Gambia – 22.09. – 24.09.2021

22.09.2021 – Ich möchte einmal noch ein paar Kuriositäten erwähnen, bevor ich zum heutigen sehr ereignisreichen Tag komme. Des Weiteren will ich mich entschuldigen, wenn ich erst im Nachgang noch Rechtschreibfehler korrigiere oder Bilder hinzufügen kann, was meist nach Mitternacht geschieht, weil ich hier eine gambische Internetflat habe.

Die Maus im Zimmer mag mich immer noch nicht. Manchmal bekommt man sogar ins Bett / auf die Matratze geschissen. Zwischendurch hatte Ali versucht die Mauselöcher zu zubetonieren, jedoch verstehe ich nun auch, warum die Häuserbauweise einem Sturm nicht im Geringsten standhalten kann. Die Maus frisst sich einfach neue Löcher durch Wand und Boden. Das Haus von Alis Bruder ist leider auch letzte Nacht als Nachwehe vom Sturm im Juni eingebrochen.

Tierisch werde ich nachts wachgehalten und habe nun ein weiteres kreischendes Geräusch entziffert. Fledermäuse mit einer Flügelspannweite von 70 Zentimeter. Da können unsere heimischen nicht mithalten und sind beinahe süß.

Während ich diese Zeilen im Zimmer tippe, streckt erneut eine Ziege ihren Kopf durch den Wohnungseingang. Gestern ist sie einmal quer übers Essen, welches wir indoor eingenommen hatten, gerannt. Ziegennachwuchs gab es noch dazu.

An das Duschen mit Eimer und Becher habe ich mich gewöhnt, doch die gambische Kackhocke ist echt anstrengend und die Toilettenhygiene, sowie der Geruch sind nicht wirklich prickelnd. Und dies leider in einem Augenblick, in dem eine Nebenwirkung der Malariaprophylaxe ordentlich durchschlägt, nämlich im Darmbereich. Zuerst mit Kohletabletten, nun mit Tannacomp versuche ich entgegen zu wirken. Zwar gibt es annähernd jeden Tag Reis, der stopft, im Gegenzug allerdings fettiges, stark gewürztes Essen. Gestern bekam ich mein im Kombo (= der Teil südlich des Flusses) bestelltes Klopapier und ein paar Früchte mitgebracht. In Ndungu Kebbeh gibt es nur samstags einen Markt.

Meine Sonnenbrille ist mehr geschmolzen als gebrochen.

Nachts läuft mein Tischventilator unter meinem Moskitonetz, der mir ebenso hilft, wie lesen, Ohrstöpsel oder zum 1000. Male dem selben Hörspiel zu lauschen: „Quality Land“ von Marc Uwe Kling.

Nun zu heute: Wir sollten extra früh aufstehen, um nach miserabler Nacht gegen 7 Uhr von Sulayman abgeholt zu werden. Er kam gegen halb 9 mit seinem Motorrad, auf das ich stieg und Ali transportierte den Koffer mit Trikots und Geschenken auf seiner Klappermaschine. Nach einer halben Stunde kam ich durchgeschüttelt an der Prince Lower Basic Cycle School an (Klasse 1 – 9, Kindergarten inklusive).

Direkt durfte ich, irgendwann beidhändig, über 100 Kinderhände, anschließend die des Kollegiums und des neuen Direktors schütteln.

Wie gestern starteten wir aufgrund der nahenden Mittagshitze mit den Fußballmatches und heute konnten meine Teams den Sieg davon tragen, ich zudem schon etwas mehr Leistung bringen. Es war ein Kleinfeld;). Daraufhin stellte ich mich und unsere Ziele von Hand in Hand der gesamten Schülerschaft vor, bevor die Preisverleihung für die besten Spielerinnen und Spieler folgte.

Ein großes Dank an den FSV Mainz 05 für die tollen Trikots.
Die Preisträger/innen.

Damit niemand leer ausging, gab es für alle Kids in ihren Klassenräumen Süßigkeiten. Normalerweise wäre eine Klassenstärke von 25 Schülerinnen und Schüler zulässig, doch momentan quetschen sich bis zu 4 Schüler in eine kleine Bank, insgesamt 50 im schlecht durchlüfteten dunklen Raum.

Anschließend erfolgte das nähere Kennenlernen und Interviewen der Patenkinder, die natürlich auch mich alles fragen konnten, was ihnen auf dem Herzen lag.

Die Bücherei existiert eigentlich nicht mehr. Termiten haben Wände, Schränke und die alten Bücher durchfressen. Das Kindergarten“gebäude“ ist ein freistehendes Holzgerippe mit Wellblechdach, die Schulküche vom Sturm zerstört und einsturzgefährdet, sodass sie weder betreten noch benutzt werden kann.

Die Küchenruine!
Der Kindergarten!

Einzig die Toiletten sind in gutem Zustand, bzw. werden gerade neu gebaut. Neben den vielen Wünschen, die sich im anschließenden Gespräch herausstellten, priorisierte das Kollegium Möbel (Bänke, Tische, Schränke), danach mehr Unterrichtsräume und Batterien für die Elektrizität.

Alles in allem waren alle Schulleiter und Kollegien unglaublich dankbar für die Unterstützung und der geleisteten Arbeit von Hand in Hand for the Gambia. Der Verein unterstützt sie mehr als es die Regierung zu Stande bringt.

Den Kolleginnen und Kollegen der Kanonikus-Kir-Realschule Plus FOS Mainz Gonsenheim sende ich gesondert Video- und Bildmaterial, einerseits für unsere Gambia-AG, aber auch um noch mehr Eindrücke vom gambischen Schulleben zu erhalten.

Wegen der Schulküche habe ich mit Tanja von Hand in Hand und Susanne vom Familiy Health Project später Kontakt aufgenommen und wir schauen nach einem Kostenvoranschlag.

Im Telefonat mit Tanja konnte ich erneut die Problematiken der Patenkinder, welche wir interviewten und allen Paten ein Video senden werden, durchgeben und wir sprachen über Finanzierungsmöglichkeiten. Ebenso war es für sie wichtig, endlich jemanden vor Ort zu haben, der dies 1 zu 1 berichten konnte, um noch besser von Deutschland aus, zusammen mit dem Club, kommunizieren und wirtschaften zu können. Meinen gambischen Kollegen musste ich in Sachen Transparenz, Kommunikation und Organisation noch mehr Struktur geben.

Meine herzlichen Grüße für die Trikotspenden gehen an Manuel Konradt, Patryk Gattner und allen voran Sebastian Schächter. Die Schulen und Schüler haben sich sehr gefreut.

23.09.2021 – Leider war ich nach kurzer Nacht immer noch nicht auf dem Dampfer. Neben Magen und Darm, kam ein Brummschädel dazu. Das alles verwundert mich kaum mehr, wenn man sich vor Augen hält, dass das Wasser nicht immer rein ist, obwohl ich strikt darauf achte, abgefülltes Wasser zu kaufen. Allerdings sind die hygienischen Bedingungen in Klo, Dusche und Küche sehr schlecht. Gegessen wird zusammen aus einer Schale mit den Fingern. Alles in allem ein Paradies für die Verbreitung von Keimen. Die Tiere hinterlassen ihren Kot überall. Wenn man nicht aufpasst, auch im Zimmer. Zudem gibts Tag und Nacht überall Ungeziefer um einen herum. Froh bin ich um alle Zeit, in welcher ich etwas Essen bei mir behalten kann. Also habe ich meinen Apotheker des Vertrauens kontaktiert, mit dessen Hilfe ich auf Besserung hoffe und bevor man mir den Schamanen kommen lässt.

Morgens versuchte ich zu funktionieren, denn wir besuchten die Patenschule in Ndungu Kebbeh, aber auf ein Fußballspiel konnte ich mich nicht einlassen, sodass ich nur, aber immerhin zum Sieg, coachte. Das Spielfeld war das offizielle Stadion für Ligaspiele in der Nähe der Schule, trotz alledem der selbe Acker, den ich in einem vorherigen Beitrag geschildert hatte. Bei allen Matches war ich sehr froh, dass sich niemand ernsthaft verletzt hatte und keiner barfuß irgendwo in etwas Gefährliches reingetreten ist. Mehr auf dem Platz als am Spielfeldrand haben die Mädchen mit Gesang, Trommelinstrumenten, Tanz und Fansprüchen ihre Mannschaften der Ndungu Kebbeh Lower Basic School gefeiert. Da ging was ab.

Knapp nach Ende des Spiels trafen Susanne und Bakary vom Family Health Project Gambia e.V. ein und machten, während der Preisverleihung für die besten Spieler, dem Direktor, wie ich zuvor, ihre Aufwartung. Anschließend konnten wir den eigens für uns arrangierten Unterricht, weil sich auch hier der Cleaning Day zur Cleaning Woche entwickelte, besuchen. Die Schülerinnen und Schüler lernten sehr interaktiv (auch ohne Smartboard) singend, klatschend und sprechend im Fach Ethnics die Aus-/Sprache der Jolof.

Während Susanne noch weitere Unterrichtsstunden besuchte und Süßigkeiten verteilte, nahmen wir die Belange unserer Patenkinder und der Schulleitung auf, bis urplötzlich ein Sturm einsetzte, der nicht nur allerhand herumwehen, Bäume brechen, sondern auch ein Teil des Wellblechdachs eines Klassenraumes abheben, sich zurückpressen und fast vom Dach abreißen ließ. Heftiger Regen setze ein und alle mussten sich erst einmal in die, auch hier zu wenig vorhandenen, Klassenräume retten. Man sagte mir, dass dies nur eine Mini-Lightversion vom Sturm im vergangen Juni war. Was muss den Kindern dabei wohl für ein Schreck in alle Glieder gefahren sein und nach überstandenem Unglück sowohl das Gefühl zu verspüren, als auch die harte Realität zu sehen, zwar mit dem Leben davongekommen, aber nun obdachlos zu sein?

Die Ausmaße der Zerstörung waren auf dem gesamten Schulgelände noch sichtbar. Die Toiletten hat es unglaublich schwer getroffen. Für uns war das alles sehr erschreckend.

Mädchentoilette
Lehrertoilette

Einzig die von Hand in Hand for the Gambia in Auftrag gegebene Schulküche steht gut da. Allerdings kann sie nicht benutzt werden, weil die Regierung die Lebensmittellieferungen nicht erbringen kann.

Susanne und Bakary haben sich die Bauweise der Küche genauer angeschaut und eine Materialberechnung und Kostenaufstellung erdacht. Mit ihrer Menpower und der Hilfe von Hand in Hand können wir vielleicht der Schule in Prince eine Küche bauen.

Im Endeffekt blieben nach dem Besuch hauptsächlich Betroffenheit und Sprachlosigkeit zurück.

Viele Grüße und großen Dank möchte ich an meinen Apotheker des Vertrauens Jan Schroer und meine Osteopathin Sophia Siegert, die meinen Rücken für meine Reise vorbereitet hat, senden.

24.09.2021 – Für die Jungs von Hand in Hand vor Ort und natürlich auch mich, sollte das heute ein ganz besonderer Tag werden. Darauf hatten wir uns die letzte Woche vorbereitet. Es ging zurück in den Kombo (südlich vom Gambia River), um den Einkauf für die Patenkinder zu erledigen. Daher hieß es Wecker stellen, Frühaufsteher sein. Als ob das nötig gewesen wäre. Am liebsten hätte ich den Hähnen einen Knoten in den Hals gemacht und dem Imam ein Ticket nach Mekka spendiert. Ab 5 Uhr in der Früh war wieder einmal an Schlaf nicht mehr zu denken.

Ohne Frühstück, ich hätte es wohl eh‘ nicht bei mir behalten, fuhren Ali und ich mit dem öffentlichen Kleinbus zur Fähre nach Barra, sammelten Sulayman ein und setzen nach Banjul über, wo uns Kebbeh in Empfang nahm. Zeitlich waren wir gut im Rennen und teilten uns, nachdem wir die benötigten Schulmaterialien (Schreibhefte, Kulis, Bleistifte, Radierer, Spitzer, Taschenrechner, …) in einem Shop in Auftrag gaben, in Zweierteams auf. Während Ali und Kebbah zum Schuhhändler eilten, suchten Sulayman und ich einen Technikhändler, weil ich für die zwei Patenkinder unserer Kanonikus-Kir-Realschule plus FOS, neben den georderten Schulbüchern für die 4 Hauptfächer Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften und Landeskunde, sowie benötigte Lebensmittel, Elektrizität organisieren wollte. Das war gar nicht so einfach, sodass wir unsere Meter in Trubel und Hitze zurücklegen mussten. Immerhin haben wir einen gefunden und wie bei allen weiteren Verhandlungen, denn Festpreise gibt es nicht, war es endlich einmal von Vorteil ein Tubab zu sein, da ich als offizieller Vertreter einer Hilfsorganisation verhandelte, notfalls auf die Tränendrüse drückte und Preisnachlässe herausschlug, welche die anderen in der Form nicht bekommen hätten. Leider wird auch hier klar zwischen einheimischem Preis und Preis für Fremde unterschieden. Dennoch konnte ich sogar den gambischen Preis drücken und handelte wie ein Berber (@#Tobi Bergdoll!), sodass meine Kollegen mich später auch beim Schuhhändler, beim Schreibwarenhändler und sogar beim Stoffhändler, der als Monopolist für ganz Gambia niemandem einen Rabatt gewährt, ich ihm dennoch einen nicht unwesentlichen abgerungen hatte, vorschickten.

Der für die Schuluniformen benötigte Stoff muss dann in den nächsten Tagen von Schneidern auf die zu besuchende Schule passend zugeschnitten und genäht werden. Ali wird dabei helfen. Daneben besorgten wir noch Schulranzen und Socken, aber leider konnte ich für Fatou, die in die 6. Klasse geht, keine Schulbücher kaufen, diese bezieht die Regierung für Klassenstufe 5 und 6 erst wieder für das 2. Schulhalbjahr ab Februar:(. Unfassbar! Einfach traurig, wie so vieles, was ich in den letzten Tagen an den Schulen sehen musste.

Gegen 15 Uhr hatten wir dann alles beisammen, ließen alles erst auf ein Taxi, dann auf einen Handkarren verschnüren und hetzten zur fast ohne uns ablegenden Fähre. In der Northbank besorgte ich noch zwei Kanister Öl, bei Fatous Onkel zwei Säcke Reis (die Zwiebeln muss ich morgen noch nachreichen, es gab leider keine mehr) und gegen 16 Uhr genossen wir im nächsten Taxi auf der Fahrt zu den wartenden Patenkindern, unser „Frühstück“. An zuvor bestimmten Punkten kam es zur Übergabe.

In Chamen war es mir eine sehr große Freude, den Familien von Rohey und Fatou ihre zusätzlichen Hilfsmaßnahmen zukommen zu lassen. Für Fatou, deren Vater als Schreiner arbeitet und deren Onkel ein Einkommen durch die Landwirtschaft und den Verkauf von Lebensmitteln hat, wodurch die Familie in einem vergleichsweise guten Compound leben kann, besorgte ich eine Solarlampe für das Lernen nach Sonnenuntergang (Die Schule geht von morgens 8 Uhr bis teils 18 Uhr abends!), sowie Lebensmittel für die nächsten Monate. Ihre Schulbücher werde ich nachliefern lassen, sobald welche im Handel erhältlich sind. Den Reis, auch für Roheys Familie, konnte ich bei Fatous Onkel erstehen, wodurch noch eine sehr gute Finanzspritze dazu kam.

Die Familie von Rohey hat es bedeutend schwieriger und lebt in unglaublich schlechten hygienischen Bedingungen und Wohnungsumständen. Als Direkthilfe entschied ich mich auch hier für Lebensmittel, die teuren Schulbücher für Klasse 7, sowie einer Komplettinstallation für Elektrizität und Licht. In Banjul erstandt ich dafür eine Autobatterie, ein großes Solarpannel, einen Charger, diverse Kabel, LED-Birnen, Fassungen und Klippschalterboxen. Der Elekriker zum Anschließen ist für Sonntag bestellt. Schon wie beim ersten Besuch habe ich unglaubliche Dankbarkeit und Herzlichkeit gespürt, welche mir die Familie entgegen brachte. Ihr Lächeln und ihre Worte waren der wunderschönste Lohn. Die zwei stattlichen Hähne, mit welchen mir die Familie ihre Dankbarkeit zeigen wollte, habe ich natürlich nicht angenommen. Erstens passen sie nicht in mein Reisegepäck, zweitens geht es ihnen bei der Familie besser als bei mir und drittens kann ich momentan einfach keine Hühner mehr sehen. Mit vollem Respekt lehnte ich ab, bat stattdessen, um die Familie nicht zu beleidigen, sie als Zeichen unserer Unterstützung Mr. Tobi und KKR (lautmalerisch: Kakaer) nach den Supportern zu nennen. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu arrogant. Ich war sehr froh, mein Versprechen der Vortage (fast) erfüllen zu können (Morgen liefere ich die Zwiebeln!).

Leider waren an den Ausgabepunkten nicht alle Patenkinder anwesend. Es war schon stockdunkel, als wir nach zwei Stopps in Prince ankamen, wo Eltern, Lehrer und Kinder teils schon seit morgens sehnsüchtig warteten. Man warnte mich direkt, mich nur mit Licht zu bewegen, um nicht versehentlich einer Schlange zu begegnen. Mit dem Direktor konnte ich nochmals über eine mögliche Realisierung einer neuen Schulküche sprechen, bevor ich aufbrechen mussten.

Die Schule in Ndungu Kebbeh konnten wir leider gar nicht mehr ansteuern, sodass wir die Materialien bei Ali im Compound unterbrachten und diese am Wochenende abgeholt werden. Unter Platzregen kamen wir völlig entkräftet gegen 20 Uhr im Compound mit dröhnendem Kopf, aber voller Stolz über die erbrachte Leistung, v. a. darüber, was wir bewirken und wie gut wir zusammen arbeiten konnten, an. Es war ein großartiger Tag, der leider so endete, wie er begann: mit Magenschmerzen.

An dieser Stelle möchte ich meinen unermesslichen Dank an alle Mitglieder und sonstige Suporter von Hand in Hand for the Gambia e. V. in Deutschland aussprechen. Ohne Ihre Unterstützung und finanzielle Hilfe wäre all das nicht möglich. Wir sind unglaublich stolz, und zusammen mit Euren Patenkindern und -familien überaus dankbar, auf Euch. Wie es die Walluf sagen würden: „Drerejef!“ („Vielen Dank!“)

Gambia – 19.09. – 21.09.2021

19.09.2021 – Wie jeden Morgen wachte ich viel zu früh auf, spürte neue Stiche an meinen Füßen und rätselte, ob diese nun tatsächlich über die Nacht von Moskitos herrührten oder doch ein paar Bettwanzen unterwegs waren. Die Fenster hatte ich zumindest stets geschlossen und herumsurren habe ich ebenso noch nicht gehört. Es war wieder einmal ein starker, langanhaltender Schauer, bei dem folglich erneut der Strom ausfiel, der mich aufgrund seiner Heftigkeit fast senkrecht im Bett stehen ließ. Glücklicherweise soll die Regenzeit zu Oktoberbeginn enden. Unseren Zeitplan hätte das natürlich wegen der überfluteten Straßen durcheinander gebracht, wäre es nicht ebenso für mich im Vorfeld klar gewesen, dass es mal wieder länger dauert, bis alle bei mir im Patta Patta eintreffen. Aber mittlerweile rechne ich damit immer und habe die deutsche Pünktlichkeit erfolgreich selbst abgelegt. Sam, Nuha und zwei seiner Schulkinder durfte ich zuerst begrüßen und als dann noch Modou und Ali eintrafen, machten wir uns mit zwei Autos auf den Weg nach Banjul zur Fähre nach Bakka.

Unser 2. Fahrer Modou, Lamins Bruder.

Auf der Fähre war stark was los. Wahrscheinlich auch, weil morgen das neue Schuljahr und die nächste Arbeitswoche startet. Wer die Fähre nicht nutzen möchte, hat auch die Chance, ein kleines Motorboot für die gut 30-minütige Fahrt über den Fluss Gambia zu nutzen. Ali meinte, dass dies unser Transportmittel für den Rückweg sei. Ich hoffe, er scherzte.

In Bakka leisteten wir uns ein Taxi und fuhren über Chamen rund 25 Kilometer nach Ndungu Kebbeh.

Während Nuha in Chamen lebt und dort als Lehrer arbeitet, stieg ich mit Ali in Ndungu Kebbeh aus. Hier lebe ich erstmal die nächsten Tage zusammen mit der kompletten Großfamilie, die mich sehr herzlich willkommen hieß.

Im Compound leben fünf Generationen im Alter von 1 – 104 Jahren unter einem Dach.
Das sind noch lange nicht alle Kids des Compounds.
Zwei Esel und ein Pferd dienen der Familie bei der Feldarbeit.
Im Garten des Compounds wachsen Okraschoten.
Die Kochstelle der Familien.
Hier darf ich die Tage mein Geschäft verrichten.

Nach dem „Check In“ gab es natürlich Ataya-Tee und ein typisches Mittagessen, Benechin, welches wir mit Sulayman einnahmen, der vorbeikam, um die nächsten Schritte zu besprechen. Dabei haben wir die gesammelten Fußballmaterialien gesichtet und besprochen, wie wir sie auf- und verteilen werden.

Gestärkt führte mich Ali durch die Nachbarschaft und an jeder Ecke trafen wir die nächsten Verwandten. So ist das halt, wenn man mehrere Frauen haben darf. Ich hätte längst den Überblick verloren. Deswegen bleibe ich wohl monogam;). Als Tubab, wie man die Weißen hier bezeichnet, fühlte ich mich bei der/den Familie/n sehr freundlich empfangen und bedankte mich stets herzlich für die Gastfreundschaft. So war es klar für mich, spätestens nun meine ersten Walluf-Worte zu lernen, um eine Begegnung mit den Leuten dieser Ethnie noch schöner zu gestalten, weil nicht alle Englisch sprechen können. Deshalb gab mir Ali meine erste Walluf-Stunde. Abends saßen wir noch beim Tee zusammen und lernten uns näher kennen.

20.09.2021 – Meine erste Nacht war sehr unruhig. Zwar überließ mir Ali seine Matratze (Er schlief wie früher, als er noch keine Matratze hatte, auf einer dünnen Strohmatte auf dem Boden.) und wir spannten ein Seil durch das Zimmer, sodass ich mein Moskitonetz aufhängen konnte. Dennoch war es wegen der Hitze sehr schwer einzuschlafen und aufgrund des Wettkrähens verschiedener Hähne, die sich mit Eseln, Schafen, Hunden und dem Iman für den Schreihals des Monats bewarben, riss es mich immer wieder aus dem Schlaf. Zudem hatte eine Maus ihr Eingangsloch am Kopfende der Matratze und ich habe es öfters kauen gehört. Des Morgens legte ich einen Teil einer Bodenkachel darüber und bin in guter Hoffnung zu meinem ersten Schultag in Gambia aufgebrochen.

Es ging rund 20 Minuten durchs Gelände, vorbei an Termitenhügeln, Viehherden und ettlichen Schulkindern, die immer zu „Tubab, Tubab!“ („Weißer, Weißer!“) riefen, bis wir zur Kabakoto Basic Cycle School, in der sich etwa 700 Schüler sowohl im Kindergarten als auch in den Klassen 1 – 9 tummeln, kamen. Es ist also eine Kombination zwischen Kindergarten, Grund- und Hauptschule. Wer diese gut besteht, kann später, wie in Deutschland, eine weiterführende Schule besuchen und daraufhin vielleicht sogar ein College. Eine Mutter, die ich dort antraf, fragte ich, was sie sich für ihre Kinder in Zukunft wünsche, doch sie erklärte mir nur, dass es nach einem erfolgreichen Abschluss auch nicht wirklich leicht ist, eine Arbeitsstelle zu finden. Die meisten Menschen hier arbeiten entweder in der Landwirtschaft, sind Verkäufer, fahren Taxi, sind Mechaniker oder sind auf den Tourismus angewiesen. Doch seit der großen Flut vor drei Jahren und Covid versiegte diese Einnahmequelle bisher zu sehr.

Zum Schuljahresbeginn kommen Lehrer und Schüler nach den 2-monatigen Sommerferien aus verschiedenen Regionen zurück zur Schule. Die Lehrerinnen und Lehrer wohnen sogar in der Schule mit der Schulleitung zusammen und bleiben dort oft bis zu den nächsten Ferien. So startet die Schule mit einem großen herzlichen Ankommen, einem sich eventuell neu Bekanntmachen und einem bzw. mehreren Cleaningdays, bevor der Unterricht überhaupt beginnen kann. Die Lehrerinnen säuberten mit den Mädchen die Lehrerbehausungen und weil die Jungs und Lehrer nicht wirklich beim Putzen mitanpackten, habe ich mal kurzerhand den Besen, sowie den Mopp geschwungen, um unzählige Termiten und Spinnen zu vertreiben. Das gelang mir nicht immer. Manche krabbelten lieber an mir hoch, anstatt das Weite zu suchen. Dennoch habe ich anständig mit angepackt und den Herrschaften gezeigt, dass „Mann“ auch mal „Frauenarbeit“ leisten kann. Mit erhobenem Zeigefinger geht das natürlich nicht, man kommt aber ins Gespräch und lernt eine andere Sichtweise kennen. In den afrikanischen Kulturen wird eben noch klar zwischen Männer- und Frauenarbeit unterschieden.

Hier leben und arbeiten die Lehrer/innen meist zu zweit mit einem Bett, einem Schrank und einem Schreibtisch (jeweils gemeinsam zu nutzen) zusammen.
Das Wasser musste vom Dorf geholt werden.
Das waren bzw. sind die Betten.

Wenn man die Ausstattung, den Lehrerarbeitsplatz und den Komfort an den Schulen hier und an meiner Realschule sieht, darf ich mich natürlich nicht mehr beschweren.

Nach getaner Arbeit sah es schon wohnlicher aus.
Der Lehrerarbeitsplatz!

Hinzu kommt ebenfalls, dass man als Lehrperson in Gambia wirklich wenig verdient. Je nach Erfahrungsstufe und Region können das 7000 Dalasi im Durchschnitt sein. Das sind 140 Euro im Monat, die zum Leben für die Familie reichen müssen.

Mit Madame Sunndramin, der Rektorin, sowie mit einigen anderen Lehrern habe ich weiterhin unsere Schulsysteme gegenüberstellen können und ich bin absolut froh, dass ich keine 45 – 70 Kinder auf einmal in einem Saal unterrichten muss. Dennoch, die Klassengröße ist überall die Krux. Man muss sich einfach auch um möglichst viele Schüler kümmern können. Hier sagte die Rektorin, sie könne manche Schüler in den letzten Reihen nicht einmal sehen. Ein Durchkommen bis dahin wäre unmöglich.

Nach dem Schulbesuch besuchten wir ein Fußballspiel, bei dem gefühlt das ganze Dorf da war. Es war kurios, wenn man sich den Platz betrachtete. Überall Huppel, Löcher, größere Wasserpfutzen im Elfer und Hühnchen rennen durch das teilweise 30 Zentimeter hohe Gestrüpp über links Außen. Die Stimmung war aufgeladen. Es wurde am Spielfeldrand von den Fangruppen 90 Minuten gesungen und getanzt. Da können sich die Mainzer Fans mal eine Scheibe abschneiden. Und dann fiel auch noch das 2:1 in der Nachspielzeit, was einen Platzsturm der Anhänger der Siegermannschaft zur Folge hatte.

Eines darf ich heute natürlich nicht vergessen. Dem Geburtskind Milli zum Ehrentag zu gratulieren. Alles Liebe und Gute aus Gambia. Meine Sundownergrüße gehen vom Sportplatz an dich.

PS: Ich halte vor Ort Ausschau für deinen VfB Stuttgart, ob man eine Verstärkung verpflichten könnte.

21.09.2021 – Mit dem Motorbike und einem Koffer voller Trikots, Stutzen, Bällen und sonstigen kleinen Geschenken legten Ali und ich in der Frühe den Schulweg zur nahe gelegenen Patenschule, der Lower Basic School in Chamen, zurück. Nuha ist dort angestellt und hat unseren Besuch arrangiert. Zuerst trafen wir auf Kollegium und Schulleiterin und erklärten unseren Besuch. Ebenso konnte ich mich vorstellen und wir sprachen über die Probleme der Schule, welche unglaublich umfangreich sind. Die Toiletten kann man eigentlich nicht mehr benutzen, sodass die Kinder lieber ihr kleines und großes Geschäft im Gebüsch erledigen.

Der Zaun des Schulgartens wurde durch den Sturm zerstört, wodurch immer wieder fremde Tiere die Köchinnen um ihre Ernte und somit die Schulkinder um ihr Schulessen bringen. Es fehlt zudem an einer einfachen Wasserversorgung oder Aufenthaltsplätze bei starkem Regen oder brütender Hitze. Natürlich schließen sich hier Schul-, Sport- oder Säuberungsmaterialien für den Hausmeister an. Nachdem ich mir alles notiert hatte, bat ich darum eine Priorisierung vorzunehmen (s. erste 3 Punkte). Im Anschluss und in Anbetracht der Hitze starteten wir mit dem 1. Fußballmatch der Mädchen, bei dem ich natürlich mitspielen wollte.

Leider rannten alle meist dem Ball hinterher und ich musste die Löcher in der Abwehr stopfen. Und ich kann nur sagen, das waren die anstrengensten 15 Minuten auf dem Platz meines gesamten Lebens. Dem kam auch das Folgespiel von 30 Minuten mit den Jungs, die es mit ihren 11/12 Jahren wirklich drauf hatten, gleich. Endlich war ich einmal nicht der Kleinste auf dem Platz, doch dann haben mir die Jungs mal gezeigt, wie alt und untrainiert ich bin. Mir graut es schon vor den Spielen an den anderen Schulen. Spaß gemacht hat es bei gefühlten 40 Grad irgendwie trotzdem und immerhin habe ich bestimmt 5 Kilo abgenommen, mindestens;).

Es folgte eine Siegerehrung und Preisverleihung für jeweils die besten Torhüter, Torschützen und Spieler des Spiels. Mein Patenkind Fatou wurde sogar von den gambischen Coaches zur besten Torhüterin und Roheys Bruder zum Spieler des Spiels gewählt. Ob das Zufall war? Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle ergeht an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Sebastian Schächter (Schächter Sportsmanagement) für die Trikotspenden und an das 05er Klassenzimmer von Mainz 05 für die Bälle.

Im Anschluss konnte ich mich zum ersten Mal mit den Patenkindern von Chamen und im Speziellen mit Rohey Jobe und Fatou Cham, welche von unserer Schul-AG seit 5 Jahren unterstützt werden, direkt unterhalten. Schon im Vorfeld hatte ich mir viele Gedanken gemacht und war sehr gespannt. Die anfänglich sehr scheuen Kinder stellten sich zuerst ein wenig vor, erzählten auf Nachfragen auch über ihren weiten Schulweg, ihre Wünsche für die Zukunft und ich notierte mir von allen, was sie am Nötigsten brauchen. Als mir Rohey sagte, dass sie einmal Präsidentin von Gambia werden möchte, dachte ich mir: „Ja, warum nicht groß denken, um sich täglich anzuspornen.“ Sie ist sogar eine sehr gute Schülerin und könnte unter besseren Bedingungen weit kommen. Doch erst nach meiner Anschlussfrage, was sie als erstes in Gambia ändern würde, wenn sie die Regierung leite, konnte ich sie verstehen. Ihr Wünsch wäre, dass jedes Kind zur Schule gehen könnte. – Kurze Zeit an dieser Stelle zum Nachdenken. – Diese, sowie die Informationen von den Lehrern/den Schulleitungen gebe ich später stets Tanja von Hand in Hand for the Gambia in Deutschland weiter. Nachdem wir alle Partnerschulen besucht und die Patenkinder befragt haben, entscheiden wir über künftige Hilfsaktionen. Doch eines stellte sich jetzt schon heraus. Wenn unsere Patenkinder schon kein Frühstück oder regelmäßig Essen sowie Arbeitshefte haben, um dem Unterricht gut folgen und gute Leistungen erbringen zu können, wie muss es dann den Kindern gehen, die keine Paten haben?

Die Patenkinder von Chamen vor der renovierten Bibliothek.

Daraufhin begleiteten mich meine Kollegen Ali, Sulayman und Nuha zu den Compounds von Fatou und Rohey, wo ich mich, unser Schulprojekt, wie ebenfalls den Verein Hand in Hand in Deutschland den Familien vorstellen konnte. Meist benötigte dies Übersetzungshilfe, da die meisten älteren Gamber oft nur ihre Volkssprache sprechen. Fatou und Rohey führten uns daraufhin jeweils durch den Compound und ich konnte mir meine Gedanken darüber machen, was am dringendsten benötigt wird. Wenn man beide Compounds vergleicht, hat es Fatou um Einiges besser getroffen. Ihr Vater ist Tischler und nebenbei betreibt die Familie Landwirtschaft. Sie besitzen sogar eine richtige Toilette, haben ausreichend Platz, einen Brunnen, einen Garten und etwas Vieh.

Roheys Familie dagegen hat es nicht so gut getroffen. Der Sturm hat auch hier die Zäune für ihre Felder zerstört. Es gibt keine ausreichende Elektrizität. Die Sanitäranlagen sind unzureichend und Platz oder nur ein wenig Privatsphäre gibt es nicht.

Mit ein paar weiteren Geschenken, konnte ich ihnen, wie den anderen Patenkindern für den Moment ein Lächeln ins Gesicht zaubern und spürte vor allem bei Roheys Eltern große Dankbarkeit.

Das Zusammentreffen war in beide Richtungen sehr emotional und ich habe mir fest vorgenommen, möglichst auch wirksame kurzfristige Hilfe zu leisten. Mit gemischten Gefühlen ging ich zu Bett.

Fun Fakt am Rande: Sofern es ein Junge wird, möchte eine hochschwangere Lehrerin ihr Kind nach mir benennen.

Gambia – 16.09. – 18.09.2021

16.09.2021 – Um einen besseren Datenupload zu bekommen, verkleinere ich nun meine Blog-Beiträge und muss auch leider meist Bildbeiträge reduzieren.

Die afrikanische Zeitrechnung kenne ich ja schon von meinem Trip mit Ömer zu Mama Rita nach Südafrika. Lovely greatings to my African Mom. Von daher freue ich mich über mich selber, dass ich die deutsche Pünktlichkeit bereits von mir selbst abgelegt habe und Ali von Hand in Hand for the Gambia erst knapp 3 Stunden später als ausgemacht mich beim mittäglichen Strand“frühstück“ besuchte. Das hatte schon was für sich.

Nuha und Sam trafen dann auch noch ein und wir besprachen meine Pläne für die Zeit in der Northbank, in der sich unsere Patenschulen befinden. Morgen werde ich dann Sulayman wieder sehen, ebenso Kebba mit Ali treffen, um das Ganze ein wenig mehr Form annehmen zu lassen. Doch sowohl heute und morgen ebenso steht das Kennenlernen im Vordergrund. So haben wir anschließend auch einen gemeinsamen Ausflug in ein Museum für gambische Kulte, das Kachikally Museum,  samt Krokodilfarm unternommen.

Zwar hat sich Nuha als guter Museumsguide herausgestellt und auch Ali konnte mir viel beibringen, doch leider geht es bei den zu sehenden Riten mit den traditionellen Masken der verschiedenen 8 Volksstämme um die Beschneidung. In meinen Augen ist das eher als Verstümmelung anzusehen. Zwar bin ich nicht als Missionar hier, dennoch schmerzt es mich zu sehen, wie man darüber denkt. Die Gamber sind ein sehr stolzes Volk und überwiegend als Moslems streng gläubig. Sie halten sich an den Islam und jeder Volksstamm adaptiert das an traditionellen Riten, was sie davon für gut empfinden. Daraus kommt ein Mix aus Aber- und Glaube. Ebenso die Sicht darauf, dass eine traditionelle Beschneidung im Busch mit dem Schamanen besser ist, als eine im Krankenhaus mit sterilem Besteck.

Anschließend konnte ich noch etwas am Strand chillexan, bevor mich Amadou, meine Bekanntschaft und Leidensgenosse vom Hinflug mit seiner Freundin Fatimeh besuchte und wir zusammen den Abend verbrachten.

Bevor der erneute Regenguss einsetzte, entwickelte sich mein kurzer Schnack mit dem Nachwächter des Patta Patta samt einigen Taxifahrern zur abendfüllenden Unterhaltung mit Überlänge. Dabei wurde mir mein erster typisch gambischer Tee, der Ataya, spendiert. Ein Grüntee, der über offenem Feuer zubereitet wird, zu allen Anlässen im engen Familien- und Freundeskreis getrunken wird und eigentlich sehr bitter schmecken sollte, sofern man nicht das halbe Glas mit Zucker füllt, was man hier sehr gerne macht. Auf alle Fälle habe ich mich sehr gut aufgenommen gefühlt und gut unterhalten. Ob mein Redefluss durch den Zucker bewirkt wurde? Vielleicht haben sich aber auch meine definitiv bescheidenen Englisch-Skills bereits etwas verbessert:). Ich hoffe Letzteres.

Die Sundownergrüße des Tages sind für Tanja und Lamin, die auch aus der Entfernung von Deutschland aus ein gutes Auge auf mich haben und meine Zeit in Gambia mitmanagen.

17.09.2021 – Irgendwie sind die Nächte hier immer kurz und da ich um 8 Uhr nicht mehr in der Falle liegen konnte, dachte ich mir, gehste mal den Strand entlang joggen. Dort war ich absolut nicht der Einzige, denn junge Gamber tummeln sich hier morgens und abends, um zu Pumpen und vor allem ihr Fußballtraining abzuhalten. Gegen deren Fitness stinke ich ganz schön ab. Schade ist nur, dass die Einheimischen diese Chance, Sport am Strand zu treiben, nur haben, wenn keine Saison ist, da man dann die Gegend sperrt, damit sich Touristen auf ihren Liegen aalen können. Ansonsten war es mal wieder toll, mit dem Meeresrauschen und dem Brechen der Wellen zu laufen und den Blick ins weite Nichts zu werfen. Wenn da nicht auch die andere Seite wäre. Leider befand sich auf meiner Strecke neben Muscheln und Kokosnüssen allerhand Plastikmüll, rostiges Metall, verfaulende Fische und ein abgetrennter Ziegenhuf. Am Rande erblickte man nicht wirklich gut genährte Pferde, auf denen die Touristen einen Strandausritt unternehmen können oder wird auch mal von streunenden Hunden abschnittsweise begleitet. Als ich dann plötzlich vor einem vom Inland ins Meer strömenden Fluss stand, war eine Schleife durch die Pampa nötig. Dabei kam ich über eine Brücke in ein Sumpfgebiet über dessen, sowie meinem Kopf nicht nur sprichwörtlich die Geier kreisten, bis ich in einem Eco Park gelandet bin. Vereinzelt arbeiteten Männer in Reisfeldern und leisteten bei ansteigender Hitze ihre zermürbende Arbeit. Für mich hingegen war es dennoch idyllisch, weil neben den Geiern ettliche weitere Vogelarten über die Felder flogen und sich in den unterschiedlichsten Bäumen, Palmen und Schlingpflanzen niederließen. Echt malerisch, sodass sich der Umweg richtig gelohnt hat. Nur schade, dass man dann genau in diesem Moment keine Kamera dabei hat. Gleichwohl war der Entschluss gefasst, diese Strecke nochmals zu laufen und an dieser Stelle mit Bildern zu ergänzen. Die ganze Strecke laufend durchzuhalten bis nach Kotou zum Ende des Strandes, auf den ich danach wieder stieß, und zurück, schaffte ich sowieso bei den stetig ansteigenden Temperaturen nicht. Ich musste Pausen einlegen und konnte dafür alles auf mich wirken lassen. Bis auf einmal ein 1 Meter langer Varan meinen Rückweg passierte und glücklicherweise auf dem engen Pfad als erster das Weite suchte. Bevor mein Appartement kam, musste eine kleine Aklimatisierung erfolgen und ich stürzte mich in die sich auftürmenden Wellen. Geschrieben, getan. Nach dem Meeting mit Ali, Sulayman und Kebba, mit denen mein Transfer, meine Unterkunft und mein Wirken in der Northbank konkretisiert werden konnte, lief ich nochmals Richtung Eco Park.

Kebba, Ali, ich selbst und Sulayman von Hand in Hand for Gambia.

Anschließend ging das große Zittern los, vor allem für Susanne vom Familiy Health Project Gambia, die ihren Geburtstag mit uns am Strand feiern wollte, weil wieder ein starker Regenschauer einsetzte. Diesen haben wir zuerst etwas ausgesessen, sind dann durch den Regen getanzt und haben danach einen wunderschönen Abend mit Musik, netten Leuten, Kartoffelsalat und gegrillter Ziege verbracht.

Meine Sundownergrüße gehen heute natürlich an das Geburtstagskind Susanne, das uns einen unvergesslichen Abend bereitet hatte.

18.09.2021 – Aufgrund dessen, dass die Nacht kurz war, dehnte sich mein Schlaf etwas länger aus und der Tagesstart hat sich an den Strand verlagert. Endlich kam ich einmal zum Lesen und genoss meine Folienkartoffeln mit Gemüse auf der Veranda der Strandbar. Nachmittags besuchte Susanne uns (Sonja, Solomon und mich) im Appartementkomplex und wir unternahmen das, was am Wochendende gefühlt jeder Gamber macht. Man kommt an den Strand. Entweder wird Sport getrieben oder man legt es auf ein Sehen und Gesehenwerden an. Uns war eher nach schlendern zu Mute.

Nach der Dämmrung traf ich Modou, Lamin Bojangs (2. Vorsitzender von Hand in Hand for the Gambia e.V.) Bruder. Auch mit ihm sprach ich über das Projekt und als Mechaniker und Taxifahrer hat er sich angeboten, mich und meine Lehrerkollegen Ali, Nuha, Sulayman und Kebba morgen zur Fähre zu bringen. Auf alles, was mich nach der Überfahrt ins nördliche Territorium erwartet, bin ich sehr gespannt. Natürlich weiß ich, dass ich mich weiter einschränken muss und die Lebensbedingungen nicht gut sind. Dennoch bin ich sicher, dass meine gambischen Kollegen alles unternehmen werden, um mir einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. So gehen heute die letzten Sundownergrüße von der Küste an meine Eltern.

Gambia – 13.09. – 15.09.2021

13.09.2021 – Nachdem ich ab 4 Uhr nicht mehr richtig geschlafen hatte, sammelte uns Chrissi, wie immer pünktlich wie die Maurer, um 6 Uhr 30 ein und brachte Steffi und mich sicher zum Frankfurter Flughafen. Da musste ich mich mit ein bisschen Wehmut, aber viel Vorfreude von den beiden verabschieden und meine nächste große Reiserunde nahm Fahrt auf.

Es dauerte ein wenig, bis endlich klar war, dass mein Gepäck nun korrekt aufgegeben war und ich entspannter ab Brüssel den Weiterflug nach Banjul über Dakar angehen konnte und über zwei Ecken meinen Kontakt Nuha vor Ort mir signalisierte, dass er mich am Flughafen abholen wird.

Und dann haben sich doch noch böse Omen bewahrheitet. Nach zweiwöchigem Hin- und Hertelefonieren wegen dem Gepäck und einer nicht auf dem Flugplan verzeichneten Zwischenlandung in Dakar/Senegal, kam ich nach 14 Stunden Anreise in Banjul/Gambia am Flughafen an, auch mein Koffer mit den Sportshirts, aber der mit den persönlichen Sachen eben nicht. Nach einer Dreiviertelstunde am Band, sagte man uns dann – es erging noch anderen so – dass in Brüssel so einiges an Gepäck liegen geblieben ist. Na herrlich. Nuha, mein Lehrerkontakt vor Ort und sein Kumpel Sam haben da schon ewig auf mich am Flughafen gewartet und brachten mich dann erstmal zur „Einkaufsmeile“, damit ich Geld abheben, mir ein paar Kultursachen kaufen und eine Simkarte besorgen konnte.

Nun lerne ich das Zähneputzen neu;).

Anschließend ging es weiter zu den No Worries Appartements in Kerr Serign. Hier hatte mir Nuha auch eine Unterkunft organisiert. Bis dahin war es schon stockdunkel und der Magen musste noch gefüllt werden. Dazu ging es zu Sambas Kitchen in Senegambia, wo ich mich für die Hilfe der beiden erkenntlich zeigen konnte. Und was soll ich sagen? „Bestes Hühnchen ever gegessen!“

Zumindest Nuha konnte mir den Morgen verschönern. Er brachte mir von seiner Mama zubereitetes Frühstück mit. Gestampfte Bohnen als Knödel geformt und anschließend frittiert. Diese werden mit Brot umfasst und in ein süßscharfes Chutney eingetaucht und gegessen. Lecker. Leider konnten wir immer noch nicht die WiFi-Probleme des Vorabends lösen, immerhin ging der Stromgenerator mittags wieder, aber dafür gab es kein Wasser mehr. Mal sehen, wie es aussieht, wenn wir wieder heimkommen.

14.09.2021 – Der Tag ging ziemlich bescheiden los. Nämlich mit der Nacht. Als mich die Jungs heimgebracht haben, fing es an zu stürmen, zu schütten und zu donnern und natürlich zu blitzen. Ein ziemliches Donnerwetter könnte man sagen. Und dabei fiel die Elektrizität und somit auch der Deckenventilator aus. Glücklicherweise hat mir Susanne den Tipp gegeben, einen Tischventilator zusätzlich mitzunehmen. Das war zumindest für die Hitze die Rettung. Nichtsdestotrotz war an Schlaf, aufgrund des regen Treibens im Appartementkomplex wenig zu denken. Übrigens krähen hier die Hähne auch länger als unsere heimischen. Nämlich gerne bis zur Mittagszeit. Daneben begrüßten mich Kakerlaken und Ameisen, sodass mein zweiter Blick auf das Zimmer und die Anlage nicht ganz so gut ausfiel. Die baulichen Mängel und Gefahrenzonen kann ich gar nicht alle aufzählen und werde sie auch nicht bildlich dokumentieren.

Mittlerweile kam Sam und wir fuhren in den Affenpark. Ich denke, was zu sehen ist, spricht für sich. Des Weiteren hat uns unser Guide noch ein wenig über die Fauna und Flora des Landes aufgeklärt.

The Gangsters themselves;) Sam & Nuha.
Auch hier kennt man Licher-Bier!

Da der Park direkt an der Küste liegt, lag ein Abstecher an den Strand nahe.

Die hiesigen Möwen heißen übrigens Geier!

Es dauerte dann auch nicht lange, bis ich meine erste Begegnung mit bekannten gambischen Musikern hatte. Die Jungs von The Nobles singen in ihren Liedern über das Zusammenwachsen und Zusammenhalten der unterschiedlichen Stammesethnien in der Bevölkerung Gambias.

Ja, ich bin weißer als das Unterhemd;). Noch!

Wir entschlossen uns dann, schon einmal Richtung Flughafen zu fahren, da der Verkehr mörderisch ist und alles nur sehr gemächlich vorangeht, um dann noch eine Halbzeit ManU gegen Young Boys Bern zu schauen. Hier ist man überall absolut verrückt nach Fußball. Das ist für mich dann immer ein gutes Gesprächsthema, um mehr mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Obwohl alle wirklich sehr zugänglich sind.

Danach durfte ich dem Flughafen in Banjul erneut „Hallo!“ sagen, meinem Koffer aber noch lange nicht. Zusammen mit Amadou, den ich auf der Hinreise kennenlernte und der als Koch im Schwarzwald arbeitet, ging erneut das lange Bangen los. Wieder standen wir da bis zum Schluss.

Es kann so unglaublich schön sein…, bis man feststellt, dass der Griff fehlt und man zur Schadensaufnahmestelle muss, während andere erneut auf einen warten müssen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, fuhren wir direkt zu Susanne, die ich in Mainz kennenlernen durfte, auch Lehrerin im Sabbatjahr und Gründerin des Family Health Project Gambia e. V., nach Kololi und weiter zu Senegambia in Solomons Bar. Erstmal alles sacken lassen, sich austauschen und schauen, wie es weitergeht.

Als wir später heimkamen und festzustellen war, dass immer noch keine Internetverbindung aufgebaut werden konnte, musste ich mit den Jungs besprechen, dass ich so leider große Probleme habe, meine Reisevorbereitungen im nördlichen Territorium zu treffen, meine Reise zu dokumentieren und ansonsten auch gerne die nächsten Tage, bis ich größere Entbehrungen haben werde, fließend Wasser, Strom und ein sauberes Bett hätte. Glücklicherweise, da Bettüberzug und Matratze ziemlich zu Wünschen übrig ließen, hatte ich nun für diese Nacht meinen Sommerschlafsack, in den ich mich legen konnte.

15.09.2021 – Diese Nacht war auch nur bedingt besser als die vorherige, weil u. a. wieder der Strom ausfiel und die Hähne unerbittlich krähten. Schweren Herzens musste ich Nuha und Sam und später auch dem Vermieter des No Worries Appartement erklären, dass ich mit Susannes Hilfe, und der ihrer Freundin Sonja, eine neue Unterkunft finden konnte und ich umziehen werde. Die Stimmung war erst einmal gedrückt, da ich gemerkt habe, dass es ihnen allen Leid tut, wenn es mir nicht gut geht und ich niemanden beschämen wollte. Ich erläuterte, wozu ich nach Gambia gekommen bin und wie ich, unsere AG und der Verein Hand in Hand for the Gambia e.V. die Familien in der Northbank unterstützen möchte und habe dafür das Verständnis für meine Entscheidung, als auch einen annähernd fairen Preis für die zwei Nächte bekommen. Zurück bleibt vor allem die Erkenntnis, dass es wichtig ist, aufzuzeigen, dass man nicht als bloßer Tourist hergekommen ist, sondern sich für das Land und die Lebensweise der Gamber interessiert, etwas darüber lernen und den Menschen eine Unterstützung geben möchte. Das Ende vom Lied: „No worries!“

Die Jungs brachten mich sodann nach Senegambia in das Patta Patta – Appartement, das lustigerweise direkt zwischen Sambas Kitchen und Solomons Bar und somit in Strandnähe liegt.

Patta Patta – definitiv einladender!

Hier habe ich mich gleich wohler gefühlt und Buba, der Besitzer, den ich nun erst einmal kennenlernen wollte, machte einen sympathischen Eindruck. Etwas später kam Sulayman vorbei. Er ist ebenso ein Lehrer und Mitglied der Organisation von Hand in Hand for the Gambia hier vor Ort. Er half mir, meine Verbindungsprobleme möglichst dauerhaft zu beseitigen. Die gambischen Stromnetze sind definitiv nicht von besten Eltern und das haut das Internet ständig weg. Für alle Langzeitreisende kann ich nun empfehlen, einen Taschenrouter zu kaufen und dann, je nach Land und Anbieter, diesen mit Guthaben aufzuladen. Dies macht mich zuversichtlich auch in der Pampa meine Berichte, Videos und Bilder an meine Sponsoren, den Verein, unsere KKR+-Schul-AG und allen Interessierten des Blogs liefern zu können.

Thanks to the „Big Man“!

Das ganze Prozedere, sowie der Besuch bei einem Office von Brüssel Airlines hat allerdings ewig gedauert und zu schlechter Letzt konnte man mir dort wegen meinem beschädigten Koffer nicht weiterhelfen. Zurück im Patta Patta hielt es mich nun nicht mehr… ich eilte zum Strand und sprang ins Meer, bevor ich anschließend meine erste Mahlzeit des Tages um 18 Uhr zu mir nehmen konnte. Natürlich in Sambas Kitchen. Er hat’s einfach drauf und so langsam fühle ich mich von der Reise her angekommen.

Um 19:30 Uhr werden die Temperaturen langsam angenehmer und während sich Sporttreibende am Strand rumtreiben, starten andere ins Nachtleben. Ich war etwas ruhiger unterwegs und wollte erstmal ausspannen.

Meine ersten Sundownergrüße gehen verspätet an Chrissi für den besten Teil der Hinreise;).

Gambia – 3… 2… 1…

10.09.2021 – Almann auf Reisen: Die Apotheke steht.

Vielen lieben Dank an meinen Medizinmann Jan von der Felsenapotheke Hauenstein.

11.09.2021 – 24 Stunden Daumen drücken, bis das Ergebnis kommt!

12.09.2021 – Der Countdown läuft! Nach gefühltem ewigen Warten und Zittern auf das Testergebnis, ist es nun endlich da – negativ. In der Hinsicht bin ich flugfertig und könnte beruhigt schlafen. Allerdings habe ich seit zwei Wochen immer wieder Ärger mit Opodo (würde ich nie mehr wählen) und der Fluggesellschaft Air Brüssel, da mein Gepäck nicht mit umgebucht wurde oder der Check In nicht funktionierte. Naja, … es geht in die letzten Züge, damit es morgen in den Flieger gehen kann.

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