05.01.2022 – Mit einer großen Portion Wehmut verließ ich heute Morgen Steffen, Kate, Josh und William, konnte mir eine Träne nur knapp verdrücken und blickte schweren Herzens nochmal auf die „Maria Rosa“ zurück, als ich auf meiner neuen Bleibe, der „Ti Odara“ bei Marcel anheuerte.
Wir begannen, das Boot seefertig zu machen, wiederholten die wichtigsten Funktionen und Abläufe und zogen das Dinghi an Bord, bauten es auseinander und verstauten es, nachdem Marcel Gas geholt hatte. Meine Aufgabe war es zudem die Ankerkette herauszuziehen und zu säubern, während Marcel das Schiff senkrecht über ihr halten musste. Mit gelichtetem Anker, sowie angeschaltetem Motor fuhren wir locker aus Clarkes Court Bay um 11:30 Uhr raus.

Ich durfte auch direkt ans Steuer und manövrierte uns zwischen den Riffen auf die offene See, wo wir Kurs Richtung St. Georges nahmen.

Eine weitere meiner Aufgaben war es und wird es weiterhin sein, unsere Fahrtdaten jede Stunde ins Logbuch einzutragen, damit wir unsere Peilung zurückverfolgen und Kursabweichungen erkennen können.

Nachdem wir die Bay verlassen hatten, schalteten wir den Motor aus und rafften die Genua, zogen also das Vorsegel hoch. Das Großsegel konnten wir nicht benutzen, da wir uns sonst den schon spärlichen Wind aus der Genua genommen hätten. So schipperten wir eine Weile an der Südküste zur westlichen Spitze Grenadas entlang, bis wir das Großsegel raffen und nutzen konnten. Leider waren wir damit einen Ticken zu vorschnell und fielen schlecht in den Gegenwind ab, sodass wir gute 40 Minuten gegen Wind und Strömung kämpfen mussten. Ebenso erging es mir. An das stete Schaukeln muss ich mich erst gewöhnen, was mir hoffentlich lieber bald als später gelingt. Ganze 5 Stunden dauerte es, bis wir vor St. Georges an einer Boje, die ich anhaken und anziehen musste, festmachten. Zum Kiel sauber kratzen war es zu spät und wir folgten der Einladung von Lexy und Jason, einen Abschlussabend in Le Phareu Bleu Marina einzulegen. Sie holten uns in der Nähe des Anlegerpunktes mit dem Auto ab. Skurril, dass wir von dort aus eine halbe Stunde zur Marina fuhren, die eigentlich etwas hinter unserem Startpunkt war und für unsere Segelstrecke mit Vorbereitung gute 7 Stunden benötigten. Immerhin konnten wir uns in der Marina neben einer Dusche eine warme Mahlzeit gönnen und trafen ebenso auf Felicitas, die uns wahrscheinlich übers Wochenende begleiten wird. Es war ein schönes Zusammensein und zum Abschied bekamen wir von Lexy einen Sauerteig mit, den wir fortan Salvador (Dali) nannten und die nächste Zeit kultivieren werden. Zurück auf der „Ti Odara“ betrachteten wir etwas den vergangenen Tag und schauten, wie es weitergehen wird.
Ich empfinde starke Dankbarkeit gegenüber den Meyerers und bin überglücklich darüber, was ich in den letzten 25 Tagen erleben, erfahren, erlernen und mitnehmen durfte. Für die herzliche Aufnahme, den wunderbaren Start auf Grenada und das Zusammenleben auf ihrem Schiff im Kreise der Familie möchte ich heute natürlich meine Grüße an Steffen, Kate, Josh und William senden. Ihr seid großartig.

06.01.2022 – Über St. Georges nahmen wir den Bus in den Norden nach Non Pareil und erreichten nach langer Fahrt die „Crayfish Bay Organics Chocolate Factory“. Hier hat Marcels Freundin Manon letztes Jahr Woofing (eine Art Work and Travel) gemacht. Ursprünglich war dies ebenso mein Plan, sofern nicht alles anders gekommen wäre und ich nun ein Seebärchen bin. Marcel kannte den Besitzer, Kim Russel, von früher und wir haben uns auf einen Plausch niedergelassen. Ich konnte mir die Plantage anschauen und war, kaum, dass ich mich versehen hatte, mitten im Produktionsprozess eingespannt. So kam ich doch noch zum Woofing. Die fermentierten und getrockneten Kakaobohnen tüteten wir in Säcke ein. Anschließend wurden die Bohnen geknackt, sodass im nächsten Schritt das Bruchfleisch von der Schale getrennt werden konnte. Beim darauffolgenden Erhitzen und Schmelzen spielt die Temperatur natürlich eine wichtige Rolle. Hat die Schokoladenmasse ausreichend ihre Runden im Topf gedreht, kommen zum Beispiel Kokosnusscreme oder ganz neu im Sortiment, aber noch nicht auf dem Markt erhältlich, Minze hinzu. Wir haben von allen Varianten eine Probe bekommen, hatten aber vorher gut dafür geschwitzt. Kims Schokolade schmeckte fantastisch. Es liegt wohl nicht nur an den guten Bohnen, sondern ebenfalls daran, dass er als einziger Hersteller auf Grenada bei der Röstung Holzkohle statt Gas einsetzt.




Gut eingedeckt, machten wir uns auf den Rückweg, steuerten einen Supermarkt an, deckten uns mit weiterem Reiseproviant ein und stampften vollbeladen zum Dinghi. Dort kauften wir einem Händler weiteres Obst ab. Marcel hatte in der Obstkiste etwas umherhuschen sehen und hat direkt die erste, später beim Waschen auf dem Schiff, die zweite Kakerlake entfernt. Eine Kakerlakenplage auf See hätte uns gerade noch gefehlt.
Es war ein klarer Arbeitstag. Das Schlimmste folgte. Der Unterboden, Kiel und das Ruder der „Ti Odara“ mussten von Algen, Muscheln und Tang gesäubert werden. Das hieß Spachtel in die Hand, Flossen an- und Taucherbrille aufziehen und abtauchen. Da musste gut was weggeschabt werden. Und je mehr wir das Boot vom Grünzeug befreiten, desto mehr Fische tummelten sich um uns, die ein Stück vom „Kuchen“ abhaben wollten. Zumindest ihnen hat es geschmeckt. Um mich herum, schwamm das Zeug und das Meerwasser fühlte sich eher wie Plörre an. Ich kann nicht ausschließen, dass ich mal ein Schlückchen davon, neben etwas Salzwasser, geschluckt habe. Nichts desto trotz sieht die „Ti Odara“ wieder sauber aus und wir machen morgen vielleicht einen Knoten im Schnitt mehr Fahrt, wenn es auf Carriacou zugeht.
Zum Feierabend schenkte uns die untergehende Sonne ihr Lächeln, welches ich heute gerne an Hilal weitergeben möchte.

07.01.2022 – Klar Schiff machen hieß es in der Früh und Felicitas vom Festland abholen, damit unsere Crew bis zum Tagesziel Carriacou komplett ist.

Gleich zu Beginn starteten wir mit gerafftem Großsegel und kamen gut aus St. Georges los. Felicitas hat ebenfalls eine gute Portion Segelerfahrung und kann mir, wie Marcel, bei dem Erlernen der Grundkenntnisse helfen. Allein die unzähligen neuen Begriffe der Seemannssprache, das Beobachten der Instrumente, sowie Wind und Wellen sind fordernd und nach Gefühl oder Intuition kann ich eben noch lange nicht segeln. Deshalb wechselten wir uns am Steuer ab, wobei Marcel den allergrößten Teil der Strecke übernahm. Fliegende Fische streiften die Wellen auf Höhe Halifax. Möwen flogen ihre Formationen auf der Suche nach Essbarem und zwischen der Hauptinsel Grenada und Ronde Island begleiteten uns drei Delphine ein kurzes Stück, kreuzten unter unserem Boot und einer sprang sogar in unserem Kielwasser. Ein wirklich starkes Erlebnis. Vor allem, wenn man sonst sehr stark mit der See zu kämpfen hat. Wind und Strömungen waren hart, besonders in der Nähe des „Kick ‚em Jenny“, einen aktiven Unterwasservulkan, über den wir mussten. Dies zwang uns oft dazu, zu tacken, also zu wenden, um den Wind nicht direkt von vorne abzubekommen. Dabei muss die Genua auf die gegenüberliegende Seite, also entweder Steuer- oder Backbord, gebracht und anschließend getrimmt werden.

Da uns Neptun vorm Ziel nicht gelegen war, mussten wir den Motor zuschalten, sind dennoch erst in der Dunkelheit in der Tyrell Bay im Westen Carriacous nach über 10 Stunden durchgeschüttelt und leicht gebräunt angekommen. Unter Deck aufhalten war absolut nicht empfehlenswert. Meine Bugkajüte schluckte bisweilen überschwappendes Wasser, da die Deckluke nicht ganz dicht war. Deshalb durchnässte mein Schlafplatz, wie auch Teile meiner Wäsche und sonstiger Habe, wodurch ich abends erstmal versuchte meine Sachen annähernd trocken zu bekommen, bevor ich uns was kochte, um anschließend kaputt in meiner Salzgrotte einzunickern.
Dafür konnten wir zuvor erneut einen wunderschönen Sonnenuntergang miterleben. Meine Sundownergrüße gehen an die komplette Päddler-Crew, mit der ich vor ungefähr 18 Jahren auf dem Ejselmeer unterwegs war. Ahoi zusammen.

08.01.2022 – Einen Monat ist es nun her, dass ich in die Karibik aufgebrochen bin und bisher überrascht jeder Tag aufs Neue. Mit einem frisch gemahlenen Bohnenkaffee plus Omlette an Deck zu frühstücken, während eine grünbraune Schildkröte ihren Kopf aus dem Wasser reckt, war schon einmal ein guter Start, bevor wir aus Tyrell Bay ausliefen. Unser erstes Ziel war Sandy Island, ein traumhafter Flecken Erde, bzw. wie der Name schon sagt, eine wunderschöne Sandinsel, halbmondförmig mit tollen vorgelagerten Riffs. Die See bis dahin war uns gewogen, nicht annähernd so wild wie gestern. Wir spannten die Segel weit auf, tackten ein paar Mal und erreichten Sandy Island nach zwei Stunden Fahrt.

Glücklicherweise nahm der Bojenkasierer Feli und mich mit seinem Motorboot auf die Insel, sodass wir das Bananenboot-Dinghi nicht erst aufbauen mussten. Zurück brachten uns rund drei Stunden später ein paar sehr nette Niederländer. Nach dem Sprung ins angenehme Nass, wurde die Sandbank erkundet.







Und wenn die Insel nicht schon zauberhaft genug gewesen wäre, befand sich hier das schönste Riff, das ich bisher getaucht habe. Zu Beginn schnorchelte ich inmitten eines gigantischen Fischschwarmes, bis ich weiter raus am abfallenden Riff meist den auffällig leuchtenden Fischen folgte. Die Sicht auf die Unterwasserwelt war wunderbar klar. Insgesamt war dieser Landausflug einfach grandios.
Anschließend entschieden wir uns dazu, den nächsten Ankerplatz in Hillsborough Hill zu suchen. Die Etappe gestalltete sich nicht mehr lange, aber dafür mit kleinem Schauer, welcher uns zwei Regenbögen präsentierte. Dort brauchten wir aufgrund des losen Untergrundes drei Anläufe, bis wir mit dem Anker fest waren.
Kurz zuvor nahm die Sonne von uns Abschied und über meine Sundownergrüße darf sich heute, im verregneten kalten Mainz, Steffi freuen. Fühl dich gedrückt und lass dich von der Sonne wärmen.

09.01.2022 – Leider hatten wir eine grässliche Nacht. Gegen 23:30 Uhr bemerkte Marcel durch das aufdrehende Windrad, dass der Wind zunahm. Gleichzeitig schepperte es von außen an die Bordwand meiner Frontkajüte. Der Anker hatte sich vom Grund gelöst und wir trieben bei einsetzendem Platzregen unaufhaltsam auf das hinter uns liegende Fischerboot zu. Deshalb bekam ich das Kommando die Ankerkette herauszuziehen, damit Marcel den Motor starten konnte, um uns aus der Gefahrenzone zu bringen. Felicitas unterstützte am Steuer und übernahm für ihn, da er von hinten nach vorne mehrfach über das Deck rennen musste, als wir merkten, dass der Motor ins Stocken kam. Wir hatten uns in der Ankerkette des Fischerbootes, welches nur knappe 4 Meter von uns herrenlos trieb, verfangen. Der Motor musste gestoppt und die Fender an die Planke als Aufprallschutz gehängt werden. Während der ganzen Zeit musste ich unsere Ankerkette mit rund 40 Metern Länge einziehen und festhalten. Da alles so schnell gehen musste, konnte ich keine Handschuhe anziehen. Regen und Wind peitschen uns entgegen. Alles wurde nass, glitschig und rutschig. Irgendwann konnte ich den mich nach vorne ziehenden Anker kaum mehr halten. Der Zug des Gewichtes streckte mich bzw. meine Hände wie Finger immer weiter von meinem Körperschwerpunkt hinweg, wodurch ich mir mehrere Kapselzerrungen und ebenso -risse an beiden Händen zuzog, bis das Kommando kam, dass der Anker wieder fallen kann, alsbald wir nach hartem Kampf wieder im Wind und etwas mehr vom Fischerboot schaukelten. Marcel musste daraufhin mit Rettungsleine abtauchen, um die fremde Ankerkette unter unserem Kiel und Ruder zu befreien. Felicitas hielt den Rettungsring bereit und leuchtete das Wasser ab, sodass ich mit koordinieren konnte. Mehrmaliges Abtauchen war nötig, um uns zu befreien, worauf wir zwischen den anderen Schiffen kaum auf Sicht, mehr nach Gefühl im Stockdunkeln hindurch fahren konnten. Weiter auf See setzen wir mehrmals erneut den Anker, bis wir nach 90-minütigem Manöver fest waren. Keiner brach in der Zeit in Panik aus und wir arbeiteten als Team zusammen, sodass wir mit dem ersten Schrecken davon kamen. Nun hatte ich Zeit, mich um meine Hände zu kümmern und registrierte die Schwere der Verletzungen erst, fixierte meine Finger, nahm Schmerzmittel und lagerte sie hoch. Marcel und Felicitas wechselten sich bei der Nachtwache ab, um rechtzeitiger reagieren zu können, falls wir uns erneut lösen sollten, während ich zwar auch nicht einschlafen konnte, aber ruhen durfte.
Am Morgen und über den Tag hin hingen wir alle in den Seilen. An ein Sightseeing-Weitersegeln nach Norden war nicht mehr zu denken, sodass wir nach Tyrell Bay zurück fuhren und uns ausspannten. Kurz vor Ankunft wurde es aufgrund eines heftigen Regens mit starken Wind erneut kritisch. Plötzlich hieß es, die Schwimmwesten anziehen. Felicitas stürmte unter Deck und wir mussten sie umständlich erst suchen, meinen Schlafplatz auseinander bauen und allerlei Zeugs aus dem Stauraumfach ausräumen, bevor wir sie gefunden hatten. Zwar hieß es in der Situation wieder reagieren und kühlen Kopf bewahren, aber im Nachhinein war das ein absolutes Unding, dass die Schwimmwesten oder die Rettungsleinen nicht an Deck vorbereitet waren. Felicitas und ich haben uns darüber wirklich geärgert. In Tyrell Bay brauchten wir abermals drei Anläufe mit wechselten Liegeplatz, bis der Anker saß.
Ich für mich habe aus den Geschehnissen der vergangenen Stunden die Erkenntnis gewonnen, dass mir eine über 40-stündige Weiterfahrt mit Marcel nach Martinique mit kaputten, nicht funktionsfähigen Händen ohne dritte Person und den auf dem Boot herrschenden Verhältnissen nicht antun werde. Meine Gesundheit ist mir wichtiger, als das abenteuerliche Chaos, in das ich mich gestürzt hatte. Mein Vetrauen in diese Expedition ist verschwunden. Felicitas will morgen die Fähre zurück nach Grenada nehmen und ich werde mich anschließen, damit ich mich auskurieren, wie ärztliche Hilfe suchen kann und meine Reise neu auslege. Es verläuft eben nicht alles nach Plan.
10.01.2022 – Rückreisetag nach Grenada. Heute hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Die Rückkehr zuerst an Land in Tyrell Bay und später in St. Georges sehe ich nicht als Rückschritt. Zwar werde ich den Weg nach Martinique nicht mehr angehen, da es keine interkaribischen Flüge gibt, dafür öffnen sich neue Möglichkeiten. Zudem bleibt die Erkenntnis, dass ich künftig mehr auf meine Intuition hören werde, statt mich direkt auf jedes Abenteuer einzulassen. Herausforderungen suchen und Neues ausprobieren sind nach wie vor Teil meiner Reise. Aufgrund der unglücklichen letzten Seetage verschwinden die wunderbaren Erlebnisse der letzten Monate nicht. Wieder einmal scheinen John Streleckys Worte in meiner momentanen Reiselektüre „Wiedersehen im Cafe am Rande der Welt“ (, was in meinem Falle das „Frogs“ war,) auf meine Situation wie die Faust aufs Auge zu passen und motivierten mich. Es gab viel zu reflektieren. Körperlich bin ich kurz ausgebremst, aber auf dem Weg der Besserung. Frische Energie erfasste mich, ein neues Ziel anzugehen und die nächsten Tage zur Organisation zu nutzen.
Mit Feli nahm ich mittags die Fähre von Tyrell Bay nach St. Georges, während Marcel los segelte. Auf der zweistündigen Überfahrt ließ ich meine Gedanken schweifen und tauchte bewusst in den Moment ein. Mit zurück geworfenem Blick nach dem von Meile zu Meile kleiner werdenden Carriacou, bis es am Horizont verschwand, vorbei an den anderen Inseln, die aus dem tiefblauen Meer aufragten, bis hin zur Hauptinsel Grenada, auf der sich die grünen Berge majestätisch in die Wolken streckten, hob sich meine Stimmung, wohlwissend, dass ich die richtige Entscheidung mit dem Abbruch der Seefahrt getroffen hatte.

Begleitet wurden wir abermals von Delphinen auf Höhe von Ronde Island, was ich als gutes Omen ansah. Möwen jagten erfolgreich Fische aus dem Wasser und die letzten Sonnenstrahlen leiteten uns in den Hafen, wo ich von Felicitas Abschied nahm. Mit dem Taxi steuerte ich das „Cool Runnings Apartment“ an, richtete mich ein, konnte warm duschen und freute mich, eine geräumige Unterkunft, gleichsam seit langem eine Schlafstatt an Land, zu haben.
Meine vorerst letzten Sundownergrüße vom Meer aus möchte ich Chrissi schenken, die mir direkt bei meiner Weiterreise geholfen hat. Danke vielmals.

11.01.2022 – Gut geschlafen und frisch erholt aufgewacht, startete ich zur Organisation meiner Weiterreise. Der Gedanke, dass es nach Puerto Rico gehen solle, reifte bereits gestern, als ich mich nach Alternativen zu Martinique umgeschaut hatte. Einreisebestimmungen, Coronasituation, Flüge, Transfers, Unterkunft, ein Weiterreiseticket mussten recherchiert bzw. gebucht, das ESTA-, sowie das APIS-Formular beantragt werden. Zudem begab ich mich zu einem medizinischen Zentrum in der Nähe, da ich für die Einreise in die USA (Puerto Rico gehört dazu) einen maximal 24 Stunden alten Antigen-Test (oder PCR-Test, das Auswärtige Amt gibt beides an) brauche. Mehrfach schaute ich bei der Bank vorbei, um endlich meine Barbados-Dollars umtauschen zu können, doch nach drei Anläufen im Dezember, hatte ich erneut kein Glück. In der Bank standen sich die Kunden die Füße platt. Es ist nicht selten, dass man mehrere Stunden aufbringen muss, um am Schalter zu landen, da alles mehr als gemächlich vonstatten geht und wegen Betrugsverdachts vieles mehrfach geprüft wird. Nachdem ich die Bank verließ und hoffte, dass mich der Bankautomat über die Runden bringt, wurde ich leider enttäuscht. Ich hätte mein Limit überzogen, habe aber sicher noch genug Moneten auf der Kreditkarte. Sehr merkwürdig. Das ist mir allerdings in Österreich schon einmal passiert und da gilt es nachzuforschen. Half alles nichts, ich musste im Supermarkt nun erstmal gut haushalten, weshalb mein Kühlschrank alles andere als gefüllt wirkte. Ich hakte es mal unter: „Fastenzeit“ ab. In der Spiceland Mall konnte ich zuvor wenigstens ein für mein Handy kabelloses Aufladegerät kaufen, weil mein USB-Ladeanschluss seit zwei Wochen nicht mehr aufgrund des Salzwassers und der Luftfeuchtigkeit funktioniert. Es sei denn, ich konnte das Smartphone per Powerbank laden. Um ein zusätzliches Backup zu haben, nachdem ich zweimal im Elektro-Servicecenter vorbeischaute und keine direkte Reparatur möglich war, entschied ich mich für die neue Aufladestation.
Meinen Fingern geht es besser. Die Kapselrisse erblühen von gelb, grün, blau bis violett und entfalten ihre wahre Farbenpracht. Zwar habe ich nun ein paar Wurstfinger, dennoch kommt in einigen die Beweglichkeit bereits zurück. Trotzdessen muss ich aufpassen, sie nicht falsch zu bewegen oder zu greifen.
Nachmittags brauchte ich von all der Reisevorbereitung eine Auszeit und schlenderte zu einem nahegelegenen ganz kleinen Strand namens Lance aux Epines, wo ich mein Buch aufschlug und relaxte.

Meine Grüße aus der Ferne möchte ich, während ich genüsslich ins Spicy Jerky Edelbeef beiße, den Spendern dieser Mainzer Köstlichkeit, den lieben Kocmaniths, senden.
12.01.2022 – Ich koche immer noch ein wenig auf Sparflamme und erhole mich gut. Dennoch eilte ich vorm Frühstück zur Bank, um endlich meine übrig gebliebenen Barbados Dollars und Euro in US Dollar und noch ein paar Grenada EC wechseln zu können. Gut 20 Minuten vor Öffnung wars des Deutschen Pünktlichkeit, dass er als zweiter in der Schlange stand und zusah, wie nach einander an die 30 Bankangestellte samt Sicherheitspersonal das Gebäude vor ihm betraten, nur um dann etwas nach 8 Uhr zwei Bankschalter und zwei Beratungstische zu öffnen. Hinter mir staute es sich schon, aber das lässt hier niemanden aus der gemütlichen grenadinischen Ruhe kommen. Hier ist der Kunde noch König – im Warten und sich Geduld üben. Etwas vor 9 Uhr verließ ich mit weniger Geldsorgen, da momentan meine Kreditkarte streikt, die Bank.
Reisen bzw. die Vorbereitungen darauf gestalten sich zurzeit gar nicht so einfach, wie es sein könnte. Man fühlt sich, als ob man ständig dem Passierschein A38 (siehe Asterix erobert Rom) hinterher jagt. Am Ende versucht man stundenlang, sich durch Antragsformulare zu wühlen, die zwölfte benötigte Reise-App zu installieren, nur um festzustellen, dass am Schluss immer noch was fehlt oder manche Funktionen nicht frei geschaltet sind und man vieles am Flughafen erledigen muss oder erst nach dem erledigten Antigentest bearbeiten kann. Das sind alles Zeitfresser. Aber Zeit kann man sich nehmen.
So habe ich es noch geschafft, ins nahe gelegene Univiertel zu schlendern und im Container Park was zu essen und mich unter die Studenten zu mischen.


Das „Wiedersehen im Café am Rande der Welt“ konnte ich dort auch zu Ende lesen. Abschließend war es eine tolle Lektüre zur eigenen Prioritätensetzung, welche Lebenslehren und Lebenswege, über die man ungezwungen sinnieren kann, leicht und locker beschreibt, weshalb man das Beste für sich herausziehen kann. Für mich eine weitere Leseempfehlung, die ich aussprechen möchte.
Ganz liebe Grüße gehen heute an Cilly und Familie. Jeder einzelne Tag kann ein besonderer sein oder dazu gemacht werden.
13.01.2022 – Aus den Federn und rein ins Testzentrum. Lange warten musste ich dort nicht und so ließ ich mir genüsslich in der Nase herumstechen, um meinen Antigen-Test für die Weiterreise nach Puerto Rico zu erhalten. Erst mit dem Ergebnis können die weiteren Apps zur Ausreise, bzw. Einreise in die USA und der Pass de Salude für Puerto Rico ausgefüllt werden. Man rief mich schnell auf, doch als mein Name ertönte, sprang fälschlicherweise ein Herr neben mir auf. Wenn jemand schon Tobias heißt, eine noble weiße Blässe aufweist und auch sonst eher dem europäischen Typ entspricht, dass er Deutscher ist, ist das ein schöner Zufall und ich fand einen Namensvetter. Wir unterhielten uns eine Weile und genau wie ich, war mein Namensvetter über seinen 4-wöchigen Aufenthalt auf der Gewürzinsel überaus glücklich. Nach einer Weile erhielten wir beide unser negatives Testergebnis und ich lief heimwärts, um noch frühstücken und duschen zu können und vor allem den ganzen bürokratischen Kram erledigen zu können, bevor ich um 10 Uhr auschecken musste. Das schaffte ich nicht ganz, sondern überzog eine Stunde, was niemanden störte. Hauptsächlich mich nicht, da mein Flug zum Drehkreuz Miami erst um 16 Uhr gehen sollte. Meine Wartezeit bei Glenda, der Verwalterin, am Empfang auf das bestellte Taxi gestaltete sich dann kürzer als erwartet, da auf einmal ein Jeep durchs Tor fuhr, um, wie ich erfuhr, ein Pärchen abzuholen, welches ebenso abreiste. Ich hörte aufmerksam hin, als der Fahrer gutes Englisch mit hartem Akzent sprach. Er stellte sich als Armin, aus Deutschland, vor, der mit seinem Schiff in Clarkes Court Bay lebt, quasi entfernter Nachbar von den Meyerers ist und das ebenso deutsche Pärchen auf seinem Boot mit nach St. Vincent nehmen wird. Das wäre auch meine Traumstrecke gewesen. Vorbei an zahlreichen Inseln und den Tobaco Keys. Armin bot sich an, mich am Flughafen abzusetzen, weshalb ich gerne zusagte, mein Taxi abbestellte und das gesparte Geld später im Duty Free in einen guten Westerhall-Rum No. 5 investierte. Eine sehr gute Anlage. Auf der kurzen Fahrt kamen wir alle etwas mehr ins Gespräch und wer hätte es gedacht, sie waren gerade erst in Puerto Rico gewesen und er heißt – Tobias. Was war denn los heute? Ist denn offizieller Namenstag? Ich hoffe, ich habe beide durch meine Erzählung meiner Erlebnisse auf dem Schiff nicht abgeschreckt und sie haben einen schönen Segeltrip. Durch Armins Hilfe war ich natürlich viel zu früh am Flughafen, aber wo ich heute wartete, damit ich Freitagnacht um 2 Uhr Ortszeit in San Juan, Puerto Rico, anlande, ist ja Wurscht. Der Flug ging erst 4 Stunden nach Miami, wo ich 4 1/2 Stunden Aufenthalt hatte, nur um dann wieder 3 Stunden zurück zu fliegen nach Puerto Rico, welches wir auf dem Hinflug bereits nach 90 Minuten passiert hatten. Die Wolken zeigten ein tolles Schauspiel am Himmel.

Dabei erblickte ich einen Regenbogen, der etwas aus der Wolkendecke herausragte. Sehr nice. Genau wie der Blick im Anflug auf Miami mit beeindruckender Skyline.

Hier war ich bereits einmal im Alter von 17 Jahren, also schon lange her, aber einen längeren Zwischenstopp wollte ich nicht unbedingt einlegen, da es mich doch zu etwas Neuem zieht. Mit Puerto Rico habe ich eine gute Mischung zwischen amerikanischen und spanischen Einflüssen gewählt und bin sehr auf das Land gespannt. Lange dachte ich, ich komme gar nicht erst dazu, einzureisen, weil gefühlte 1000 Menschen gleichzeitig einreisen wollten. US-Bürger wurden bevorzugt behandelt und ich durfte mich in der Slow-Row einreihen. Nach drei Stunden in der Schlange, bat ich mehrfach zu prüfen, ob den mein Anschlussflug noch möglich wäre. Daraufhin hatte man ein Nachsehen mit mir und ließ mich in eine Prioritätenreihe. Der Polizeibeamte wollte noch ganz sicher gehen, dass ich keine Drogen konsumieren und schmuggeln sollte, bevor er mich passieren ließ und ich mich zum Boarden für den Anschlussflug, auf dem wir an einem beeindruckend blitzenden Gewitter vorbeiflogen, begab. In San Juan organisierte ich mir via Uber ein Fahrgelegenheit und landete nach 3 Uhr in der „Perfect Suite“ in der 102 Calle Bucare.
Doch bevor der Kopfsprung ins Bett erfolgte, grüße ich am „Namenstag“ den guten Tobias Bergdoll.































































































































