Deutschland III – 18.08.2022 – 24.08.2022

18.08.2022 – Nachdem mich Sebastian, den ich in Peru kennengelernt hatte, bereits im Juni in Mainz besuchte, machte ich mich heute um 7 Uhr mit dem IC auf von Mainz nach Hamburg zu Paul, meinem Buddy auf Galapagos. Mein ursprünglicher Zug stand allerdings schon in Hamburg. Fragt mich nicht warum. Es kam ein Ersatz- IC, der allerdings minus 3 Waggons hatte. So waren Sitzplatzbuchungen hinfällig und im Laufe der Zeit stapelten sich die Passagiere im Mittelteil, Personen der 1. Klasse eilten zu Hauf immer wieder von vorne nach hinten, das Fahrradabteil befand sich auch nicht an gewohnter Stelle und das Bordbistro fehlte bei der sechs stündigen Fahrt, weshalb der Unmut bei manchen Gästen wuchs. Ich, so muss ich gestehen, hatte wohl den perfekten Platz: meist ruhig, nicht beengt, mit Tisch und ab Köln zwei nette Rheinländerinnen älteren Semseters gegenüber, die sich gerade kennenlernten und feststellen durften, dass sie wohl ihre Seelenverwandte in der jeweils anderen gefunden haben. Umsteigen musste ich nicht, sodass man getrost von einer angenehmen Zugreise sprechen darf.

Um 13 Uhr 30 lief der IC in den Hauptbahnhof Hamburg ein, wo bereits der reguläre Zug wartete, um die Fahrgäste nach Sylt weiter zu geleiten. Bis Paul und Julian, mein ehemaliger Kollege an der Kanonikus-Kir-Realschule und jetziger Co – Trainer beim HSV, mit der Arbeit fertig sein würden, hatte ich noch gute 4 – 5 Stunden, weshalb ich mit der S – Bahn zu den Stadthausbrücken fuhr. Dort in der Nähe sollte sich ein Kunstwerk von Banksy höchst persönlich befinden. „The Bomb Hugger“ war schon etwas verblasst und Banksys gesprayte Signatur völlig unnötigerweise von Banausen überklebt.

In einer Dominikanischen Bachata – Bar gönnte ich mir daraufhin eine Limo und beschloss, mich auf die Suche nach mehr Streetart zu machen. Fündig sollte ich später vor allem im Schanzenviertel werden. Weil es bereits mein 3. Hamburgbesuch ist, klapperte ich ein paar nette Sehenswürdigkeiten ab, um wieder die Atmosphäre der Elbmetropole auf zu saugen. Vom Neuen Wall aus lief ich zum Rathaus, ein wenig Nikolaiviertel, zu den Landungsbrücken mit dem alten Elbtunnel bis nach St. Pauli.

Neben der Herbertstraße, dem Hans – Albers – Platz, dem legendären „Silbersack“, der Davidswache, dem Spielbudenplatz, dem „Kiez – Penny“ und dem „Elbschlosskeller“, sowie der „Ritze“ durfte die „Große Freiheit 36“ nicht fehlen – gerade nicht, weil mein Ziel – die „Affenfaust Galerie“ – auf dem Weg lag.

Doch leider musste ich feststellen, dass die heutigen online angegebenen Öffnungszeiten hinfällig waren. Man bereitete gerade eine Ausstellungseröffnung vor. Vielleicht schaffe ich es die Tage ja nochmals dorthin.

Also spazierte ich weiter ins Schanzenviertel zur „Roten Flora“und suchte mir meine Streetart selbst zusammen.

Gleiches Werk gibt es übrigens auch in Mainz. Wer weiß wo?

Kurz nach 18 Uhr sammelte mich Julian ein und wir fuhren in seine Hood – das Stadtteil Sankt Georg. Es war richtig schön, ihn mal wieder zu sehen. Zur Feier des Tages lud er mich auf edles Beef bei „Ottos Burger“ ein und wir schnappten uns ein Kaltgetränk am nächsten Späti. Julian besorgte Paul und mir zudem zwei überaus günstige Karten für die VIP – Loge des HSV, der morgen gegen Darmstadt spielt. Geil! Tatsächlich hoffe ich auf einen Heimsieg und guter Stimmung nach dem Spiel. Als Gegenleistung gab es zum Obulus noch einen „Mainzer Schümli“ oben drauf. Damit der Junge auch mal wieder einen guten Kaffee kriegt.

Anschließend brachte mich Jule die Alster hinauf nach Winterhude, wo ich Paul und seine Freundin Alex beim Asiaten im „Ky Lan“ antraf. Es war ein herzliches Wiedersehen mit Paul und angenehmes Kennenlernen mit Alex. Wir sind aus dem Babbeln, oder wie man hier sagt „sabbeln“, kaum raus gekommen. Nicht weit vom Restaurant entfernt hatte Paul seit letzter Woche eine Wohnung bezogen, sodass ich dort meine Sachen unterstellen, meine Mitbringsel (en gude Pälzer Woi und Meenzer Kaffee) austeilen und mich kurz frisch machen konnte, bevor wir zu dritt die Alster entlang spazieren gingen.

Zum Abschluss schwelgten wir noch etwas in unseren Reiseerinnerungen und dann ging es nach einem Tag mit viel zurückgelegten Kilometern in die Koje.

In Hamburg sagt man „Moin Digga“.  Diesen Gruß möchte ich direkt nach Malle an Steffi und Luisa weitersenden und ergänzen mit: „Life is a Party!“.

19.08.2022 – Ganz gemächlich ging es in den Tag. Mit norddeutscher Gelassenheit sozusagen. Während Paul noch arbeiten musste, spazierte ich durch „Planten un Blomen“ – Hamburgs „Grüner Lunge“. Mitten im Herzen der Stadt liegt diese 45 Hektar große Parkanlage als Ergebnis einer stetigen Erweiterung der Grünflächen und Freizeitanlage. Im frühen 16. Jahrhundert wurde hier allerdings noch die Unabhängigkeit Hamburgs verteidigt. Davon zeugen heute nur noch namentlich die Wallanlagen. Im Jahre 1860 wurde das Gelände zum Erholungs- und Tierpark umfunktioniert, bekam allerdings 1907 zu große Konkurrenz durch den „Tierpark Hagenbeck“. So konzentrierte man sich auf die Naherholung und holte 1869 bis 1973 mehrfach die Gartenschau nach „Planten un Blomen“. Neben den Wallanlagen finden sich heutzutage u. a. ein Rosengarten, Wasserkaskaden, der Japanische Garten und Tropenhäuser.

Über das Gelände des „Hamburger DOM“, dem größten Volksfest Norddeutschlands, gelangte ich gegen 14 Uhr 30 ans Millerntorstadion auf St. Pauli.

Im FC St. Pauli – Museum schaute ich mir die Ausstellung „Kiez Beben“ an. Diese zeigt die Anfänge der Vereinsgeschichte des ursprünglich meist klammen Kultclubs, der sich aus der national orientierten Turnerbewegung 1924 abspaltete und sein Aufstieg in Verbindung mit der linken Demonstrations- und Hausbesetzerszene St. Paulis erlebte.

Julian musste ich natürlich verschweigen, dass ich bei der Konkurrenz war:). Zeitlich reichte es gerade noch, Paul zu Hause abzuholen, mich frisch zu machen und direkt wieder in den Bus zum Volksparkstadion zu fahren.

Vom Hostessenservice ließen wir uns im VIP – Bereich zur Loge des HSV, dem „Vereinsheim“ geleiten. Das sah da jetzt nicht unbedingt so aus, wie man sich das typische Vereinsheim so vorstellt.

Eine knappe Stunde hatten wir Zeit bis zum Anpfiff, sodass wir zwischen den Spielerfrauen und Familien erstmal feudal gespeist hatten, bis wir uns auf die Tribüne begaben.

Leider musste der HSV schon früh einem herben Rückstand hinterher rennen. Die Lilien aus Darmstadt erzielten ihre ersten Treffer bereits in der 4. und 7. Minute. So war der Käse schon fast früh gegessen. Die Rothosen konnten auch vor der Pause nicht mehr verkürzen. In der Halbzeit stand der nächste Gang im Vereinsheim für uns bereit – u. a. Currywurst und Kaiserschmarn. Die 2. Halbzeit verbrachten wir in der ehemaligen „Emirates Loge“, direkt in Höhe der Mittellinie, da Paul dort einen Bekannten hatte. Das Spiel geriet dort etwas in den Hintergrund. Und hinter der Glasscheibe lässt sich für meinen Begriff die Stimmung auch nicht so auffangen. Gerade, weil es langsam hitzig wurde. Der Hamburger Sport Verein erzielte erst in der letzten Viertelstunde einen Treffer. Doch auch Darmstadt gelang noch ein Tor zum 1:3, dem späteren Endstand. Bei den Hamburgern lagen mittlerweile die Nerven blank. Insgesamt führten sie im Gegenzug mit 3:0 Platzverweisen. Das war wohl nichts. Shitpolpelei! Julian war natürlich betröppelt, als er nach dem Spiel zu uns dazukam. Dennoch verbrachten wir noch einige Stunden bei bester Unterhaltung in der Loge, bis es heimwärts ging. Alex holte uns netterweise mit dem Auto am Stadion ab.

Meine besten Grüße gehen an Julian, der uns dieses geile Erlebnis mit ermöglicht hatte.

20.08.2022 – Heute habe ich mich leider selbst etwas ausgebremst. Mein Gesicht küsste beim Ausprobieren eines Skateboards auf dem Winterhuder Flohmarkt leider den Asphalt. Paul verarztete mich fachmännisch und zusammen mit Alex spazierten wir an der Alster entlang nachmittags bis in die Speicherstadt. Ein Besuch der Hamburger Elbphilharmonie durfte selbstverständlich nicht fehlen.

Zwischen Hafenstraße und Elbschlosstunnel fanden die Hamburger „Cruise Days 2022“ statt. Hier zeigten sich neben Fressbuden und Beachbars an Ständen die großen Kreuzfahrtanbieter. Überall her erschallten Clubsounds und die Sonne lud zum Verweilen ein, bis es Zeit war, die Segel zu streichen.

Grüßen möchte ich Gregor, Marvin und Jannis, mit denen ich meine letzte Hamburgtour unternahm.

21.08.2022 – Mein letzter Tag in der Elbmetropole brach an. Auf dem Programm stand ein Abschlussessen mit Alex und Paul im „Ahoi“, dem eher gut bürgerlichen Lokal von Starkoch Steffen Henssler. Dort hinzugelangen war aufgrund der zahlreichen Sperrungen wegen des Radrennens für Jedermann, der „Cyclassics“, im Innenstadtbereich nicht einfach. Nach zahlreichen Umleitungen und mühsamer Parkplatzsuche kamen wir mit guter Verspätung und anständig Hunger zu Tisch.

Das Essen ließ glücklicherweise nicht lange auf sich warten, sodass ich anschließend noch gut meinen Zug um 14 Uhr 13 nach Fehmarn erwischte, wo ich 16 Uhr 40 ankam und mich Frank in Empfang nahm. Mit dem Auto brachte er mich vom Ort Burg auf Fehmarn ins nahe gelegene Burgtiefe. Dort hatte er sich seit vergangenem Mittwoch in ein Appartement direkt am Strand eingemietet. Für die nächsten drei Tage werde ich sein Mitbewohner sein. Während Frank nochmals zum Theoriekurs Windsurfen lief, ging mein Weg zum Strand – Sonne tanken.

Abends erkundeten wir etwas den Hauptort Burg, aßen und schlossen einen Nachtspaziergang im Hafen und über den Strand von Burgtiefe an.

Für ihre nette Gastfreundschaft und die schöne Zeit möchte ich mich bei Alex und Paul ganz lieb bedanken und die heutigen Grüße senden.

22.08.2022 – Frank hatte in den letzten Tagen seinen Windsurfgrundkurs in Theorie und Praxis erfolgreich absolviert und mich motiviert, ebenfalls mal aufs Brett zu steigen. Da traf es sich ganz gut, dass heute ein Schnupperkurs angeboten wurde. Bis dieser um 14 Uhr 30 startete, bestand nach dem Frühstück noch die Gelegenheit am Strand sich ein SUP zu leihen. Eine gute Stunde verbrachten wir auf der zur Ostsee offenenen Meerseite und hatten bei dem Wellengang anfängliche Probleme uns über Wasser zu halten. Mit der Zeit hatten wir allerdings den Dreh raus.

Ähnlich gut meisterte ich anschließend mein Windsurftraining in der Surfschule „Charchulla“, wo mir mein Trainer Paddy nach 2 Stunden Theorie und 1 Stunde Praxis ein großes Lob aussprach. Über die Grundkenntnisse verfüge ich nun, kann Wende und Halse fahren und werde, sobald ich erneut die Chance dazu habe, diesen Sport, mit dem Ziel ebenso den Grundschein zu erlangen, weiterverfolgen.

Gegründet wurde die Windsurfschule von den Charchulla – Zwillingen als erste ihrer Art auf Fehmarn 1972. Nicht nur deswegen erlangten ihre Gründer Jürgen und Manfred als Pioniere an Bekanntheit. Auch als „Los Sombreros“ oder als „Steeldrum – Twins“ sind sie als Musiker eine auf Fehmarn nicht wegzudenkende Einrichtung, sodass wir uns abends einen Filmvortrag mit Musik der Kombo „Los Sombreros“ anschauten. Die bereits 80 – jährigen Zwillinge berichteten im Stile alter Seebären und Weltenbummler von einer ihrer Reisen nach Nicaragua. In dem Land Latainamerikas reisten sie nach Ometepe, einer Insel auf einem gigantischen Binnensee mit gleich zwei Vulkanen. Neben Natureindrücken durfte der ein und andere Schwank aus ihrem bewegten Globetrotterleben nebst Seemannsgarn nicht fehlen. Eines muss man zugeben: Auch in hohem Alter sind die beiden absolute Entertainer geblieben.

Den Abend haben wir dann noch ruhig in der Unterkunft ausklingen lassen. Die allerbesten und herzlichsten Grüße gehen an die frischgebackenen Eltern Felix und Alexandra, die sich über ihre süße kleine Rosa freuen dürfen.

23.08.2022 – Der Norden ist flach und es gibt da höchstens einmal einen Deich. Zudem ist Fehmarn sehr gut ausgebaut, was das Radwegenetz angeht. Daher war es nicht nur lohnenswert, sondern schon fast klar, dass wir uns einmal auf das Rad schwingen und eine Tour in Angriff nehmen würden. Nach der morgendlichen Stärkung startete die 1. Runde. Beim „Conny“ liehen wir uns zwei Räder und entschieden uns für die 38 Kilometer lange „Häfentour“, welche von Burgtiefe aus nach Osten und an der Küste entlang nach Norden bis Puttgarten führte. Von dort aus folgte ein Schwenker ins Inland und ab südlich über Burg bis wir wieder kurz vor 15 Uhr in Burgtiefe ankamen.

Am Nachmittag trennten sich unsere Wege vorerst. Während Frank nochmals Windsurfen ging, da er ja nun mit seinem erworbenen Schein auch ohne Trainer fahren und Material ausleihen durfte, startete ich zu meiner 2. Fahrradtour. Dieses Mal wählte ich zuerst den Weg Burgstaaken bis zum „Wulfener Hals“.

Anschließend führte mich mein Weg nach Bergmühle, wo ich ein Langbergsteingrab besichtigte und über Fehmarnsund an einem Megalithgrab vorbei bis nach Gold, bis es über Struhkamp und Avendorf zurück ging – unglücklicherweise stets hart im Gegenwind.

An unserem letzten Abend statteten wir der sich in der Surfschule Charchullas befindlichen Kneipe einen Besuch ab. Sie war eher ein kleines Musuem mit Raritätenkabinett der Zwillinge und Andenken, welche sie über die Jahrzehnte hinweg auf der ganzen Welt gesammelt hatten.

24.08.2022 – Abreisetag: Nach dem Frühstück checkten wir zeitig aus und fuhren die erste Etappe bis nach Hildesheim, wo wir eine längere Pause samt kleiner Stärkung mit einem Stadtrundgang verbanden.

Neben dem Rathaus auf dem Marktplatz, wo wir uns ein wenig im Kaffee ausruhten, führte uns unser Erkundungsgang durchs Fachwerkviertel bis zum Unesco – Kulturerbe, dem Hildesheimer Dom mit Rosengarten und Museum.

Der Rosenbusch wuchs seit dem Jahre 815. Im 2. Weltkrieg wurde der Turm zwar zerbombt, doch der erst verloren geglaubte Strauch fand mit der Zeit seinen Weg durch die herabgestürzten Trümmer zurück.

Der Stopp in Hildesheim hat sich gelohnt und war auch nötig. Denn schließlich dauerte von dort ab die weitere Rückfahrt noch einmal gut über 3 1/2 Stunden bis nach Mainz, wo mich Frank sicher absetzte. Hiermit war meine letzte Tour und somit gesamte Reisezeit im Sabbatjahr definitiv beendet. Es war sehr schön und der Gedanke bleibt zurück, dass man nicht immer in die Ferne schweifen muss, sondern sich überall eine Auszeit lohnen kann. Meine allerletzten Grüße gehen selbstverständlich an meinen letzten Reisebegleiter Frank. Es war mir wieder einmal eine Freude.

Thailand III – 13.07.2022 – 18.07.2022

13.07.2022 – Mehr als unbequem verlief die Fahrt zur kambodschanisch – thailändischen Grenze, die wir dann doch erst nach vier Stunden erreichten. Der Grenzübertritt und die Einreise nach Thailand waren dafür unproblematisch und schnell erledigt. Ich wurde sogleich auf thailändischem Boden von einem Fahrer des kooperierenden Shuttleservices mitgenommen zur nächsten Abfahrtstation. Das Dumme nur war, dass hier noch kein Shuttle für die Weiterreise nach Bangkok bereitstand. Es kam erst nach zwei Stunden Wartezeit. Immerhin war es etwas komfortabler, als der 70er Jahre Schulbus, in dem ich mich und meinen Rücken von Siem Reap aus bis hierhin quälen musste. Nun fand ich zwischendurch immer mal wieder etwas Schlaf oder laß, bis die Hauptstadt Thailands immer näher rückte und ich meinen Blick mehr dem Stadtbild widmete. Zeit hatte ich genug dazu, denn im Endeffekt wurde ich erst um 18 Uhr im Zentrum Bangkoks raus gelassen. Das waren satte 10 1/2 Stunden und somit 3 Stunden länger als erwartet. Dazu kam nun noch die 45 Minuten Fahrt mit einem Grab zum Hotel. Ich wählte das „Zen Hotel@20“ in Sukhumvit 20. Christian und Gaem, die ich in Vietnam kennengelernt hatte, haben mir die Gegend aufgrund der guten Anbindung und des Nachtlebens empfohlen. Da wusste ich noch nicht, dass meine Unterkunft in einer kleinen Seitenstraße, in der hauptsächlich Rotlicht vorherrscht, lag. Davon war heute allerdings wenig zu sehen, weil heute und morgen der „Tag des Buddhas“ ist und somit kein Alkoholausschank erlaubt ist. Somit wird es zumindest zwei Nächte ruhig sein. Habe nichts dagegen.

Christian und Gaem hatten mich auch sofort angeschrieben, wo ich denn bleibe. Sie wollten mir einen netten Empfang bereiten. Eigentlich war ich etwas geschafft, aber nicht nur hungrig, sondern vor allem sehr froh, sie wiedersehen zu können. Kurzerhand beschlossen sie, mich am Hotel abzuholen, mir die nähere Umgebung zu zeigen und mit mir zusammen zum Abendessen in einer Foodhalle zu gehen.

Es hat nicht nur fantastisch geschmeckt, wir haben uns sogleich wieder toll verstanden und einen schönen Abend verbracht. Beide hatten sogar schon Pläne geschmiedet, was wir gemeinsam in den nächsten Tagen unternehmen könnten. Ich war wirklich baff, dass die Zwei sich so viele Gedanken gemacht hatten, um mir meinen Aufenthalt zu versüßen. In eine Agentur für Ausflüge muss ich nun wirklich nicht mehr und local Guides habe ich quasi ebenfalls in den beiden.

Grüßen möchte ich heute allerdings Sebastian, der mit seinem Rad auf dem Weg zum Nordkap unterwegs ist, mit Wind und Wetter zu kämpfen hat und dem allen trotzt, um seinem Ziel, Spenden für Strandrollstühle zu generieren, ein Stück näher zu kommen. Schaut doch gerne mal hier: http://www.instagram.com/ride_for_rollstuhl oder hört morgen um 14 Uhr auf Radio WMW rein.

14.07.2022 – Nachdem mir Christian und Gaem gestern die nähere Umgebung zeigten und ich eine erste Orientierung in dieser Millionenstadt bekam, zog ich einfach mal los, gab meine Wäsche ab und entdeckte vor dem nahegelegenen Einkaufszentrum ein Schild mit der Aufschrift „Cafe Camping“. Das hat mich neugierig gemacht und ich betrat die Ladenzeile, in der Indoor Kaffestände und im Campingstil Gelegenheiten zum Verweilen aufgebaut waren. So suchte ich mir eine Kaffeebohne („Yellow Arabica“) aus, ließ sie mir vor Ort mahlen, pressen und mit Honig veredeln.

Eine kleine Shoppingtour war an Ort und Stelle nicht ganz abwägig. Gaem meldete sich zur Mittagszeit bei mir und bot sich an, mir die zwei bedeutendsten Tempelanlagen Bangkoks zu zeigen. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen, auch wenn ich auf meiner Reise mittlerweile einige Tempel, Schreine und Statuen gesehen hatte. Und was soll ich sagen, es hat sich gelohnt. Wir trafen uns, nachdem ich die Metro nahm, am Eingang des „Wat Arun“, dem bedeutendsten Hinduheiligtum.

Danach überquerten wir mit der Fähre an der „Riverside“ den Fluss „Chao Phraya“, um auf der anderen Seite „Wat Pho“ zu besichtigen.

„Wat Pho“ ist, passend zum Buddha – Day“, der Anlaufpunkt für Buddhisten, um ihren höchsten Feiertag zu zelebrieren.

Ob der weltgrößte „Hääsdner Schuh“ bei den Tretern mithalten könnte?

Eigentlich wollte ich noch in die „Bangkok City Galerie“, da ich im Internet von einer Ausstellung von Alex Face gelesen hatte. Leider lag diese längere Zeit zurück, weshalb ich erstmal anrief und gesagt bekam, dass dies keine Daueraustellung sei und die nächste Gelegenheit, Werke von Alex Face zu sehen, erst wieder gegen Jahresende sei. Schade Banane!

Christian empfahl mir gestern noch im „IconSiam“, einem weiteren, „nahe“ gelegenen Einkaufszentrum, vorbei zu schauen, weshalb ich mich anschließend ganz lieb bei Gaem für die schöne Führung und Unterhaltung bedankte, mir ein Grab – Scooter schnappte und in der Mall zwei gute Schnapper machte.

Der Rückweg gestaltete sich nicht ganz so einfach. Zwar befand sich direkt eine BTS – Station für den Skytrain am „IconSiam“, doch hatte die Bahn dort nur 3 Stationen. Ich ließ mir von einer Angestellten den Weg mit Übergang zur Metro erklären und zeigen. So war ich guter Dinge, bis ich an der nächsten Station feststellen durfte, dass es wohl der erste Arbeitstag der Dame gewesen sein könnte;). Eine weitere Bedienstete wollte mich den selben Weg zurückschicken und die Sache ganz anders angehen lassen. Mir wurde es ziemlich unübersichtlich und ein wenig zu bunt, sodass ich erneut ein Grab orderte. Der Fahrer hielt aber nicht am Abholort, sprach kein Englisch (, ich kein Thai,), sodass ich ihn über ein paar Straßenecken suchen durfte. Machte alles nichts. Hauptsache ich käme an. Doch, das Wort „Rush Hour“ hat in Bangkok seine ganz eigene Auslegung verdient. Für die 7 Kilometer bis fast zur Sukhumvit 1 verging 1 Stunde im meist zähflüssigen Verkehr. Ich hätte eigentlich direkt laufen können, was ich kurz vorm Ziel, dem „Aree Seafood Nana Market“, tatsächlich auch tat. Es ging einfach gar nichts mehr. Nicht mal anständig gehupt wurde. Wenn ich an den Verkehr in Ho Chi Minh City zurück denke, wo man im absoluten Spießrutenlauf über die Straße hetzen musste und es nicht einmal an Ampeln zu einer Verkehrspause kam, so hätte man in Bangkok sich auf dem Boden robbend zwischen den Autos kreuz und quer fortbewegen können und wäre immer noch schneller am Ziel, als wäre man mit dem Wagen gefahren.

Den „Foodcourt“ erreichte ich somit gegen 20 Uhr und harte wenig später weniger dem Essen, sondern dem massig danieder prasselnden Starkregen aus. Nach einer Stunde Wartezeit und der Einsicht, dass es nicht besser werden würde, zog ich los. Durchnässt in der Lobby angekommen, verlängerte ich meine Aufenthaltszeit im „Zen Hotel@20“ bis zum Abreisetag Montag.

Zum Abschluss möchte ich heute der lieben Sora alles Gute zum Geburtstag wünschen.

15.07.2022 – Gaem stellte mir heute Pick, ihre Freundin, vor. Sie holten mich gegen 8 Uhr 30 ab und hatten ein Überraschungsprogramm für mich zusammengestellt. Es ging erst schleppend aus der Stadt raus. Um nach Norden bis nach Ayutthaya zu kommen, brauchten wir gute 150 Minuten. Dort besuchten wir drei Tempelanlagen und mir wurden die diversen Rituale erklärt.

1. Wat Yai Chai Mongkol

Den Glückswurf – Wunschbrunnen gibt es auch im Buddhismus.

2. Wat Phanang Choeng

Der Saal der Tausend Buddhas (siehe kleine Nischen).
Das Änzunden von Blütenkerzen soll persönliches Glück bringen.

3. Wat Mahathat

Die Anlage wurde damals von den Khmer quasi „geschleift“ und allen Buddhas die Köpfe abgeschlagen.
Ein Kopf wurde der Legende nach von gläubigen Buddhisten so vergraben/versteckt, dass er erst nach langer Zeit mit Heranwachsen des Baumes wieder zum Vorschein kam.

Daraufhin brachten mich die Zwei zum „Floating Village“ in Ayutthaya. Es war Zeit zum Essen.

Als wir gegen späten Nachmittag Bangkok erreichten, sollte eine ganz besondere Massage folgen. Und zwar von Blinden, die ihr Handwerk wirklich verstehen und nicht nur eine 50 – tägige „Ausbildung“ absolviert hatten, sondern zwei Jahre in die Lehre gingen. Es ist Gaem und Christians Anliegen seit längerer Zeit, die Blinden zu unterstützen, weshalb ich mich dabei auch sehr gerne beteiligt und uns allen eine Massage spendiert habe. Über eine Stunde lang wurden wir durchgewalkt. Ziemlich gut sogar. Dabei konnte ich entspannen und danach fühlte ich mich wirklich frisch und zurück in der Spur.

Den ganzen Tag über fühlte ich mich wirklich umsorgt. Gaem und Pick kümmerten sich stets um mich, waren sehr zuvorkommend und einfach lieb und lustig. Wir hatten eine Menge Spaß. Sie schmiedeten direkt den nächsten Plan und luden mich auf eine weitere Tagestour, sowie ein Besuch des Bangkoker Nachtlebens fürs Wochenende ein. Wer sollte dazu „Nein!“ sagen? Gleichzeitig hieß dies für mich aber auch, erneut shoppen gehen, nachdem ich meine Wäsche aus der „Laundry“ abgeholt hatte. Zu Reisebeginn hatte ich definitiv nicht das passende Outfit dabei. Macht nichts, habe ja noch Platz und ein paar Kilos frei im Backpacker.

Meine von Herzen gemeinten Tagesgrüße gehen natürlich an Gaem und Pick.

16.07.2022 – Mit dem Skytrain fuhr ich früh los, um Gaem und Pick etwas entgegen zu kommen, damit sie sich nicht durch den morgendlichen Berufshauptverkehr kämpfen mussten. Auch heute legten wir wie gestern insgesamt gute 300 Kilometer im Gesamten zurück. Unser Ziel war Pattaya im Südosten Bangkoks. Auf dem Weg lag der thailändische „Grand Canyon“.

Das Highlight bildete jedoch das „Sanctuary of Truth Museum“ an Pattayas Küste.

Es beschäftigt sich mit den Fragen: Wer sind wir? Woher sind wir gekommen? Wie Leben wir? Wie wird das Leben weitergehen? Und was ist der Sinn des Lebens? Philosophische Fragen, die sich jeder früher oder später einmal stellt oder stellen wird. Antworten darauf sind nicht immer leicht zu finden und für jeden verschieden. Dennoch will das „Sanctury of Truth“ mittels der kunstvollen Schnitzerein einen Weg ermöglichen, den Pfad zur Entdeckung der sieben Lebenswahrheiten. (Ich merke an: Das Wort „Wahrheit“ ist schwer zu fassen, da Wahrnehmungen unterschiedlich sein können. Dennoch stehen hier die Inhalte über alle Religionen übergeordnet, verbindet sie vielmehr und weisen einen moralischen Kompass, welchen ich genau so unterschreiben kann.) Das Museum wurde vom ehemaligen Monarchen 1981 ins Leben gerufen und befindet sich seit dem stets im Bau und der Erneuerung, weil Meer und salzhaltige Luft Spuren hinterlassen.

Das Gebäude besteht zu 100% nur aus Holz und wird mittels diverser Steckverfahren zusammengehalten. An den kunstvollen Schnitzereien arbeiten täglich mehrere Dutzend Menschen. Alles wird im Detail geplant, verarbeitet und später an Ort und Stelle umgesetzt. So entstand über die Jahre ein prachtvoller Bau, der mich schon von Außen ins Staunen versetzt hat.

Sogar mit hölzernem Lift.

Überall erzählen Schnitzereien eine Geschichte samt Moral. Im Kurzen möchte ich die 7 Wahrheiten wiedergeben:

Die 1. Wahrheit: „Wer sind wir und woher sind wir gekommen?“ Die Halle repräsentiert das Prinzip der menschlichen Gleichheit, unabhängig von Herkunft, Religion und Status, dass alle aus demselben Ursprung stammen, das heißt, aus der Kombination der vier Elemente: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Diese Wahrheit hilft uns, andere Menschen gleich zu betrachten und gleich zu behandeln.

Die Figur zeigt sowohl Mann als Frau. Ganz gendergerecht.

Die 2. Wahrheit: „Wie werden wir weiterleben?“ Der Lebenszyklus von der Geburt bis zum Tod ist von der Natur abhängig. Wir alle durchlaufen ihn und sind ihm ergeben.

Die 3. Wahrheit: „Das Ende des Lebens?“ Der Busabok (= beweglicher Thron) im Herzen des Heiligtums, beherbergt die Reliquien des Buddha und spiegelt die Realität des Lebens wider, dass wir alle diese Welt am Ende allein verlassen müssen, ohne etwas mitnehmen zu können. Was am Ende bleibt sind die Tugenden oder das, was wir für die Gesellschaft und die nächste Generation getan haben. Sind wir uns dessen bewusst, gehen wir achtsamer mit unserer Umwelt um.

Die 4. Wahrheit: „Beispiele der Zivilisation“ Hier werden die Geschichten von Laotse, Konfuzius, Buddha und anderen gezeigt, um Werte und Tugenden zu verdeutlichen. Wer sein Leben dem Streben nach etwas Gutem widmet, der findet sein Glück.

Die 5. Wahrheit: „Was ist der Sinn des Lebens?“ Diese Wahrheit hilft einem, seine Ziele im Leben zu finden. Da jene individuell sind, sind sie unterschiedlich zu erreichen. Was jedoch hilft ist die Orientierung an Werten, Vorbildern, Selbstständigkeit und Friedfertigkeit.

Die 6. Wahrheit: „Die Gesellschaft ist wie eine Münze mit zwei Seiten.“ Wir leben in einer Gesellschaft, in der positive und negative Seiten vorherrschen und sich in unserem und dem Verhalten der anderen zeigen. Die Allegorien von Freundlichkeit/Unterstützung – Selbstsucht, Höflichkeit/Demut – Vulgarität/Eitelkeit, Respekt – Respektlosigkeit, Zuhören/Akzeptanz von Unterschieden – Parteinahme/Diskriminierung, Gerechtigkeit – Voreingenommenheit, Entschuldigung/Vergebung – Uneinsichtigkeit, Dankbarkeit – Mangel an Wertschätzung, Harmonie – Missklang werden aufgezeigt. Entscheide, wie du leben möchtest.

Die 7. Wahrheit: „Der Anfang der Gesellschaft.“ Die Familie ist der Ausgangspunkt und Ursprung zu wachsen, körperlich, geistig und emotional. Sie spendet Geborgenheit, Liebe und Schutz.

Im Übrigen wurde auch hier eine Szene von „Haus des Geldes“ gedreht und die Arbeiten zum Blockbuster „True Love“ sind im Gange. Kein Wunder, bei der Kulisse.

Nach dem Museum fuhren wir an Pattayas Strand. Es war ein schönes Gefühl, die Füße ein letztes Mal in den Sand zu stecken und im warmen Wasser zu baden.

Für Essen war es auch echt Zeit geworden. Um 16 Uhr traten wir den Rückweg an. Bis ich im Hotel war, war es dann schon 19 Uhr und nochmal Gelegenheit zu Ruhen, bis es mit Christian, Gaem und Pick ins Nachtleben ging.

Meine Grüße gehen heute an die Holzarbeiter Sepp, Andi K., Steffen M. und Fixxel.

17.07.2022 – Heute hieß es: Ausschlafen wegen gestern. Es wurde spät. Weil ich nicht mehr groß was auf dem Zettel hatte, war das auch gar kein Problem. Eigentlich hätte ich mir den „Großen Palast“ noch angeschaut, hatte aber, als ich dort nachmittags ankam, keine lange Hose dabei. Als Mann brauchte ich bisher noch keine. Die Hitze drückte und meine Motivation sank, sodass ich dann lieber ins „Siam Museum“ ging, statt mir noch eine Hose zu besorgen. Dort wurde gezeigt, was das Thai – sein in seiner Vielfalt ausmacht. Großartig spannend war es für mich allerdings nicht.

Abends traf ich mich ein letztes Mal mit Pick, Gaem und Christian zum Essen. Anschließend ging es ins „Levels“ auf die Tanzfläche, bevor Todd, ein Amerikaner und Bekannter von Christian, im „Hillarys“ zu uns stieß.

Meine vorletzten Grüße sende ich meinen Eltern zu.

18.07.2022 – Um 9 Uhr lief ich, nachdem ich das „Zen Hotel@20“ verlassen hatte, bei Christian und Gaem im „Mercure“ ein. Dort nahm ich ein Frühstück ein und wir fuhren daraufhin zum Flughafen. Während Gaem einen Inlandsflug zu ihrer Familie nahm, saßen Christian und ich im selben Flieger nach Frankfurt – 11 1/2  Stunden lang. Wir hoben leicht verspätet ab, sollten aber pünktlich landen. Zudem hoffte ich, auf kein Gepäckchaos, wie man es seit Wochen liest und hört. Mit der S – Bahn wurde dann das letzte Stück bis nach Mainz zurückgelegt. Gegen Abend konnte ich dann meine Steffi endlich wieder in die Arme nehmen.

Ein kleines Fazit zum Schluss: Vor 364 Tagen bin ich zu meiner ersten Reise meines Sabbatjahres aufgebrochen. Heute dürften die großen Touren enden. Mittlerweile besuchte ich in dieser Zeit 25 Länder in 36 Reisewochen. Ich habe viel gesehen und erlebt, was ich mitnehmen kann, bin an schwierigen Situationen gewachsen und komme nicht ohne Stolz auf das Erreichte, sowie voller Freude zurück.

An dieser Stelle grüße ich alle Leser und Interessenten meines Blogs, melde mich gleichzeitig hiermit ab. Vielleicht kommen noch Kurzbeiträge dazu, da ich doch noch den ein oder anderen guten Freund innerhalb Deutschlands besuchen möchte. Mal schauen. Bye bye.

Kambodscha – 09.07.2022 – 13.07.2022

09.07.2022 – Der Flug mit Lanmai Airlines war die Hölle. In nicht ganz 50 Minuten Flugzeit dachte ich zweimal, dass es bald mit mir vorbei sein wird. Die Maschine schlingerte unsicher durch zahlreiche Luftlöcher, sodass bei den Stewardessen kurzzeitig Panik aufkam. Die nächsten Etappen werde ich wahrscheinlich mit dem Bus zurücklegen.

In Kambodschas Hauptstadt Phnom Phen angekommen, fühlte ich mich am Flughafen nicht wirklich wohl. Die Uniformierten bei der Immigration waren sehr unfreundlich, harsch und schleuderten bei der Visa – Vergabe die Reisepasse hin und her, um sie dann letztendlich einem nochmal vor den Latz zu knallen. Betrügen wollte mich der Beamte auch noch und statt 30 USD, die man passend dabei haben muss, 5 USD mehr für seine Tasche abgreifen. Habe ich aber nicht mit mir machen lassen. Einem weiteren Fluggast nach mir erging es ähnlich und wir kamen nach der Gepäckausgabe ins Gespräch. Und siehe da, ein Badenser;). Andreas und ich teilten uns ein TukTuk ins Zentrum von Phnom Phen und durften unterwegs feststellen, dass wir das selbe Hostel gebucht hatten. Ich checkte allerdings nur provisorisch im „Onederz“ ein, um eine Gepäckaufbewahrung, einen Ruheplatz und eine Dusche zu haben. Zudem war es direkt an der „Riverside“, am Markt und viel wichtiger am Busterminal der Firma „Giant Ibis“ gelegen. Mein Busticket bekam ich netterweise im Hostel gebucht, sodass wir Zeit hatten, in den Pool zu springen, sich frisch zu machen und auf dem Markt den Magen zu füllen.

Für die Happy Hour von 7am bis 11pm hat es dann auch gerade noch so gereicht, bis ich mit Sack und Pack zum letztmöglichen „Nightliner“ lief, der mich um 22 Uhr nach Siem Reap kutschierte. Der Nachtbus war sehr spartanisch eingerichtet. Glücklicherweise hatte ich eine Doppelpritsche und versuchte, Schlaf nachzuholen.

Zum Abschluss des Tages möchte ich Katharina und Daniel zum Bund der Ehe gratulieren. Ich wünsche euch eine wunderbare Feier im Kreis der Familie, Freunden, Verwandten, Bekannten und bedauere es sehr, dass ich euren Tag nicht mit euch verbringen konnte.

10.07.2022 – Nach exakt 7 Stunden Fahrtzeit erreichte der Nachtbus das Terminal in Siem Reap um 5 Uhr in der Früh. Sa, mein Fahrer, der mir von Christian und Gaem empfohlen wurde, wartete bereits auf mich, nahm mich freundlich in Empfang und brachte mich zu einem kleinen Restaurant, in dem wir uns besser kennenlernten und warteten, bis wir um 6 Uhr 30 ein Frühstück bekamen: Reis, Hühnchen, Suppe – lokales Frühstück eben. Sa arbeitet neben seiner Fahrertätigkeit sogar zeitweise als Lehrer bei einer Nonprofit Organisation.

Anschließend brachten wir mein Gepäck im Hotel „Riversoul“ unter und während Sa mir ein Ticket für den „Kulen Nationalpark“ organisierte und mich die 70 Kilometer dorthin fuhr, konnte ich den ein und anderen Powernap im Auto einlegen. Der Beifahrersitz ließ sich auf 180 Grad herunterfahren und ich schlief, trotz teils Huppelpiste, wie auf Wolken.

Im Nationalpark zeigte mir Sa zuerst die 1000 Lingards, heilige Steingebilde, welche das männliche und weibliche Geschlechtsorgan darstellen und sich im Fluss verteilt befinden. Sofern das Wasser über sie fließt, wird es als heilig oder geweiht betrachtet. Man badet im Fluss, füllt das Wasser ab und nutzt es zum Segnen.

Leider war das Flusswasser aufgrund des gestrigen Regens sehr trüb, dafür machte ich Bekanntschaft mit buddhistischen Mönchen.

Daraufhin besuchten wir eine Kultstätte, sowohl für Hindus, als auch für Buddhisten. Neben Opferspenden (Lotusblumen, Essen, geheiligtes Wasser und vor allem Geld) für Buddha oder Vishnu, Shiva, Brahma oder Ganesha können sich Gläubige hier segnen lassen und gemeinsam beten. Begleitet wird das Treiben, welches auf den ersten Blick wie ein Jahrmarkt anmutet, durch rituelle Musik.

Auch das ist ein Lingard.

Neben der Hauptkultsstätte gab es ein paar weitere kleinere, die man über Dschungelpfade erreichen konnte. Auf dem Weg dorthin wurden allerlei Wurzeln, tierisches Inneres, Knochen, Hufe oder Tränke als Medizin zum Kauf angeboten.

Mit den zuvor getroffenen Mönchen nahm ich dann eine rituelle Waschung vor, wobei es bei mir mehr Waschung als Ritus war.

Den letzten Halt im „Kulen“ legten wir an einem sensationellen Aussichtspunkt ein.

Auf dem Rückweg konnte ich abermals etwas schlafen, bis wir das „Landminenmuseum“ erreichten. Der Gründer, Aki Ra, war selbst mit 10 Jahren Kindersoldat und musste einmal auf der Seite der „Khmer Rouge“ und später für die vietnamesische, dann die kambodschanische Armee in den Guerilla- Krieg ziehen. Mit 11 Jahren legte er seine ersten Landminen. Er kam sogar einmal in die Situation, da stand er seinem Onkel im Feld gegenüber. Es herrschte ein brutaler Bruderkrieg. Bis heute ist Aki Ra schwer traumatisiert und depressiv. Zur Wiedergutmachung hat er sich auf das Entschärfen von Landminen und undetonierten Sprengkörpern spezialisiert. Über 50000 Landminen hat er seit der Nachkriegszeit unschädlich gemacht. Dazu kommen große Bomben und Geschütze. Ein Bruchteil davon zeigt das Museum, das er gegründet hat. Das ist allerdings nicht alles. Vielmehr finden Minenopfer im Kindes- und Jugendlichenalter hier eine Bleibe, eine neue Familie, Versorgung, Bildung und einen neuen Start ins Leben.

Vorbei am Reisfeldern, Wasserbüffeln und Stelzenhäusern setzte mich Sa im „Riversoul“ gegen 16 Uhr ab.

Die Unterkunft werde ich morgen wechseln, da man hier noch nach der Covidpause erhebliche Probleme mit der Elektrizität hat. Ich hoffe, ich habe morgen genügend Saft auf dem Handy. Ansonsten ist das Hotel ganz ordentlich anzusehen.

Ganz herzliche Grüße gehen heute an Andreas. Mal sehen, ob wir uns in Kambodscha nochmal wiedersehen.

11.07.2022 – Der Tag stand ganz im Entdecken einiger der zahlreichen Tempelanlagen rund um Angkor Wat. Sa und Guide Khun holten mich um 7 Uhr 30 am „Riversoul“ ab und über das Ticketoffice und einem Freiluftrestaurant, indem wir unser Frühstück einnahmen, ging es direkt zur Haupttempelanlage Ankor Wat. Khun gab mir wirklich ausführlich Informationen zur Errichtung der Anlage, dem Aufbau, diverser Reliefs, den Kriegszeiten, hinduistischen Göttern und der Verflechtung zum Buddhismus. Man sehe es mir bitte nach, dass ich mir da nicht alles behalten konnte. Irgendwann musste ich zwischendurch auch mal abschalten. Von daher beschränke ich mich auf das Wiedergeben optischer Eindrücke.

1. „Ankor Wat“ das Symbol des Landes, der Khmer, sowie der Religion Kambodschas ziert ebenso die Nationalflagge.

Angkor war die Hauptstadt (und gleichzeitig eine Megacity mit 0,1 % der Weltpopulation während 1010 – 1220 n. Chr.) des Khmer Imperiums, welches sich vom 9. bis zum 15. Jahrhundert erstreckte.

2. Fußabdruck Buddhas auf der höchsten Tempelerhöhung bei Phnom Bakheng.

3. „Phnom Bakheng“ vereinigt die hinduistische und buddhistische Religion und wurde als letztes Shiva gewidmet.

4. „Angkor Thom: ist der größte Tempelkomplex, umgeben von einem Kilometer langen Wasserreservoir. Darin befindet sich auch „Praset Bayon“, ein offizieller Staatstempel, der in späten 12. und beginnenden 13. Jahrhundert errichtet wurde.

5. „Phimeanakas Baphuon“ konnte man über steile Stufen erklimmen und einen herrlichen Rundblick genießen. In der Rückseite der Wallanlage wurde ein riesiger schlafender Buddha eingearbeitet.

6. „Prasat Ta Nei“ und „Prasat Ta Keo“

7. „Prasat Ta Prohm“, bekannt aus dem Hollywoodstreifen „Tomb Raider“, wurde als letztes entdeckt und zeigte starke Spuren des Verfalls auf. Die mächtigen „Royal Trees“ holen sich über die Jahrhunderte die Natur zurück, wodurch eine malerische Ruinenkulisse entstand.

8. „Prasat Banteay Kdei“ war die „Citadelle der Kammern“, einer großen Festhalle, die hauptsächlich aus Sandstein besteht.

Danach ging es zurück. Eigentlich wollte ich im „Le Tigre Villa“ einziehen, aber es gab eine sehr unzureichende Stromversorgung und außerdem roch es ziemlich modrig. Ich entschloss mich, eine neue Bleibe zu suchen. Leider hatte ich vorab online bezahlt und werde wohl auf den Kosten sitzen bleiben, sofern Agoda ( = Buchungsagentur) da nicht entschädigt. Sa brachte mich zum „Han and Daniel Boutique Hotel“, welches leider etwas außerhalb lag, dafür Strom, auch während des später einsetzenden Gewitters, über einen eigenen Generator lieferte. Zudem waren die Betten weich und es roch nicht so schlimm.

Später spazierte ich gute 20 Minuten bis ich im Zentrum war, im „Khmer Taste“ was aß und den Abend ausklingen ließ.

Vielen Dank und liebe Grüße für die Tour an meinen Fahrer Sa und Guide Khun.

12.07.2022 – Schlafen konnte ich prima. So war ich morgens motiviert, mir einen 125er Honda – Roller bei meinem Hotelier Daniel zu leihen und auf eigene Faust loszuziehen. Bevor es zum Tempelkomplex gehen sollte, hielt ich im Büro von Agoda und schilderte mein Problem mit „El Tigre Villa“ und frühstückte im „Khmer Taste“. Hier könnte ich Stammgast werden. Zwar verstand man mich hier nicht immer, aber immer hat es geschmeckt und dies wirklich zu unschlagbaren Preisen.

Dann rauschte ich mit meinem heißen Ofen raus aus Siem Reap Richtung „Angkor Wat“. Das Teil lief wirklich astrein. Ich nahm mir die große Rundfahrt vor. Zur Orientierung nutzte ich eine kleine Karte auf einem Flyer. Wobei ich zuerst die Mammutanlagen von „Angkor Wat“ und „Angkor Thom“ hinter mir lassen musste, bis ich folgende weitere Tempel erreichte.

1. „Prasat Preah Khan“

2. „Prasat Preah Neak Pean“, dessen Besonderheit darin bestand, dass er auf einer Insel inmitten eines riesigen Wasserreservoirs lag, und man über eine Behelfsbrücke dorthin gelangen musste. Zudem wurde dort gerade eine religiöse Zeremonie abgehalten.

3. „Prasat Ta Som“ war ein unerwartetes Highlight. Klein und unscheinbar, gemacht für einen Fantasyfilm oder für eine Mittagspause.

4. „Eastern Mebon“ hingegen sah man bereits von Weitem und war zugleich der erste Tempel, bei dem die Verehrung von Elefanten thematisiert wurde.

5. „Prasat Ta Nei“ war hingegen wieder unauffällig, sehr zerfallen und verwildert. Dafür war die Fahrt dorthin durchs Dickicht ganz schön.

6. Mit „Prasat Ta Keo“ folgte der Koloss mit zwei Ringmauern und Steiltreppen, die man zwar noch gut erklimmen konnte, beim heruntersteigen jedoch absolut schwindelfrei und trittsicher sein sollte.

So langsam hatte ich mich satt gesehen, obwohl jeder Tempel anders aufgebaut ist, andere Themen in den Vordergrund stellt, von mal besser erhalten bis fast zerfallen daherkommt. Ich fragte mich schon das ein oder andere Mal, wie manche Gebäude der Zeit überhaupt standhalten konnten. Von Khun wusste ich, dass es seit einem großen Erdbeben vor der Errichtung keines mehr gab. Dennoch darf man den Khmer ihre Baukunst und den enormen Einsatz zur Errichtung ihrer Kultstätten hoch anrechnen (Sofern nicht auch mal Sklaven zur Schinderei herangezogen wurden!). Obwohl man bisweilen auf kreuzende Hunde und Affen achten musste, hat mir die Rollerfahrt auch sehr gut gefallen. Eine kleine Schlange und ein Riesentausendfüßler waren, wie ich, bestimmt froh, dass ich sie nicht überrollt habe.

Bereits am frühen Nachmittag war ich etwas müde, weshalb ich beschloss, mir nochmal eine Pause und Entspannung in dem Bibliotheksgebäude von „Angkor Wat“ mit bestem Ausblick zum Abschluss zu gönnen.

Bevor ich meinen Roller zurück gab und mich im Hotelpool abkühlte, kehrte ich abermals im „Khmer Taste“ ein. Das hatte ich mir verdient. Dachte ich. Irgendwie.

Den Abend verbrachte ich, nachdem ich, wen wunderts, abermals im „Khmer Taste“ (Für diese Werbung sollte ich so langsam ein Essen pro Tag gratis bekommen!) speisen war, mit Andreas, den ich bereits in Phnom Phen kennengelernt hatte, sowie Niami und Christian aus Hamburg, zuerst im „Onederz Hostel“ und danach in der Pubstreet.

Meine anschließenden Grüße des Tages gehen aufgrund der schönen Rollererfahrung an das „Yamaha Team Hinterweidenthal“ von Motorrad Wieser;), und an David im Besonderen.

13.07.2022 – Mit dem ziemlich spartanischen Shuttlebus trat ich um 7 Uhr 30 die Weiterreise nach Bangkok an. Bis zur Grenze sollten es drei Stunden, danach nochmals vier Stunden Wegzeit werden. Und so darf ein Grenzübergang gerne mal aussehen.

Weiter geht’s im Beitrag Thailand III.

Vietnam – 06.07.2022 – 09.07.2022

06.07.2022 – Mein Flug von Singapur mit Vietjet Air, wo Stewardessen nach den Sicherheitserklärungen noch salutieren, nach Ho Chi Min Stadt (ehemals Saigon) ging aufgrund einer sehr aufgeweckten Rentnertruppe doch ein wenig verspätet. Das war allerdings nicht weiter schlimm. Gerade im Vergleich zu den mehrfach auftretenden Turbulenzen und dem Erbrochenen zweier Kids in der Sitzreihe hinter mir, war das sehr erträglich. Die Einreise in das kommunistische Vietnam war die wohl einfachste aller bisheriger Reisen. Es war weder eine online – Registrierung, noch Impfnachweise, eine Versicherungsbestätigung, ein Visa oder ein Weiterreiseticket nötig. Nicht einmal Fingerabdrücke wurden genommen. Hätte ich so nicht erwartet. In einer Minute war ich durch die Kontrolle. Das Gepäck wartete bereits auf mich. Und nachdem ich meine Singapurdollar in vietnamesische Dong getauscht hatte, teilte ich mir mit einem britischen Pärchen ein Grab in den District 1, der quasi im Zentrum liegt. Als Unterkunft wählte ich das „Hotel Sunrise“, gleich um die Ecke des „Ben Than“ – Marktes, über den ich kurz drüber marschiert bin, nachdem ich mir eine Tagestour für morgen gebucht hatte.

Ansonsten gönnte ich mir ein Stück Schokotorte nebst vietnamesischem Kaffee. Ich hatte schon lange keinen guten mehr getrunken. Der im „Katinat“ konnte was.

Dann schaute ich mir etwas das Straßenleben an. Der Verkehr war hier schon deutlich spürbar. Zebrastreifen haben keinerlei Bedeutung. Fußgängerwege sind eher Ausweichstraßen für Roller. Alles wuselte durcheinander wie die Ameisen. Richtungswechsel und diagonales Kreuzen waren keine Seltenheit. Irgendwann musste man halt einfach auf die Straße laufen und hoffen, auf der anderen Seite anzukommen.

Zu späterer Stunde wurden die Plastikgarnituren rausgeholt und da gespeist, wo vorher noch teilweise gefahren wurde. 

Ich gönnte mir erst eine Kokosnuss und anschließend im „Bep me in“ mein Dinner.

Geschmeckt hat es. Einen Haarschnitt brauchte ich noch nicht. Ein Bett dagegen schon. So möchte ich zum Tagesabschluss meine Cousine Anne lieb grüßen.

07.07.2022 – Die Nacht war mau. Ich hatte mir extra ein Hotel mit schallisolierten Zimmern herausgesucht. Pustekuchen, wie sich herausgestellt hatte. Zudem bat ich beim Einchecken um ein ruhiges Zimmer. Man hatte mich dann von der Straßenseite ins Hotelinnere verlegt. Ein Haken war allerdings dabei, wie ich zwischen 23 und 3 Uhr feststellen musste, als andere Gäste heimkamen. Das Zimmer lag nahe des Aufzugs, der ständig piepte, sobald er angefordert wurde oder ankam. Die Asiaten können Türen anscheinend auch nicht leise schließen, weshalb ich völlig übermüdet morgens auf eine Lösung gepocht hatte, bevor ich im Sitz des Reisebuses versank. Um 8 Uhr wurde ich für eine Tagestour ins Mekong – Delta abgeholt nach „Cai Be“ eingesammelt. Guide Lang begrüßte mich und die anderen 14 Teilnehmern und versuchte mit allerlei Infos zu Land und Leuten die längere Fahrtzeit zu überbrücken. Auf dem Highway war Stau, weshalb wir eine längere Zeit durch die Vorstadt gekurvt sind, bis wir auf die geplante Strecke zurück kamen und an Plantagen (Bananen, Kokusnuss, Drachenfrucht, Durian, Kautschuk, Papaya, Lemongras) und Reisfeldern vorbei fuhren.

Die vietnamesischen Farmer beerdigen ihre Verstorbenen sogar auf den Feldern.

Wie in fast allen Ländern herrscht in Vietnam Landflucht ins urbane Leben oder man wandert direkt aus.

Nach der Befreiung durch Ho Chi Minh von der kolonialen französischen Fremdherrschaft und der Einführung des Kommunismus war nicht alles Gold was glänzt in Vietnam. Man lebte von der Landwirtschaft. Starke Ressourcen fehlten und fehlen dem nach dem 2. Weltkrieg gespaltenen Land bis heute.

1955 kam es zur Spaltung. Der Süden mit Hauptstadt Saigon wurde von den USA gestützt, während der Norden mit Regierungssitz in Hanoi unter dem Einfluss der Sowjetunion und Chinas standen. Zwischen den Weltmächten und Systemen wurde auf vietnamesischer Erde ein brutaler Stellvertreterkrieg geführt. Erst die Beendigung des Embargos der USA 1975 öffnete das Land und die Möglichkeiten für die Bürger am freien Markt, Geld zu verdienen. Im Norden herrschte weiterhin Planwirtschaft. Darunter und unter den Kriegsfolgen leidet das Land noch heute. So sind die Vietnamesen gezwungenermaßen auch ein Volk von Auswanderern. Aber sie sind sehr familiär denkende hart arbeitende Menschen, wie mir Lang erklärte, mit dem ich mich auf der Fahrt länger unterhielt. Allein letztes Jahr spendeten die Exilvietnamesen 70 Millionen USD zurück ins Mutterland, um die Verwandten zu unterstützen.

Nach über zwei Stunden kamen wir an die ersten Ausläufer des gigantischen „Mekong River“, der von Thailand über Kambodscha und Laos bis Vietnam in den Ozean fließt. Es kann zwischen Ebbe und Flut einen Unterschied von 2 Metern ausmachen, weshalb man entweder auf Stelzen baut oder gleich auf dem Boot lebt.

Im Mekong wird nicht nur gefischt, es wird in ihm gebadet, auf im gewohnt, sich durch ihn ernährt und ist Begegnungsstätte für Händler. So sahen wir auch einen kleinen „Schwimmenden Markt“, nachdem wir selbst ein Holzboot bestiegen und den Mekong hinauf fuhren.

In einem kleinen Handwerkerdorf zeigte man uns, wie der örtliche Honig und Met hergestellt werden. Zudem gab es neben Honigtee und Gelee Royal einen Buschrum zu probieren.

Wohl bekomms, da war für jeden was dabei. Egal ob, Skorpion oder Schlange – Hauptsache gesund.

Weiter ging es mit der Herstellung von Kokusnussmilch und Kokoskaramell, welches wir in Reispapier testen sollten. Es war ziemlich das Klebrigste, was ich je gegessen habe.

Der Reiswein, sowie „Sticky Rice“ und Reispopcorn waren da leichter zu verköstigen und schmeckten zudem besser.

Es folgte eine Weiterfahrt mit kleinen Ruderbooten über einen kleinen Seitenarm des Flusses durch die Mangroven. Das Boot teilte ich mir mit Gaem und Christian, die ich mittlerweile kennengelernt hatte. Beide Asienkenner versorgten mich mit tollen Ratschlägen und wir unterhielten uns prächtig.

Auf der nächsten Insel folgte eine Früchteverköstigung mit Wassermelone, Sourfruit, Rambutan, Guave, Longan und glücklicherweise keine Durian. Obwohl die hier besonders gut wuchsen.

Dazu spielte Folklore, wurde gesungen und Geschichten tanzend erzählt.

Beim nächsten Stop im „Riverside Inn“ durften wir selbst etwas für unseren Lunch beisteuern. Zuerst wurden Frühlingsrollen gefertigt, anschließend ein gefülltes Omelette im Wok zubereitet.

Komplettiert wurde unsere Meisterleistung mit Suppe, Sommerrollen, Elephantenfisch, Schwein und natürlich Reis. Da gab es definitiv nichts zu meckern.

Bevor es mit dem Reisebus über den „Rock ’n‘ Roll – Highway“, wie ihn die Vietnamesen aufgrund der vielen Schlaglöcher nennen, auf den Rückweg ging, hatten wir nach dem Essen die Möglichkeit, uns ein wenig körperlich zu betätigen. Dae Duc, einer in Saragossa lebenden Vietnamesin, brachte ich das Kajak fahren bei und anschließend radelten wir über die Insel.

Vor der Rückkehr wurde eine kurze Pause im Container – Kaffee eingelegt. Danach setzte starker Regen ein, weshalb ich statt ins Hotel in die Markthalle lief. Eine warme Pho sollte mich wärmen und reichte, um das Unwetter auszusitzen. Ein Zuckerrohrsaft sollte es ebenso mal sein.

Im Hotel hatte man mir nun ein wenig größeres Zimmer im 11. Stock rausgesucht. Zur Straße hin :(. Ich ahne Schlimmes. Auch dort war nichts mit Isolierung. Wenigstens habe ich mich kurz vor Schluss dagegen entschieden, eine weitere frühe Tour für morgen zu buchen. Der Wecker bleibt somit aus.

Meine abschließenden täglichen Grüße gehen an Gaem und Christian. Es war mir eine Freude, mit euch diesen Ausflug zu genießen.

08.07.2022 – Relaxingday war angesagt, mit schlemmen, Kaffeehäusern und Shopping.

Da es immer wieder regnete, sprang ich auch mal kurz ins Postoffice, welches hier schon als Prachtbau gilt, und ins „Museum der feinen Künste“ rein. Vorgestellt hatte ich mir schöngeistige Werke. Bekommen habe ich vor allem Gemälde, welche auf die Kriegszeiten eingehen oder propagandistisch das vietnamesische Volk als harte Arbeiter, folgsame Gesellen und treue Patrioten zeigen.

Auch ansonsten wird an jeder Ecke viel kommunistische Staatswerbung gemacht.

Wobei der Kapitalismus ebenfalls Einzug gehalten hat.

Und ich versuchte etwas, das Straßenleben einzufangen, nachdem ich ins „99 Bui Vien Hotel“ umgezogen war. Die letzte Nacht im „Sunrise Central Hotel“ war von der Lautstärke noch fürchterlicher als die erste.

Die geschäftige Stadt und vor allem den Verkehr habe ich auf mich wirken lassen und zurück an Guide Lang gedacht, der davon sprach, dass 8 Millionen Roller hier zugelassen sind. Von denen habe ich bestimmt die Hälfte in den letzten Tagen gesehen:). Und was die Fahrer alles zusätzlich laden: Lebensmittel, Plastik- oder Papiermüll, Warenlieferungen, 2 – Meter – Gasflaschen, ganze Familien, Hunde (ja, auch Lebensmittel!), … und gleichzeitig wird bei der Fahrt telefoniert.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich später hinten auf dem Roller drauf quer durch die Stadt zu meinem Abendprogramm gebracht wurde. Denn für abends hatte ich mir nochmal etwas Kultur vorgenommen und besuchte ein traditionelles Wasserpuppentheater. Die Begleitmusik, vor allem aber die Erzählungen und der Gesang waren so laut und schrill, dass ich mir Tempo in die Ohren stopfen musste. Die Vietnamesen haben da keine Schmerzgrenze.

Dennoch, die Vorführung des „Golden Dragon Water Puppet Theatre“ kann man wohl einerseits als künstlerisch hochwertig und andererseits als wirklich interessant gestaltet bezeichnen. Bis zum Schluss rätselte ich, auf welche verschiedenen Arten die Figuren von den Puppenspielern auf der Bühne bewegt wurden.

Dann war Schluss mit Kunst und Kultur. Ich stürzte mich in der „Bui Vien Walking Street“ ins Nachtleben. Ich fühlte mich etwas wie in Patong.

Ganz lieb grüßen muss ich noch die alte Wurschthaut. Sorry, für die Verspätung. Bussy.

09.07.2022 – Die Nacht war lang. Half mir mit Ohropax und einem Hörspiel auf voller Lautstärke weiter, den Partylärm zu überdröhnen. Schleppend machte ich mich auf, ein Frühstück zu bekommen. Ich fand sogar mal eine gute Bäckerei.

Anschließend besorgte ich auf dem Markt Souveniers und wechselte Euro in Dollar, welche ich für mein Visa nach Kambodscha brauche. Vorm Abflug war ich ein letztes Mal vietnamesisch essen und holte mir ein Grab gegen 13 Uhr zum Flughafen.

Singapur – 02.07.2022 – 06.07.2022

02.07.2022 – Es war ein schönes Wiedersehen mit Andi und neues Kennenlernen seiner Mädels. Wir kennen uns bereits seit dem Kindergarten und sind in Grundschule und Gymnasium in die gleiche Klasse gegangen. So hatten wir uns direkt viel zu erzählen. Da ich heute allerdings noch nicht wirklich etwas gegessen hatte, freute ich mich umso mehr, dass er mich zum Dinner einladen wollte. Dazu ging es mit dem Bus zurück in die Stadt. Wenn Kuala Lumpur schon gigantisch war, übertraf der erste Eindruck von Singapur dieses Bild noch einmal: unzählige Skyscraper, ausgefallene Architektur, unzählige Grünflächen, sogar so, dass Bäume alleenartig aufgereiht mit ihrem Blattwerk und ihren Kronen einen Tunnel über der Autobahn bilden. Des abends sollten die Lichter der Großstadt dem Ganzen das Sahnehäubchen aufsetzen. Im Zentrum suchten wir uns ein Restaurant am „Marina Bay“ und ich staunte nicht schlecht, als dann ein Feuerwerk über dem berühmten „Marina Bay Sands“ – Hotel empor schoss.

Gestärkt liefen wir noch ein paar schöne Ecken ab und ähnlich wie mit den „Petronas Towers“ erging es mir hier mit dem „Marina Bay Sands“ – es überstrahlte einfach alles und war ein echter Blickfang.

Merlion
Der längste und höchste Infinitypool der Welt.
Rechts: Art Science Museum. Links: Doppelhelixbrücke.

Platt und mit tollen neuen Eindrücken folgte die Rückkehr und der Gang in die Falle. Aber nicht ohne Grüße. Die gehen an Alberto, den alten Globetrotter. Stay fresh.

03.07.2022 – Habe eine erste tolle Nacht bei Familie Feith in Singapur verbracht und heute sollte es erstmal zu einem Ausflug mit den Kids nach „Sentosa Island“ gehen. Die vorgelagerte Insel ist erst mit der U-Bahn und dann per Sentosa Monorail erreichbar. Hier befindet sich auf kleinstem Raum alles, was Vergnügungssüchtige jeder Alterstufe suchen. Neben großen Parks wie dem Aquapark, einem Aquarium, und den Universal Studios gibt es zum Beispiel ein Bungee Jumping – Turm, eine Sommerrodelbahn, eine Zipline, sowie Wassersportaktivitäten und etliche Strandbars. Wir begaben uns zuerst zum „Trickeye@Southside“, wo die Kids sichtlich Spaß hatten, sich mittels einer App vor animierten 3D Hintergründen fotografieren zu lassen. Und ich auch.

Daraufhin erklommen wir den „Skywalk“, hatten eine herrliche Aussicht und gelangten in luftiger Höhe zum „Fort Siloso“, welches als Museum für den Zweiten Weltkrieg aufbereitet wurde. Hier trennten sich unsere Wege erstmal. Die Kids waren erschöpft und hungrig und thematisch hatte das natürlich auch nicht so gepasst. Ich besuchte sodann die Festungsanlage, gelangte über den „Fort Siloso Trail“ zurück zum Skywalktower ohne dabei auf Schlangen zu stoßen, die es dort zu Hauf geben soll und legte eine Pause in einer ruhigen Bucht ein. Meine Badesachen hatte ich mal vorsorglich mitgenommen. Hat sich gelohnt.

Über den Strand spazierte ich zurück bis zum „iFly Singapore“, in dem ich einen Flug buchte, nach dem Boarding die nötigen safety instructions von meinem Flightcomander Jonathan bekommen habe und ready for take off war. In einer 5 Stockwerke hohen Luftkammer wurde ich nach oben geblasen und der freie Fall von 12000 auf 3000 Fuß Höhe simuliert. In der Kammer herrschten Hurricangeschwindigkeiten. Schlecht habe ich mich ganz und gar nicht angestellt. Man musste sich schon konzentrieren, um die richtige und somit stabile Position einzunehmen, weshalb die Flugzeit wie im Nu verging und man gar nicht richtig Adrenalin ausstoßen konnte. Da kam es fast zu kurz, dass im Hintergrund der Sonnenuntergang einsetzte. Spaß gemacht hat es und eine Erfahrung wert, war es allemal.

Letzte Trockenübung.
Startbahn!
Abflug!
Bestanden;).

Der Strand bot in der Dunkelheit ein besonderes Schauspiel. Kleine halbmondförmige Inseln wurden angestrahlt, Dampf und somit Nebel über der Wasseroberfläche produziert und dazu schallte passende Musik über die Strandlautsprecher. Fast alles tummelte sich am Wasser. In den Strandbars war ebenso eine Menge los. Eine weitere Illumination hat meine Aufmerksamkeit bekommen. Dabei wurden, fragt mich nicht wie, Licht und Sound mit der Bewegung der Menschen auf dem Sand miteinander abgestimmt und ein Lichtspiel mit Fischen, Mantas und Walen gezeigt.

Sentosa hat somit, wobei ich nur einen Bruchteil gesehen habe, einen absoluten Unterhaltungswert. Mit der Sentosa – Bahn und der U-Bahn trat ich meinen Heimweg an. Vorher musste was gegessen werden. Meine Nudeln mit Fleischbällchen habe ich aufgrund dessen, dass beides mit Fischsuppe durchtränkt war, nicht geschafft. Immerhin hatte ich noch Power, ein paar Bahnen im Schwimmbad auf der Wohnanlage zu ziehen.

Die Grüße des Tages gehen an Sabrina und Timo, die groß Geburtstag feiern. Natürlich hätte ich euch gerne persönlich gratuliert, aber soweit gingen meine Flugkünste doch noch nicht. Lasst es euch gut gehen. Feiert schön. Für euch, nur die besten Wünsche. Aufgrund meines freien Falles grüße ich in dem Falle ebenfalls Marion, mit der ich meinen Tandemfallschirmsprung vor … Jahren absolviert hatte.

04.07.2022 – Mit Andi und Familie fuhr ich Richtung Bayfront und besuchte zuerst das „Art Science Museum“, während die anderen eine Reisepassverlängerung beantragen mussten.

Ich entschied mich für die Installation „Future World“, da es hierbei um die Entwicklung von klimafreundlichem Zusammenleben gehen sollte. Ich musste abermals feststellen, dass die Asiaten eher auf Effekthascherei, statt gesellschaftskritischer Botschaft bauen. Zugeben muss ich dennoch, die illuminatorischen Effekte waren teils gar nicht so schlecht. Gerade, wenn man selbst Teil der Installation werden könnte.

Zum Abschluss der Ausstellung konnte man einen Raum durchlaufen, in dem 178000 LEDs aufgereiht von der Decke hingen und die Farbe wechselten. Dahinter verbergen sich Spiegel, wodurch eine beeindruckende Tiefe erreicht wurde.

Ich schaute mich noch etwas mehr im Museum um, riss eine Ausstellung zur Entwicklung namens „Hope From Chaos – Pandemie Reflections“ kurz an. Das war mir aber im Moment zu starker Tobak, weshalb ich lieber zu „Gardens by the Bay“ lief, um mir das Gelände mal im Hellen anzuschauen. Wohlwollend, dass ich heute Abend nochmal zurückkommen würde. Hauptattraktion sind die 12 „Bäume“, welche abends hell erstrahlen und aus je über 700 Pflanzenarten bestehen. Sie wurden als Zeichen gesetzt, Singapur zu einem grünen Land zu entwickeln, das ökologisch fortschrittlich ist und zum Wohlbefinden der Bürger beiträgt. So gesehen ist Singapur die „Future World“. Gleichsam bildet der komplette Garten einen beachtlichen Teil der grünen Lunge der Metropole.

Irgendwie war ich dann so platt, dass ich den Rückweg antrat, lecker mit phillipinischem Maishühnchen verköstigt wurde, eine Abkühlung im Pool nahm, um dann mit Grace und den Mädels den Botanischen Garten zu besuchen. Heute war wohl „Nature day“.

Die Kids waren wirklich lebhaft, anhänglich und unglaublich goldig und auch Grace konnte ich etwas besser kennenlernen. Unser Ausflug hat mir sehr gefallen und den kleinen Energiebündeln auch.

Kaum zu Hause und nach Andis vorerst getaner Arbeit, machten wir uns zu zweit auf zu „Gardens by the Bay“ bei Nacht. Wir waren etwas in Eile, da um 20 Uhr 45 eine 15 – minütige Lichtshow starten sollte. Die hatte selbst Andi noch nicht gesehen und war genau so begeistert wie ich. Für den „Cloud Forest Dome“ und den „Skywalk“ hat es zeitlich leider nicht gereicht.

Ein schöner Tagesabschluss war das allemal. Grüßen möchte ich den Joschka, der heute auch einmal wieder ein Jahr älter werden durfte. Lass dich feiern.

05.07.2022 – Für meinem letzten vollen Tag in Singapur hatte ich mir vorgenommen, nochmals „Sentosa Island“ zu besuchen und mich dort spontan für einige Aktivitäten zu entscheiden. Die Auswahl heute war begrenzt, was mir eine knifflige Entscheidung abnahm. Sowohl die „Universal Studios“ als auch der „Cove Waterpark“ waren geschlossen. Dafür hatte ich mit Dienstag den falschen Tag gewählt. So besuchte ich eben das „S.E.A. Aquarium“ und staunte mehrmals nicht schlecht. Zu meinem Glück tummelten sich neben tausenden Meeresbewohnern gefühlt genau so viele Vorschulkinder, deren Begeisterung natürlich keine Grenzen hatte, was sie auch sekündlich lautstark zum Ausdruck brachten. Dass die Glasscheiben nicht geplatzt sind oder mein Trommelfell, wundert mich immer noch. Delphine, Haie, Mantas und diverse andere Fische sah ich zwar schon auf Galapagos im atlantischen Ozean und konnte teils mit ihnen interagieren, aber es war dennoch schön, sie hier hinter der Scheibe aus der Nähe zu betrachten, wie sie ihre Bahnen zogen und wie zum Beispiel die Teufelsrochen schier schwerelos dahingleiteten.

Im Aquarium in Singapur befindet sich die zweitgrößte Schauwand der Welt. Ich verbrachte einige Zeit da und schaute gebannt zu – sowohl den Meeresbewohnern, als auch einigen Großfamilien, die einfach mal so dort picknickten.

Auch die anderen Becken hatten was zu bieten. Es folgt nur eine kleine Auswahl;).

Asiatische Reisenkrabbe. Ein Mordsvieh.
Für dich William: Der gute alte Lionfish.

Zum Ende hin ging es durch den zweiten Tunnel, der durch das Haifischbecken führte.

Gestatten, stattlicher Tigerhai.

War nicht schlecht, muss ich sagen. Draußen angekommen, musste ich feststellen, dass absolut kein Badewetter herrschte. Den Beachwalk in östlicher Richtung wollte ich dennoch unternehmen. Unterwegs legte ich unter Palmen eine Siesta ein, bevor ich mich aufmachte, den am meisten südlichsten kontinentalen Punkt Asiens zu erreichen. Er befand sich auf einer kleinen, mit einer Hängebrücke verbundenen, Insel.

Ich bestieg einen Turm und hatte gute Sicht auf die rauer werdende See. Es frischte gehörig auf, weshalb ich nicht ewig verweilte, wollte ich doch noch sehen, ob ich vielleicht ein paar Otter entdecke. Denen war es aber wohl ebenfalls zu ungemütlich. Schade. Ich konnte es trotzdem verstehen und machte mich selbst auf den Weg mit der Sentaso – Bahn und der Metro nach „Little India“. Kaum aus der Metro herausgetreten schallmeite es mir im Ohr. Traditionelle Musik lief über die Boxen jedes zweiten Verkaufsshops. Panjabi MC lässt grüßen.

Zwischen allerlei Lebensmittel- und Textilgeschäften fanden sich viele hochkarätige Läden, die kunstvolle Saris, Turbane und prunkvollen Schmuck anboten. Ebenso ließ ich mir von Blumenhändler Watu erklären, warum sein Straßenverkauf so gut lief. Er band gerade Blumen zu einer Kette zusammen. Diese Ketten werden im Hindutempel beim Beten den Göttern als Opfergabe gereicht.

Als der Regen einsetzte, meldete sich mein Magen. Perfektes Timing nenne ich das. Um Abhilfe zu schaffen, probierte ich ein „Dosai Masala“. Man könnte es als gefüllten Sauerteigfladen bezeichnen. Dazu gab es diverse Saucen. Es war Geschmack gefolgt von Explosion, welche darauf durch einen Ingwertee abermals intensiviert wurde.

In „Little India“ herrschte ein buntes Treiben und auch sonst ging es überall sehr farbenfroh zu.

Eigentlich war ich gar nicht so versessen darauf, „Chinatown“ zu sehen, doch war ich nun in der richtigen Stimmung. Und mein vorheriges Bild davon sollte sich ändern. Vordergründig war es im „Chinatown“ Singapurs nicht nur schöner, weniger beengt oder aufdringlich. Die Straßen, Geschäfte, Restaurants waren vielmehr schön anzusehen.

Neben einem buddhistischen Tempel, findet sich unfern eine Hindustätte, sowie eine Moschee. Leider war der Tempel seit Corona für Touristen geschlossen. Durch die massiven Holzwaren hindurch gelunzt, konnte ich Gold- und Jadearbeiten, sowie kunstvolle Holzschnitzereien erkennen.

In der Seitenstraße fanden sich meiner Meinung nach ein paar Highlights, welche dieses „Chinatown“ ebenso besonders macht. Viele Häuserfassaden sind mit Szenen aus dem traditionellen Leben der städtischen Chinesen bemalt.

In den kleineren Gassen finden sich besondere Stillleben. So zum Beispiel die kleinste Bar der Stadt.

Mit ganz vielen Eindrücken konnte ich mich nun auf den Heimweg machen, wo ich die Mädels etwas unterhielt und Grace schon auf mich und Andi wartete, um an meinem letzten Abend den Grill anzuwerfen. Es gab sogar Bratwürste und Kartoffelsalat:). Abschließend war es Zeit, schon einmal Danke zu sagen, für die Möglichkeit bei der Familie zu wohnen, mit ihnen ein wenig Singapur kennen zu lernen und zu erleben. Danke auch für die herzliche Aufnahme, die gute Bewirtung und netten Gespräche. Zipporah, Cleofe und Mayumi bekamen ein kleines Präsent von mir und meine Grüße des Tages gehen natürlich an die gesamte Familie.

06.07.2022 – Es stand das letzte gemeinsame Frühstück an, bevor ich Andi und Familie „Auf Wiedersehen!“ sagen musste.

Gut eine Stunde brauchte ich, um mit dem MRT an den „Changi Airport“ zu gelangen. Mittlerweile darf ich mich echt als Profikenner des öffentlichen Verkehrsnetzes von Singapur nennen. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass in allen Transportmitteln mittels Schildern dazu aufgefordert wird, einerseits nicht zu telefonieren (gut), andererseits aber auch nicht zu sprechen (schlecht). Es herrschte mal wieder eine unheimliche Stille. Die Einheimischen sind da sehr folgsam. Und wenn 50 Menschen im Abteil waren, war genau einer ohne Handy in der Hand dabei. Ratet mal wer! Egal welche Altersklasse, es wird meist gezockt oder Videos in sozialen Netzwerken geschaut.

Anreise und Check In waren problemlos und am Flughafen konnte ich sogar eine tropische Halle mit 100ten Schmetterlingen und zahlreichen Fleisch fressenden Pflanzen besichtigen.

Mein Flug mit Vietjet Air nach Ho Chi Min Stadt ging pünktlich um 13 Uhr 05.

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