04.10.2021 – Gestern konnten Susanne und Bakary ihr Firmenfahrzeug, welches nach der Reparatur einen neuen Anstrich verpasst bekam, aus der Werkstatt holen.

Für das Anbringen des Logos vom Verein Family-Health-Projects Gambia e.V. ließ Susanne Aufkleber gestalten, die wir anbrachten und nebenbei hofften, dass man dann nicht so oft von den Straßenpolizisten angehalten und kontrolliert wird. Pustekuchen! Kaum losgefahren, war es soweit. Der Beruf eines Verkehrspolizisten gleicht hier manchmal eher einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Auch sie lassen deutlich gerne ihre Macht spielen und halten notfalls oder wenn es sich ergibt die Hand auf. Man muss trotzdem sagen, dass diese Problematik bereits bei der Führerscheinstelle anfängt. Die Fahrerlaubnis kann man sich einfach kaufen. Nichts desto trotz konnten wir unseren Weg nach Brikama fortsetzen, nachdem wir klarmachten, dass wir kein Taxibus, sondern ein Non-Profit-Unternehmen für Familienhilfe sind. Unterwegs kauften wir Draht und Zement ein, zusätzlich zu den Materialien, die wir im Wagen hatten, und nahmen Musa, der zum Probearbeiten eingeladen war, mit.
Unsere Chefin Susanne hat uns Kaffee, Tapalapa (= Baguette mit Rührei, Zwiebeln, Tomaten und Mayonnaise) und Nutellabrote bereitet. Für so eine Vorgesetzte arbeitet man einfach gerne. Gestärkt kamen wir nach einer Stunde im Compound von Alui Sane, die mit ihrer Tochter alleine lebt und sich als Lebensmittelhändlerin, vorwiegend mit den Produkten des eigenen Gartens, den Unterhalt verdient, an.

Der Verein sucht stets eine alleinstehende Frau aus, die durch den Bau einer hygienischen und für die Atemwege gesündere Standardküche unterstützt wird.
An meinem ersten Ofenbautag ließ ich mir es nicht nehmen, Bakary und Solomon unter die Arme zu greifen. Und auch Praktikant Musa brachte sich mit viel Eigeninitiative motiviert ein.
Zuerst wurden Eisenstangen abgemessen, auf die entsprechende Länge zugesägt und daraufhin zu einem Metallgestell verdrahtet.


Als Nächstes musste eine Verschalung hergestellt werden. Dazu wurden erst die Maße genommen, um die Holzlatten zuzusägen. Diese wurden anschließend in den Stein genagelt, sodass ein Rahmen für die Bodenplatten entstand.



Hinzu kam eine Verkleidung für die Front und die offene Seite. Nun konnten Sand, Zement und roter Kies mit Wasser zusammen zu Beton vermischt werden. Dieser musste letztendlich in die Verschalung geschaufelt und mit der Kelle glatt gestrichen werden.




Das Teiletappenergebnis konnte sich sehen lassen. Es muss nur noch austrocknen, bis wir am Mittwoch daran weiter arbeiten können.
Nachmittags, ich weiß auch nicht genau, warum ich mir das antat, ging ich mit Solomon und Bakary ins Fitnessstudio – noch mehr schwitzen als sonst schon. Vielleicht wollte ich mir das folgende Wellenbad verdienen. Im Meer sprach ich noch mit Ibrahim, ein freiwilliger Lifeguard, eigentlich Surflehrer, über die Problematik der fehlenden Schwimmkenntnisse der Gamber. Es war erschreckend zu hören, dass der Großteil, der ins Merr Springenden, natürlich nicht nur nicht schwimmen kann, sondern viele Gamber kein Interesse zeigen, Schwimmanweisungen der Lifeguards ernst zu nehmen.
Zum Abendessen wählten wir mal wieder Solomons Beach Bar & Restaurant, weil es da nicht nur gutes Essen und tollen Service gibt, sondern eine schöne, kühle Brise weht. Den Jungs konnte ich die Kartenspiele „Schwimmerles“ und ‚Mau Mau“ beibringen, eine gambische Art des letzteren Kartenspiels hatte ich bereits bei Ali gelernt, sodass wir die Karten fliegen lassen konnten. Bereits seit gestern hatte ich den Tag- und Nachtwächtern vom Patta Patta, sowie den Taxifahrern und Tourguides außen herum Deutschvokabeln und Standardsätze ins Englische vorbereitet, damit sie diese in der Touristenhochsaison von November bis Januar nutzen können, um ihr Buisness aufzubessern. Da man hier ständig auf Englisch angesprochen wird mit „Wie geht’s dir?“, „Was ist dein Name?“, „Woher kommst du?“, „Komm und kauf das!“ „Wo gehst du hin?“ oder ganz simpel „Taxi?“ habe ich zwischenzeitlich nicht nur mein Walluf verbessert, um eben nicht nur als bloßer Tourist angesehen zu werden, dem man das Geld aus der Tasche ziehen möchte, sondern auch, um auf die zahlreichen Ansprachen mit einem Hilfsangebot antworten zu können. Wer möchte kann meine Deutsch-Englischübersetzung abfotografieren, sodass ich nach kurzem Plausch und Erklärung meiner freiwillen Arbeit in Gambia wieder meiner Wege gehen kann, ohne dass jemand zu penetrant wird. Mit den Angestellten des Patta Patta, den Shopbesitzern und Fahrern in der Nähe der Unterkunft, sowie den Jungs von der Happy Corner habe ich seit Beginn an ein gutes, freundschaftliches Verhältnis, weil sie alle merken, dass ich etwas im Land verbessern möchte. Oft sitzen wir über den Tag oder abends noch zusammen bei einem Ataya und tauschen uns über alles Mögliche aus.
Für unseren Schulküchenbau in Prince kamen über unseren Spendenaufruf knapp unter 1700 Euro zusammen. Das ist einfach wunderbar und ich möchte mich im Namen aller freiwilligen Helfer bei all euch lieben Menschen bedanken. Heute mussten weitere Materialien besorgt und zur Schule transportiert werden. Ein Hausbauer und ein Maurer wurden engagiert, damit bald die Wände hochgezogen werden können. Die nächsten Gelder sind dafür geflossen und wir hoffen, dass wir noch weitere 800 Euro bis zum 12.10.2021 generieren können, um das kalkulierte Ziel von 2500 Euro erreichen zu können. (Bitte gesungen vorstellen und lesen:) „Vielleicht ist noch ein Spender da, Spender da, Spender da? Vielleicht ist noch ein Spender da, Spender daaaaaa?“ Jeder Euro zählt und macht uns sehr glücklich.
Kontoinhaber: Family-Health-Projects e.V.
Kontonummer: DE11 5519 0000 0112 8140 17
Kreditinstitut: Mainzer Volksbank
Verwendungszweck: Schulküche Prince
Meine spätabendlichen Sundownergrüße gehen an meine Landauer Studienkollegen, die „Wünschels Zeitzeugen“. Wisst ihr noch, wie schwer wir uns mit Fremdsprachen, egal ob Latein, Englisch, Hochdeutsch und glücklicherweise nicht mit Französisch, getan hatten? Außer natürlich in der Prüfung;). Mit meinem Englisch komme ich einigermaßen zurecht. Mein Walluf, was von der Lautsprache echt schwierig ist, steckt noch im Basislevel 1. Man nutzt dabei auch Klicklaute. Also Mediävistik (= das Lernen der mittelalterlichen hochdeutschen Sprache) ist mir an der Uni um einiges leichter gefallen.

05.10.2021 – Über die Nacht bis heute Nachmittag fiel nicht nur der Strom in der gesamten Gegend aus, sondern ebenfalls der in die Jahre gekommene Generator im Patta Patta. Schlaf war somit des Nächtens auf Grund der Hitze schwierig und in den Morgenstunden stürmte es mal wieder, weshalb ich dann doch nicht länger schlummern konnte. Wenigstens war arbeitsfrei und es sollte ein gemütlicher Tag werden. Nach dem Frühstückskaffee lernte ich mit einem der Security, Bakary, Englisch-Deutsch und anschließend Englisch-Deutsch-Walluf. Nebenbei haben wir gewürfelt und sogar über die jüngste deutsche Geschichte, den Kalten Krieg und die Wiedervereinigung gesprochen. Bakary, nicht zu verwechseln mit Bakary vom Family-Health-Projects (Traditionell herrschen muslimische Namen vor und häufen sich. Auf die Idee, jemandem einen Modenamen zu geben, wie Kevin, Shanaya oder Mandy, ist hier noch niemand gekommen.), will Lehrer werden und zeigte sich überaus interessiert. Irgendwie komme ich nicht immer ganz aus meiner Lehrerhaut heraus. Aber es ist ja schön, wenn man etwas weitergeben kann. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich mittags Hunger und die Gelegenheit dazu, das klagende Gefühl im Solomons zu stillen. Während meiner anhaltenden Magen-Darm-Beschwerdephase habe ich auf den Lunch verzichtet. Seit drei Tagen habe ich umgestellt, dass ich die Malaria-Prophylaxe nicht morgens nach dem Frühstück, sondern abends vorm ins Bett gehen nehme. Das macht mir nun weder große Schwierigkeiten, noch mich über den Tag schlapp. Ein Problem verbessert, da ließ das nächste nicht auf sich warten. Irgendetwas hat mich vor drei Tagen in die Wade gestochen oder gebissen und es wird stets dicker, wärmer, fester und breitet sich aus. Cortison habe ich bisher nicht. Dafür hat mir ein Nachtwächter eine Tasse Eiswürfel besorgt, die in rauen Mengen herangekarrt wurden, um bei dem Stromausfall die Lebensmittel im Restaurant Solomons zu kühlen. Der Shopbesitzer von nebenan meinte, ich solle das Ganze mit Magarine einreiben. Ich schaue zuerst einmal, wie es morgen aussieht, bevor ich mit einer Fettmassage beginne.
Doch weiter der Reihe nach! Nachdem sich nachmittags der morgendliche Regen legte und es etwas freundlicher wurde, besuchte mich Sam und wir fuhren mit Solomon (Nicht dem Restaurant, sondern der Mitarbeiter im Family-Health-Projects Gambia e.V.!) nach Serrekunda. Er wollte mir den Black Market, den Schwarzmarkt zeigen. Zwar habe ich nichts gebraucht, interessiert hat es mich dennoch. Da beide in ihren Compounds keine Elektrizität besitzen, habe ich mich für sie nach Solarlampen umgeschaut und zugeschlagen.

Während draußen auf den Straßen schon reges Treiben herrschte und man legale Waren an lizensierten Ständen erwerben konnte, sah es im Gewirr zwischen den Häuserblöcken ganz anders aus. Wir suchten uns den Weg durch enge, verwinkelte Gassen mit provisorischen Verschlägen, wo sich unzählige Kaufwillige und Verkäufer tummelten. Ob Kleidung, Technikzubehör, Essen, Stoffe, Holzarbeiten, Schmuck, Uhren, Schreibwaren, Eisenwaren, Schuhe … das Angebot war groß, aber nicht wirklich großartig. Second Hand, Helerware oder Diebesgut wechseln täglich, neben Billigprodukten aus China den Besitzter, manchmal mehr, meist aber weniger legal, wie mir die Jungs berichteten. Das gab für mich den Anlass, mit Sam über die Auswirkungen des Schwarzmarkts auf den Arbeitsmarkt zu sprechen oder was das Verschiffen von Second-Hand-Kleidung oder Elektroschrott aus Europa in die afrikanischen Länder bewirkt. Die heimischen Schneidereien verlieren Aufträge. Seltene Metalle in Handy- oder Computerchips, wie auch größeren Elektrogeräten werden oft von Kindern auf der Deponie durch ein giftiges Brennverfahren, welches die Atemwege angreift und Dauerschäden verursacht, herausgeschmolzen. Man steckt also zuerst einmal in einem Dilemma, wenn man seine nicht mehr benötigten Klamotten in den Altkleidercontainer oder das aussortierte Handy abgeben möchte. Grundsätzlich sollten Produkte so lange wie möglich im Warenkreislauf bleiben und anschließend über einen entsprechenden Anbieter sauber recycelt oder vielleicht sogar von einem selbst upgecycelt werden.



Mit der Zeit wurde es uns dann einfach zu viel und wir traten die Rückfahrt an. Vor der (Weiß-)Brotzeit in der Dämmerung schaffte ich es kurz ins Meer (Zum ersten Mal sah ich einen kleinen Fischschwarm die Wellen reiten, bis sie brachen und sich in der Gischt ergossen!) und beendete meinen Reiseschmöcker „Safari des Lebens“. Ob sich meine tragische Vermutung zu Lesebeginn in Bezug auf die Entwicklung der Hauptfiguren und deren Suche nach den Big-Five-For-Life zum Ende hin bestätigt hat, … verrate ich natürlich nicht. Eine Leseempfehlung kann ich guten Gewissens geben. John Streleckys philosophischer Abenteuerroman half mir bei meiner bisherigen Zeit, mich fallen zu lassen, Prioritäten zu verschieben, bewusster zu erleben, Perspektiven zu wechseln und noch so viel mehr.
Mein nicht in Worte zu fassender Dank für die phantastische Zuwendung zu unserer Spendenkampagne für die Schulküche in Prince darf ich den Minigs aus Mechtersheim aussprechen. Einfach sensationell.

Der Bau ist in vollem Gange. Meine herzlichen Sundownergrüße gehen an euch liebe Minigs.

06.10.2021 – Der erste Stopp heute war in einer Apotheke, um Cortisoncreme zu kaufen. Die Infektion an meinem Bein wurde nämlich von Tag zu Tag heftiger. Mittlerweile hat sich eine Verhärtung an der Wade auf 6-7 cm Durchmesser und somit über Nacht quasi verdoppelt ausgebreitet. Mir fällt es schwerer zu gehen oder das Bein zu strecken. Die Einheimischen wollen mir einreden, dass ich einen Parasiten bekommen habe, ein Mangowurm oder Sandfloh vielleicht. Den müsse man rausholen, bevor er zu groß wird. Ich hoffe sehr, dass mir die Salbe hilft.
Erneut ging es daraufhin zuerst auf die Baustelle ins Familiencompound nach Brikama, um die Standardküche weiter zu bauen. Das Fundament war ausgetrocknet, weshalb das Formen der zwei Brennöfen begonnenen werden konnte. Daraufhin wurden Verbindungsgänge gemauert und ein gemeinsamer Schornstein angefangen.




Darum kümmerten sich heute Janko, Solomon und Musa, während Bakary, Susanne und ich nach einer Weile aufbrachen, um im südlichen Landesinnern eine Schule zu suchen. Susannes Arbeitskolleginnen an ihrer Bad Kreuznacher Schule wollen nämlich bald eine Gambia-AG wie meine an der Kanonikus-Kir-Realschule plus mit Workshops und Unterstützungsprojekten eröffnen. Dazu sollten wir nach einer staatlichen Schule mit Realschulzweig ohne bisherige Unterstützung Ausschau halten, die sich als Partnerschule eignet. Eigentlich hatte Susanne dafür im Vorfeld das Ministerium angerufen und eine Liste unterstützungsbedürftiger Schulen angefordert. Der entsprechende Mitarbeiter wollte, dass wir dafür extra nach Banjul fahren, um von ihm die wohl ihm wohlgesonnene Schule aufgeschwatzt zu bekommen. Darauf und a6f entsprechendes Schmiergeld wollten wir verzichten und fuhren lieber auf eigene Faust los. Schließlich hörte sich unsere Mission nicht so schwer an. Es gibt einfach unglaublich viele Schulen, die Hilfe benötigen. In Kafuta wurden wir schließlich fündig. Der Direktor war leider nicht anwesend, aber wir ließen uns von seinem Stellvertreter die vorherrschenden Nöte und Probleme erklären und übers Gelände führen.




Aufgabe erfüllt. Wenn Susannes Arbeitskolleginnen im Dezember nach Gambia kommen, können sie sich ein abschließendes Bild von der Schule machen und den Kontakt vertiefen.
Auf dem Rückweg hielten wir bei einem Händler für Küchenutensilien, um uns einen Überblick über die Kosten zu verschaffen. Unsere neue Küche in Prince muss natürlich auch mit Kochmaterialien ausgestattet werden.

Die Kostenausfstellung war ernüchternd für uns, sodass wir es lieber nächste Woche nochmal auf der Northbank probieren, wo es günstiger sein könnte.
Im Compound von Bakarys Mutter durfte ich mich später vorstellen und meine erste grüne Schlürforange suckeln.

Der Schmerz in meiner Wade breitete sich allerdings immer weiter aus, sodass ich beschloss, ihn nach einem Wellenbad abends von innen zu bekämpfen. Dabei leistete mir Susi beste Gesellschaft.



Die Schmerzen im Bein konnte ich fürs erste erfolgreich betäuben. Allerdings änderte das ja nichts hinsichtlich des Problems.
Ein herzliches Spendendankeschön geht an Lukas M. und Gabriele S.. Meine Sundownergrüße möchte ich euch und den Küchencrews der KKR und der DPSG zu kommen lassen.

























































