnellem Tempo zurückgelegt wird und ich war mit den beiden anderen Almans Oskar und Lena, sowie Claudia aus Katalonien vorne dabei.

Als sich die Gruppe zu sehr nach einer kurzen Rast an einer Finca erneut auseinanderzog, sprach ich Andre darauf an und teilte ihm mit, dass dies vorherigen Tourteilnehmern ein kleiner Dorn im Auge war. Ich schlug ihm vor, die Company zu fragen, ob man nicht einfach den Hike auf 2 Stunden, statt 90 Minuten strecken könne, da ja meist Leute mit unterschiedlichem Niveau an solch einer Tour teilnehmen. Es würde sich nicht so entzerren, man würde alles besser überblicken und es wäre mehr Zeit da, den in San Pedrillo 4100 Jahre alten Regenwald zu genießen und eventuell noch ein paar Tiere (u.a. Puma) zu sehen. Kaum ausgesprochen, da war es passiert. Nanna aus Dänemark rief zu uns nach vorne, dass etwas nicht stimme. Wir schickten Andre zurück zu ihr und Almas (Inderin). Lena, Oskar, Claudia und ich warteten eine Weile und Lena bekam etwas Panik. Sie hatte Angst und fühlte sich von unserem Guide im Stich gelassen. Er hatte uns erzählt, wir müssen das Boot bekommen und deswegen so zügig laufen. Während Oskar und wir versuchten, sie zu beruhigen, wir keine Angst vor Schlangen, einem Puma oder der Dunkelheit (Es war gerade mal 16 Uhr!) haben müssen, dachten Claudia und ich eher an die Situation der anderen. Wir vermuteten, dass Alberto, der sich unbedingt an der vorletzten Abbiegung noch eine Kippe anzünden musste, danach im Schlendriantrott und mit fehlender Sicht auf die anderen, dem Hauptweg folgend weiter lief, statt den kleineren Pfad abwärts zu nehmen. Als nach einer Weile Andre nur mit Nanna und Almas zurück kam, war auch uns etwas mulmig. Alberto und Almas Freund Vas (Grieche) waren verschwunden. Die Affen brüllten, was hoffentlich kein Warnsignal für Pumas war. Lena regte sich weiter auf, dass wir zu spät seien, bis ich ihr nahelegte, sich mal in die Situation derer zu versetzen, die nun alleine auf sich gestellt waren oder wie es gerade Almas ergehen könnte. Claudia, Nanna und ich redeten ihr gut zu. Logischerweise hat man in solch einer Situation zwei Möglichkeiten: dem Hauptweg folgen. Er wird schon irgendwann enden. Oder man wartet, bis ein Vorderer zurück eilt. In dem Falle hätte man sogar gut zur Finca zurückkehren können. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, wie sich Vas und Alberto entschieden hatten. Nichts desto trotz mussten wir unserem Ranger folgen. Er eilte mit uns zur nächsten Bootsanlegestelle, mit dem Plan in Rincon auszusteigen und nach den beiden zu suchen. Auf dem Boot konnte der Skipper Entwarnung geben. Der Chef der Company hatte ihn in Kenntnis gesetzt, dass er von Alberto einen Anruf bekommen hatte. Sie hätten die Gruppe verloren, seien dann den Hauptweg entlang gerannt und säßen nun in Rincon bei einem Bier im Restaurant. Typisch, die Südländer. Vom Restaurant aus wurden sie mit dem Jeep abgeholt. Wir fuhren derweil bis zum Strand in Drake Bay zurück und erwarteten sie dann am Office von Sukia Travel. Wir waren alle erleichtert, dass die Geschichte gut ausging, alle gesund und munter zurück kamen und Andre fiel neben Almas wohl der größte Stein vom Herzen. Nach einem Afterworkdrink, verabredeten wir uns für abends zum Essen und Andre spendierte ein paar Runden „Costa Ricaner“ im „El Reina del Mar“, wo es einen echt geilen Burger gibt. Allerdings auch eine Speisekarte mit unterschiedlichen Preisen für die Locals, welche wir hatten, und eine für Touris, welche wir dankend ablehnten. Es war ein aufregender Tag und ein lustiger Abend. Zuvor war ich noch mit Tor und Zlati, die heute einen Schnorchelausflug unternahmen, im „Robertos“. Alles in allem war ich geschafft und die Hitze zu Hause im „Casa Tucan“ gab mir den Rest. Morgen geht’s auf jeden Fall raus hier. Ansonsten: Pura Vida.

Ratet mal, wer auf dem Bild der Spanier ist.

Meine ganz lieben Grüße gehen heute natürlich ans Geburtstagskind Manu. Celebrate good times, … .

04.02.2022 – Chilli Milli war angesagt. Ich checkte frühzeitig aus dem „Casa Tucan“ aus, marschierte zu den „Happy Feet – Apartments“ und war glücklich, dass ich dort etwas früher einchecken konnte. Mit allerlei tropischen Früchten deckte ich mich in der Markthalle ein, gönnte mir im „Corcovado and Drake Inn“ gleich zwei Kaffee, frühstückte daraufhin und tätigte ein paar Heimatanrufe. Nach der Mittagszeit mietete ich mir ein Quad und legte die abenteuerliche Strecke nach „Rincon Beach“ zurück. Dabei durfte ich mehrfach Flussläufe durchqueren und durch das Hinterland der Halbinsel düsen.

Am Strand angekommen, konnte ich feststellen, dass meilenweit sonst niemand war und ich genoss die Einsamkeit. Nur ich und das Meer. Die Wellen stoßen sich über zwei Meter auf und gaben zwischendurch Silhouetten von kleineren und größeren Fischen preis. Mit voller Wucht wurde ich bisweilen zurückgestoßen, hatte somit einen Riesenspaß. Vom Strand aus konnte ich sogar ein bisschen Delfin-Action in der Entfernung ausmachen, bevor ich zurück musste.

Über dem Strand zog mal wieder die costaricanische Luftwaffe, wie sie hier genannt wird – nämlich Pelikane, ihre Kreise und flogen Formation.

Nach aufregender Fahrt, bei der ich Buckelrinder, Pferde, Truthahngeier und zuvor im „Casa Tucan“ einen gigantischen blauen Schmetterling mit 20 cm Flügelspannweite erblicken konnte, fuhr ich erneut dorthin, um zu schauen, ob Zlati von ihrer Dschungelsafari zurück sei. Sie winkte mir schon happy zu, als ich ums Eck bogen und freute sich enorm. Wir luden ihr Gepäck auf und ich brachte sie ins „Happy Feet“, wo wir uns ein Zimmer teilen. Für uns beide war die neue Unterkunft ein Segen und wir legten erstmal eine Früchte-Orgie ein, bevor ich zu einem kleinen Strandspaziergang und sie zu Kajaken mit Tor aufbrach.

Zum ersten Mal seit langem gönnte ich es mir mal wieder, hinter dem Herd zu stehen und bereitete mir ein gut bürgerliches Abendessen zu, schwatzte noch ein wenig mit ein paar Schweitzern und genoss die Atmosphäre der Unterkunft, sowie die Geräusche der Tierwelt außen herum, bis Zlati und Tor zum Absacker eintrafen. Der heutige Gruß geht am letzten gemeinsamen Abend, yes of course to Tor, isn’t it?. Have a nice journey.

05.02.2022 – Mittels Schnellfähre traten wir den Rückweg übers offene Meer und den „Sierpe River“ mit seinen Mangroven an und waren mehr als erstaunt, wie viele Rucksäcke und Koffer in den Laderaum gepresst wurden. Das Boot war so überfüllt, dass sich Mitglieder der Crew auf den Bug legen mussten.

Es folgte die Weiterfahrt mit einem Sammeltaxi nach Palma Norte, wo wir feststellen mussten, dass es keine Tickets mehr für die nächsten Busse nach Jaco bevor 1 Uhr gab. So suchte ich für uns nach Mitfahrgelegenheiten und Zlati erkundigte sich nach Alternativen beim Busunternehmen. Letztendlich warteten wir auf den Bus und fragten, ob wir irgendwie mitkönnten, notfalls auf dem Boden sitzend. Das hat dem Fahrer nichts ausgemacht. Zusammen mit uns und ein paar anderen, war das leicht verdientes Geld und für uns besser, als weitere 3 Stunden zu warten. Streckenweise hatten wir sogar Glück und konnten einen Sitzplatz ergattern. Mit Pause in Uvita dauerte es dennoch bis 14 Uhr, bis wir unseren „Containerhafen“ in Jaco, einem sehr touristischen Ort, erreichten. Für Zlati ist es die Durchgangsstation, da sie morgen nach Monteverde aufbrechen will. Ich habe mir zwei Nächte hier genommen, um den Strand zu genießen und auszuspannen.

Die Container-Tiny-Rooms haben was für sich. Es herrscht eine nette Atmosphäre und gut gelegen, zwischen Beach und Haupteinkehrstraße, sind sie auch, sodass wir uns einen Strandausflug genehmigten. Auch Jaco ist ein Surferhotspot. Kein Wunder bei den hohen Wellen, die sich auf 2 Meter auftürmten und nicht nur von Surferdudes genutzt wurden. Ebenso Mantarochen auf der Jagd nach kleineren Fischen schnellten mit ihnen gen Strand und mussten dann im zu seichten Gewässer mit Flossenschlägen wieder die ins Meer weichende Strömung erwischen, um den nächsten Jagdanlauf zu unternehmen.

In der Dämmerung legten wir einen Zahn zu, um daraufhin rechtzeitig einen Aussichtpunkt zu erreichen und den letzten Blick auf den Sonnenuntergang zu erhaschen.

Beseelt schlürften wir unsere Kokosnuss beim Abstieg und mussten auf dem Rückweg feststellen, dass wir uns mittlerweile doch ein äußerst gutes Stück von unserer Unterkunft entfernt hatten. Am Strand kamen wir wegen der anschwellenden Flüsse zudem auch nicht weiter, machten ein paar Meter mehr, bis wir einkehren konnten und den Abend ruhig ausklingen ließen. Zlati muss morgen erneut früh raus und natürlich gehen meine Grüße an meine liebe Reisebegleitung.

06.02.2022 – Mit einem Faultierstart in den Tag wanderte ich erneut zum „Jaco Mirador“, auf dessen erste Aussichtsplattform ich gestern mit Zlati zum Sundowner war. Zwischen beiden Aussichtspunkten fanden sich zahlreiche lateinamerikanisch landestypische Malereien auf und in Stein.

Auf der oberen Ebene erwartete mich die nächste Überraschung. Ich würde die mehrstöckige Ruine mal als Künstler-Freiluft-Graffiti-Atelier mit anliegender Marihuana-Höhle bezeichnen.

Ich habe sogar ein trauriges Mädchen gefunden. Ob die Mainzer Künstlerin Maria M. Fantasma wohl hier gewesen war? Der Ausblick hat mich für den weiten Weg vom Strandende aus und den steilen Aufstieg definitiv vollauf entschädigt.

Geht es eigentlich noch blauer?

Über den Strand, es herrschte Ebbe, konnte ich bis zu meinem Schiffskontainer zurückkehren, legte eine Pause ein, trabte zum Mittagessen und anschließend zum Friseur. Es war durchaus Zeit für einen Kahlschlag. Mehr oder weniger gewollt fiel dieser dann auch äußerst radikal aus, da es mit der Übersetzungs-App und den hiesigen Schneidegewohnheiten Unstimmigkeiten gab. Jetzt kann ich es immerhin wieder einige Wochen wuchern lassen.

Für den Erwerb wärmerer Kleidung habe ich mich vergebens in Jaco umgeschaut. Wenn es morgen nach Santa Elena ins Gebirge geht, unternehme ich dort einen nächsten Versuch. Und bevor ich das Meer wiedersehen werde, tauchte ich bei hereinpreschender Flut nochmals ein. Aber nur wenige Minuten, weil mich etwas hart am Bein traf. Als ich mich direkt daraufhin umblickte, sah ich einen Manta an mir im seichten Wasser vorbeiflattern. Da war wohl wieder einer auf Jagdbeute aus. Ich wollte es dennoch nicht sein, der in seinen Stachel tritt und trat gepflegt den Rückzug an, damit er sich mehr auf kleinere Fische konzentrieren konnte.

Den Abend verbrachte ich ruhig auf meinem Balkon und möchte herzlichst meinen Studi-Kollegen Matthias grüßen. Halt die Ohren steif alte Socke.

07.02.2022 – Die nächsten Busfahrten, natürlich verbunden mit enormen Wartezeiten aufgrund der ungenauen Fahrpläne, standen an, um von Jaco, über Puntarenas nach Santa Elena zu kommen. Für die rund 130 Kilometer war ich entgegen Zlati, die gestern über 10 Stunden gebraucht hatte, nicht einmal den halben Tag unterwegs. Nach zwei Stunden Busfahrt erreichte ich Puntarenas und schnappte mir mit zwei Schweizern ein Taxi und kam gegen 13 Uhr 30 in Santa Elena an, wo es Zeit für eine Stärkung war. Ich tappte in die Insulinfalle, konnte einem erwärmten Croissant mit Nutella aber einfach nicht widerstehen. Wie lange habe ich sowas nicht mehr gegessen???

Ich vertrieb mir noch etwas die Zeit in Santa Elena und fragte mich so durch, was ich für die nächsten Tage unternehmen könnte. Einem gigantischen Fikus, der sich teils über ein Flußbett spannt, bis er erneut wurzelt, steuerte ich ebenfalls an.

Danach machte ich mich zu Fuß auf zur „Rustic Lodge“ in Perro Negro. Eher edel, als rustikal. Ich bin begeistert. Das hat Zlati gut ausgesucht und ich bleibe auch hier mindestens noch eine Nacht länger.

Vom Balkon vor unserem Zimmer aus, hatte ich einen schönen Blick auf die hinter den Bäumen untergehende Sonne, bis es mit Zlati zum Mexikaner ins „Tacotaco“ zum Abendessen ging.

Ganz liebe Grüße möchte ich meinen Cousins Sven und Kay senden.

08.02.2022 – Genau zwei Monate bin ich nun seit meinem letzten kurzen Deutschlandstopp auf Achse und es gab zum ersten Mal Pfannkuchen mit Früchten in der „Rustic Lodge“ zum Frühstück;). Danach brachte ein Taxi uns, Zlati und mich, sowie Vince und Quentin aus Montana, die wir vorgestern in Jaco kennengelernt hatten, zum „Monteverde Cloudforest“, um dort ein paar Trails zu laufen. Immer waren wir nebenbei auf der Suche nach Bewohnern des Regenwaldes.

Bei der Tarantelsuche hatten wir Glück. Vince und Quentin leuchteten gefühlt in jedes mögliche Spinnenloch. Daneben erblickten wir Kolibris und hörten Brüllaffen.

Wir durchstreiften das Reservat und kamen an eine Aussichtsplattform, welche die karibische Seite des Landes auf der Linken und die pazifische Seite auf der Rechten liegen ließ. Wenn es hier regnet, kann der eine Tropfen tausende Meter in die eine Richtung fließen, um in der Karibik zu landen, der Tropfen auf der anderen Seite steuert den Pazifik an.

Später kamen wir an einem kleinen Wasserfall an und einem Restaurant, wo ich mir einen Kaffee und eine Empanada zuführte, damit ich nicht wegdämmerte. Zusätzlich schwirrten mir dabei zahlreiche Kolibris verschiedener Unterarten um die Ohren und hielten mich wach.

Mit dem Bus fuhren wir um 14 Uhr zurück nach Santa Elena, wo ich meine Weiterreise für Donnerstag und die morgigen Aktivitäten im Touristenoffice organisierte. Anschließend brachte ich meine drei Mitwanderer zum gigantischen Fikus von gestern und führte uns zum „Santuario Ecologio Parc“, auf dessen Weg die nächste Tarantel ausgemacht werden konnte. Auf dem Gelände streiften wir etwas durchs Dickicht und verfolgten einen Nasenbär und mehrere Agutis (= größere Meerschweinchenart), bis sich unsere Wege trennten.

Morgen wird auch Zlati weiterfahren, während ich noch eine weitere Nacht bleibe, allerdings morgen die Unterkunft wechseln werde. Meine Grüße gehen an Vince und Quentin aus den Bergen Montanas. Ich habe noch nie solch unvorbereitete Wanderer gesehen.

09.02.2022 – Aufgeweckt um 4 Uhr vom tosenden Wind, der durch die Berge von Monteverde peitschte, und später durch Zlati, die heute bereits nach La Fortuna aufbrach, war abermals kein Ausschlafen angesagt. Nach dem Frühstück konnte ich immerhin noch etwas verweilen, bis ich per Shuttle abgeholt und an die „Hanging Bridges“ gebracht wurde. In diesem privaten Naturreservat, welches Primary und Secondary Forest beinhaltet, brachte ein Guide unsere 6-köpfige Truppe durch die oberen Regionen des Regenwaldes. Zwischen Grund und Baumkronen liefen wir teils über 10 Hängebrücken und bekamen das Ökosystem erklärt.

Zum Beispiel, wie Baumbesetzerpflanzen über Wind und Luftfeuchtigkeit ihren Wirt finden oder dass den Bodenwurzlern nur 30 Zentimeter Humusschicht zur Verfügung stehen, um Nährstoffe zum Wachstum zu gewinnen. Ebenso, wie sich Primary und Secondary Forest gegenseitig bedingen, indem manche Baumarten unglaublich schnell wachsen, den anderen Schutz bieten und über viele Jahre von ihnen bei weitem in ihrem Ausmaß überholt werden. Zudem gibt es Bäume, die sich lianenhaft an einem bereits stattlich gewachsenen Baum hochangeln, ihm dort die Sonne, sowie aus dem Stamm die Nährstoffe entziehen, anschließend wieder weitere Wurzeln zur Erde hin wachsen lassen und den Ursprungsbaum irgendwann umschließen und er innerlich abstirbt. Durch solch ein Exemplar durfte ich sogar klettern.

Neben Kolibris erblickte ich meinen zweiten großen „Blauen Morphofalter“ mit rund 10 Zentimeter Flügelspannweite und zum ersten Mal einen Tucanette, die kleinste Tucanart, nachdem ich die größeren Artverwandten in Uvita entdecken durfte. Insgesamt habe ich einen guten Überblick über den sensiblen Lebensraum erhalten und bedauere es sehr, dass die Klimaerwärmung auch hier die Artenvielfalt immer mehr begrenzt.

Im Anschluss zu den „Hanging Bridges“ hatte ich bei der gleichen Company, „100% Aventura“ ein Canopy gebucht. Dies wurde ursprünglich auch in Costa Rica erfunden und ist uns besser bekannt als Ziplining. Nach kurzer Einweisung im Abenteuerpark, ging es über die ersten Übungsstrecken von Plattform zu Plattform, wobei sich die Fahrtlänge jeweils steigerte, bis ich zu einer 600 Meter langen Zipline kam. Das hat mir durchaus ein euphorisches Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Zwischendurch gab es noch eine Abseilstation und nach der 9. Zipline, welche man alle angehockt im freien Sitzen zurücklegte, folgten die „Superman-Stationen“, die man auch zuerst mit einer Buggyfahrt erreichen musste. Beim „Superman“ hängt man bäuchlings in der Luft, während man am Rücken angeschnallt ist und die Füße in Schlaufen hängen. So flog ich wie Clark Kent über die längste Zipline Costa Ricas von mehr als 1500 Metern mit herrlichem Blick über den Regenwald und das Gebiet von Monteverde.

Zum „Cooldown“ vorm nächsten Adrenalinkick gab es den 2. „Superman“ mit 700 Metern. Fakultativ war der darauffolgende „Tarzan-Sprung“ an einem Bungeeseil. Natürlich habe ich mich von der wackeligen Plattform ins Nichts fallen lassen.

Ein bisschen aufgepuscht trat ich die Rückfahrt zur „Rustic Lodge“ an, schnappte mein Gepäck und zog weiter zu „Maris BnB“. Vor meinem Einkauf fürs Abendessen, konnte ich quasi nahe der Haustür den Sonnenuntergang bestaunen.

Liebe Grüße gehen hiermit an Marius und Patrick. Das wäre heute definitiv auch was für euch gewesen.

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