09.07.2022 – Der Flug mit Lanmai Airlines war die Hölle. In nicht ganz 50 Minuten Flugzeit dachte ich zweimal, dass es bald mit mir vorbei sein wird. Die Maschine schlingerte unsicher durch zahlreiche Luftlöcher, sodass bei den Stewardessen kurzzeitig Panik aufkam. Die nächsten Etappen werde ich wahrscheinlich mit dem Bus zurücklegen.
In Kambodschas Hauptstadt Phnom Phen angekommen, fühlte ich mich am Flughafen nicht wirklich wohl. Die Uniformierten bei der Immigration waren sehr unfreundlich, harsch und schleuderten bei der Visa – Vergabe die Reisepasse hin und her, um sie dann letztendlich einem nochmal vor den Latz zu knallen. Betrügen wollte mich der Beamte auch noch und statt 30 USD, die man passend dabei haben muss, 5 USD mehr für seine Tasche abgreifen. Habe ich aber nicht mit mir machen lassen. Einem weiteren Fluggast nach mir erging es ähnlich und wir kamen nach der Gepäckausgabe ins Gespräch. Und siehe da, ein Badenser;). Andreas und ich teilten uns ein TukTuk ins Zentrum von Phnom Phen und durften unterwegs feststellen, dass wir das selbe Hostel gebucht hatten. Ich checkte allerdings nur provisorisch im „Onederz“ ein, um eine Gepäckaufbewahrung, einen Ruheplatz und eine Dusche zu haben. Zudem war es direkt an der „Riverside“, am Markt und viel wichtiger am Busterminal der Firma „Giant Ibis“ gelegen. Mein Busticket bekam ich netterweise im Hostel gebucht, sodass wir Zeit hatten, in den Pool zu springen, sich frisch zu machen und auf dem Markt den Magen zu füllen.




Für die Happy Hour von 7am bis 11pm hat es dann auch gerade noch so gereicht, bis ich mit Sack und Pack zum letztmöglichen „Nightliner“ lief, der mich um 22 Uhr nach Siem Reap kutschierte. Der Nachtbus war sehr spartanisch eingerichtet. Glücklicherweise hatte ich eine Doppelpritsche und versuchte, Schlaf nachzuholen.


Zum Abschluss des Tages möchte ich Katharina und Daniel zum Bund der Ehe gratulieren. Ich wünsche euch eine wunderbare Feier im Kreis der Familie, Freunden, Verwandten, Bekannten und bedauere es sehr, dass ich euren Tag nicht mit euch verbringen konnte.
10.07.2022 – Nach exakt 7 Stunden Fahrtzeit erreichte der Nachtbus das Terminal in Siem Reap um 5 Uhr in der Früh. Sa, mein Fahrer, der mir von Christian und Gaem empfohlen wurde, wartete bereits auf mich, nahm mich freundlich in Empfang und brachte mich zu einem kleinen Restaurant, in dem wir uns besser kennenlernten und warteten, bis wir um 6 Uhr 30 ein Frühstück bekamen: Reis, Hühnchen, Suppe – lokales Frühstück eben. Sa arbeitet neben seiner Fahrertätigkeit sogar zeitweise als Lehrer bei einer Nonprofit Organisation.
Anschließend brachten wir mein Gepäck im Hotel „Riversoul“ unter und während Sa mir ein Ticket für den „Kulen Nationalpark“ organisierte und mich die 70 Kilometer dorthin fuhr, konnte ich den ein und anderen Powernap im Auto einlegen. Der Beifahrersitz ließ sich auf 180 Grad herunterfahren und ich schlief, trotz teils Huppelpiste, wie auf Wolken.
Im Nationalpark zeigte mir Sa zuerst die 1000 Lingards, heilige Steingebilde, welche das männliche und weibliche Geschlechtsorgan darstellen und sich im Fluss verteilt befinden. Sofern das Wasser über sie fließt, wird es als heilig oder geweiht betrachtet. Man badet im Fluss, füllt das Wasser ab und nutzt es zum Segnen.

Leider war das Flusswasser aufgrund des gestrigen Regens sehr trüb, dafür machte ich Bekanntschaft mit buddhistischen Mönchen.

Daraufhin besuchten wir eine Kultstätte, sowohl für Hindus, als auch für Buddhisten. Neben Opferspenden (Lotusblumen, Essen, geheiligtes Wasser und vor allem Geld) für Buddha oder Vishnu, Shiva, Brahma oder Ganesha können sich Gläubige hier segnen lassen und gemeinsam beten. Begleitet wird das Treiben, welches auf den ersten Blick wie ein Jahrmarkt anmutet, durch rituelle Musik.






Neben der Hauptkultsstätte gab es ein paar weitere kleinere, die man über Dschungelpfade erreichen konnte. Auf dem Weg dorthin wurden allerlei Wurzeln, tierisches Inneres, Knochen, Hufe oder Tränke als Medizin zum Kauf angeboten.

Mit den zuvor getroffenen Mönchen nahm ich dann eine rituelle Waschung vor, wobei es bei mir mehr Waschung als Ritus war.


Den letzten Halt im „Kulen“ legten wir an einem sensationellen Aussichtspunkt ein.






Auf dem Rückweg konnte ich abermals etwas schlafen, bis wir das „Landminenmuseum“ erreichten. Der Gründer, Aki Ra, war selbst mit 10 Jahren Kindersoldat und musste einmal auf der Seite der „Khmer Rouge“ und später für die vietnamesische, dann die kambodschanische Armee in den Guerilla- Krieg ziehen. Mit 11 Jahren legte er seine ersten Landminen. Er kam sogar einmal in die Situation, da stand er seinem Onkel im Feld gegenüber. Es herrschte ein brutaler Bruderkrieg. Bis heute ist Aki Ra schwer traumatisiert und depressiv. Zur Wiedergutmachung hat er sich auf das Entschärfen von Landminen und undetonierten Sprengkörpern spezialisiert. Über 50000 Landminen hat er seit der Nachkriegszeit unschädlich gemacht. Dazu kommen große Bomben und Geschütze. Ein Bruchteil davon zeigt das Museum, das er gegründet hat. Das ist allerdings nicht alles. Vielmehr finden Minenopfer im Kindes- und Jugendlichenalter hier eine Bleibe, eine neue Familie, Versorgung, Bildung und einen neuen Start ins Leben.



Vorbei am Reisfeldern, Wasserbüffeln und Stelzenhäusern setzte mich Sa im „Riversoul“ gegen 16 Uhr ab.



Die Unterkunft werde ich morgen wechseln, da man hier noch nach der Covidpause erhebliche Probleme mit der Elektrizität hat. Ich hoffe, ich habe morgen genügend Saft auf dem Handy. Ansonsten ist das Hotel ganz ordentlich anzusehen.

Ganz herzliche Grüße gehen heute an Andreas. Mal sehen, ob wir uns in Kambodscha nochmal wiedersehen.
11.07.2022 – Der Tag stand ganz im Entdecken einiger der zahlreichen Tempelanlagen rund um Angkor Wat. Sa und Guide Khun holten mich um 7 Uhr 30 am „Riversoul“ ab und über das Ticketoffice und einem Freiluftrestaurant, indem wir unser Frühstück einnahmen, ging es direkt zur Haupttempelanlage Ankor Wat. Khun gab mir wirklich ausführlich Informationen zur Errichtung der Anlage, dem Aufbau, diverser Reliefs, den Kriegszeiten, hinduistischen Göttern und der Verflechtung zum Buddhismus. Man sehe es mir bitte nach, dass ich mir da nicht alles behalten konnte. Irgendwann musste ich zwischendurch auch mal abschalten. Von daher beschränke ich mich auf das Wiedergeben optischer Eindrücke.
1. „Ankor Wat“ das Symbol des Landes, der Khmer, sowie der Religion Kambodschas ziert ebenso die Nationalflagge.



Angkor war die Hauptstadt (und gleichzeitig eine Megacity mit 0,1 % der Weltpopulation während 1010 – 1220 n. Chr.) des Khmer Imperiums, welches sich vom 9. bis zum 15. Jahrhundert erstreckte.
2. Fußabdruck Buddhas auf der höchsten Tempelerhöhung bei Phnom Bakheng.

3. „Phnom Bakheng“ vereinigt die hinduistische und buddhistische Religion und wurde als letztes Shiva gewidmet.

4. „Angkor Thom: ist der größte Tempelkomplex, umgeben von einem Kilometer langen Wasserreservoir. Darin befindet sich auch „Praset Bayon“, ein offizieller Staatstempel, der in späten 12. und beginnenden 13. Jahrhundert errichtet wurde.





5. „Phimeanakas Baphuon“ konnte man über steile Stufen erklimmen und einen herrlichen Rundblick genießen. In der Rückseite der Wallanlage wurde ein riesiger schlafender Buddha eingearbeitet.



6. „Prasat Ta Nei“ und „Prasat Ta Keo“


7. „Prasat Ta Prohm“, bekannt aus dem Hollywoodstreifen „Tomb Raider“, wurde als letztes entdeckt und zeigte starke Spuren des Verfalls auf. Die mächtigen „Royal Trees“ holen sich über die Jahrhunderte die Natur zurück, wodurch eine malerische Ruinenkulisse entstand.









8. „Prasat Banteay Kdei“ war die „Citadelle der Kammern“, einer großen Festhalle, die hauptsächlich aus Sandstein besteht.

Danach ging es zurück. Eigentlich wollte ich im „Le Tigre Villa“ einziehen, aber es gab eine sehr unzureichende Stromversorgung und außerdem roch es ziemlich modrig. Ich entschloss mich, eine neue Bleibe zu suchen. Leider hatte ich vorab online bezahlt und werde wohl auf den Kosten sitzen bleiben, sofern Agoda ( = Buchungsagentur) da nicht entschädigt. Sa brachte mich zum „Han and Daniel Boutique Hotel“, welches leider etwas außerhalb lag, dafür Strom, auch während des später einsetzenden Gewitters, über einen eigenen Generator lieferte. Zudem waren die Betten weich und es roch nicht so schlimm.
Später spazierte ich gute 20 Minuten bis ich im Zentrum war, im „Khmer Taste“ was aß und den Abend ausklingen ließ.
Vielen Dank und liebe Grüße für die Tour an meinen Fahrer Sa und Guide Khun.

12.07.2022 – Schlafen konnte ich prima. So war ich morgens motiviert, mir einen 125er Honda – Roller bei meinem Hotelier Daniel zu leihen und auf eigene Faust loszuziehen. Bevor es zum Tempelkomplex gehen sollte, hielt ich im Büro von Agoda und schilderte mein Problem mit „El Tigre Villa“ und frühstückte im „Khmer Taste“. Hier könnte ich Stammgast werden. Zwar verstand man mich hier nicht immer, aber immer hat es geschmeckt und dies wirklich zu unschlagbaren Preisen.
Dann rauschte ich mit meinem heißen Ofen raus aus Siem Reap Richtung „Angkor Wat“. Das Teil lief wirklich astrein. Ich nahm mir die große Rundfahrt vor. Zur Orientierung nutzte ich eine kleine Karte auf einem Flyer. Wobei ich zuerst die Mammutanlagen von „Angkor Wat“ und „Angkor Thom“ hinter mir lassen musste, bis ich folgende weitere Tempel erreichte.
1. „Prasat Preah Khan“






2. „Prasat Preah Neak Pean“, dessen Besonderheit darin bestand, dass er auf einer Insel inmitten eines riesigen Wasserreservoirs lag, und man über eine Behelfsbrücke dorthin gelangen musste. Zudem wurde dort gerade eine religiöse Zeremonie abgehalten.



3. „Prasat Ta Som“ war ein unerwartetes Highlight. Klein und unscheinbar, gemacht für einen Fantasyfilm oder für eine Mittagspause.

4. „Eastern Mebon“ hingegen sah man bereits von Weitem und war zugleich der erste Tempel, bei dem die Verehrung von Elefanten thematisiert wurde.


5. „Prasat Ta Nei“ war hingegen wieder unauffällig, sehr zerfallen und verwildert. Dafür war die Fahrt dorthin durchs Dickicht ganz schön.

6. Mit „Prasat Ta Keo“ folgte der Koloss mit zwei Ringmauern und Steiltreppen, die man zwar noch gut erklimmen konnte, beim heruntersteigen jedoch absolut schwindelfrei und trittsicher sein sollte.




So langsam hatte ich mich satt gesehen, obwohl jeder Tempel anders aufgebaut ist, andere Themen in den Vordergrund stellt, von mal besser erhalten bis fast zerfallen daherkommt. Ich fragte mich schon das ein oder andere Mal, wie manche Gebäude der Zeit überhaupt standhalten konnten. Von Khun wusste ich, dass es seit einem großen Erdbeben vor der Errichtung keines mehr gab. Dennoch darf man den Khmer ihre Baukunst und den enormen Einsatz zur Errichtung ihrer Kultstätten hoch anrechnen (Sofern nicht auch mal Sklaven zur Schinderei herangezogen wurden!). Obwohl man bisweilen auf kreuzende Hunde und Affen achten musste, hat mir die Rollerfahrt auch sehr gut gefallen. Eine kleine Schlange und ein Riesentausendfüßler waren, wie ich, bestimmt froh, dass ich sie nicht überrollt habe.
Bereits am frühen Nachmittag war ich etwas müde, weshalb ich beschloss, mir nochmal eine Pause und Entspannung in dem Bibliotheksgebäude von „Angkor Wat“ mit bestem Ausblick zum Abschluss zu gönnen.

Bevor ich meinen Roller zurück gab und mich im Hotelpool abkühlte, kehrte ich abermals im „Khmer Taste“ ein. Das hatte ich mir verdient. Dachte ich. Irgendwie.
Den Abend verbrachte ich, nachdem ich, wen wunderts, abermals im „Khmer Taste“ (Für diese Werbung sollte ich so langsam ein Essen pro Tag gratis bekommen!) speisen war, mit Andreas, den ich bereits in Phnom Phen kennengelernt hatte, sowie Niami und Christian aus Hamburg, zuerst im „Onederz Hostel“ und danach in der Pubstreet.

Meine anschließenden Grüße des Tages gehen aufgrund der schönen Rollererfahrung an das „Yamaha Team Hinterweidenthal“ von Motorrad Wieser;), und an David im Besonderen.
13.07.2022 – Mit dem ziemlich spartanischen Shuttlebus trat ich um 7 Uhr 30 die Weiterreise nach Bangkok an. Bis zur Grenze sollten es drei Stunden, danach nochmals vier Stunden Wegzeit werden. Und so darf ein Grenzübergang gerne mal aussehen.


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