Etappen – Österreich – 19.08. – 21.08.2021

19.08.2021 – Mit dem Aufstehen und der Erkenntnis, dass die Weiterfahrt nach Wien folgt, ist mir eingefallen, dass ich noch eine Information schuldig geblieben bin: Auf der letzten Fahrtstrecke wurden die 3500 Kilometer geknackt. Rund 800 Kilometer liegen noch vor uns bis nach Mainz. Gefühlt geht es also in den Endspurt, gerade weil Bratislava und Wien nur 55 Kilometer Luftlinie auseinander liegen, ein Katzensprung, und damit die zwei zu einander nahegelegensten europäischen Hauptstädte sind.

Zu Beginn haben wir natürlich erst einmal das hiesige Pflichtprogramm im Wienerwald und beim Hoflieferanten für Kuchen- und Konditoreiwaren seit 1832 Sacher erledigt, um die freien Radikale zu besänftigen.

Gestärkt wurde infolgedessen das Kunst Haus Wien – Museum Hundertwasser und anschließend das Hundertwasser-Wohnhaus besichtigt. Leben, Werk und vor allem Lebenseinstellung von Friedensreich Hundertwasser (bürgerlich Friedrich Stowasser), zwar ein Sohn Wiens, der sich dort dennoch nie wirklich als Wiener Impressionist gesehen hat bzw. anerkannt wurde, sind echt beeindruckend. Obwohl mir die Gesaltungsweise seiner Kunst und sein ökologischer und pansophischer Kunstgedanke durch den Unterricht bekannt waren, überraschte mich dennoch daneben seine Ader für sozialen Wohnungsbau, sein Streben für eine friedvollere, gerechtere und schon seit Jahrzehnten klimafreundliche Welt als Künstler und Umweltaktivist. Ein Mann, der die Welt bereist hat, Kulturen, Menschen und Natur erlebt hat, sie in seinen Facetten aufgesogen und mit seiner Idee der Spirale, da alles Lebendige fließt, einem Kreislauf unterworfen ist, verbunden und dargestellt hat. Insgesamt hat Hundertwasser in seiner langen Schaffenszeit nur rund 700 Kunstwerke gemalt, zusätzlich Bauwerke gestaltet, Briefmarken entworfen, aber vor allem eine Philosophie des einfachen harmonischen Lebens vertreten, die genau an meine Wertevorstellung andockt und mich in seiner Gesamtheit sehr beeindruckt.

Ein Baummieter in der Großstadt!
Ein abgebranntes Kraftwerk gestaltete Hundertwasser unter der Bedingung um, dass es auf erneuerbare Energien umschwenkt.

Erst gegen 18 Uhr haben wir dann im Ruby Lissi Hotel eingecheckt, etwas verweilt und sind in den Abendstunden nochmals durch das prachtvolle Wien geschlendert.

Die spanische Hofreitschule!
So sieht hier die Bibliothek aus!

Fast echt englischer Rasen;)

20.08.2021 – Steffis Traum, das Schloss Schönbrunn, stand heuer im Mittelpunkt unseres Vor- und Nachmittages. Wir kamen um 10 Uhr zur Öffnungszeit an, mussten dennoch 90 Minuten warten, bis uns Einlass gewährt wurde. Bis wir zur königlichen Audienz geladen wurden, flanierten wir durch den Kronprinzengarten, durch das Große Parterre hinauf zur Gloriette, von der aus man einen atemberaubenden Blick über die Schlossanlage und Wien schweifen lassen konnte.

Im Herrscherschloss selbst konnten wir durch eine Audio-Guide-Tour etwas über die Herrscherfamilie, das Geschlecht der Habsburger, vor allem den großen Einfluss starker Frauen in Politik und sogar Militär, wie Maria Theresia und natürlich Sisi erfahren. Geleitet wurden wir durch 40 Räume des royalen Wohnsitzes, die von Raum zu Raum prunkvoller wurden und das Leben bei Hofe widerspiegeln. Fotos durfte man dort nicht schießen, weshalb es auch hier keine zu sehen gibt.

Im Schlossgarten vertrieben wir uns nach der 90-minütigen Tour die Zeit, bevor wir durch das Labyrinth lustwandelten und anschließend die Orangerie durchliefen.

Wieder innerstädtisch unterwegs suchten wir das Museumshaus Sigmund Freuds auf.

Leider ist für unseren Geschmack mehr und zu sehr der Werdegang des Begründers der Psychoanalyse Thema, anstatt sein Werk und Wirken. Es wäre schön gewesen, noch mehr über seine Ansätze, Forschung und Therapiemethoden zu erfahren. Auch optisch oder erlebnistechnisch war es wenig ansprechend aufbereitet. Seine Traumdeutungen und seine bewegende Familiengeschichte sind dennoch sehr interessant.

Nach ausgelöstem Backhendl mit schlotsigem Kartoffelsalat und Braten mit Knödel gab es den Sundowner an der Donaupromenade, die ziemlich durch ihre Vielfältigkeit überraschen kann. Hier trifft sich einerseits die Skater- und Sprayerszene und chillt mit Linken, Hippstern, Touris und der Schickeria gemeinsam auf der Promenade in Bars mit künstlich angelegtem Strand und Dachterrasse oder sitzend auf Beton oder Wiese.

Herzliche Sundowner-Grüße an Tobi und Joy, hoffentlich klappt es mit dem nächsten Trip. Wir sind echt schon rumgekommen. Il Meliah;)

21.08.2021 – Den ersten Wecker haben wir irgendwie gar nicht mitbekommen, machten uns dann etwas flotter auf den Naschmarkt zum Frühstücken auf, bevor unsere 2-stündige Stadtführung mit Josef startete.

OIrgendwie sind nun alle Guides Historiker/Lehrer gewesen und auch der flotte Josef hat neben ettlichen Zoten zu seiner zusätzlichen Rotlichtführung allerlei Geschichtliches zur Weltstadt Wien in seinen glamourösen Epochen, als auch in weniger schönen Zeiten verkündet – von Habsburger bis Hitler so zusagen. Dazwischen lagen noch die Türken vor Wien und wieder einmal hat sich der Absolutist Louis XIV. und später der Kaiser der Franzosen Napoleon Bonaparte eingemischt.

Nachmittags stand ein Besuch der 74 Meter hohen Karlskirche an. Man konnte im Innern mit einem Aufzug zu einer oberen Aussichtsplattform fahren. Und auch sonst war die Kirche sehr schön gestaltet.

Wir konnten uns es daraufhin natürlich nicht entgehen lassen, noch einmal die Wiener Kaffeehauskultur zu genießen und gingen ins seit 1876 bestehende Cafe Central. Zwar wurde diese Kultur laut Josef nicht wirklich in Wien erfunden, aber ist für die gesellschaftliche Entwicklung besonders wichtig gewesen. Für uns ist es heutzutage der pure Genuss bei Pianomusik in zauberhaftem Ambiente. Seit 1900 dienten die Kaffeehäuser vor allem als Begegnungsorte ohne Standesdünkel zwischen Adel und Bürgertum, für Freidenker und Aufklärer und halfen somit, den Demokratisierungsprozess voran zu treiben.

Das Abendessen nahmen wir im Griechenbeisl (Wiener Gasthaus seit 1350) ein. Hier speiste bereits die Weltprominez (u. a. Rilke, Beethoven, Mozart, Mark Twain, Pavarotti, Johnny Cash, Phil Collins, Snoop Dog, Tupac) und wir.

Zum Abschluss stand der Prater mit Riesenrad, Achterbahn und Drullerumalleachsenschraubenwirbeldreher (Ich weiß nicht, wie ich es nach dem Fahren besser benennen könnte!) auf dem Programm. Danach haben wir beide freiwillig auf unseren Kaiserschmarrn verzichtet. Das kommt auch nicht alle Tage vor.

Schee wars – hatten die Ehre. Morgen geht’s früh los zu Kathi nach Straubing.

3 Kommentare zu „Etappen – Österreich – 19.08. – 21.08.2021

  1. Lieber Tobi, danke für den tollen Block aus Gambia. Den Link habe ich freundlicherweise von Tanja erhalten. Es macht viel Freude zu lesen und man fühlt sich mitgenommen in eine andere Welt. Danke auch für den stets weiten Blick zwischen positiven, aber auch mit der gebotenen Zurückhaltung aber deutlich formulierten kritischen Dingen. Euch noch viel Spaß und viele neue Eindrücke. Ich bleibe dabei. Liebe Grüße Helmut

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    1. Danke euch beiden. Ja, es ist nicht alles ganz so einfach hier, aber das war vor Anreise klar. Man muss lernen, es erst einmal anzunehmen und vielleicht auch eine andere Sicht auf die Dinge ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln.

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