18.08.2022 – Nachdem mich Sebastian, den ich in Peru kennengelernt hatte, bereits im Juni in Mainz besuchte, machte ich mich heute um 7 Uhr mit dem IC auf von Mainz nach Hamburg zu Paul, meinem Buddy auf Galapagos. Mein ursprünglicher Zug stand allerdings schon in Hamburg. Fragt mich nicht warum. Es kam ein Ersatz- IC, der allerdings minus 3 Waggons hatte. So waren Sitzplatzbuchungen hinfällig und im Laufe der Zeit stapelten sich die Passagiere im Mittelteil, Personen der 1. Klasse eilten zu Hauf immer wieder von vorne nach hinten, das Fahrradabteil befand sich auch nicht an gewohnter Stelle und das Bordbistro fehlte bei der sechs stündigen Fahrt, weshalb der Unmut bei manchen Gästen wuchs. Ich, so muss ich gestehen, hatte wohl den perfekten Platz: meist ruhig, nicht beengt, mit Tisch und ab Köln zwei nette Rheinländerinnen älteren Semseters gegenüber, die sich gerade kennenlernten und feststellen durften, dass sie wohl ihre Seelenverwandte in der jeweils anderen gefunden haben. Umsteigen musste ich nicht, sodass man getrost von einer angenehmen Zugreise sprechen darf.
Um 13 Uhr 30 lief der IC in den Hauptbahnhof Hamburg ein, wo bereits der reguläre Zug wartete, um die Fahrgäste nach Sylt weiter zu geleiten. Bis Paul und Julian, mein ehemaliger Kollege an der Kanonikus-Kir-Realschule und jetziger Co – Trainer beim HSV, mit der Arbeit fertig sein würden, hatte ich noch gute 4 – 5 Stunden, weshalb ich mit der S – Bahn zu den Stadthausbrücken fuhr. Dort in der Nähe sollte sich ein Kunstwerk von Banksy höchst persönlich befinden. „The Bomb Hugger“ war schon etwas verblasst und Banksys gesprayte Signatur völlig unnötigerweise von Banausen überklebt.

In einer Dominikanischen Bachata – Bar gönnte ich mir daraufhin eine Limo und beschloss, mich auf die Suche nach mehr Streetart zu machen. Fündig sollte ich später vor allem im Schanzenviertel werden. Weil es bereits mein 3. Hamburgbesuch ist, klapperte ich ein paar nette Sehenswürdigkeiten ab, um wieder die Atmosphäre der Elbmetropole auf zu saugen. Vom Neuen Wall aus lief ich zum Rathaus, ein wenig Nikolaiviertel, zu den Landungsbrücken mit dem alten Elbtunnel bis nach St. Pauli.




Neben der Herbertstraße, dem Hans – Albers – Platz, dem legendären „Silbersack“, der Davidswache, dem Spielbudenplatz, dem „Kiez – Penny“ und dem „Elbschlosskeller“, sowie der „Ritze“ durfte die „Große Freiheit 36“ nicht fehlen – gerade nicht, weil mein Ziel – die „Affenfaust Galerie“ – auf dem Weg lag.


Doch leider musste ich feststellen, dass die heutigen online angegebenen Öffnungszeiten hinfällig waren. Man bereitete gerade eine Ausstellungseröffnung vor. Vielleicht schaffe ich es die Tage ja nochmals dorthin.
Also spazierte ich weiter ins Schanzenviertel zur „Roten Flora“und suchte mir meine Streetart selbst zusammen.



Kurz nach 18 Uhr sammelte mich Julian ein und wir fuhren in seine Hood – das Stadtteil Sankt Georg. Es war richtig schön, ihn mal wieder zu sehen. Zur Feier des Tages lud er mich auf edles Beef bei „Ottos Burger“ ein und wir schnappten uns ein Kaltgetränk am nächsten Späti. Julian besorgte Paul und mir zudem zwei überaus günstige Karten für die VIP – Loge des HSV, der morgen gegen Darmstadt spielt. Geil! Tatsächlich hoffe ich auf einen Heimsieg und guter Stimmung nach dem Spiel. Als Gegenleistung gab es zum Obulus noch einen „Mainzer Schümli“ oben drauf. Damit der Junge auch mal wieder einen guten Kaffee kriegt.
Anschließend brachte mich Jule die Alster hinauf nach Winterhude, wo ich Paul und seine Freundin Alex beim Asiaten im „Ky Lan“ antraf. Es war ein herzliches Wiedersehen mit Paul und angenehmes Kennenlernen mit Alex. Wir sind aus dem Babbeln, oder wie man hier sagt „sabbeln“, kaum raus gekommen. Nicht weit vom Restaurant entfernt hatte Paul seit letzter Woche eine Wohnung bezogen, sodass ich dort meine Sachen unterstellen, meine Mitbringsel (en gude Pälzer Woi und Meenzer Kaffee) austeilen und mich kurz frisch machen konnte, bevor wir zu dritt die Alster entlang spazieren gingen.
Zum Abschluss schwelgten wir noch etwas in unseren Reiseerinnerungen und dann ging es nach einem Tag mit viel zurückgelegten Kilometern in die Koje.

In Hamburg sagt man „Moin Digga“. Diesen Gruß möchte ich direkt nach Malle an Steffi und Luisa weitersenden und ergänzen mit: „Life is a Party!“.

19.08.2022 – Ganz gemächlich ging es in den Tag. Mit norddeutscher Gelassenheit sozusagen. Während Paul noch arbeiten musste, spazierte ich durch „Planten un Blomen“ – Hamburgs „Grüner Lunge“. Mitten im Herzen der Stadt liegt diese 45 Hektar große Parkanlage als Ergebnis einer stetigen Erweiterung der Grünflächen und Freizeitanlage. Im frühen 16. Jahrhundert wurde hier allerdings noch die Unabhängigkeit Hamburgs verteidigt. Davon zeugen heute nur noch namentlich die Wallanlagen. Im Jahre 1860 wurde das Gelände zum Erholungs- und Tierpark umfunktioniert, bekam allerdings 1907 zu große Konkurrenz durch den „Tierpark Hagenbeck“. So konzentrierte man sich auf die Naherholung und holte 1869 bis 1973 mehrfach die Gartenschau nach „Planten un Blomen“. Neben den Wallanlagen finden sich heutzutage u. a. ein Rosengarten, Wasserkaskaden, der Japanische Garten und Tropenhäuser.




Über das Gelände des „Hamburger DOM“, dem größten Volksfest Norddeutschlands, gelangte ich gegen 14 Uhr 30 ans Millerntorstadion auf St. Pauli.
Im FC St. Pauli – Museum schaute ich mir die Ausstellung „Kiez Beben“ an. Diese zeigt die Anfänge der Vereinsgeschichte des ursprünglich meist klammen Kultclubs, der sich aus der national orientierten Turnerbewegung 1924 abspaltete und sein Aufstieg in Verbindung mit der linken Demonstrations- und Hausbesetzerszene St. Paulis erlebte.


Julian musste ich natürlich verschweigen, dass ich bei der Konkurrenz war:). Zeitlich reichte es gerade noch, Paul zu Hause abzuholen, mich frisch zu machen und direkt wieder in den Bus zum Volksparkstadion zu fahren.

Vom Hostessenservice ließen wir uns im VIP – Bereich zur Loge des HSV, dem „Vereinsheim“ geleiten. Das sah da jetzt nicht unbedingt so aus, wie man sich das typische Vereinsheim so vorstellt.


Eine knappe Stunde hatten wir Zeit bis zum Anpfiff, sodass wir zwischen den Spielerfrauen und Familien erstmal feudal gespeist hatten, bis wir uns auf die Tribüne begaben.


Leider musste der HSV schon früh einem herben Rückstand hinterher rennen. Die Lilien aus Darmstadt erzielten ihre ersten Treffer bereits in der 4. und 7. Minute. So war der Käse schon fast früh gegessen. Die Rothosen konnten auch vor der Pause nicht mehr verkürzen. In der Halbzeit stand der nächste Gang im Vereinsheim für uns bereit – u. a. Currywurst und Kaiserschmarn. Die 2. Halbzeit verbrachten wir in der ehemaligen „Emirates Loge“, direkt in Höhe der Mittellinie, da Paul dort einen Bekannten hatte. Das Spiel geriet dort etwas in den Hintergrund. Und hinter der Glasscheibe lässt sich für meinen Begriff die Stimmung auch nicht so auffangen. Gerade, weil es langsam hitzig wurde. Der Hamburger Sport Verein erzielte erst in der letzten Viertelstunde einen Treffer. Doch auch Darmstadt gelang noch ein Tor zum 1:3, dem späteren Endstand. Bei den Hamburgern lagen mittlerweile die Nerven blank. Insgesamt führten sie im Gegenzug mit 3:0 Platzverweisen. Das war wohl nichts. Shitpolpelei! Julian war natürlich betröppelt, als er nach dem Spiel zu uns dazukam. Dennoch verbrachten wir noch einige Stunden bei bester Unterhaltung in der Loge, bis es heimwärts ging. Alex holte uns netterweise mit dem Auto am Stadion ab.
Meine besten Grüße gehen an Julian, der uns dieses geile Erlebnis mit ermöglicht hatte.
20.08.2022 – Heute habe ich mich leider selbst etwas ausgebremst. Mein Gesicht küsste beim Ausprobieren eines Skateboards auf dem Winterhuder Flohmarkt leider den Asphalt. Paul verarztete mich fachmännisch und zusammen mit Alex spazierten wir an der Alster entlang nachmittags bis in die Speicherstadt. Ein Besuch der Hamburger Elbphilharmonie durfte selbstverständlich nicht fehlen.



Zwischen Hafenstraße und Elbschlosstunnel fanden die Hamburger „Cruise Days 2022“ statt. Hier zeigten sich neben Fressbuden und Beachbars an Ständen die großen Kreuzfahrtanbieter. Überall her erschallten Clubsounds und die Sonne lud zum Verweilen ein, bis es Zeit war, die Segel zu streichen.
Grüßen möchte ich Gregor, Marvin und Jannis, mit denen ich meine letzte Hamburgtour unternahm.
21.08.2022 – Mein letzter Tag in der Elbmetropole brach an. Auf dem Programm stand ein Abschlussessen mit Alex und Paul im „Ahoi“, dem eher gut bürgerlichen Lokal von Starkoch Steffen Henssler. Dort hinzugelangen war aufgrund der zahlreichen Sperrungen wegen des Radrennens für Jedermann, der „Cyclassics“, im Innenstadtbereich nicht einfach. Nach zahlreichen Umleitungen und mühsamer Parkplatzsuche kamen wir mit guter Verspätung und anständig Hunger zu Tisch.


Das Essen ließ glücklicherweise nicht lange auf sich warten, sodass ich anschließend noch gut meinen Zug um 14 Uhr 13 nach Fehmarn erwischte, wo ich 16 Uhr 40 ankam und mich Frank in Empfang nahm. Mit dem Auto brachte er mich vom Ort Burg auf Fehmarn ins nahe gelegene Burgtiefe. Dort hatte er sich seit vergangenem Mittwoch in ein Appartement direkt am Strand eingemietet. Für die nächsten drei Tage werde ich sein Mitbewohner sein. Während Frank nochmals zum Theoriekurs Windsurfen lief, ging mein Weg zum Strand – Sonne tanken.


Abends erkundeten wir etwas den Hauptort Burg, aßen und schlossen einen Nachtspaziergang im Hafen und über den Strand von Burgtiefe an.


Für ihre nette Gastfreundschaft und die schöne Zeit möchte ich mich bei Alex und Paul ganz lieb bedanken und die heutigen Grüße senden.

22.08.2022 – Frank hatte in den letzten Tagen seinen Windsurfgrundkurs in Theorie und Praxis erfolgreich absolviert und mich motiviert, ebenfalls mal aufs Brett zu steigen. Da traf es sich ganz gut, dass heute ein Schnupperkurs angeboten wurde. Bis dieser um 14 Uhr 30 startete, bestand nach dem Frühstück noch die Gelegenheit am Strand sich ein SUP zu leihen. Eine gute Stunde verbrachten wir auf der zur Ostsee offenenen Meerseite und hatten bei dem Wellengang anfängliche Probleme uns über Wasser zu halten. Mit der Zeit hatten wir allerdings den Dreh raus.

Ähnlich gut meisterte ich anschließend mein Windsurftraining in der Surfschule „Charchulla“, wo mir mein Trainer Paddy nach 2 Stunden Theorie und 1 Stunde Praxis ein großes Lob aussprach. Über die Grundkenntnisse verfüge ich nun, kann Wende und Halse fahren und werde, sobald ich erneut die Chance dazu habe, diesen Sport, mit dem Ziel ebenso den Grundschein zu erlangen, weiterverfolgen.

Gegründet wurde die Windsurfschule von den Charchulla – Zwillingen als erste ihrer Art auf Fehmarn 1972. Nicht nur deswegen erlangten ihre Gründer Jürgen und Manfred als Pioniere an Bekanntheit. Auch als „Los Sombreros“ oder als „Steeldrum – Twins“ sind sie als Musiker eine auf Fehmarn nicht wegzudenkende Einrichtung, sodass wir uns abends einen Filmvortrag mit Musik der Kombo „Los Sombreros“ anschauten. Die bereits 80 – jährigen Zwillinge berichteten im Stile alter Seebären und Weltenbummler von einer ihrer Reisen nach Nicaragua. In dem Land Latainamerikas reisten sie nach Ometepe, einer Insel auf einem gigantischen Binnensee mit gleich zwei Vulkanen. Neben Natureindrücken durfte der ein und andere Schwank aus ihrem bewegten Globetrotterleben nebst Seemannsgarn nicht fehlen. Eines muss man zugeben: Auch in hohem Alter sind die beiden absolute Entertainer geblieben.

Den Abend haben wir dann noch ruhig in der Unterkunft ausklingen lassen. Die allerbesten und herzlichsten Grüße gehen an die frischgebackenen Eltern Felix und Alexandra, die sich über ihre süße kleine Rosa freuen dürfen.
23.08.2022 – Der Norden ist flach und es gibt da höchstens einmal einen Deich. Zudem ist Fehmarn sehr gut ausgebaut, was das Radwegenetz angeht. Daher war es nicht nur lohnenswert, sondern schon fast klar, dass wir uns einmal auf das Rad schwingen und eine Tour in Angriff nehmen würden. Nach der morgendlichen Stärkung startete die 1. Runde. Beim „Conny“ liehen wir uns zwei Räder und entschieden uns für die 38 Kilometer lange „Häfentour“, welche von Burgtiefe aus nach Osten und an der Küste entlang nach Norden bis Puttgarten führte. Von dort aus folgte ein Schwenker ins Inland und ab südlich über Burg bis wir wieder kurz vor 15 Uhr in Burgtiefe ankamen.


Am Nachmittag trennten sich unsere Wege vorerst. Während Frank nochmals Windsurfen ging, da er ja nun mit seinem erworbenen Schein auch ohne Trainer fahren und Material ausleihen durfte, startete ich zu meiner 2. Fahrradtour. Dieses Mal wählte ich zuerst den Weg Burgstaaken bis zum „Wulfener Hals“.




Anschließend führte mich mein Weg nach Bergmühle, wo ich ein Langbergsteingrab besichtigte und über Fehmarnsund an einem Megalithgrab vorbei bis nach Gold, bis es über Struhkamp und Avendorf zurück ging – unglücklicherweise stets hart im Gegenwind.

An unserem letzten Abend statteten wir der sich in der Surfschule Charchullas befindlichen Kneipe einen Besuch ab. Sie war eher ein kleines Musuem mit Raritätenkabinett der Zwillinge und Andenken, welche sie über die Jahrzehnte hinweg auf der ganzen Welt gesammelt hatten.
24.08.2022 – Abreisetag: Nach dem Frühstück checkten wir zeitig aus und fuhren die erste Etappe bis nach Hildesheim, wo wir eine längere Pause samt kleiner Stärkung mit einem Stadtrundgang verbanden.



Neben dem Rathaus auf dem Marktplatz, wo wir uns ein wenig im Kaffee ausruhten, führte uns unser Erkundungsgang durchs Fachwerkviertel bis zum Unesco – Kulturerbe, dem Hildesheimer Dom mit Rosengarten und Museum.



Der Stopp in Hildesheim hat sich gelohnt und war auch nötig. Denn schließlich dauerte von dort ab die weitere Rückfahrt noch einmal gut über 3 1/2 Stunden bis nach Mainz, wo mich Frank sicher absetzte. Hiermit war meine letzte Tour und somit gesamte Reisezeit im Sabbatjahr definitiv beendet. Es war sehr schön und der Gedanke bleibt zurück, dass man nicht immer in die Ferne schweifen muss, sondern sich überall eine Auszeit lohnen kann. Meine allerletzten Grüße gehen selbstverständlich an meinen letzten Reisebegleiter Frank. Es war mir wieder einmal eine Freude.

































































































































































































































































