28.03.2022 – Die Anreise von Lima nach Guayaquil verlief problemlos.
Aus der Höhe ließ sich ein Teil des gewaltigen Amazonasgebiets erkennen.
Leider ist jedoch seit ein paar Tagen mein Simkarten – Halter gebrochen und steckt fest, weshalb ich in Guayaquil nach dem Check – In im „Hotel Onix Gold“ zurück Richtung Zentrum fuhr und 9 Samsung – oder Elektroshops abklapperte, um einen neuen zu erstehen. Vergeblich! Deshalb kann ich weder eine neue Simkarte von Ecuador einlegen, noch meine deutsche. So werde ich künftig und vor allem auf Galapagos mit weniger Internet auskommen müssen. Meinen Rückflug habe ich glücklicherweise schon und die Buchung von Guayaquil nach Baltra auf der Insel Santa Cruz nahm ich am Flughafen vor. Dafür war heute weniger zu entdecken. Einzig den kleinen „Malecon del Saldado“ habe ich gesehen.
Ich möchte heute meine Sundownergrüße an meine allerliebste Steffi senden. Ich sehne den Tag herbei, wieder bei dir zu sein.
29.03.2022 – Lange ersehnt, endlich wahr geworden. Heute bin ich auf Galapagos gelandet. Nach drei Flugtagen und nicht so tollen Absteigen, fühlt sich die Ankunft hier schon paradiesischer an. Auf dem Rollfeld lugte bereits der erste große Leguan auf die Machine von LATAM – Air. Da wusste ich, hier kann man die Natur wirklich genießen. So schnappte ich erstmal frische Luft nach der lauten, verschmutzten Stadt Guayaquil. Der Flughafen in Baltra auf der Galapagos – Insel Santa Cruz ist der erste ökologische Flughafen der Welt. Es sollte auch nicht der einzige Leguan sein, der mir dort begegnete.
Der Busfahrer musste vor Fahrtbeginn die Riesenechse verscheuchen, bevor wir zur Fähre aufbrechen konnten.
Sowohl in Guayaquil, als auch hier waren sehr strenge Einfuhrbestimmungen und Kontrollen zu beachten. Neben der Vakzination, musste man eine Transitkarte für 20 Dollar kaufen, sowie 100 Dollar Eintrittsgebühr zahlen, bevor das komplette Gepäck auf Schadstoffe, Gefahrengut oder Plastik überprüft wurde. Mit dem Bus ging es dann zum Fähranleger und nach dem Überqueren des Flusses stieg ich erneut in einen Bus nach Puerto Ayora. Hier lernte ich den Wahlhamburger Paul, die in Berlin wohnende Mazedonierin Dijana und den Schwaben Christoph kennen. Wir hatten direkt eine angeregte Unterhaltung bis zum Zielort und unsere Unterkünfte liegen auch direkt beieinander. So trafen wir uns nachmittags zum Lunch und später nochmal zum Käffchen und Weinchen, sowie abends zum Essen, nachdem wir unsere Touren gebucht hatten. Dabei erkundeten wir etwas den Ort und trafen die nächsten animalischen Exoten.
Die allerherzlichtsen Grüße gehen heute an den guten Ömer. Auf bald mein Bester.
30.03.2022 – Mit Paul traf ich mich zum Frühstück im „Vista del Mar Hostel“, indem ich mich für diese Nacht eingebucht hatte. Nach 9 Uhr stieß Christoph zu uns und wir machten uns auf nach Tortuga Bay. Der rund 1 – stündige Marsch verlief meist in praller Sonne.
Am Strand angekommen, waren wir alle einfach baff. Es war so wunderschön. Aber leider zu gefährlich direkt dort ins Wasser zu gehen, weil die Strömung zu stark war. Dennoch konnte man kleine Haie sehen, die noch kleineren Fischen nachjagten und auch Pelikane waren auf Nahrungssuche, während die Echsen meist faul im Schatten herumlagen. Am großen Strandabschnitt finden sich abgezäunte Schildkrötenbrutplätze. Hoffentlich wird die Ausbeute groß.
Quasi um die Ecke lag der Badestrand, auf dem wir uns ein sonnengeschütztes Plätzchen neben einem Seelöwen suchten. Der Kollege war ziemlich gediegen und ließ sich nicht stören. Zum Ende hin, war er in Action und gönnte sich, ebenso wie wir zuvor, eine Abkühlung.
Auf dem Rückweg trafen wir Dijana und aßen zusammen Mittag. Dabei liefen mir noch Nils und Katharina über den Weg, die gerade von einer 3 – tägigen Cruise zurückkamen. Die Welt ist manchmal ein Dorf und im Hostel gerade überwiegend Deutsche.
Im Anschluss fuhren Paul, Christoph und ich mit dem Wassertaxi zum „Strand der Alemannen“. Dieser heißt so, weil 1939 die jüdische Familie Angermeyer aus Deutschland hierher geflüchtet war und in 4. Generation noch lebt. Für den Nationalpark „Las Grietas“ mussten wir uns einen Guide nehmen, der uns über eine Saline und Aussichtspunkte zu einer über die Zeit entstandenen gigantischen Felsspalte, in der sich Brackwasser befindet, führte. Teils kann man 10 Meter auf den Grund tauchen und begegnet Papageienfischen oder Muränen, die alle hier geboren sind und den nahegelegenen Ozean bis zu ihrem Lebensende niemals sehen werden.
Zurück im Hafen bot sich ein tolles Schauspiel. Seelöwen lagen herum, eine große Meeresschildkröte war auf der Suche nach Essbarem, kleine Schwarzflossen Riffhaie zogen ihre Kreise und eine Horde Golden Rays (Mantarochen) schwomm umher. Wirklich faszinierend.
Abschließend kauften wir Gemüse auf den örtlichen Markt ein und abends gab es lecker Pasta.
Lieber Frank, meine Wanderung durch den Nationalpark hat mich heute an unser Abenteuer in Varadero erinnert, als deine heilige Sandale auseinander fiel. Die Wegbeschaffenheit war fast so ähnlich und diesmal hatte auch ich die Befürchtung, bald barfuß über die kantigen Steine laufen zu müssen. Daher grüße ich dich ganz herzlich.
31.03.2022 – Im doppelten Doppelbett im „Vista del Mar“ habe ich leider nicht so gut geschlafen, wie ich es wollte, weil mir noch zu viele Gedanken durch den Kopf schwirrten. Schön ist diese Unterkunft trotzdessen, so dass ich wohl für meine letzten Tage auf Santa Cruz darauf zurückkommen werde. Heute morgen musste ich mein Gepäck erst bei Christoph im Hotel unterbringen, da mein Zimmer anderweitig gebucht ist, sodass ich nach unserer Tour ins „Darwin B &B zurück ziehen werde.
Mit dem Schnellboot steuerten wir ab halb 9 zwei Spots zum Schnorcheln an. Leider hat es mal wieder geregnet. Zwar gab es keine Sonnenbadgefahr, dennoch hätte es einladender sein dürfen. Die erste Rifflandschaft erreichte unsere 10 – köpfige Truppe samt Guide Fabrizio nach einer halben Stunde wildem Ritt auf hoher See. Das Wasser war anständig kühl, die Sicht etwas trüb und mein Schnauzer tat sein Bestes, dass die Taucherbrille unten durchlässig war und oben drückte sie. Somit hatte ich ein paar Schwierigkeiten, konnte dennoch tolle Fische erspähen. Wir tauchten als Gruppe und schwammen zwischen den Riffen hindurch.
Teils musste eine starke Strömung überwunden werden, was sich sehr gelohnt hat, da ich mich urplötzlich in einem unüberblickbaren Schwarm von Fischen wiederfand. Wie ein großer Räuber durchteilte ich den silbernen Strom. Ein Highlight hier war ebenso eine grüne Riesenschildkröte, welche wir kurz begleiten durften, bevor es zurück aufs Boot für ein paar Snacks und zum nächsten Spot ging.
Das war die Isla Pinzon oder auf Englisch Duncan Island. Das Wetter wurde leicht freundlicher, die Wassertemperatur allerdings auch um Einiges kälter. Ohne Wetsuite forderte einen das schon. Wir schnorchelten zuerst außen um das Riff herum und konnten dabei zahlreiche kleine und große, farbenprächtige und wohl getarnte Fische entdecken, bis wir ins Innenriff kamen. Und plötzlich war da die nächste Schildkröte. Dieses Mal mit gelber Färbung und noch beeindruckender als die vorherige – sehr majestätisch. Kaum das wir uns versahen, hatten wir ebenfalls weitere quirlige Spielgenossen um uns herum. Den 5 Seelöwen waren wir wohl sehr willkommen. Sie waren auf uns genauso neugierig, wie umgekehrt. Scheu kannten sie nicht, schwammen auf einen zu und drehten erst kurz vorm drohenden Zusammenstoß gekonnt graziel ab. Ihr Spieltrieb hielt auch vor der Go Pro nicht halt. Es war ein herrliches Schauspiel und ich war mittendrin. Bevor es zum Hairiff gehen sollte, erwischten wir die nächste Schildkröte und sie war rot. Sie ließ sich von uns beim Fressen nicht stören und ich konnte neben ihr her schwimmen, mit ihr zusammen auf- und abtauchen.
Anfänglich hatte ich noch etwas Bammel vor den Riffhaien. Doch mittlerweile wollte ich unbedingt einen entdecken und suchte den Boden nach ihnen ab. Da bemerkte ich gar nicht, dass ich genau zwischen ihnen durchschwomm, bis ich wieder am Boot ankam. Also bin ich noch einmal kurz zurück ins Wasser und entdeckte später, wie sie um unser Boot kreisten. Danach gab es Mittagessen an Bord und vor allem, versuchte jeder, sich wieder aufzuwärmen. Auf der Rückfahrt hielt der Käptn zum Fischen und es wurde der Fang für Morgen, ein Thunfisch, an Land gezogen.
Gegen 16 Uhr waren auch wir wieder am Pier, konnten gegen Abend die Aufnahmen des Guides bestaunen und gingen zum Essen. Am Anleger tummelten sich abends wieder zahlreiche Meereesbewohner. Dieses Mal sah ich sogar große schwarze Mantas.
Meine ganz lieben Grüße gehen heute selbstverständlich an Luisa. Alles Gute zum Mausgeburtstag.
01.04.2022 – Zwar wurde uns gestern von der Agentur gesagt, dass wir um 7 Uhr 30 am Pier sein sollen, um mit dem Schnellboot von Santa Cruz nach Isabella zu fahren. Jedoch rief mich Paul um 7 Uhr 20 mit der Nachricht an, dass man bereits sehnsüchtig auf uns warte. Glücklicherweise war ich parat und eigentlich stellten wir mit Freuden fest, dass wir nicht wie andere bereits knapp eine Stunde in der Warteschlange stehen mussten. Unser Gepäck wurde nochmals gescannt, wir setzten mit dem Wassertaxi zur Fähre über und ab ging der wilde Ritt. Gleich zu Beginn wurden bereits Tüten verteilt, wobei ich an den hohen Wellen meine Freude hatte. Gute 2 Stunden benötigten wir dennoch, bis wir Isabella bei bestem Wetter erreichten und erneut ein Wassetaxi uns an Land brachte. Mit dem üblichen Taxi waren wir in 5 Minuten im „La Jungla“, unserem Hostel mit Meerblick.
Um 11 Uhr 15 wurden Paul und ich dann schon wieder abgeholt, da wir die Tour „Los Tunneles“ gebucht hatten. Also wieder rauf auf das nächste Schnellboot und zusammen mit 7 weiteren Schnorchelbegeisterten wieder hinaus aufs Meer zum ersten Unterwasserspot. Bereits auf dem Weg dorthin erblickten wir vom Boot aus mehrere Riesenmantas mit gut 4 Meter Länge. Die waren so breit wie eine aufgeklappte Schultafel und schwebten an der Wasseroberfläche. Den ersten Halt kann man auch als Schildkrötenparadies bezeichnen. Alle paar Sekunden schwamm eine weitere an uns vorbei und wir waren noch nicht einmal im Wasser. Mit Taucherbrille und Schnorchel folgte ich darauf unserem Guide Darwin, der wirklich so heißt. Es dauerte nicht lange, bis er den ersten Oktopus in einer Felsspalte ausmachte. Anschließend suchten wir am Rand der Mangroven nach Schwarzflossenriffhaien und fanden einige, die uns relativ nah umkreisten. Von der Gruppe gelöst entdeckte Paul eine 1,30 Meter Schildkröte, auf welche ich ebenso stieß, nachdem ich eine Gruppe Golden Rays verfolgte und war jetzt schon hin und weg.
Als ich zur Gruppe und zu Darwin aufschloss, kam das Kommando, das wir uns bald dem Gebiet der Weißflossenriffhaien näherten. Ich entdeckte abermals eine riesige Schildkröte, zeigte sie Darwin und plötzlich stieß ein 2 – Meter – Exemplar eines ausgewachsenen Weißflossenriffhais an meinem Kopf vorbei. Aufregend! Kurz darauf kamen wir an ihrem Unterschlupf an.
Daraufhin hieß es, ab aufs Boot, kurzen Snack zur Stärkung gönnen und weiter zu den „Los Tunneles“, einer erst vor 20 Jahren von Fischern entdeckten Lava – Seen – Landschaft mit unglaublich klarem Wasser und beeindruckenden Gesteinsformationen, durch die wir schnorcheln durften. Zahlreiche große Schildkröten und Fische tummelten sich auf kleiner Fläche. Zudem begrüßte uns direkt ein frecher Seelöwe und ein Mantarochen kreuzte unseren Weg.
Beim Landgang fanden wir einen Blauen Tölpler und ich entdeckte etwas später einen Galapagos – Pinguin, die hier eigentlich auch schwer anzutreffen sind.
Zwar fanden wir weder Seepferdchen noch Languste, dennoch war es ein wunderschönes Erlebnis, ein toller Ausflug in einer zauberhaften Umgebung, bis wir gegen 17 Uhr in Isabella anlegten. Dort machten Paul und ich uns noch auf einen kleinen Abstecher durch die Mangroven zu „La Perla“, einem weiteren Schwimm- und Tauchspot, auf.
Irgendwie war dann Zeit, an das leibliche Wohl zu denken, bzw. es erinnerte uns daran und wir kehrten im Strandrestaurant „The Beach“ ein. Der Name ist eher nicht so originell, dafür aber die traumhafte Kulisse und das Gefühl, wieder Sand unter den Füßen zu haben, waren unbezahlbar. Im Gespräch mit Paul vertieft, kamen Nils und Katharina vorbei. Wir genossen den Sonnenuntergang und den restlichen Abend zusammen. So ist und bleibt mein erster Eindruck von Isabella der, dass es im Gegensatz zu dem schon überlaufenen Santa Cruz das ursprüngliche Galapagos ist – ein Paradies, aus dem ich meinen alten „Coburger Mohr“, dem Sauerteig Stefan anlässlich seines gestrigen Geburtstages alles Gute wünsche. Der Sundowner geht an dich.
02.04.2022 – Endlich konnte ich mal ausschlafen und unternahm zuerst gut gelaunt einen Morgenspaziergang auf der Suche nach einem Frühstückstisch. Nicht weit entfernt wurde ich fündig, setzte mein Gängelchen fort und holte Paul, nachdem ich mir ein Fährticket für morgen organisierte, zum Frühstück ab. Wir starteten gut genährt in den weiteren Tag und liehen uns Mountainbikes, um die Gegend zu erkunden. Als Endpunkt wählten wir die „Mauer der Tränen“, wohl wissend, dass wir auf dem Weg dorthin eine große Chance besaßen, Landschildkröten zu sehen. Und tatsächlich war nicht nur der Weg sehr schön, mit vielen Aussichtspunkten, Kraterseen und Strandabschnitten, sondern auch die 3 großen Landschildkröten.
An der mächtigen Mauer angekommen, erklärte uns ein Gedenkschild die Namensgebung. Sie wurde von Häftlingen geschaffen, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und überragt als Mahnmal die Landschaft. An ihrem Ende konnten wir noch einen Aufstieg entdecken, der uns zu zwei Aussichtspunkten über die fruchtbare Gegend mit Blick auf Vulkane und das Meer führte und beschenkte.
Unglaublich, wie nah man den sonst so scheuen Tieren kommen konnte.
Auf der Höhe fixierte uns sogar ein Adler, der genauso wie bisher die gesamte Tierwelt völlig entspannt in unser Angesicht auf einem Stumpf für uns posierte, wie Echsen, Vögel oder die Schildkröten, welche wir heute angetroffen hatten. Für uns beide ist dies mitunter ein Grund, wieso die Galapagos – Inseln so einzigartig sind. Daneben herrscht eine wunderschöne Natur vor, in der alle symbiotisch zusammen leben. Eine traumhafte Kulisse fanden wir auch, nachdem wir durch einen Mangrovenwald hindurch liefen und an einem Fluss herauskamen. Diesen durchwateten wir, bis wir sogar aufs offene Meer stießen, in dem sich Süßwasser und Salzwasser vermischten.
Wenig später stürzten wir uns zudem neben einer Kolonie sonnenbadender Leguane in die türkisblauen Fluten und sprangen mit den Wellen, bis wir merkten, dass wir schon etwas abgetrieben wurden und auch vor dem Stachelrochen mehr Abstand halten sollten. Zurück am Strand durften wir uns abermals klar machen, welch paradiesischer Ort Isabella ist.
Danach gaben wir unsere Räder ab, gingen zum Nachmittagstisch, trafen Emma aus Irland wieder und unternahmen einen nächsten Spaziergang übers Moor zu Seen, in denen man Flamingos finden kann. Auf dem Hinweg (Isabella ist eine riesige Insel und doch ein Dorf) trafen wir zwei Mädels aus unserem Hostel in Santa Cruz, Isabell und Pauline, die auf der Suche nach den rosafarbenen Stelzenvögel weniger Glück hatten. Paul und ich fanden immerhin insgesamt 4 Flamingos an 2 Wasserstellen.
Und erneut waren wir beseelt, wie die letzten Tage schon. Zudem hatten wir heute über Stunden sehr schöne, offene und philosophische Gespräche und lernten mehr über die Geschichte des anderen kennen. Das war für uns beide besonders und wir hoffen, uns beide auch mal nach unseren Reisen wiederzusehen.
Ab 20 Uhr haben wir uns mit Isabell und Pauline, sowie Nils und Katharina in der „Pink Iguana Bar“ am Strand getroffen und sind dann doch erst gegen 24 Uhr heimgekehrt. Das spricht ja schon für einen amüsanten Abend, an dem ich letztendlich und aufgrund der heutigen Drahteseltour den Tom grüßen möchte.
19.03.2022 – Die Anreise nach Cusco gestaltete sich alles andere als komfortabel. Ich muss nun die bisher schlechteste Bustour von Arequipa nach Puno revidieren und es als „bescheidenes Fahrerlebnis“ mit der Firma „Transleza“ bezeichnen, da das Busunternehmen „Libertad Cama“ bravourös zeigte, wie man nochmal einen draufsetzen kann: Unfreundlich am Schalter, zuerst kein Gepäck aufnehmen wollen und später kein Gepäckticket ausstellen wollen. Da habe ich dennoch drauf beharrt. Bei der Gepäckverladung durfte ich feststellen, dass die halbe Alabama – Wüste im Laderaum verstreut lag und bat um den Besen, nachdem der Mitarbeiter lustlos und semiprofessionel ans Werk ging. Im Bus gab es natürlich trotz Angabe kein WLAN. Das war noch das Geringste, was ich erwartet hatte, aber dass weder Seife (Der leere Seifenhalter war eine aufgeschnittene umgedreht befestigte Plastikflasche!), noch Tücher oder Desinfektionsmittel in der schäbigen Toilette vorhanden waren, lieferte mir eine geraume Vorahnung, wie es weitergehen könnte. Vorhänge und Sitze waren durchlöchert, sodass mein Handy einmal sogar in letzterem verschwand. Ich musste es aus einem Loch in der Lehne herauspicken und stieß dabei auf Allerlei Unrat. In Juliaca, bis dahin war ich alleine in der unteren Etage, wurde ein Stop eingelegt und der Bus war gerammelt voll. Ich glaube, ich habe so ziemlich jeden um mich herum auf die Maskenpflicht, welche auf einem halb abgerissenen Blatt ausgeschildert war, hingewiesen. Um den unzähligen laut gestellten Handys, auf denen spanische Soaps liefen, entgegen zu wirken, habe ich einen Podcast angeschaltet, damit die Peruaner mal in den Genuss von Jürgen von der Lippes „Nudel im Wind“ kommen. Als dann langsam die Umgebungsgeräusche abnahmen, schaltete ich mein Handy ebenso aus und dachte, dass ich eine Mütze Schlaf nehmen könnte. Weit gefehlt, es dauerte über eine Stunde, bis wir aus Juliaca heraus und etwas in Fahrt kamen, da noch getankt werden musste und alle Straße eine Maiskolben-, Trutcha- oder Hühnchenverkäuferin zu- und wieder ausstieg. Und dieses Spielchen wiederholte sich in jedem Kaff. Es war nötig, das Fenster aufzureißen. Die den Treppenaufstieg, das Klo und das untere Abteil abtrennende Tür flog ständig von alleine auf und knallte gegen meinen Sitz. Also war nix mit ausruhen, weshalb ich mir einen satirischen Krimi: „Tote essen keinen Döner“ von Osman Engin vornahm. Die Anreise verging trotzdem nicht wie im Flug. 9 Stunden saß ich mir den Hintern in dem rollenden Mülleimer platt, was mir weder dieser noch mein Rücken dankten. Leider gab es keine Alternative zu „Libertad Cama“, sofern ich nicht an einem anderen Tag weiterreisen wollte.
Völlig platt und hungrig bin ich im „Cusco City Gold Hospedaje“ angekommen, checkte ein und machte mich auf die Suche nach etwas Essbarem und Touren für die nächsten Tage. Dafür klapperte ich einige Companys ab, musste der Bank einen Besuch abstatten, gönnte mir eine Empanada und buchte anschließend das Folgeprogramm bis Donnerstag, bevor ich endlich zum Essen kam. Danach musste ich in meiner Unterkunft mal wieder Nadel und Faden schwingen, um manche meiner Klamotten zusammen zu halten. So langsam können sich meine Nähkünste echt sehen lassen.
Mehr nervenaufreibend als aufregend war es somit und meine Grüße gehen an Morle.
20.03.2022 – In der Früh stieg ich ins Shuttle nach Muray. Auf dem Weg wurde bei einer Gemeinschaft gehalten, die erklärten, wie man geschorene Alpakawolle mit einer Wurzel, dem so bezeichneten Inkashampoo, rein wäscht, nach dem Trocknen auf die Spindel zurrt und zu feiner Wolle dreht. Später kann die Wolle mit natürlichen Materialien, wie zerdrückten Läusen, verschiedenen Wurzeln, Pflanzen und Erden eingefärbt werden, bevor sie mittels eines Webstuhls zu Kleidung verarbeitet wird.
Dort lernte ich auch Steffi und Steffi aus Nürnberg kennen. Der Kleinbus brachte uns dann zum eigentlichen ersten Ziel – Muray, einer experimentellen Anlage aus der Inkazeit zur möglichst effektiven Bewirtschaftung des Bodens. Die Inkas legten Terrassen auf mehreren Ebenen an und testeten aus, welches Anbauprodukt auf welcher Höhe am besten wächst und den meisten Ertrag ergibt. In der größten von vier Terrassenanlagen herrscht ein Höhenunterschied von 12 Metern und von unten nach oben ein Temperaturunterschied von 15 Grad, wobei auch von Terrasse zu Terrasse, je nach Tageszeit, eine Differenz von 3 Grad herrschen kann. Somit bildet jede Ebene ihr eigenes Mikroklima. Neben den wirklich unglaublich gut schmeckenden unzähligen peruanischen Kartoffelsorten, pflanzten die Inkas u. a. Quinoa, Mais, Yaka oder Koka an.
Die Landschaft ist zudem einfach herrlich. Gigantische Berge, tiefe Täler, weite Felder und sattes Grün, wohin man sah. Ich kam aus dem aus dem Fenster Glotzen und Staunen auf der Weiterfahrt nach Maras nicht mehr heraus. Klaro folgte ein weiterer Stopp vorm Erreichen der Salinen in Marasal. Uns wurde eine Präsentation und Verkostung von Salzprodukten zu Teil. Der Nachteil der Regenzeit wurde an den Salinen sichtbar – keine Saison. Zwar fließt in Marasal ein Bergbach ins Kanalsystem für die über 3000 Salzabbaubecken, jedoch werden sie gerade nicht mit dem salzhaltigen Wasser gespeist. Es hätte aufgrund des vielen Süßwasserregens nicht viel Wert. Deshalb hatten die Salinen auch nicht ihre typische rosa bis rote Färbung. Dennoch war der Anblick beeindruckend. Zu jedem Salzpool fließt quasi ein „Bächle“, welches das Mineral mitschwemmt und dieses sich dort absetzt und austrocknet, wodurch sich die Salzkristalle bilden und abgeerntet werden können. Dies erledigen über 3000 Familien, da jede Familie nur ein Salzbecken besitzen darf. Es ist absolut legitim, sich zu fragen, wieso es möglich ist, dass aus den Bergen Salz in die Salinen gespeist werden kann. Ganz genau konnte dies bisher nicht festgestellt werden, so ist die glaubhafteste Theorie, dass die ursprüngliche Süßwasserquelle unterwegs salzhaltige Mineralien passiert und das Salz mitschwemmt.
Sodann ging es zurück nach Cusco, wo ich mit den Steffis bei Kaffee und Empanadas zusammen saß, bevor ich ins Regionalmuseum vom Cusco ging. Am Eingang erklärte man mir, es sei nicht erlaubt, Fotos zu machen. Ich zeigte meinen Lehrerausweis vor und erhielt eine Extrawurst. Neben dem „Okay!“ unter Aufsicht fotografieren zu dürfen, gab mir Franco eine sehr interessante Einzelführung und beantwortete alle meine Fragen. Man sah, dass zwei Historiker ziemlich Spaß am geschichtlich – kulturellen Austausch hatten. Somit bekam ich das Privileg sogar den größten Schatz der Inkas ablichten zu dürfen: „Placa del Sol“, die Medaille und das Machtsymbol des obersten Inkaherrschers.
Da fühlte ich mich geehrt und darauffolgend motiviert, den elfeckigen Mauerstein an einer ehemaligen Herrschervilla der letzten Inkas in Cusco zu suchen. Gehalten wird das Mauerwerk nur durch die passgenaue Berabeitung der Steine – eine hohe Kunst.
Es ging weiter durch die wirklich wunderschöne Altstadt zu einem Aquädukt, zum Abendessen und zurück in die Unterkunft, wo ich meine Sachen packen und umpacken musste. Morgen geht es mit leichtem Gepäck ins „Sacred Valley“ mit Übernachtung und zum Machu Picchu am Folgetag.
Meine lieben Grüße gehen heute an alle mir bekannten Steffis und das sind ein paar;).
21.03.2022 – Ich halte mich heute mal etwas kürzer, da ich morgen sehr früh raus muss und sich manche Informationen zu den archäologischen Plätzen sonst doppeln würde.
Von Cousco aus ging es um 7:45 Uhr mit dem Shuttle Richtung Pisaq. Natürlich nicht ohne unterwegs mal wieder bei einem Handwerksmarkt zu halten und Alpakas zu streicheln. Der nächste Stop war an einem Aussichtspunkt (Taray) über das „Sacred Valley“, das heilige Tal der Inkas. Den Namen erhielt das Tal durch die enorme Fruchtbarkeit, sodass hier Perus Kornkammer entstand. Die Körner der Maiskolben sind echt groß (= ca. 2,5 cm im Durchmesser). Zudem fließt dort der aus der Quechua – Sprache übersetzte „Heilige Fluss“. Am Fuße der Berge befindet sich Pisaq, die „Silberstadt“, ein Mekka für Metallverhüttung, Gold- und Silberschmiede und die Edelsteinverarbeitung – quasi das Idar – Oberstein Perus.
Im Anschluss besichtigte ich die archäologische Stätte von Pisaq, welche sich über 2000 Quadratmeter erstreckt und aus der Prä – Inka – Zeit stammt. Sie gliedert sich in einen religiösen Distrikt. Eine Militäranlage und das Wohngebiet, in dem 500 Menschen lebten, sowie den unzähligen Terrassen für die Landwirtschaft. Die Inkas hier haben die Erkenntnisse aus den experimentellen Terrassen von Moray verwendet, um ihre Agrarprodukte anzupflanzen (s. 20.03.2022). Weiterhin finden sich über 3000 Höhlen, die als Gräber genutzt wurden. Die Toten wurden dabei mumifiziert und in fötaler Position bestattet.
Zum Mittagessen gab es Buffet und ich habe geschlemmt, schließlich gab es mal Salat und Gemüse. Danach raste die Zeit, sodass für die Tempelanlage „Ollantatambo“ zu wenig Möglichkeit bestand, richtig in die Vergangenheit einzutauchen. Der Tourguide erklärte um einiges mehr in Spanisch als in Englisch und auch sonst war gerade Hochbetrieb.
Dennoch war es überaus beeindruckend, was die Menschen damals geleistet haben, welch eine große architektonische Meisterleistung, die unter unglaublichen Mühen und menschlichem Kraftaufwand vollbracht werden musste.
Inmitten der Tour musste ich mich von der Gruppe verabschieden, um noch ein bisschen mehr zu sehen und pünktlich an die Zugstation in Ollantaytambo zu kommen. Mit dem Inka – Train ging es 1 Stunde 40 Minuten durch malerische Landschaft am Fluss entlang nach Machu Picchu Pueblo. Ich teilte mir dabei ein Abteil mit Nils und Katharina aus Hamburg. Sie waren gute Gesprächspartner und können mich künftig auf dem Laufenden halten was Ecuador angeht, da sie schon etwas früher als ich auf die Galapagos Inseln aufbrechen werden. An der Bahnstation wurde ich in Empfang genommen und ins „Illary Inn Hotel“ gebracht. Mithilfe meines Guides Ederth, der mir Instruktionen für die Tour zum Machu Picchu gab, konnte ich den Aufstieg für den Machu Picchu Mountain noch nachbuchen. Hier gab es bei der Erstbuchung ein Missverständnis mit der Reiseagentur. Ich wäre wirklich sehr enttäuscht gewesen, wenn ich den Hike morgen auf den Gipfel des Berges nicht hätte angehen können. Es war seit langem ein Traum von mir.
Abends spazierte ich etwas durch den Ort, versorgte mich für die Wanderung und aß beim Mexikaner. Lieb grüßen möchte ich an dieser Stelle Caro.
22.03.2022 – Heute sollte mein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Einmal auf den Machu Picchu und auf die gigantische heilige Inkasiedlung herunterblicken und die Energie des Ortes aufnehmen. Die Vorzeichen dazu standen, jedoch nicht besonders gut. Ein Ticket, um auf den Berg Wayna Picchu zu gelangen, von wo aus man den beeindruckendsten Blick hat, war nicht möglich, da alle Zeiträume dafür ausgebucht waren. Dann musste ich gestern erfahren, dass die Dame im Reisebüro von Sonia Travel mir die Bergbesteigung des Machu Picchu Mountain nicht dazu gebucht hatte. Also musste ich für einen sehr teuren Aufpreis ein weiteres Ticket, welches immerhin noch den 3. von insgesamt 4 Rundwegen in der archäologischen Anlage beinhaltet, dafür kaufen. Mit Ausschlafen war nichts, da ich schon ein bisschen aufgeregt war. Ich musste morgens um 6 Uhr zum Bus, der mich zum Haupteingang brachte. Eingecheckt habe ich dort 35 Minuten später und um 6:45 Uhr musste ich mich am nächsten Eingang zur Bergbesteiung ins „Goldene Buch“ eintragen. Ich sah, dass ich mal wieder der Erste für den heutigen Tag war und konnte dem abgewinnen, dass ich wahrscheinlich auch zuerst oben sein werde und den Moment für mich genießen könnte. Veranschlagt waren 2 Stunden Wegzeit. Guten Schrittes machte ich mich auf und nahm die unzähligen Jahrhunderte alten Stufen in Angriff. Meine Sicht war begrenzt, da es sehr trüb war. So dachte ich zumindest, hetzen brauchst du nicht und wenn du oben bist, haben sich Nebel und Wolken verzogen.
Die Angstrengung stand mir schnell im Gesicht, der Schweiß triefte und dann wurde ich auch noch von außen nass, weshalb mein Poncho zum Einsatz kam. Als ich ungefähr die Hälfte des Aufstieges hinter mich gebracht hatte, hatte ich eine Begegnung der besonderen und vor allem nicht erwarteten Art. Nachdem ich eine Weile lief und dabei stets meine Füße und die unförmigen Steinstufen betrachtete, hielt ich inne, um zu verschnaufen und blickte die Stufen zur nächsten kleinen Plattform hinauf. Da sah ich einen braunschwarzen, runden, felligen Wollhintern, der alsgleich aus meinem Sichtfeld verschwand. Als ich noch darüber rätselte, ob es ein Schaf oder Alpaka sein könnte, tauchte das Tier auf den nächsten Stufen zur höher gelegen Plattform wieder auf. Erst traute ich meinen Augen nicht, bis ich mir sicher war – das war ein Bär. Uff. Gestern hatte sich mein Guide noch angeboten, mich beim Aufstieg für ein Heidengeld zu begleiten. Doch dachte ich, den Berg hochlaufen kann ich noch alleine. Wilde Tiere erwähnte er dabei nicht. Was tun in diesem Augenblick? Zwar tappste der Bär davon und war zügig um die Ecke gebogen, ohne von mir großartig Notiz zu nehmen, ihm auf die Pelle zu rücken, hielt ich dennoch für keine Gute Idee. So legte ich erstmal eine kurze Pause ein, damit sich der Abstand zwischen uns vergrößerte. Umkehren war keine Alternative. Ich wusste, dass man bei einer Begegnung mit einem Bären bloß nicht das Weite suche sollte. Erstens wäre er schneller und zweitens weckte man dadurch nur seinen Jagdtrieb. Geschätzt hatte ich es mit einem Jungtier zu tun und hoffte, dass es dazu keine beschützende Mutter gab. Im Falle des Falles müsste ich schauen, nicht dazwischen zu kommen, mich groß und breit zu machen, was mir nicht ganz so leicht fallen würde und laut und dominant aufzutreten. Meinen Poncho könnte ich nutzen, um mein Volumen zu verbreitern und mein 50er Sonnenspray würde ich Richtung Schnauze abfeuern. So lief ich im Anschlag damit, langsam und bedächtig weiter, spähte um jede Kurve und hielt nach Tatzenabdrücken Ausschau, welche ich vereinzelt fand. Bei einer größeren Plattform befand sich dann eine Inkaruine, welche hinter dem Dickicht herauslugte. Ein perfekter Platz für den Bären zum vom Wege Abbiegen und ausgezeichneter Unterschlupf. So hoffte ich, beruhigt weiter gehen zu können, als plötzlich ein Vögel aus dem Gebüsch herausschoss und an meinen Gesicht vorbei flog. Erneut: uff! Ich setzte meinen Weg fort und merkte, dass ich dem Bergrücken nicht mehr fern war.
Oben im Regen und gut durchnässt angekommen, suchte ich Schutz unter einem Unterstand und nahm einen Powerriegel und Wasser zu mir. Tatsächlich war sonst niemand da und ich wollte mich weiter aufmachen, um den Bergkam entlang zur Aussichtsplattform zu laufen. Nach 30 Metern war ich baff und etwas enttäuscht, sie schon erreicht zu haben. Ich war gerade mal eine Stunde unterwegs gewesen und hatte einen längeren Weg erwartet. Und wie ich sah, sah ich nichts. So ging ich zurück zum Unterstand, hing meine nassen Sachen auf, zog Ersatzwäsche an und harte der Dinge aus mit der Hoffnung auf besser Wetter. Nach einer Weile kam ein Pärchen aus Irland an und ich fragte sie, ob sie auch den Bären gesehen hätten. Sie verneinten, erwähnten nur ein Schild „Beware of the bears“ dazu, welches ich übersah und freuten sich für mich, was für ein Glück ich doch hätte!!! Irre, die Iren. Mit der Zeit fanden sich 10 bis später 20 Personen und ein Ranger mit Machete ein. Darunter waren auch Nils und Katharina mit denen ich ein schönes Schwätzchen halten und anfänglich noch das leichte Aufbrechen der Wolken und einen Regenbogen sehen konnte.
Die Hoffnung war geweckt und ich erkundigte mich bei dem Ranger auf unsere Chancen. Er war zuversichtlich, vertröstete uns auf eine halbe Stunde, sodass wir alle wie gespannt auf jede Wolkenbewegung achteten, mal eine Bergspitze in der Ferne aus den Wolken herausschauen sahen, und der Sonne noch mehr Power wünschten. Er bestätigte mir auch nochmal, dass es hier Braunbären gibt, meist aber auf der anderen Seite der Berge und ich mich glücklich schätzen darf, einen erblickt zu haben. Also habe ich das mal so angenommen. Er zeigte mir Bilder auf seinem Handy von einem Bären, den er gesichtet hatte und öffnete mir die Augen, dass es sich bei der Größe meines Exemplares nicht mehr um ein Junges handelte. So lange wenig zu erblicken war, freute ich mich, dass ich mein Teilziel der Bergbesteigung mit Bravour gemeistert hatte.
Nach 2 Stunden Warten machte sich die Nervosität bei Nils und Katharina breit und mein Zeitfenster wurde ebenso immer kleiner. Sie hatten eine geführte Tour gebucht, die um 11 Uhr startete und ich sollte um halb 12 am Haupteingang sein, um meinen Guide Ederth zu treffen. Am Eingang sagte mir die Frau an der Kasse, dass ich den Rundweg 3 in 30 Minuten laufen könne, weshalb ich dann ebenso um 11 Uhr unten sein wollte. Dennoch war es ein Hadern: Bleiben mit einer klitzekleinen Chance, die Inkaanlage vom Berg aus zu sehen oder den Dreierweg noch laufen zu können. Hatte ich den Aufstieg in einer Stunde geschafft, erhoffte ich mir in 30 Minuten unten zu sein. Der Ranger war auch nicht mehr zuversichtlich, weshalb ich mich nach 165 Minuten Hoffen aufmachte und wie sonst nur mein Kumpel Tom in Irrläufer – Manier den Berg runterjoggte. Bisweilen war es brenzlig, nicht wegzurutschen und bei den engen Stufen machte ich etwas langsamer. Nach rund 90 % des Weges rief mich mein Guide an. Er würde die Tour gerne vorverlegen und ich solle um 11 Uhr am Haupteingang sein. Wenig erfreut und mit dem Gedanken, dass ich den 3er – Rundgang nicht laufen kann, beeilte ich mich weiter. Wie von mir geschätzt, benötigte ich eine halbe Stunde. Jedoch klaute mir Ederth dann die Möglichkeit, eben diesen weiteren Rundweg zu gehen. Ich war angepisst. Den Rest der Gruppe hatte er mittlerweile einem anderen Guide mitgegeben und wir machten uns auf. Meine Stimmung war im Eimer. Bis dahin hat der Machu Picchu vieles von seinem Mythos bei mir eingebüßt. Nun waren wir zur Rush Hour unterwegs durch die Anlage. Es wimmelte von Menschen, die einfach nur auf Fotos für Instagram und Tiktok auswaren und an der Geschichte des Ortes kein wirkliches Interesse zeigten. Nun war ich in der Massenabfertigung angekommen, versuchte über Smalltalk die Stimmung zu kitten und bekam eine Einzelführung, bei der ich zumindest viele Fragen stellen konnte. Kurz nach dem klassischen Aussichtspunkt am Kopfe der Siedlung trat dann wieder Regen ein.
Ederth erklärte mir, dass sich die Besiedlung in zwei Bereiche trennte. Links wohnten die noblen und hohen Bürger, rechts das einfache Volk. Dort befand sich auch das industrielle und gewerbliche Viertel. In der Mitte gab es einen Paradeplatz, auf dem Zeremonien abgehalten und Feste, wie zum Beispiel die Sommersonnenwende, gefeiert wurden. Die Terrassen am Hang dienten der Feldwirtschaft. Man war hier autonom, stellte seine Werkzeuge selbst her, fertigte Keramiken, Textilien und Schmuck an. Über einen direkten, sich im Zentrum befindlichen Steinbruch brach man mittels Hammer und Bronzemeißel den Stein auseinander, bearbeitete ihn weiter bis zur gewünschten Passform und polierte ihn sogar, falls er für weltliche oder religiöse Gebäude bestimmt war. Bei der Bauweise setzte man auf das Schlüssel – Schloss – Prinzip. Alles musste passgenau zusammen abschließen und nahtlos verbaut werden. So konnte kein Erdbeben den Steinhäusern etwas anhaben. Es gibt ein ausgeklügeltes Wasserzisternensystem, welches Wohnungen und Terrassen mit Bergwasser versorgten. In Mond – und Sonnentempel fanden die rituellen Zeremonien statt. Menschenopfer waren nicht selten. Teils wurden sie mumifiziert und in fötaler Haltung sogar mit in eines der 32 Gräberkomplexe gegeben. Am Kondortempel brachte mir Ederth eine neue Erkenntnis, welche ich zuvor teils fehlerhaft festhielt und an dieser Stelle korrigieren möchte.
Kopf des Kondors.Dahinter die Flügel des Kondors.
Die Schlange ist nicht das Symbol für die Tierwelt, sondern für Mutter Erde, „Patcha Mama“. Man glaubte an die Wiedergeburt und das Wandeln zwischen drei Welten: das Leben auf der Erde (Puma), der Übergang über die Berge (, weshalb die heiligen Stätten auch so weit oben errichtet wurden) in den Himmel (Kondor) und der Prozess der Reinkarnation über Mutter Erde (Schlange), also aus dem Boden hinaus in den Schoss der Frau, weshalb auch die fötale Position bei der Mumifizierung gewählt wurde.
An einem religiösen Stein, der die Silhouette des Berges dahinter besitzt, fanden Hochzeiten statt. Da die Berge als Treppe ins Jenseits gesehen und als heilig verehrt wurden, sollte dadurch auch der Bund der Ehe als heilig betrachtet werden. Die Ehepartner sollten das passende Gegenstück zueinander sein.
In unserer Arä leben noch circa 20 % der Peruaner den Glauben der Inkas aus und fühlen sich wiedergeboren als solche. Rund 80 % der Bevölkerung sind Katholiken. Sofern die Inkanachfahren Opfer erbringen möchten, brauchen sie dazu einen Schamamen, der einen Ritus auf einem Berg abhält. Spezielle Gebäude gibt es dafür nicht.
Nach der Führung, hatte ich noch ein wenig Zeit und schaffte es, mich nochmals einzuchecken und den 3er – Weg nicht ganz, aber etwas zu gehen. Hier war ich fast für mich und ließ den Ort noch etwas mehr auf mich wirken. Ich habe zudem etwas an Wissen mitgenommen, was mich sehr erfreute, und konnte somit dem Wetter und der anfänglichen Enttäuschung trotzen. Dennoch hatte ich andere Erwartungen.
Gegen 15 Uhr kam ich mit dem Bus wieder im Machu Picchu Pueblo an, machte mich soweit es ging in der Unterkunft frisch, aß endlich was und nahm den Nachmittagszug zurück nach Ollantaytambo. Sowohl im 360° – Panoramazug, als auch später im Shuttle nach Cusco saß ich zusammen mit Mike aus Österreich, der 3 Monate durch Südamerika reist, im Abteil bzw. einer Sitzreihe. Wir unterhielten uns prächtig über die 5 – stündige Rückreise.
Abends war ich natürlich geschafft und hatte zudem Magen- und Rückenprobleme, was mich weniger erfreute. Mehr jedoch, dass mir Abdel endlich einen Elektro – Heizkörper für mein Zimmer zur Verfügung stellte. Der war bitter notwendig.
Meine ganz lieben Grüße möchte ich an Nils und Katharina senden. Ich wünsche euch eine gute Weiterreise und eine tolle Zeit in Ecuador.
23.03.2022 – Mein Magen rumorte noch ziemlich, sodass ich meine Reiseapotheke schröpfte, viel Tee trank und mir Ruhe gönnte. Nachmittags trat ich einen Spaziergang durch das schöne Cusco an, traf kurz Mike, mit dem ich mich für abends verabredete und besuchte neben dem unspektakulären „Museo de Arte Contemporeano“ das angrenzende Schokoladenmuseum für eine kleine Verkostung. Schokolade ist ja schließlich auch Medizin. Daraufhin schlenderte ich über den Markt von San Pedro. Dort gab es wirklich alles für den Touristen oder die Locals: Kleidung, Nippes, Käse, Gewürze, Kräuter, Kokaprodukte, Obst, Gemüse, Fisch und neben Pferdeschbauzen ganze Rinderköpfe. Man konnte zusehen, wie Blutwurst gemacht wird und musste teils auch über das frische Blut am Boden waten. Das war schon ein bissel ekelhaft.
Abgeschreckt habe ich mich auf Reis und Gemüse beschränkt und mir eine Reisgemüse – Matschepampe gekocht, in der Hoffnung meinen Magen zu besänftigen. Leider hat es nicht mehr geklappt, sich mit Mike zu treffen. Es hat ununterbrochen aus Kübeln gegossen. Trotzdem oder gerade deswegen gehen meine Grüße heute an Mike.
24.03.2022 – Mir ging und geht es immer noch sehr bescheiden. Der Bauch rumorte, der Rücken schmerzte, in den Waden der Muskelkater des Todes und mein Tablettenkonsum überstieg die normale Nahrungszunahme. Über meine gut gefüllte Reiseapotheke war ich erneut froh und hoffe auf baldige Besserung. Zumindest durfte ich feststellen, dass ich meine Finger vom Unfall auf dem Schiff seit Anfang Januar zum ersten Mal wieder komplett schmerzfrei bewegen konnte. Ich entfernte mich somit zuerst nicht von meinem Domizil, außer zum Mittagstisch und nutzte den Vormittag, um mich mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften rumzuschlagen, da gestern Abend ein Systemfehler bei einer Buchung auftrat, keine Verifizierung meines Kaufes für eine Reise möglich war, ich es erneut probierte und das gleiche Problem abermals hatte. Daraufhin buchte ich Flüge und Unterkunft selbst, statt pauschal. Heute Morgen musste ich erfahren, dass eine Buchung vorliegt und ich somit zwei Reisen gebucht habe. Das kostete Nerven und gilt noch zu klären, bevor meine Reisekasse aufgebraucht sein wird. Zudem habe ich mich entschlossen, mein Auto, welches meine Reisezeit über bei meiner Tante steht, zu verkaufen und habe mit einem Vermittler gesprochen. Es ist einfach nicht mehr wirklich wirtschaftlich für meine Bedürfnisse. Den Rest des Nachmittags bis zum frühen Abend schonte ich mich im Bett, bis ich mich um 18 Uhr mit den Steffis am Plaza de Armas traf. Wir wollten das Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft für die Fußballweltmeisterschaft schauen, entschlossen uns dann, sich der Meute anzuschließen und durch die Straßen zu ziehen. Es gab sogar Polizeischutz bis zum Vereinsheim und ein Kamerateam hatte uns auch vor der Linse.
Die Stimmung war stets euphorisch bis hitzig und nach einem nicht gegebenen Tor für Peru und dem folgenden Führungstreffer für Uruguay bebte der Saal. Zur Halbzeit wechselten wir die Location und fuhren dazu mit dem Taxi ins Kneipenviertel um den Plaza de Armas herum. Wir ergatterten einen perfekten Sitzplatz in einer Cocktailbar, verstanden aber teils unser eigenes Wort nicht mehr. Vor allem nicht mehr, als Peru in der Nachspielzeit der Ausgleich klar gelang, aber nicht gegeben wurde. Der Raum tobte, Beschimpfungen wurden hinein geworfen, der Schiedsrichter, der sonst makellos pfiff, verflucht und unfassbar die Köpfe geschüttelt. Mit großer Enttäuschung und einer Portion Wut im Bauch konnte sich Peru somit nicht mehr für die WM qualifizieren. Schade, es wäre wohl noch ein berauschendes Fest geworden. Aber ich hätte ehe nicht daran teilnehmen können. Hielt ich mich brav den Abend über an einem Wasser ohne Kohlensäure fest, trat ich den Heimweg lange vor den Steffis an, die noch weiterzogen. Die abendlichen Grüße gehen heute ja ganz klar an alle Stollengötter Amöneburg.
25.03.2022 – Meinem Magen ging es besser, weshalb ich die gebuchte City Tour antreten konnte. Essen konnte ich dennoch nicht viel. Und es sollte sich rausstellen, dass ich etwas anderes unter der City Tour verstanden habe, als der Veranstalter. Zwar begann sie in Cusco, spielte sich dann aber im Umland ab.
Zuerst wurde „Qoricancha“ im Stadtzentrum besucht. Das Besondere an dieser Stätte ist mannigfaltig. Sie steht im Mittelpunkt des alten Cuscos, der heiligsten Inkastadt, und blieb nach der Eroberung durch die Spanier bis zum letzten großen Erdbeben in den 1950er Jahren vor der Öffentlichkeit versteckt. Um das Heiligtum herum errichteten die Eroberer einfach ihre eigene Kathedrale „Santo Domingo“. Die Missionare wollten den indigenen „Aberglauben“ aus den Augen und Köpfen der ursprünglichen Inkas verbannen.
Während bei dem Beben die Außenfassade der christlichen Kirche einstürzte, bröckelte nicht mal ein Zentimeter des sich im Innern befindlichen Inkakomplexes. Hier stehen heute noch die Originalmauern von vor über 500 Jahren. Weiterhin befand sich im Zentrum der zerstörte Sonnentempel, von dem 41 bis 42 gerade Luftlinien ausgehen, auf denen mindestens 3 und maximal 15 wichtige andere Inkastätten (Tempel, Festungen, Kontrolltürme, …), wie zum Beispiel der Machu Picchu liegen. Es war quasi wie eine geografische Orientierungshilfe für Wanderung, Wallfahrten und Transporte.
Innen: Inka – Außen herum Spanier.Das Zentrum ist Qoricancha, die 4 Farben symbolisieren die 4 Inkaterritorien, die Punkte sind wichtige Inkaorte.
Wie so oft spielten heute die 3 Symbolwesen Puma, Kondor und Schlange für die 3 Welten eine Rolle. Doch auch in der Milchstraße haben die Inkas weitere wichtige Tiere entdeckt. Dabei orientieren sie sich nicht ausschließlich an den hellsten Sternen, sondern an den sich abzeichnenden dunklen Stellen. Wer kann Lama, Fuchs, Schlange oder Frosch entdecken?
Den ganzen Komplex durften wir uns leider nicht ansehen, weil wir zu „Saqsayhuaman“ weitergeschleift wurden. Dies ist eine archäologische Stätte, die verdeutlicht, wie die Spanier den alten Glauben ausrotten wollten. Von der gigantischen Anlage prangen zwar noch gigantische Mauern, doch vieles wurde abgetragen, um einerseits den Inkakult zu verbannen und andererseits Baumaterial für die eigenen Kirchen zu haben. Und das, obwohl die Conquistadores gar nicht ermessen konnten, welchen Weg die passgenauen Steine zuvor auf sich nahmen. Im 6 Kilometer entfernten Steinbruch wurden sie mithilfe eines jeweils zuvor gefertigten Miniatur – Lehmmodels des benötigten Steines bemessen und aus dem Fels in größerer Dimension herausgearbeitet. Man nutzte die natürlichen Risse im Fels, schlug Holzkeile rein, füllte die Risse mit Wasser, welches half den Stein abzusprengen. Anschließend zogen und schoben die Arbeiter die Blöcke auf Holzgestellen mit Baumstammrollen die ganze Strecke bis zum Zielpunkt. Anhand einer Markierung wussten die Arbeiter dort, wo der Stein eingesetzt werden sollte und begaben sich ans Finish. Der Stein wurde mit Hammer und Meißel passend verarbeitet und platziert.
Das heiligste Fest, die Sommersonnenwende, gleichsam der Start ins Neujahr und Beginn der Landwirtschaftssaison, wurde hier gefeiert. Die rituellen Waschungen der Schamanen und Obersten vor der Zeremonie wurden im nahegelegenen „Tambomachay“ vorgenommen, wo man auf natürliche Quellen stieß.
Der nächste Stopp war „Qenqo“, ein Aussichts- und Kontrollpunkt für die Linie, bzw. den Weg, der zum Machu Picchu führt und in dessen Linie ebenso „Tambomachay“ liegt.
Selbst liegt „Qenqo“ ebenso auf einer Linie zum 8 Kilometer entfernten Cusco, was verdeutlicht, dass der Begriff City Tour, wie ich finde, zurecht unpassend gewählt wurde. Bevor wir zur letzten eigentlichen Station kamen, mussten wir einen Halt in einem Textilshop über uns ergehen lassen. So langsam habe ich genug davon.
„Pucapucara“ ist ebenso eine bedeutende religiöse Stätte. Der damals errichtete „Pumastein“ wurde ebenso geschliffen, wie die sich auf dem Boden befindliche Steinplatte mit den „Pumaaugen“, auf die genau zur Zeit der Sommersonnenwende das Licht fiel.
Hohe Würdenträger und die Inkakönige wurden ebenfalls in einer Höhle unter dem Felsmassiv mumifiziert und als Idole in Altarnischen konserviert ausgestellt.
Genau hier wurde im 15. Jahrhundert der letzte Inkakönig zur Mumie.
Zurück in Cusco, einer wirklich tollen, lebendigen Stadt, nahm ich meine erste richtige Mahlzeit des Tages ein, das Abendessen, spazierte heimwärts und richtete mich für die morgige Hammerwanderung, bei der es mal wieder heißt: aufstehen um 5 Uhr. Ins Bett geht es nicht ohne tägliche Grüße und die gehen zum Geburtstag und wie selbstverständlich mit Blick auf Cusco und dessen Fußballstadion an die liebe Sabbi.
26.03.2022 – Um 4:58 Uhr klingelte das Handy, nicht der Wecker. Mein Guide Dora rief mich zum Einsammeln für die Tagestour. Gestern hatte man mir noch 5 Uhr 30 mitgeteilt, weshalb das Shuttle eine Extrarunde drehen durfte. Bis alle, darunter auch eine der Steffis, an Bord waren, war es kurz vor 6 Uhr. Die Fahrt, mit Frühstücksunterbrechung, ging zum „Palcoyo“, einer Gebirgskette mit drei Regenbogenbergen und einem „Felsenwald“, dem auf 5000 Metern Höhe gelegenen „Rock Forest“. Schon die lange Anreise dahin war traumhaft und ich konnte mich an den grün bewachsenen Bergen kaum satt sehen. Wenn dann zusätzlich eine Herde Lamas über die Straße läuft oder Alpakas am Hang grasen, hat mir das echt ein Lächeln aufs Gesicht gelegt.
Kurz nach 10 Uhr kamen wir am Zielort an und hatten zwei Stunden, um umherzuwandern. Es war traumhaft. Auch wenn die Sonne verschwand, Nebel, Hagel, Kälte, Regen und Nässe einsetzten. Hier können Bilder für sich sprechen, auch wenn die realen Farben nicht ganz herausstechen.
Durchnässt und ausgekühlt war ich froh, wieder im Shuttle zu sein. Auf halber Strecke zu Cusco gab es nicht nur wieder Somnenschein und beeindruckende Landschaft, sondern auch ein Buffet mit traditionellen Speisen. In der Dämmerung war ich wieder im Hotel und den Abend verbrachte ich mit den Steffis, wenn meine Steffi schon nicht bei mir sein kann.
Allerliebste Grüße an dich liebe Alexandra. Vielen lieben Dank, dass du mir auch aus der Ferne immer in Sachen „Black Pearl“ behilflich bist. So kann ich in Zukunft meinen ökologischen Fußabdruck wieder verbessern.
27.03.2022 – Da es gestern dann doch sehr spät wurde, schlief ich den Schlaf des Gerechten und ging direkt zum Mittagessen über, bis ich zum Flughafen musste, um den Flieger nach Lima zu bekommen. Dort landete ich abends und checkte im „Hospedaje de Tres Regiones“ ein. Es liegt nicht all zu weit vom Flughafen entfernt und machte auf Booking.com einen sehr guten Eindruck. Allerdings habe ich mehr und mehr den Eindruck, dass es sich um ein Ort für verborgene Liebschaften handelt. Naja, ich brauchte ja nur ein Bett und werde die Lokalität morgen früh wieder verlassen, um nach Guayaquil in Ecuador zu fliegen. Das schöne Cusco musste ich auch hinter mir lassen.
Ich freue mich aber auf die nächste Etappe. Bis dahin grüße ich ganz herzlich Graham und Wouters.
11.03.2022 – Taxi, Bus, Taxi, Bus, Internet – Guthaben aufladen, Tuktuk – so lässt sich die 16 – stündige Anreise von Huaraz über Lima nach Ica ins Hostel „Ica Adventures II“ am besten beschreiben. Dank Steffis L. Reisebericht buchte ich im Hostel direkt mal vier Touren für die nächsten Tage. Mit gemütlichem Ausspannen heute war wohl doch nix. Das war aber auch ganz gut so, denn ich hatte einen Riesenspaß in dem nahegelegenen Huacachina. Dort fand ich mich mit einer netten Truppe aus dem Hostel (Diana, Judith, Mickey, Lea, Fi, Maria und Cecilia) zur Buggy – Tour durch die Wüste und Sandboarding ein. Hier befindet sich auch die einzige Oase des Landes. Ich war abermals verblüfft, wie vielfältig Peru doch wieder ist. Verbrachte ich die letzten Tage noch in Eiseskälte, wechselte ich innerhalb eines Tages ins andere Extrem.
Unser Buggy – Fahrer hatte es echt drauf und raste mit uns durch die Wüste, jagte uns waghalsig über die Dünen und brachte den ein oder anderen schrill zum Schreien. Kurzum, das war genau Meins. Ich grinste mir während der Fahrt einen Ast vom Logenplatz in der ersten Reihe ab.
Fürs Sandboarding hielten wir an drei Spots und jagten die Pisten hinunter. Diese Art von Abfahrtssport machte wirklich Fun. Ich hätte noch ewig weiter machen können.
Auf einer Anhöhe formte ich meinen eigenen Sandengel in die Nazcarlinie in Huacachina und bin gespannt, was die Forschung in einigen Jahren dazu sagen wird.
Irgendwann muss aber halt mal Schluss sein. Doch bevor unser Fahrer nochmal so richtig Stoff gab, genossen wir den Sonnenuntergang. Zauberhaft.
Meine Sundownergrüße gehen heute klaro an die liebe Carmi. Feier schön Geburtstag und freu dich auf den lieben Besuch morgen aus Mainz.
PS: Imagine all the people, …
12.03.2022 – Mit Mickey und den vier Dänninen unternahm ich heute einen Ausflug nach Pisco. Die Stadt gilt als das Wein – Mekka Perus und leiht ebenso dem Nationalgetränk, welches aus destilliertem Most besteht, seinen Namen. Insgesamt steuerten wir drei Weingüter und Bodegas an. In dem 1540 von den Spaniern gegründeten und somit ältesten Weingut Südamerikas „Tacama“ erhielten wir eine Fabrikführung mit anschließender Verköstigung.
Im Jahr werden hier 1 Million Liter Wein und 200000 Liter Pisco produziert. Die 20 Traubenarten werden für den Wein doppelt fermentiert und wenn man Pisco herstellen möchte, kocht man den Wein nochmals auf, gibt eine Menge Zucker hinzu und erhält den 38 – 40 %-igen Schnapps, welcher wiederum mit unzähligen Früchten verfeinert werden kann.
Anschließend hatten wir weitere Verköstigungen in den Bodegas „Nietto“ und „El Catador“.
Nach der Rückfahrt gingen Mickey und ich erstmal in Ica was essen und ich schaute mir anschließend noch das Städtchen an. Den Abend verbrachten wir im Hostel an der Tischtennisplatte.
Meine Grüße möchte ich an mein Kollegium senden – in Gedanken und zum Andenken an unseren „Fels in der Brandung“.
13.03.2022 – Zur unmenschlichen Zeit wurden Kareen (CR), Dennis (NL) und ich (Pfalz) am Hostel als Erste eingesammelt, nur um dann doch eine Stunde im Stau zu stehen, da sich leider vor uns ein schwerer Unfall ereignete. Ein Tuktuk hatte es sehr unglücklich zerlegt, der Insasse musste verletzt abtransportiert werden. Das, sowie weitere Berichte meiner Mitreisenden brachte mich zur Überlegung, vielleicht auf meinen geplanten Nazcaflug zu verzichten und nur die Aussichsplattformen am Dienstag anzusteuern. Über die veralteten Cesnas hört und liest man nichts Gutes.
Gegen 10 Uhr 30 kamen wir in Paracas an, wo wir zuerst mit dem Schnellboot zu den „Balestas Islands“, einem „Galapagos für Arme“ wie man hier sagt, fuhren. Auf dem Weg dorthin konnten wir ebenso eine Nazcalinie in den roten Bergen sehen. Die kleine Inselkette befindet sich im Nationalpark Paracas und weist eine große Population von Möwen, Pelikanen, Seebären (Mann hatten die Radau gemacht!) und ein paar Humboldt-Pinguinen auf. Schön gestunken hatte es da. So war ich eigentlich froh um meine Maske.
Die restlichen 45 % des Nationalparks befinden sich an Land der Halbinsel, genauer gesagt, ist es die Atakama – Wüste, welche sich von hier über Bolivien und Chile bis nach Argentinien zieht. Die Quechua gaben Paracas übrigens seinen Namen, welcher so viel wie „Regen aus Sand“ bedeutet und auf die Sandstürme von bis zu 60 km/h hinweist. Den nächsten Stopp legten wir bei „Lagunilas“ zum Mittagessen ein.
Gefolgt von einem Abstecher am Strand „El Raspon“ und anschließend ging es zum Aussichtspunkt „Santa Maria“, von wo aus man die ganze Halbinsel überblicken konnte.
Zurück im Hostel erwartete mich noch eine Überraschung. Ein schönes Zimmerupgrade mit riesigem Bett, Bad und Balkon. Das kostete ich richtig aus und sende meine Sundownergrüße an den lieben Ralle. Ich bin mir sicher, dass Peru auf deiner Urlaubsliste einen stabilen Platz einnehmen wird.
14.03.2022 – Für die heutige Tour musste mal wieder ein langer Weg zurück gelegt werden. Drei Stunden benötigten wir, um an den „Canyon of the lost people“, nach mehreren Vorfällen so von einem Journalisten in der Presse bezeichnet, zu gelangen. Dabei fuhren wir die Hälfte der Zeit einfach nur durch die Wüste und ich dachte, dass wir niemals ankommen würden. Während wir wie im Brutkasten auf den Kunstledersitzen, ohne Möglichkeit ein Fenster zu öffnen, vor uns hinschwitzten, wurden wir zudem noch anständig durchgeschottert. Wenigstens hatte unser Guide eine ordentliche Playlist parat. Einen Stop legten wir mit Aussicht auf „Colorado“ ein. Die Peruaner nennen so die roten Berge. Die Baumgruppe rührt daher, dass hier bisweilen ein Fluss das kleine Tal speist.
Früher war die komplette Wüste samt ihren Bergketten und Canyons unter der Wasseroberfläche, weshalb sich heute immer noch Fossilien und Zähne von Meeresbewohnern, wie auch dem ausgestorbenen Megalodon, finden lassen. Der Boden ist zudem sehr salzhaltig. Unterirdisch befinden sich große Wasservorräte und es findet Osmose statt. Der „El Nino“, ein Naturphänomen, welches hier alle 100 Jahre enorme Wassermassen hereinstürzen lässt, wird erst wieder Ende des Jahrhunderts auftauchen. Der Canyon ist zwar uralt, jedoch erst 2009 entdeckt worden, hat 2016 eine Zugangs“straße“ erhalten und darf seit 2020 besichtigt und bewandert werden.
Mit einer Länge von 1,8 Kilometern und einer maximalen Höhe bzw. Tiefe von 150 Metern ist er relativ überschaubar. Um zum Fuße des Canyons zu gelangen, muss man zuerst einen längeren Abstieg wagen und folgt dann dem „Dry River“, bis zum Ende (, dem obigen Aussichtspunkt). Zwischendurch konnten wir eine sehr seltene Wüsteneule sowie eine kleinere Condorart sehen. Aus dem bröckeligen Gestein ragen bisweilen Knochen (z. B. Delphin) heraus. Zudem findet sich immer wieder Salzgestein, welches genau so salzig schmeckt, wie die roten Blütenstängel der Salzpflanze. Zu viel konnte ich davon nicht probieren, allerdings würde man im Notfall viele Elektrolyte durch sie aufnehmen können.
Ist man den „Canyon of the lost people“ bis zu seinem Schluss gelaufen, erkennt man, in welcher Sackgasse man steckt und gleichsam ein Rundbecken, das nach starkem Regen voll mit Wasser gefüllt ist. Aber eben nicht, als wir da waren. Ab hier gab es kein Weiterkommen und wir mussten den Rückweg samt der langen Rückfahrt antreten.
Als Zwischenstopp wurde wenigstens, wie auch überraschenderweise, eine Bodega besucht, bei der es eine erneute Wein- und Piscoverkostung gab. War ich zwar lange unterwegs, hatte ich doch wieder nette Menschen kennengelernt. Maelle (B) treffe ich vielleicht in Nazca, wo mich abends der Nachtbus hinbrachte, wieder. Mir fällt so langsam auf, dass ich mich mehr im Transportmittel befinde als im Bett. Im „Anccalla Inn Guesthouse“ kam ich erst gegen 21 Uhr 40 an, da der Bus von „Civa“ Verspätung hatte. Bisher waren sonst alle überaus pünktlich. Aber irgendwie rasen die Tage dahin und ich möchte zum Monatsende ein neues Ziel ansteuern. Wobei es noch so viele Highlights in Peru zu sehen und zu erleben gilt.
Grüße bekommt heute die liebe Vera gesendet. Ich freue mich sehr, wenn es klappt, dich in Ecuador zu sehen.
15.03.2022 – Lange erwartet, konnte ich die Nazca – Linien bestaunen. Zuerst steuerte ich das „Museo Arqueologico Antonini“ an. Es zeigt die Frühkultur um den Tempel „Cahuachi“, welcher das religiöse Zentrum der um Nazca lebenden Völker bildet. Totenkult, Bestatungsriten, Kunst, Textilwesen, Keramik, Schmuck, Malerei und auch die Nazca- und Palpalinien werden hier thematisiert. Viele originale Fundstücke mit einer Datierung ab 600 v. Chr. sind hier ausgestellt.
Nachmittags traf ich Maelle und Antonio aus Belgien und wir ließen uns zu Aussichtspunkten für die Palpa- und Nazcalinien fahren.
Leider gab es meist keine Erklärungen zu den Figuren. Die Palpa stellten oft Menschen und Gottheiten dar, die Nazca mehr Pflanzen und Tiere, die sie teils, wie Katze und Orca, Gott ähnlich verehrten.
Zwischen den Beobachtungsstationen besuchten wir das „Museo Maria Reiche“. Die in Dresden geborene Mathematikerin, Geologin, Physikerin und Pädagogin widmete ihr Leben der Erforschung, dem Erhalt und der Kartografierung der Nazcalinie, nachdem sie die erste (die Spinne) entdeckte. Bis ins hohe Alter und über die eigene Erblindung hinaus lebte sie mehr in der Wüste Nazcas mit ihrem VW – Bus und Camping – Käfer als in der gleichnamigen Stadt. Ihr verdanken wir die umfangreichen Aufzeichnungen über die Figuren, den unzähligen Linien in der kargen Steinwüste.
Doch auch nach dem Besuch blieben bei uns viele Fragen zu den mysteriösen Steinzeichnungen und -gebilden offen. Erst der Besuch des Planetariums brachte etwas mehr Licht ins Dunkel. Die Vorstellung war in Französisch, sodass ich meine Mühe hatte, aber dennoch Grundzüge der Erklärungen verstehen konnte. Es gibt mehrere Theorien zu den Nazca – Linien. Einerseits könnten sie Aufschluss über die Wassergewinnung in der kargen Gegend, in der es nur alle Dekaden mal richtig regnet, geben. Viele der Linien haben ihren Anfangs- und Endpunkt an angelegten Bohrquellen. Somit wären sie äußerst wichtig für die Besiedlung dieser Region gewesen. Zudem muten die breiten Prachtstraßen an, als wären sie Paradenplätze, auf denen kulturelle Zeremonien abgehalten wurden. Des Weiteren richten sich viele Linien, die in Verlängerung der Figuren liegen, nach Sternbildern (z. B. Affe -> großer Wagen) oder der Sonne (-> Kolibri, Kondor) aus. Ebenso gibt es die Theorie, dass sich ein Kalender ablesen lässt. Vielleicht ist es sogar eine Kombination von allen. Manche Linien und Figuren stammen weit aus der vorchristlichen Zeit. Andere folgten mit der Zeit, sodass stets eine Erweiterung des Vorhandenen, vielleicht durch neue Erkenntnisse der Menschen oder neue Notwendigkeiten, stattfand. Auf alle Fälle stellen sowohl die passgenauen Arbeiten, als auch das Lebenswerk von Maria Reiche eine unglaubliche Leistung dar.
Zum Abschluss schlemmten wir noch wie die „Götter in Nazca“ im „La Entrada“, bevor sich unsere Wege trennten und wir unterschiedliche Nachtbusse nehmen mussten. Meiner wird mich hoffentlich sicher in 10 Stunden nach Arequipa bringen. Gute – Nacht – Grüße gehen an meine Begleiter Maelle und Antonio.
16.03.2022 – Rund eine Stunde verspätet kam ich in Arequipa an und man merkte schon vormittags, dass dies eine ganz geschäftige Stadt ist. Gleichsam war sie schon lange und ist weiterhin das Handels-, aber auch religiöse Zentrum des Südens. Ich habe mich dafür entschieden, nur einen kurzen Stopp einzulegen und abends einen weiteren Nachtbus nach Puna zu nehmen. Es ist mal wieder schön, Stadtluft zu schnuppern, durch die Gassen mit zahlreichen Cafés, Shops oder ganzen Themenstraßen, wie für Alpaca – Produkte, Musikgeräte oder Piscoshops zu schlendern. Das lud zum Shoppen ein. Man merkt, in der Stadt ist Geld Zuhause.
Ebenso landete ich in einem Kameliten – Museum, in dem die Produktion von Textilprodukten von unter anderem Lamas, Merinos, Yaks und Alpacas gezeigt wird, bzw. auch, wie die Indigen die Wolle damals und teils auch heute noch mit einfachsten Mitteln fertigen. Und, es gab einen kleinen Streichelzoo. Die schauen einfach so schön treudoof.
Im Anschluss verbrachte ich den restlichen Nachmittag in der Rooftop -Bar „Waya Lookout“ mit herrlichem Blick auf den „Plaza de Armas“ und die Kathedrale „Iglesia de San Augustin“ von Arequipa, bis ich mich zum Abendessen aufbrechen musste.
Meine allabendlichen Grüße gehen an Hildegard und Peter.
17.03.2022 – Nachdem zuerst mein Sitz im Bus der Firma „Transleza“ repariert werden musste und dann irgendwie der Motor streikte, kamen wir verspätet aus Arequipa los. Bei Nacht sah man erstmals das gigantische Ausmaß der südlichen Metropole Perus anhand der unzähligen Lichtern und Laternen. Aufgeholt hat der Fahrer die verlorene Zeit natürlich nicht, was ich sehr begrüßte, da ich über den Hinterrädern saß und ständig was geklappert hat. Da hätte er nicht rasen brauchen. Die Straßen auf das 3800 Meter gelegene Puno waren auch nicht die besten. Somit hatte ich weniger Schlaf als erhofft und knackte nach dem Einchecken im „Hotel Hacienda“ zwei Stunden bis zum Frühstück, nahm mir dafür im Restaurant ausreichend Gelegenheit, um auf den Titikaka – See und die das Zentrum einkreisende Bergkette zu blicken, bevor ich abermals in die Falle stieg. Gegen Mittag erkundete ich die Umgebung und organisierte mir zwei Touren, wobei die erste um 14 Uhr startete und ich somit nur noch eine Weile durch die Stadt, über Märkte, zum Hafen und zurück spazierte.
Mit dem Reisebus ging es rund 40 Kilometer westlich. Unseren ersten Stopp legten wir bei einer Familie ein, die Hochlandwirtschaft betreibt und nebenbei, wie sollte es anders sein, einen Souvenirshop. Immerhin habe ich etwas über die Anbauprodukte (u. a. Kartoffeln, Quinoa) und die Kleieherstellung erfahren und durfte testen.
Der nächste Halt war in Sillustani, wo sich uralte Begräbnisstätten, die so genannten „Chullpa“ in Form von Türmen, befinden. Sie alle sind mit einer kleinen Öffnung versehen nach Osten zur Sonne hin ausgerichtet. Sonne und Mond spielen mit den drei Tierzeichen – Puma (steht für die Menschen), Kondor (steht für die größte Gottheit) und Schlange (steht für den Tod) – eine übergeordnete Rolle im Glauben der Qollos und Inkas, welche zwischen 800 v. Chr. und 500 n. Chr hier siedelten und ihre Necropole errichteten. So konnte neben den Begräbnistürmen ein Mond- und ein Sonnenkalender besichtigt werden. Unser Guide erklärte, dass in Sillustani nur einflussreiche Personen (gediente Krieger, Schamanen oder Anführer eines Stammes) beerdigt wurden. Sollte ein Toter bestattet werden, wurde er zuerst in eine fötale Position eingebunden, bevor er unter die Erde kam. Grabbeigaben wurden hier keine dazugegeben. Allerdings fand man auf dem Terrain große Vorkommen von bearbeitetem Gold, Silber, Kupfer und Edelsteinen. Üblich ist eine dreißigtägige Totenwache. Der Turm war nicht das Grab, sondern ritueller Ort. Je höher der Turm (maximale Höhe 12 Meter) über dem Grab des Toten, in dem die Zeremonie stattfand, errichtet wurde, desto mehr Bedeutung sprach man dem Verstorbenen zu. Während die Qollos noch Iglu förmige Aufschüttumgen hatten, stellte der Turm unter den Inka einen Phallus dar. Es soll die Verbundenheit mit Mutter Erde darstellen und symbolisiert weiterhin den Glauben an ein Leben in der nächsten Welt. Ein Turmstein ziert eine Eidechse, deren Schwanz bekanntlich nachwächst, quasi eine Reinkarnation verdeutlicht. Bezeichnenderweise lebten sowohl die Qollos als auch die Inkas nach ihnen hier in unglaublich bescheidenen und asketischen Verhältnissen und kargen Bauten. Für ihren Totenkult jedoch wandten sie alle Kunstfertigkeit und Mühen an, um sowohl Götter sowie die Verstorbenen zu ehren.
Anschließend hatte ich die Möglichkeit mehr über die Anhöhe zu laufen und mir die Lagune „Umayo“ mit der gleichnamigen Halbinsel, auf der sich die Necropole befindet, zu betrachten.
Pünktlich zum Zapfenstreich der örtlichen Polizei und dem Einholen der Staatsflagge war ich nach einer durchgeschüttelten Heimfahrt (Mir flog sogar das Handy aus der Hand!) am Plaza de Armas angekommen, holte meine Wäsche aus der Wäscherei und war heiß auf eine Pizza aus dem Steinofen, welche ich bei Folklore bekam.
Gestärkt und doch müde goss ich mir das erste Bad seit … ??? ein und arbeitete an meinem Spanisch. Entspannte Grüße an Toni Seibel und Anhang.
18.03.2022 – Im Trüben stieg ich aufs Boot, um den Titikakasee samt der dort lebenden Menschen näher kennen zu lernen. Zuerst fuhren wir auf eine von 160 bewohnten schwimmenden Reetinseln der Uros. Der Titikakasee ist der am höchsten gelegene beschiffbare Binnensee der Welt und verbindet Peru mit Bolivien. La Paz liegt nur 170 km von Puno entfernt. Die Einreise über den Landweg ist nun wieder genehmigt, sofern man einen negativen PCR – Test vorweisen kann. Der Süßwassersee ist an den maximalen Stellen 248 Meter tief, 165 Kilometer lang und 62 Kilometer breit. Als der See vor 4,5 Millionen Jahren entstand, war er nur 30 Meter unter dem Wasserlevel. Jacques Custo unternahm Unterwasserforschungen und fand hier Gold- und Keramikerzeugnisse, was auf eine frühere Besiedlung hinweist. Aus der Quechua – Sprache der Indigenen übersetzt bedeutet „Titikaka“ soviel wie „grau gefärbter Puma“. Mit viel Fantasie, sofern man die geologische Karte des Sees auf den Kopf stellt, kann man erahnen, dass ein Puma (= göttliches Symbol für die Menschen Perus) zu sehen ist, der einen Hasen jagt.
Die Uros lebten nicht ursprünglich auf dem Wasser, sondern mussten gezwungenerweise vor Eroberern Schutz im Reetdickicht suchen. Dort konnten sie sehr lange nicht lokalisiert werden. Die Todora – Pflanze bildet die Lebensgrundlage der Uros. Sie ist sowohl ein sehr Kalzium haltiges Nahrungsmittel, als auch benötigtes Baumaterial für Boote, Behausungen und die Insel selbst. Ich besuchte eine 10 Jahre alte Insel, auf der 9 Familien mit circa 30 Mitgliedern leben. Die Insel liegt 7 Meter über dem Grund und ihre Basis bilden 10 verwurzelte Blöcke mit jeweils 8 auf 5 Metern. Sie werden mit Linoleumleinen festgezurrt, mit 8 Holzankern versehen und mit Reet bedeckt, wie auch nach Außen hin erweitert.
Das Reet wird ebenso zusammen gebunden und an Land als Deckmaterial für Dächer verkauft oder wie ebenfalls gefangene Fische und geschossene Vögel gegen Kartoffeln und Alpakafleisch getauscht. Das Süßwasser ist, sofern man nicht zu nah an Puno lebt, trinkbar. Denn dort hat man zwar als Inselbewohner vielleicht mehr Annehmlichkeiten wie Solarstrom, TV und kürzere Wege, bekommt aber auch Chemikalien ab.
Ganz ohne den Tourismus geht es nicht. Die Uros brauchen Besucher als zusätzliche Einnahmequelle, um Propangas, Stoffe für Textilien, Schuhe, Schulmaterial oder Medizin zu kaufen. Denn, es gibt auch eine schwimmende Insel, auf der eine Schule und ein Sportplatz errichtet wurden. Möchte man allerdings groß auf die Toilette gehen, muss man das Reetboot zur 10 Minuten entfernen Insel nehmen. Hat man den Flotten Otto wirds eng. So werden Olympioniken im Rudersport geboren. Mit dem so betitelten „Mercedes Benz“, dem Schlachtschiff der Uros – Flotte, unternahmen wir eine kleine Rundfahrt auf dem See und ich konnte erntefrisches Todora probieren.
Dabei durften wir einen geringen Unkostenbeitrag entrichten, der auf die gesamte Gemeinschaft verteilt wird. Denn, bisweilen herrschten Unmut und Streitigkeiten, sofern jemand mehr hatte als andere. Das bezieht sich nicht nur auf die Familien einer Insel, sondern auf die Gemeinschaften aller Uros. Um eine gerechtere Verteilung von dem wirtschaftlichen Plus, welches der Tourismus bringt, zu gewährleisten, wurde ein Anführer gewählt, der regelt, welche Boote, wann welche Inseln anfahren. Sowieso haben die Inselbewohner strenge Regeln. Scheidungen sind verboten. Wer Unzucht betreibt oder nicht mitarbeitet, wird öffentlich bestraft und muss die Insel verlassen. Um auf einer schwimmenden Insel zu leben oder selbst eine errichten zu dürfen, muss man als Außenstehender einheiraten. Angesichts der globalen Erwärmung ist dies für mich weniger erstrebenswert. Wir wurden allerdings sehr freundlich von allen Bewohnern begrüßt. Auch den Kindern fehlte es an jeder Scheu. Im Gegenteil, sie ließen es an Distanz fehlen, durchwühlten Außentaschen von Rücksäcken oder kletterten auf dem Boot herum. Da wusste ich, ohne etwas unterstellen zu wollen, warum wir keine Wertsachen zurück lassen sollten. Der Stammesführer stellte uns zusammen mit unserem Guide die Bewohner vor. Sie erklärten uns ihre Lebensart, die Inselbauweise, wie auch die Nahrungsmittelsicherung und veranschaulichten dies mit Tot- und Lebendmaterial.
Verabschiedet wurden wir mit einem Ständchen: „Vamos a la playa“ und einem lockeren: „Asta la vista, chicos!“
Im Anschluss fuhren wir zur Insel Taquile, wo erst einmal ein strammer Aufstieg zum Hauptplatz des gleichnamigen Ortes folgte.
Dabei lernte ich Sebastian, der seine Zelte in Köln abgebrochen hat und seit letzten Sommer auch mit dem Motorrad in Europa und später in Südamerika unterwegs war und ist, kennen. Wir hatten uns auf Anhieb viel zu erzählen und es sollte noch ein cooler Tag zusammen werden. Doch zuerst besichtigten wir mit unserer Gruppe die Kunsttextilwerkstatt von Taquile. Das Weben ist hier Frauensache, während die Männer stricken. Das traditionelle Handwerk wurde von der UNESCO 2005 ins Weltkulturerbegut aufgenommen. Die Kleidung hat bei den Inselbewohnern eine übergeordnete Rolle. Sie zeigt sowohl den Beziehungsstand an (Je größer der Bommel am Rock einer Frau oder am Hut eines Mannes, desto größer das Bedürfnis einer Partnerschaft!), als auch den Rang innerhalb der Gemeinschaft. Ein Mann muss filigran eine bestimmte Art Mütze, teils mit 5 Nadeln, stricken können, bevor er heiraten darf. Verarbeitet und in die Texttilien eingearbeitet werden neben Schafs- und Alpakawolle auch Menschenhaar.
Neben der Textilherstellung betreiben die Inselbewohner Agrikultur und leben autonom. Strom gibt es nur übers Solarpanel. Die alten Gebräuche werden hoch gehalten und gerne in Form von Tanz und Gesang präsentiert.
Danach wurde das Mittagessen aufgetischt. Es gab als Vorspeise eine Quinoasuppe mit Kartoffeln, Bohnen und Karotten. Dem folgte Trutcha oder Omelette. Dazu konnte ich einen „Munia“, einen starken Kräutertee, probieren, bevor es mit dem Boot zurück nach Puno ging.
Mit Sebastian traf ich mich an der Kathedrale später wieder, um den Aufstieg zum „Kondor“ zu wagen. Er wacht, wie die Statuen von Schlange und Puma, auf einer Erhöhung über Puno. Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick über die Stadt und auf den Titikakasee.
Abschließend gingen wir noch einen Happen essen. Ich hatte Alpaka in Rotweinsoße mit Apfelkompott, Püree und Gemüse. Das war ziemlich stark und für uns beide ein toller letzter Abend in Puno, für Sebastian gleichsam auch in Peru, da er morgen nach Bolivien weiter reisen wird. Mein Bus nach Cusco, welches ich seit meiner Ankunft ersehne, geht morgen früh.
Herzliche Sundownergrüße gehen heute an Sebastian. Es war schön dich getroffen und mit dir einen coolen Tag gehabt zu haben. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder in der Heimat.
03.03.2022 – Die Weiterreise von Medellin über Bogota nach Lima, Perus Hauptstadt, war anstrengend. Erst war kaum Schlaf zu finden, da Freunde einer Hostelangestellten um 23:30 Uhr zu Besuch waren, laute Technobeats aus dem Auto liefen ließen und auf die Bitte hin, leiser zu sein, auch noch unverschämt wurden. Die Dame an der Rezeption Schritt nicht ein und mein Ärger war groß, da ich um 5 Uhr aus den Federn musste. Die Nacht war unruhig und entsprechend kurz, bis wir zur Fahrt zum Flughafen abgeholt wurden. Dort kam der nächste Schrecken. Man konnte mich im System nicht für den Anschlussflug von Bogota nach Lima einchecken. So musste ich in einem kleinen Zeitkorridor in Bogota mein aufgegebenes Gepäck einsammeln, erneut an einen Schalter von VivaAir hasten, es aufgeben, durch die Emmigration und die Kontrolle, wodurch ich gerade noch als einer der Letzten am Gate zum Boarden kam. Ich stand also nur oder lief ohne Pause ohne Essen/Trinken. Auch in den Fliegern gab es nichts und als ich landete, war ich nach 9 Stunden Anreise erstmal fertig.
Beim Einchecken im „Inti Killa Hostel“ im beliebten Stadtteil „Miraflores“ durfte ich dann feststellen, dass entgegen der Booking.com – Angaben keiner der angestellten netten älteren Damen Englisch spricht, aber sehr schnell Spanisch. Zu schnell für mich und ich steuerte erstmal einen Supermarkt an, um meinen Flüssigkeitshaushalt etwas auszugleichen und einen Handyshop am „Parque de J.F. Kenedy“, damit ich mir eine Simkarte besorgen konnte. Dort fand ich auch ein Tourismus – Informationsbüro und holte mir Empfehlungen für Busunternehmen, Touren im Land und Aktivitäten in Lima ein. Als ich zum Essen im „Rustica“ kam, war es bereits 18:30 Uhr. Danach spazierte ich noch durch die nähere Umgebung und nahm erste Eindrücke im Zentrum des Stadtteils „Miraflores“ auf.
Im Anschluss ließ ich mich per Uber am „Circuito Magico del Agua“, ein Park mit beeindruckenden Wasserspielen absetzen. Hier fanden sich tolle Illuminationen in Brunnen und Fontänen, wobei eine sogar 120 Meter lang war und visuell einen Querschnitt über die Geschichte und Errungenschaften Perus darbot. Wirklich beeindruckend und faszinierend.
Ich war vollauf begeistert, kämpfte allerdings schon seit Stunden gegen Kopfschmerzen und strich um 21:30 Uhr die Segel und kehrte zurück. Meine Unterkunft hat für ein Hostel echt Flair, ist edel eingerichtet und das Bett (mit vier Kissen) sehr bequem. Ich schmiss mir zwei Ibu rein, zappte durchs Programm und schlief den Schlaf des Gerechten.
Meine allerbesten Grüße gehen an meinen „fliegenden Holländer“ Wout. Es war eine großartige Zeit mit dir. Wir hatten tolle Erlebnisse zusammen in drei Ländern und es war mir eine Freude diese zusammen mit dir teilen zu dürfen. Ich bin mir sicher, dass wir uns zusammen mit Grahem einmal wieder sehen, sein Hausboot an der Themse auf den Kopf stellen, durch Amsterdam streifen und eine Hiwweltour durch Rheinhessen machen werden.
04.03.2022 – Es gab ein wirklich außergewöhnliches Frühstück im „Inki Killa Hostel“, da ich seit langem tatsächlich frische Brötchen und Butter bekommen habe. Danach setzte ich mich an die Planung für meine Rundreise und stieß auf einen Hop on Hop off – Trip durch den Süden. Ich ging zur Company und ließ mich beraten. Dabei buchte ich erstmal eine Bustour für den Norden des Landes. So wird es morgen Abend von Lima 11 Stunden nach Trujilo gehen. Nach der Organisation lief ich eine gute Weile ins Staddteil Barranco, welches ein sehr koloniales Flair und eine tolle Graffiti – Szene hat.
Von hier aus war es nur ein Katzensprung an den Strand und zu einer Abkühlung im Meer.
Zur Mittagszeit fand ich mich in einem Kaffee- und Crepes-Restaurant ein, damit ich an der Jahreshauptversammlung von Family-Health-Projects Gambia e.V. teilnehmen konnte.
Zumindest partiell, da alsbald meine Free Walking Tour am Kenedy – Park am Nachmittag startete. So fuhr ich bis dorthin mit dem Bus zurück und machte mich auf die Tour mit unserem Guide Natalie. Dabei lernte ich unter anderem den Berliner Frank und die Italogriechin Sabrina kennen, mit denen ich später noch den Abend verbrachte. Bei der Tour bekamen wir Informationen im Sinne von: „Vun allem ebbes“. Allerdings war es relativ gewöhnlich. Nichts desto trotz ist eine Stadterkundungstour immer gut, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Und immerhin besuchten wir den Inkamarkt, ein Schokoladenmuseum mit phänomenaler Verkostung von Schokolade und Schokoprodukten, wie Brotaufstrichen, Likören, Tees, veredelten Kakaobohnen und mehr. Den Abschluss hatten wir in einer Rooftop – Bar mit einem Pisco – Sour, dem Nationalgetränk (Ü 18) in Peru. Den Eischaum hätte ich dabei nicht gebraucht. Frank hat mich und Sabrina nach der Tour noch ins „La Gloria“ geschleppt. Ich genehmigte mir das Pasta – Lammragout, zeigte dem Chef, wie man einen guten Pernod serviert und avancierte zum DJ, da das Personal des Nobelrestaurants gerne deutsche Musik hören wollte. Leider standen sie eher auf die Schlager – Hits der 80er Jahre, als auf was Moderneres. Mit Frank und Sabrina hatte ich noch einen unterhaltsamen Abend und Frank konnte mir noch viele Tipps für Peru geben, weil er bereits einen Monat im Lande verbrachte.
Ich möchte heute ganz gerne, trotz für mich unbekannt, „Linsenfutter“ grüßen. Mit Freude erfahre ich von Zeit zu Zeit eine Mitteilung, dass mein Blog dir gefällt. Leider habe ich bis jetzt, zu meiner Schande, keine Idee, wer sich hinter dem Nickname befindet und würde es gerne wissen. Vielleicht bekomme ich ja eine persönliche Nachricht von dir über meine Emailadresse?!;). Siehe „Kontakt“! Den Ausblick auf den Pazifik widme ich heute dir.
05.03.2022 – Morgens fand ich mich erneut am Kenedy – Park in der Touriinfo ein, um eine Walking – Tour, diesmal durchs per Bus zwanzig Minuten entfernte und um 10:30 Uhr erreichte Zentrum der peruanischen Hauptstadt zu unternehmen. Unser Guide war erneut Natalie und diesmal waren die Almans klar in der Überzahl. Sechs Deutsche kamen auf einen Kanadier und zwei Britinnen und ich war nicht der einzige Lehrer;). So gab es viel Privates zwischendurch zu bequatschen und ehrlich gesagt war bei der Führung erneut noch einige Luft nach oben. Wir sahen hauptsächlich Plätze und Kirchen und es gab nicht die spannendsten Geschichten dazu. Dennoch waren die Kirchen, die Regierungsgebäude, insgesamt die Architektur und dabei die überdimensionierten Holzerker durchaus sehenswert.
Die Tour endete nach 3 Stunden mit „herrlichem“ Blick auf die „Favelas“ von Lima.
Und die Almans beschlossen danach, ihren privaten Standrundgang zu starten. Zuerst sollte mal fürs leibliche Wohl in einer traditionellen Schank- und Gastwirtschaft, wie die Bayern aus unserer Gruppe sagen würden, aufgesucht werden. Entgegen dessen hieß unsere gefundene Lokalität „Restaurant Turistico Bar – Usquilano“, hat uns dennoch in unserem Vorhaben lokal zu speisen nicht enttäuscht. Ob Chevice oder Chicherrone, sowie die fantastischen frisch gepressten Säfte – man konnte eigentlich nichts falsch machen. Es schmeckte vorzüglich und kostete im Vergleich fast nichts.
Mit vollem Bauch traten wir einen Verdauungsspaziergang durch Chinatown an. Das war ein Gewusel – wie im Ameisenhaufen.
Doch irgendwie haben wir uns doch noch zur Bushaltestelle durchgeschlängelt und sind zurück zum Kenedy – Park gefahren.
Ich musste mir dann noch weiteres Reiseequipment (Einlagen, bessere Ladekabel und -stecker, Pulli) zulegen und fand mein Glück auf dem Inka – Markt und im Compuplanet. Zudem besorgte ich mir Reiseproviant, kehrte ins Hostel zurück, wo ich freundlicherweise noch duschen und relaxen durfte, bis ich via Uber zur Fernreisebusstation von „Exclusiva“ fuhr. Gegen 21:30 Uhr begann die 11 Stunden dauernde Fahrt. Immerhin konnte ich in einem 180° – Sessel abgedunkelt in meiner Kabine liegen und versuchte die Außengeräusche mittels Ohrstöpsel zu minimieren.
Meine allerliebsten und von Herzen kommenden Grüße möchte ich natürlich an das Geburtstagskind Geli senden. Blumen gibts weiterhin medial auf dem privaten Kanal;). Sigschd!
06.03.2022 – Die Nacht war turbulent. Allerdings nicht so sehr wegen der elfstündigen Busfahrt, sondern aus organisatorischen Gründen. Nachdem ich beschloss, nur einen Tagesaufenthalt in Trujillo zu machen und dafür eine Tour gebucht hatte, suchte ich mir den nötigen Abendbus und eine Unterkunft in Huaraz raus, buchte beides und lehnte mich zufrieden zurück. Allerdings bekam ich dann um 23 Uhr die Nachricht, dass meine Tour gecancelt wurde, weil der englischsprachige Guide erkrankt sei. Ich könne aber gerne die Spanischgruppe verstärken. So gut schätzte ich meine Sprachkenntnisse allerdings nicht ein und konnte natürlich nicht mehr auf einen anderen Tag ausweichen. Auch andere Touranbieter waren nicht zu finden. So ließ ich mir diese herausfordernde Option offen und verabredete ein frühes Treffen nach meiner Ankunft im Office des Anbieters. Lustigerweise stellte sich heraus, dass sich dies direkt Tür an Tür mit meiner „Unterkunft“, dem „Tia Luz Marina“, befindet. Hier hatte ich zwar eine Nacht gebucht, allerdings nur um mich morgens frisch zu machen, mein Gepäck zu verstauen und nach dem Tagesausflug nochmal zu duschen, bevor es abends wieder mit dem nächsten Bus weitergehen soll. Im Büro offerierte man mir für den gleichen Preis einen privaten Guide, da ich tatsächlich der einzige angemeldete nicht Peruaner war. Wie ich erfuhr, sind die kulturellen Stätten am 1. Sonntag im Monat für die Einheimischen kostenlos zu erleben. Ich sagte natürlich nicht nein und wartete auf Napoleon, meinen Guide. Wie der Name vermuten lässt, ist er schon etwas älter, wodurch auch meine Tour etwas gemächlicher ablief, als bei den anderen. Da Napoleon pensionierter Lehrer ist, konnten wir uns ausführlich über Geschichte, Kulur und Politk austauschen und ich habe alle meine Fragen vollends beantwortet bekommen. Zuerst ging es mit dem Shuttle zum „Museo de la Huaca de la Luna“. Fotos waren hier verboten und das, obwohl ich heute der einzig zahlende Kunde war;). Napoleon zeigte mir anhand von Keramik, Grabbeigaben und Schmuck die Lebensweise der Moche auf. Denkt man bei Peru an die antike Hochkultur der Inka, vergisst man die Stämme, die das Land davor prägten, ganz schnell. Zuerst siedelten und prägten die Cupisnique (ab 600 v. Chr.), dann die Salinar (ab 200 v. Chr.), darauf die Moche (bis 200 n. Chr.), anschließend die Chimu (ab 800 n. Chr.), bis schließlich die Inka um 1400 n. Chr. die Geschichte des Landes. Der letzte große Inkaherrscher hatte zwei Söhne, welche sich den Thron gegenseitig streitig machten, das Land in einen Bürgerkrieg führten und die 1572 einfallenden Spanier leichtes Spiel mit den ungeeinten Fraktionen hatten. Insgesamt war und erscheint die Lebensweise der Indigenen in unseren Augen sehr grausam. Es gab so etwas wie Gladiatorenkämpfe, wobei der Besiegte als Menschenopfer vom Schamanen den Göttern dargebracht wurde. Man verehrte Naturgötter, die meist in Form einer Verschmelzung von Mensch und mehreren Tiersymbolen dargestellt wurden, um das spirituelle Zusammenspiel zwischen Luft-, Meeres- und Landlebewesen zu zeigen. Starb ein hoher Priester, welcher vergleichsweise wie ein ägyptischer Pharao betrachtet werden kann und sowohl weltliche, geistliche und militärische Macht innehatte, so wurden seine Bedienstete ebenso vergiftet und mit sonstigen Grabbeigaben unter die Erde, bzw. eine Stufenpyramide gebracht und ins Jenseits entlassen. Zwei solcher Stufenpyramiden besichtigten wir im Huaca, nämlich den „Tempel der Sonne“ und den „Tempel des Mondes“, welche das Tal flankieren, in dem über 7000 Menschen der Moche – Kultur lebten.
Zur Mittagspause wurde unsere Reisegruppe ins „Sombrero“ geschleppt. Hier sollten wir für Umsatz sorgen und konnten im Gegenzug traditionellen Volkstanz begutachten.
Im Anschluss brachte uns das Shuttle zum „Museo de Sitio Chan Chan“ und zum „Nik – An“ – Palast (UNESCO Weltkulturerbe seit 1986), an dem immer noch gegraben wird, sofern der Staat Geld für archeologische Forschung locker machen kann. Grabräuber hatten sich in der Vergangenheit schon Zugriff zum gigantischen Tempelkomplex verschafft und ihre Spuren hinterlassen. Nichts desto trotz war es beeindruckend durch einen kleinen Teil der damals 35000 Seelenmetropole zu gehen und das gesellschaftliche Leben vor dem inneren Auge wieder Gestalt annehmen zu lassen.
Zum Abschluss gab es einen Abstecher zum voll belebten Strand in Huanchaco. Es herrschte Hochbetrieb, sodass nur ein Strandslalomspaziergang drin war. Mit den Schilfkanus fuhren übrigens auch schon die Ureinwohner zum Fischen raus.
Napoleon, der sagte, dass er meine Gesellschaft sehr genoss und den Tag nicht als Arbeit empfand, begleitete mich noch zu einem Reiseveranstalter, wo man sich um ein Taxi für mich bemühte, welches mich später zum Busterminal von „Linea“ bringen sollte. Dazwischen habe ich noch die wohl schlechtesten Pommes meines Lebens gegessen, geduscht, mein Schlafkissen repariert und wartete dann vergeblich auf meinen Fahrer. So stapfte ich zum „Plaza de Armas“, auf dem, wie auch in der Stadt verteilt, ein Festival stattfand, und wurde fündig.
Im Terminal war reger Betrieb, aber eigentlich war es genauso wie bei „Exclusiva“ gut organisiert. 7 Stunden sollte die Fahrt ins Bergdorf Huaraz, welches auf 3200 Metern liegt, dauern. Ich lege also einen Höhenunterschied von 3200 Metern zurück und muss mich dort erstmal aklimatisieren.
Mein Reisebus scheint nicht ganz so komfortabel wie der gestrige. Mal sehen, wie die Nacht wird. Ankunft ist für 5:45 Uhr geplant. Bis dahin grüße ich nachträglich, aber herzlichst Andi C., der gestern einem ganz erlesenen Club beitreten durfte.
07.03.2022 – Auch diese Nachtfahrt war bequemer als gedacht und erneut pünktlich am Zielort. Um 6 Uhr nahm ich ein Taxi zum „Mirador Backpackers BnB“. Nach einer Extrarunde um den Block fand mein Fahrer die Unterkunft, in der ich direkt ins Bett fiel und eine Weile ruhte, bis das Frühstück eingeläutet wurde. Ich wollte mir den Tag über eigentlich Ruhe gönnen, um mich an die Höhenluft zu gewöhnen, dazu noch schauen, was die nächsten Tage anstehen könnte und mal sehen, wer noch so im Hostel ist. Ayne aus Barcelona und Ben aus Colorado beendeten da gerade ihr Frühstück und nach kurzem Kennenlernen, hatte ich bereits meinen Plan über Bord geworfen und machte mich zum Wandern fertig. 5 Minuten später waren wir auf dem Weg, sammelten Aynes Bekannten Henry aus Paris ein und nahmen einen Kleinbus 30 Minuten nach Chiwipampa. Dort befand sich an der Santa Cruz – Brücke auf 3100 Meter der Einstieg zum Aussichtspunkt Wilkacocha. Anfänglich hatte ich auf dem moderat eingestuften Trail gut zu Schnaufen. Wir passierten traditionelle Andendörfer, deren Bewohner hauptsächlich Land- und etwas Viehwirtschaft betreiben. Die imposant aussehenden älteren Frauen mit ihren bunten Gewändern und hohen Hüten laufen diese Strecke täglich mit Gütern oder Kindern über den Rücken gehängt. Also musste ich das auch meistern können. Die anderen Jungspunte hatten hingegen bereits mehrfach Andentraining die letzten Tage absolviert. Wir schafften es in gut eineinhalb Stunden die 650 Höhenmeter zum Bergsee zurückzulegen.
So konnten wir unseren Blick vom Wilkacocha (3750m), der im Gebiet der „Cordillera Negro“, den „Schwarzen Bergen“ liegt, auf die Bergkette der „Cordillera Blanca“, mit ihrer weißen Gipfeln werfen.
Die weißen Riesen in der Ferne werde ich in den Folgetagen noch aus der Nähe erleben. Fürs Erste war diese Halbtagestour ein guter Einstieg zum lockeren Herantasten. Immerhin war ich gestern noch auf Normalnull.
Zurück im „Backpackers Mirador BnB“, indem erneut kein Englisch, trotz Angabe bei Booking.com gesprochen wird, buchte ich meine weiteren Touren, was natürlich etwas länger dauerte. Dafür spendierte mir der Chef einen leckeren Eintopf und ich goss mir einen Tee mit Kokablättern auf. Kokablätter werden zwar auch zur Herstellung von Kokain benutzt und dürfen deshalb nicht ausgeführt werden, sind in der Kultur der Andenvölker aber mehr Alltagsnahrungs- oder Heilmittel. Man kaut die Blätter, hamstert sie etwas in der Backe und saugt sie aus. Das ist einerseits ein Wachmacher und andererseits hilft dies auch, der Höhenkrankheit vorzubeugen. Von daher habe ich ein paar Selbstversuche unternommen.
Anschließend besuchte ich die Geschäfte um den „Plaza de Armas“ von Huaraz. Auf meinem Einkaufszettel standen warme Socken, Wasser und Powernahrung für die nächsten Touren. In der Unterkunft sicherte ich mir eine weitere Alpakadecke, denn klimatisch ist dies hier schon ein kleiner Schock für mich. Hatte ich doch ursprünglich so gepackt, dass ich nur der Sonne folgen wollte.
Liebe Grüße aus den Anden gehen an Jonny.
08.03.2022 – Vor exakt drei Monaten bin ich im winterlichen Mainz aufgebrochen und lag einen halben Tag später unter der brennenden Sonne Barbados. Heute startete nach dem Frühstück meine Tagestour zum Pastoruri Gletscher im Nationalpark Huascaran. Mit dem vollbesetzten Shuttle wurde erst das „Recreo Restaurant Turistico Faby Star“ in Ticapampa angesteuert. Dem Regen und der Höhe wollte ich vorsorgen und kaufte einen Regenponcho, sowie ein „Mate de Coca (natural con 8 hierbas)“, also einen Kokatee. Hier gab es auch Kokaschokolade, Kokabonbons und Kokablätter. Letztere hatte ich schon von meinem Herbergsvater mitbekommen. Wenig später erreichten wir den Parkeingang und gleichsam den Beginn des Andenhochlandes. Unser Weg führte uns mitten der hochaufragenden grünen Berge im Canyon durchs saftige Tal, wo Kühe und Schafe weideten, sich Lamas blicken ließen und ebenso Wildpferde über die Grasflächen rannten. Rund 1500 Höhenmeter legten wir zurück und hielten zwischendurch am „See der sieben Farben“,
einer heißen Quelle oder an einem Feld voller Puyas. Diese hier einzigartig vorkommende Pflanze kann in einer Lebenszeit von 100 Jahren bis zu 15 Meter heranwachsen und blüht nur einmal im Leben mit ungefähr 50 Jahren. Danach beginnt der Verfall.
Kurz nach Mittag erreichten wir den auf 5000 Meter Höhe gelegenen Parkplatz. Nun hieß es, zu Fuß weiter gehen. Ich schmiss mir meine Kokablätter in die Backen und traute meinen Augen nicht. Die Jüngsten der Gruppe, und auch noch Peruaner, trabten auf Pferden an mir vorbei, während ich versuchte mit dem Sauerstoffmangel und dem Höhendruck klarzukommen. Anfangs war das schon anstrengend, doch irgendwann hatte ich entweder mein Belastungstempo gefunden oder das Koka hat gewirkt. Bis zum Gletscher lief ich gute 40 Minuten 200 Höhenmeter bergauf. Der Pastoruri bildete sich vor 800 Millionen Jahren, als sich die Nascar – Platte und die Amerikanische Platte gegenseitig empor geschoben hatten. In den letzten 12 Jahren verschwand die Gletscherzunge rapide aufgrund der globalen Erwärmung. In den letzten 44 Jahren schmolz die Hälfte der Eisplatte. Die zu sehende Laguna war damals noch komplett mit Eis bedeckt. Überreste von Dinosauriern wurden somit über die Zeit entdeckt.
Auch ohne Kokablätter war es ein berauschendes Erlebnis auf einer Höhe von 5200 Metern, einen Gletscher zu betrachten, ihn gleichsam als Mahnmal zu sehen, dass wir auf unseren Lebensraum achtgeben müssen und zwischen den Steinkolossen als das kleine Rad der Zeit zu gelten, das wir Menschen eben einmal sind. Um diese Mahnung deutlich werden zu lassen, hatte mir Mutter Erde nach dem Abstieg dann doch noch Kopfschmerzen beschert. Ähnlich wie gestern kamen sie verspätet. Doch smarterweise hatte ich an Kopfschmerztabletten gedacht.
Kaum waren wir im Shuttle, brach langanhaltender Regen herein. Erst dadurch wurde es kühl. Von großer Kälte hatte ich beim Laufen nichts gespürt. Auf dem Rückweg wurde erneut im Restaurant gestoppt. Eine warme Suppe kam mir gerade recht. Gegen 18 Uhr war ich zurück, buchte eine weitere Nacht und einen Ausflug am Donnerstag, sowie zwei Busfahrten über Lima nach Ica.
Allerliebste Geburtstagsgrüße David. Genieß deinen Ehrentag in vollen Zügen.
09.03.2022 – Das Highlight des Tages war die Wanderung zur „Laguna 69“ im Huarascan Nationalpark in der „Cordillera Blanca“. Der Einstieg des Trails liegt westlich von Huaraz 101 km entfernt, sodass ich um halb 5 Uhr in der Früh aus den Federn huschte, meine Verpflegung zubereitete und um 5 Uhr zusammen mit den drei Franzosen Marian, Nicolas und Geremy abgeholt wurde. Im Shuttle schlief ich etwas weiter und wachte erst wieder bei einer Verpflegungspause in Yunga auf und stellte fest, dass unsere Reisegruppe auf 30 Köpfe angewachsen war. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt legten wir einen kurzen Stopp an der „Laguna Chinoconcha“ ein.
Wenig später passierten wir die „Laguna Orconcocha“ und erreichten Cebollapampa. Ab hier startete der 14,8 km lange Hike auf 3900 Metern über Normalnull. Ausgelegt ist die Tour für einen 3 – stündigen Auf- und 2 – stündigen Abstieg mit einer Stunde Aufenthalt an der Lagune am Fuße des „Cerro Chacrara“ auf einer Höhe von 4650 Metern. Lief ich zu Beginn als Letzter los und noch gemächlich mit den Franzosen mit, wo ich mich verquatschte, so merkte ich bald, dass ich ein flotteres Tempo laufen musste. Mit der Höhe hatte ich heute keine Probleme und kam sehr gut in Tritt. Der erste Anstieg folgte nach einem Kilometer, nachdem es erstmal durchs grüne Weidetal ging, durch das sich ein Gebirgsfluss ergoss und Richtung Tal mäanderte.
Am ersten Berg wollte ich noch keine Pause machen und mein Tempo durchlaufen. Von daher rollte ich das Feld von hinten auf und merkte erst gar nicht, dass ich bei Kilometer 3 bereits alle überholt hatte. Nach kurzer Verpflegung kam die Bergziege in mir durch und ich erreichte bei Kilometer 5 den ersten Bergsee, die „Laguna Consuelo“. Das Schild zeigte mir eine Höhe von 4300 Metern an und dass ich noch eine Stunde vor mir hätte. Der Blick auf die Uhr zeigte, dass ich gerade mal 80 Minuten unterwegs war. In mir reifte der Gedanke, den Anstieg weiterhin zügig anzugehen, die Lagune für mich alleine zu haben und mir beim Abstieg ausgiebig Zeit zu lassen. So könnte ich dem ab normalerweise 15 Uhr einsetzenden Regen – man kann wirklich die Uhr danach stellen – möglichst ein Schnäppchen schlagen, wie auch vor allem einen zu rasanten Abstieg verhindern, damit mich nicht erneut Kopfschmerzen plagen werden. Auf den nächsten knapp 2,8 Kilometern konnte ich zuerst noch einmal Luft schnappen, bevor es den letzten Kilometer nochmal 350 Höhenmeter bergauf ging.
Da in das Weiße musste ich rauf!
Die Schritte wurden dabei bisweilen etwas kleiner, aber stetig. So erreichte ich die „Laguna 69“ nach genau 2 Stunden und ließ erstmal einen kleinen Urschrei los. Ich wollte ja keine Lawine auslösen (Später hörten wir mehrmals ein Krachen in Richtung Gipfel des „Chacraraju“!). Und tatsächlich, ich war um 11 Uhr 30 der Erste und konnte das mir sich bietende Naturschauspiel gute 20 Minuten alleine genießen.
Mit Lisa und Paul aus Münster entschloss ich mich um 12 Uhr 45 den Rückweg anzutreten, um eben nicht großartig in den Regen zu geraten und trotzdem genug Puffer zu haben, da unser Guide uns anhielt, um 15:30 Uhr pünktlich zur Abfahrt am Shuttle zu sein. Und tatsächlich glich unser Abstieg einem Sonntagnachmittagsrentnerausflug mit vielen Fotopausen.
Tatsächlich benötigten wir die volle Zeit, wurden mehrfach überholt und waren sehr mit uns zufrieden, mit gutem Wohlbefinden die Rückfahrt anzutreten. Kokabonbons und -blätter halfen dabei wohl auch ein wenig. Da ich nun auch kein großes Nickerchen einlegte, genoss ich die Fahrt durch die zahlreichen Andendörfer, realisierte erstmals den bedenklichen Zustand der Schotterstraßen und muss vor den hier lebenden Menschen meine Wollmütze ziehen. Die einfachen Lebensbindungen erscheinen gerade jetzt in der kalten, nassen Regenzeit besonders hart. Die Andenbewohner betreiben Viehzucht, halten Hausschweine, Hühner, Meerschweinchen, Schafe und bauen in ihren Gärten oder auf angelegten Terrassen zum Beispiel Mais, Kartoffeln oder Yuka an. Sie wohnen in einfachen zugigen Steinhäusern, teils mit Dachziegeln oder Blechdächern.
Das Beispiel der dort lebenden Andenperuaner und die Großartigkeit der Natur lehren einem einmal mehr Demut und Respekt.
In der Dunkelheit erreichten wir Huaraz, wo ich nach einem Abstecher im Supermarkt und der Hostelküche nur noch meine Sachen packen, heiß duschen und diese Zeilen, mit denen ich herzlich Katherine White grüßen möchte, verfassen konnte.
10.03.2022 – Auf zum finalen Tagesausflug von Huaraz aus in den Huarascan Nationalpark hieß es erneut in der Früh und erneut musste eine lange Fahrt mit dem Shuttle zurück gelegt werden. Um das Ziel, die „Laguna Paron“, zu erreichen, führen wir nach Caraz und bogen dann auf die Schotterstraßen ein, über die man ins noch höhere hohe Hochland gelangt. Das Wetter war heute ausnahmsweise sonnig, ohne Regen und somit mit toller Aussicht von den zahlreichen Serpentinen aus ins zurückgelegte Tal. Rechts und links flankieren uns die Berge der „Cordillera Blanca“, auf denen sich die Sonnenstrahlen reflektierten und von denen einige Wasserfälle herabstürzten.
Die auf 4155 Meter liegende „Laguna Paron“, gleichsam die größte des Landes, erreichte unsere Reisegruppe um 12 Uhr 30. Von hier aus wanderten wir schlappe 150 Höhenmeter bis zu einem Aussichtspunkt. Der Weg führte bisweilen über Geröllbrocken und war sprichwörtlich eine Gratwanderung. Auf beiden Seiten ging es steil bergab.
Der Ausblick für den leider meines Geschmacks zu kurzen Aufstieg hat sich dennoch vollends gelohnt.
Und auch von unten, strahlte das Türkisblau von der Wasseroberfläche wirklich schön.
Nur schade, dass man insgesamt wieder 9 Stunden im Shuttle verbrachte. Auf dem Rückweg wurde in einem Andendorf mit traditioneller Küche gehalten. Ich habe jetzt mal ein halbes Cuy, ein Meerschweinchen, probiert. Geschmeckt hat es wie ein zähes Hühnchen mit leichtem Fischnachgang. In Zukunft muss keiner der kleinen süßen Nager mehr wegen mir ins Gras beißen.
Spät erreichten wir das „Backpackers Mirador BnB“, wo ich noch duschen, essen und mich auf die nächste 9 – stündige Busfahrt mit „Exclusiva“ zurück nach Lima samt Anschlussfahrt am Morgen nach Ica freuen durfte. Bevor ich mich morgen wieder melde, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich der lieben Hannah Mackie zeitversetzt zum Geburtstag gratulieren.
28.02.2022 – Wout und ich sind gut raus gekommen und waren um 9 Uhr 30 am Flughafen in Panama – City. Eigentlich genug Zeit für unseren 12 Uhr Flug nach Medellin. Allerdings standen wir über 2 Stunden bei der Gepäckaufgabe und der Kontrolle in der Schlange, sodass wir gerade recht zum Boarden kamen. Unsere Maschine von Wingo hob zwar etwas verspätet ab, landete aber pünktlich um 13 Uhr 20 in Medellin. Unser Gepäck war nach der unkomplizierten Einwanderung auch schon parat und mit dem Uber ließen wir uns zum „International Hostel Medellin“ im Stadtteil El Poblado bringen. Auch hier checkten wir direkt ein und holten uns ein paar Informationen zu möglichen To Do’s. Das Pablo Esobar – Museum stand somit nach kurzer Empanada – Pause auf unserem Programm. Beim Eintrittspreis von 25 Euro mussten wir etwas schlucken, bezahlten unseren Obolus aber brav dem düsteren Gesellen am Eingang und hofften auf eine aufregende Tour. Unser erster Guide, ein forscher miesepetriger Kerl, hatte wohl für heute genug und hat uns barsch durchgeschleust, bis uns seine Ablösung übernahm. Um die Ecke kam auch der Enkel von Pablo und begleitete eine Gruppe bei der Führung. Zwar leitet er das Museum legal, aber Abzocke war es dennoch. Man hatte sich einfach mehr Details, Geschichten, Exponate und Insiderdetails erhofft. Man merkte aber, dass der berüchtigte Drogenboss zu Medellin dazugehört und für die Menschen einen großen Stellenwert hat, obwohl er für soviel Leid und Tod verantwortlich, die Politik bekämpft, hintergangen oder für seine Machenschaften benutzt hatte. Daneben spendete er den Menschen mit seinem dreckigen Drogengeld Kirchen, Schulen, Sportplätze und ließ neben seinem persönlichen Gefängnis auch ganze Siedlungen für die Armen errichten.
Nach dem Museumsbesuch ging es zu Fuß durch Medellin, welches sich in den letzten Jahren wohl wirklich sehr gewandelt hat. Man kann sich schon sicher hier fühlen, auch wenn vor Bedrohung und Diebstählen gewarnt wird und man ständig Drogen angeboten bekommt. Im „Lorenzza“ genossen wir einen Mango – Limetten – Drink, ein tolles Steak Mignon und süßen Nachtisch.
Medellin wird auch als „Town of etarnel springs“ bezeichnet, was hier bedeutet, dass meist gleichbleibende Temperaturen um die 20 Grad herrschen. Dazu gibt es gut Regen zwischendurch, wie ebenfalls während des gesamten Tages hindurch. Von oben war Kolumbien beim Landeanflug sehr grün anzuschauen und die Stadt scheint gigantische Ausmaße vom Talkessel bis über die Berghänge anzunehmen.
01.03.2022 – Ich durfte beim Frühstück erst einmal feststellen, dass ich mit meinen 40 Jahren nun genau 40 unterschiedliche Länder bereist habe. Dann nahmen Wout und ich die Metro, die wirklich unglaublich sauber, frei von Vandalismus, absolut sicher und, wie wir später mehrfach erfahren sollten, der Stolz der Stadt ist. Im Zentrum Medellins stiegen wir aus und wurden von unserem Guide Dio von „Real City Tours“ begrüßt. Unsere Gruppe wuchs auf 16 Personen an und wir starteten die Free Walking Tour. An der alten Eisenbahnstation gab uns Dio, der selbst aus Medellin stammt und als Kind die grauenhaften Morde und Terrorakte miterleben musste, einen chronologischen Abriss über die Geschichte der Stadt, nachdem er uns beeindruckte, da er direkt alle unsere Namen wusste.
Die Abourais – Indios hatten ursprünglich im Talkessel der heutigen Stadt gesiedelt, bis die spanischen Conquistadores im 15. Jahrhundert einen Wochenendtrip dort einlegten, feststellen mussten, dass es hier kein Gold zu holen gab und vorerst weiterzogen. Allerdings erkannten sie später, dass durch das gleichbleibende Klima mit viel Sonne, Regen und Temperaturen um 20 Grad hier beste Bedingungen herrschen, um Landwirtschaft zu betreiben. So wurde Medellin 1616 gegründet und es fand eine Durchmischung der Bevölkerung statt.
300 Jahre lang passierte nichts Erwähnenswertes, bis die Kaffeebohne aus Äthiopien nach Südamerika kam und die Kaffeeindustrie begann zu florieren. Während des Booms steckte man viel Geld in den Kauf von Zügen, baute ein Eisenbahnnetz aus, errichtete gut wirtschaftende Plantagen und auch die Textilindustrie war im Aufschwung. Medellin erlebte seine industrielle Revolution. Das führte folglich zu Wohlstand und einem enormen Bevölkerungswachstum in der Stadt, nicht allerdings in den bergigen Randregionen, der sich immer weiter ausdehnenden Stadt. Als die Regierung die Tabak- und Alkoholsteuer erhöhte, wurden diese Güter verstärkt auf dem Schwarzmarkt gehandelt und der Warenschmuggel startete, wie auch der erhöhte Konsum.
Die Produktionsbedingungen und die Infrastruktur waren somit auch für einen weiteren kriminellen Schritt bereitgestellt. Und Pablo Escobar, bisher als Bankräuber mit seinem Cousin Gustavo unterwegs gewesen, stieg in den 1970er Jahren in den Drogenhandel ein und schnell zum Boss aller Bosse auf. Das Koka wurde großflächig in den Wäldern angebaut und dort auch zu Kokain verarbeitet. Die Kreativität beim Schmuggeln, erst über die Alkohol- und Tabakrouten, später mit großem Export in die USA über den Land-, See- und Luftweg hatte keine Grenzen. Die daraus folgenden Gewalttaten leider auch nicht. Und dies von allen Seiten, während sich die linken Guerillagruppen wie die FARK, die rechten Paramilitärs (= eine Privatarmee der reichen Stadtbevölkerung) gegenseitig und mit den Soldaten und Polizisten der Regierung bekämpften, zogen die Narcos zwischendrin ihre Fäden und mischten in den blutigen Straßenkämpfen mit. Unzählige unschuldige Todesopfer mussten beklagt werden. So war Medellin zwischen 1970 bis 1990 die gefährlichste Stadt der Welt.
Escobar, der in der Führung lieber als Woldemord tituliert wurde, drückt der Metropole heute immer noch irgendwie seinen Stempel auf. Das wollen die Einwohner sichtlich ändern und sich als sicherere, freundliche Stadt, in der man den Wandel vollzieht, präsentieren. Viele Menschen, die diese Gräueltaten miterleben mussten, verurteilen Escobar und streiten mit der äußerst korrupten Regierung, welche momentan darin weltweit die Bronzemedaille besitzt. Andere Nachgeborene feiern ihn als einen kolumbianischen Robin Hood, der es von ganz unten nach ganz oben geschafft hatte. Sie pilgern zu seinem Grab, schnupfen Kokain und spielen Paintball mit dem Narcos, wo damals 200000 Menschen durch Bomben und Kugeln ihr Leben verloren. Oder man hat aus Angst oder Einfachheit keine Meinung zu ihm und diesem Teil der Vergangenheit. In der Schule wird ebenso nicht über ihn gesprochen. Der Geschichtsunterricht als Einzelfach wurde abgeschafft. Man unterrichtet nun Gesellschaftswissenschaften.
Die Kolumbianer in Medellin wollen dennoch zeigen, dass sie eine Katharsis durchleben und weiterhin anstreben. Plätze, Einrichtungen und Gebäude, welche die Schattenzeiten der Vergangenheit aufzeigen, wurden zum Beispiel in Bildungsinstitutionen wie Schulen, Universitäten und Bibliotheken umfunktioniert und sollen ebenfalls als Symbol für eine neue Gesellschaft gelten. Das Stadtbild wurde verschönert und modernisiert. Zwischendurch finden sich trotzdem viele Brutalismusgebäude nach kommunistischem Vorbild.
In dem erzkatholischen Land sind Gegensätze wie zu damaligen Zeiten heute ebenso keine Widersprüche. Prostituierte warten beispielsweise direkt bei der Kirche Santa Cruz auf Freier. Genau wie Drogendealer, Diebe und Mörder nutzen sie die Beichte und die Vergebung der Sünden zur Rehabilitation. Manche Politiker nutzen dies zudem, da sie selbst in den Drogenhandel involviert sind. Strafen müssen sie nicht erwarten. 80 % des weltweit produzierten Kokains stammt aus Kolumbien. Der Transport und Verkauf geht über die mexikanischen Kartelle. Das ist weit mehr als zu Escobars Ära und solange die Nachfrage da ist, wird Kolumbien sie decken. Ein Kokabauer verdient um einiges mehr, um zu überleben, als ein Maisbauer.
Am „Museo de Antioquia“ angelangt, finden sich neben einem Guttenbergplatz auch die berühmten Bronzestatuen, erdacht, gebaut und gespendet, von Ferdinand Botero wieder.
Aus didaktischen Gründen lasse ich weitere Punkte der knapp vierstündigen Führung aus und darf diese informative und von Dio sehr anschaulich präsentierte Tour mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Zwischendurch kamen immer mal wieder Locals zur Führung, begrüßten uns freundlich oder zeigten uns, dass auch sie den Wandel, wie Dio mit seiner Führung, herbeiführen wollen. Natürlich gibt es Orte in der Stadt und unnötige Risiken, die man meiden sollte. Dennoch muss man sich hier nicht fürchten. Die Stadt hat ihr ganz eigenes Flair, das einen irgendwie in seinen Bann zieht. Dies sollten wir auch bei unserer 2. Tour am Nachmittag erfahren.
Dazwischen jedoch, versuchten wir vergeblich gute Tickets, nicht gerade im heißen Ultrabereich, fürs heutige Fußballspiel zu bekommen. Mit zwei Holländern der Free Walking Tour fuhren wir mit der Metro zum Stadion, fanden keinen offiziellen Ticketschalter, aber eine Menge Schwarzmarkthändler. Irgendwo war uns das allerdings zu riskant, da die „Tickets“ einfach schwarzweiß ausgedruckte QR – Codes waren und eigentlich niemand einen vertrauenswürdigen Eindruck machte. Zudem hieß es online, dass die uns angebotenen Plätze bereits ausgebucht seien. Auch wurde die Zeit zur Graffiti – Tour durch die Comuna 13 knapp und Wout und ich machten uns auf den Weg zum Treffpunkt an der Metrostation in El Poblado. Guide Walter nahm uns in Empfang und mit zwei Schweizern und drei Mädels aus New York nahmen wir die Metro zur Cable Car – Station. Von oben konnten wir einen guten Blick in den Talkessel, sowie auf die Barrios, die Armenviertel, und speziell das Comuna 13 – Viertel werfen.
Hier erklärte uns Walter nochmal die Episode mit den Straßenkriegen in den Armenvierteln. Die Häuser wurden alle illegal gebaut. Die kommunistischen Guerillas boten „Schutz“ an, verlangten natürlich Geld zur Unterstützung ihres Kampfes gegen den Kapitalismus. Das Gesetz und die Gerichtsbarkeit nahm man selbstverständlich auch in die eigene Hand. Es kam oft zu Schusswechseln, wobei Kugeln auch verheerende Spuren im Tal anrichteten. Hier lebten die reichen Materialisten und mussten ebenfalls durch Querschläger Tote beklagen. Nun stellten sie ihre eigene Armee, die Paramilitärs auf, bekämpften die Guerillas und forderten die staatlichen Truppen zur Unterstützung an. Diese jagten zudem mit US – Spezialeinheiten die Narcos in den Barrios. Jeden Tag musste man um sein Leben fürchten und wenn abends um 20 Uhr der Gunshot folgte, sollte man besser zu Hause sein.
Ebenso hatten wir einen Blick zu den Dächern, wo Escobar von den kolumbianischen Streitkräften, sowie dem FBI und der DEA gestellt wurde. Bevor er ihnen lebend in die Hände fallen würde, hatte er sich erschossen.
Mit dem Bus fuhren wir am Fuße der Seilbahn zur Comuna 13, welche am schlimmsten von Armut und Terror betroffen war und heutzutage dennoch sehr stark zeigt, welchen Umschwung Medellin durchleben möchte. Zwar leben hier immer noch vorwiegend arme Menschen, aber der Tourismus bessert ihre finanzielle Lage. Geholfen haben sie sich aber schon vorher selbst. HipHop, Breakdance und die Graffiti – Kunst waren ursprünglich zur Zerstreuung da und sollten die Kids von den Straßen holen und Hoffnung geben.
Die Comunity wuchs mit der Kunst und stärkte sich und das ganze Viertel selbst. Es finden sich viele Straßenkünstler wieder, welche die Touristen genau so anziehen wie Bars, Shops, Galerien und Kunsthandwerk. Für mich war es vor allem der Blick auf die 4 – Millionenmetropole, der mich neben den zahlreichen Graffitis, welche thematisch oft auch die schreckliche Geschichte aufarbeiten, beeindruckt hat.
Zwischen den schmalen Häusergängen hindurch und über hochmoderne Rolltreppen besuchten wir noch eine Bar und anschließend eine Galerie. Wieder einmal waren wir mit einer coolen Truppe unterwegs und unterhielten uns gut, bis wir uns nach der ebenso 4 – stündigen Tour verabschiedeten. Wout und ich genehmigten uns noch einen Happen in der „Hacienda“. Das Restaurant für traditionelles kolumbianisches Essen hatte uns Dio empfohlen. Wir haben es beide nicht geschafft.
Danach waren wir satt, platt und matt. Kulinarische Grüße gehen an Patrick C. Ich bin mir sicher, das wäre auch was für dich gewesen.
02.03.2022 – Hatte ich mir gestern sogar den Nacken leicht verbrannt, begrüßten mich des morgens Tristes und Regen. Das sah nicht gut aus für unser Paragliding über die Berge um Medellin und bestätigte sich später. Über den ganzen Tag waren die Flugbedingungen nicht gegeben. Also war Kultur angesagt. Wout und ich zog es ins Zentrum über die kleinen Märkte und anschließend ins „Museo de Antioquia“. In der Ausstellung zu Botero durften leider keine Fotos gemacht werden.
Doch auch sonst gab es reichlich Futter fürs Gehirn in den anderen Austellungen, wo zum Beispiel auch ein Picasso bestaunt werden konnte.
Pablos Arche.
Mit ausreichend sehr gutem kolumbianischen Kaffee nahmen wir zwischen unserer Shoppingtour noch das MAMM – „Museo de Artes Moderno de Medellin“ mit. Leider waren mehrere Teilbereiche im Museum geschlossen und was wir sahen, beeindruckte uns wenig. Da fehlte uns wohl der intellektuelle Zugang.
Zu Abend haben wir im „La Pampa Parrilla Argentina“ gegessen. Nach dem leckeren Ribeye rundete ein Brownie die Köstlichkeit ab und wir spazierten durch das Nachtleben von El Poblado heimwärts. Es war ein gelungener letzter gemeinsamer Abend für uns beide.
Mein Blog hat gerade ein Jubiläum erreicht und die Marke von 10.000 Aufrufen durchbrochen. Es freut mich, wenn ihr mir folgt, an meiner Reise etwas teilhaben möchtet und ich euch damit unterhalten kann. Seid alle herzlichst gegrüßt.