Vietnam – 06.07.2022 – 09.07.2022

06.07.2022 – Mein Flug von Singapur mit Vietjet Air, wo Stewardessen nach den Sicherheitserklärungen noch salutieren, nach Ho Chi Min Stadt (ehemals Saigon) ging aufgrund einer sehr aufgeweckten Rentnertruppe doch ein wenig verspätet. Das war allerdings nicht weiter schlimm. Gerade im Vergleich zu den mehrfach auftretenden Turbulenzen und dem Erbrochenen zweier Kids in der Sitzreihe hinter mir, war das sehr erträglich. Die Einreise in das kommunistische Vietnam war die wohl einfachste aller bisheriger Reisen. Es war weder eine online – Registrierung, noch Impfnachweise, eine Versicherungsbestätigung, ein Visa oder ein Weiterreiseticket nötig. Nicht einmal Fingerabdrücke wurden genommen. Hätte ich so nicht erwartet. In einer Minute war ich durch die Kontrolle. Das Gepäck wartete bereits auf mich. Und nachdem ich meine Singapurdollar in vietnamesische Dong getauscht hatte, teilte ich mir mit einem britischen Pärchen ein Grab in den District 1, der quasi im Zentrum liegt. Als Unterkunft wählte ich das „Hotel Sunrise“, gleich um die Ecke des „Ben Than“ – Marktes, über den ich kurz drüber marschiert bin, nachdem ich mir eine Tagestour für morgen gebucht hatte.

Ansonsten gönnte ich mir ein Stück Schokotorte nebst vietnamesischem Kaffee. Ich hatte schon lange keinen guten mehr getrunken. Der im „Katinat“ konnte was.

Dann schaute ich mir etwas das Straßenleben an. Der Verkehr war hier schon deutlich spürbar. Zebrastreifen haben keinerlei Bedeutung. Fußgängerwege sind eher Ausweichstraßen für Roller. Alles wuselte durcheinander wie die Ameisen. Richtungswechsel und diagonales Kreuzen waren keine Seltenheit. Irgendwann musste man halt einfach auf die Straße laufen und hoffen, auf der anderen Seite anzukommen.

Zu späterer Stunde wurden die Plastikgarnituren rausgeholt und da gespeist, wo vorher noch teilweise gefahren wurde. 

Ich gönnte mir erst eine Kokosnuss und anschließend im „Bep me in“ mein Dinner.

Geschmeckt hat es. Einen Haarschnitt brauchte ich noch nicht. Ein Bett dagegen schon. So möchte ich zum Tagesabschluss meine Cousine Anne lieb grüßen.

07.07.2022 – Die Nacht war mau. Ich hatte mir extra ein Hotel mit schallisolierten Zimmern herausgesucht. Pustekuchen, wie sich herausgestellt hatte. Zudem bat ich beim Einchecken um ein ruhiges Zimmer. Man hatte mich dann von der Straßenseite ins Hotelinnere verlegt. Ein Haken war allerdings dabei, wie ich zwischen 23 und 3 Uhr feststellen musste, als andere Gäste heimkamen. Das Zimmer lag nahe des Aufzugs, der ständig piepte, sobald er angefordert wurde oder ankam. Die Asiaten können Türen anscheinend auch nicht leise schließen, weshalb ich völlig übermüdet morgens auf eine Lösung gepocht hatte, bevor ich im Sitz des Reisebuses versank. Um 8 Uhr wurde ich für eine Tagestour ins Mekong – Delta abgeholt nach „Cai Be“ eingesammelt. Guide Lang begrüßte mich und die anderen 14 Teilnehmern und versuchte mit allerlei Infos zu Land und Leuten die längere Fahrtzeit zu überbrücken. Auf dem Highway war Stau, weshalb wir eine längere Zeit durch die Vorstadt gekurvt sind, bis wir auf die geplante Strecke zurück kamen und an Plantagen (Bananen, Kokusnuss, Drachenfrucht, Durian, Kautschuk, Papaya, Lemongras) und Reisfeldern vorbei fuhren.

Die vietnamesischen Farmer beerdigen ihre Verstorbenen sogar auf den Feldern.

Wie in fast allen Ländern herrscht in Vietnam Landflucht ins urbane Leben oder man wandert direkt aus.

Nach der Befreiung durch Ho Chi Minh von der kolonialen französischen Fremdherrschaft und der Einführung des Kommunismus war nicht alles Gold was glänzt in Vietnam. Man lebte von der Landwirtschaft. Starke Ressourcen fehlten und fehlen dem nach dem 2. Weltkrieg gespaltenen Land bis heute.

1955 kam es zur Spaltung. Der Süden mit Hauptstadt Saigon wurde von den USA gestützt, während der Norden mit Regierungssitz in Hanoi unter dem Einfluss der Sowjetunion und Chinas standen. Zwischen den Weltmächten und Systemen wurde auf vietnamesischer Erde ein brutaler Stellvertreterkrieg geführt. Erst die Beendigung des Embargos der USA 1975 öffnete das Land und die Möglichkeiten für die Bürger am freien Markt, Geld zu verdienen. Im Norden herrschte weiterhin Planwirtschaft. Darunter und unter den Kriegsfolgen leidet das Land noch heute. So sind die Vietnamesen gezwungenermaßen auch ein Volk von Auswanderern. Aber sie sind sehr familiär denkende hart arbeitende Menschen, wie mir Lang erklärte, mit dem ich mich auf der Fahrt länger unterhielt. Allein letztes Jahr spendeten die Exilvietnamesen 70 Millionen USD zurück ins Mutterland, um die Verwandten zu unterstützen.

Nach über zwei Stunden kamen wir an die ersten Ausläufer des gigantischen „Mekong River“, der von Thailand über Kambodscha und Laos bis Vietnam in den Ozean fließt. Es kann zwischen Ebbe und Flut einen Unterschied von 2 Metern ausmachen, weshalb man entweder auf Stelzen baut oder gleich auf dem Boot lebt.

Im Mekong wird nicht nur gefischt, es wird in ihm gebadet, auf im gewohnt, sich durch ihn ernährt und ist Begegnungsstätte für Händler. So sahen wir auch einen kleinen „Schwimmenden Markt“, nachdem wir selbst ein Holzboot bestiegen und den Mekong hinauf fuhren.

In einem kleinen Handwerkerdorf zeigte man uns, wie der örtliche Honig und Met hergestellt werden. Zudem gab es neben Honigtee und Gelee Royal einen Buschrum zu probieren.

Wohl bekomms, da war für jeden was dabei. Egal ob, Skorpion oder Schlange – Hauptsache gesund.

Weiter ging es mit der Herstellung von Kokusnussmilch und Kokoskaramell, welches wir in Reispapier testen sollten. Es war ziemlich das Klebrigste, was ich je gegessen habe.

Der Reiswein, sowie „Sticky Rice“ und Reispopcorn waren da leichter zu verköstigen und schmeckten zudem besser.

Es folgte eine Weiterfahrt mit kleinen Ruderbooten über einen kleinen Seitenarm des Flusses durch die Mangroven. Das Boot teilte ich mir mit Gaem und Christian, die ich mittlerweile kennengelernt hatte. Beide Asienkenner versorgten mich mit tollen Ratschlägen und wir unterhielten uns prächtig.

Auf der nächsten Insel folgte eine Früchteverköstigung mit Wassermelone, Sourfruit, Rambutan, Guave, Longan und glücklicherweise keine Durian. Obwohl die hier besonders gut wuchsen.

Dazu spielte Folklore, wurde gesungen und Geschichten tanzend erzählt.

Beim nächsten Stop im „Riverside Inn“ durften wir selbst etwas für unseren Lunch beisteuern. Zuerst wurden Frühlingsrollen gefertigt, anschließend ein gefülltes Omelette im Wok zubereitet.

Komplettiert wurde unsere Meisterleistung mit Suppe, Sommerrollen, Elephantenfisch, Schwein und natürlich Reis. Da gab es definitiv nichts zu meckern.

Bevor es mit dem Reisebus über den „Rock ’n‘ Roll – Highway“, wie ihn die Vietnamesen aufgrund der vielen Schlaglöcher nennen, auf den Rückweg ging, hatten wir nach dem Essen die Möglichkeit, uns ein wenig körperlich zu betätigen. Dae Duc, einer in Saragossa lebenden Vietnamesin, brachte ich das Kajak fahren bei und anschließend radelten wir über die Insel.

Vor der Rückkehr wurde eine kurze Pause im Container – Kaffee eingelegt. Danach setzte starker Regen ein, weshalb ich statt ins Hotel in die Markthalle lief. Eine warme Pho sollte mich wärmen und reichte, um das Unwetter auszusitzen. Ein Zuckerrohrsaft sollte es ebenso mal sein.

Im Hotel hatte man mir nun ein wenig größeres Zimmer im 11. Stock rausgesucht. Zur Straße hin :(. Ich ahne Schlimmes. Auch dort war nichts mit Isolierung. Wenigstens habe ich mich kurz vor Schluss dagegen entschieden, eine weitere frühe Tour für morgen zu buchen. Der Wecker bleibt somit aus.

Meine abschließenden täglichen Grüße gehen an Gaem und Christian. Es war mir eine Freude, mit euch diesen Ausflug zu genießen.

08.07.2022 – Relaxingday war angesagt, mit schlemmen, Kaffeehäusern und Shopping.

Da es immer wieder regnete, sprang ich auch mal kurz ins Postoffice, welches hier schon als Prachtbau gilt, und ins „Museum der feinen Künste“ rein. Vorgestellt hatte ich mir schöngeistige Werke. Bekommen habe ich vor allem Gemälde, welche auf die Kriegszeiten eingehen oder propagandistisch das vietnamesische Volk als harte Arbeiter, folgsame Gesellen und treue Patrioten zeigen.

Auch ansonsten wird an jeder Ecke viel kommunistische Staatswerbung gemacht.

Wobei der Kapitalismus ebenfalls Einzug gehalten hat.

Und ich versuchte etwas, das Straßenleben einzufangen, nachdem ich ins „99 Bui Vien Hotel“ umgezogen war. Die letzte Nacht im „Sunrise Central Hotel“ war von der Lautstärke noch fürchterlicher als die erste.

Die geschäftige Stadt und vor allem den Verkehr habe ich auf mich wirken lassen und zurück an Guide Lang gedacht, der davon sprach, dass 8 Millionen Roller hier zugelassen sind. Von denen habe ich bestimmt die Hälfte in den letzten Tagen gesehen:). Und was die Fahrer alles zusätzlich laden: Lebensmittel, Plastik- oder Papiermüll, Warenlieferungen, 2 – Meter – Gasflaschen, ganze Familien, Hunde (ja, auch Lebensmittel!), … und gleichzeitig wird bei der Fahrt telefoniert.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich später hinten auf dem Roller drauf quer durch die Stadt zu meinem Abendprogramm gebracht wurde. Denn für abends hatte ich mir nochmal etwas Kultur vorgenommen und besuchte ein traditionelles Wasserpuppentheater. Die Begleitmusik, vor allem aber die Erzählungen und der Gesang waren so laut und schrill, dass ich mir Tempo in die Ohren stopfen musste. Die Vietnamesen haben da keine Schmerzgrenze.

Dennoch, die Vorführung des „Golden Dragon Water Puppet Theatre“ kann man wohl einerseits als künstlerisch hochwertig und andererseits als wirklich interessant gestaltet bezeichnen. Bis zum Schluss rätselte ich, auf welche verschiedenen Arten die Figuren von den Puppenspielern auf der Bühne bewegt wurden.

Dann war Schluss mit Kunst und Kultur. Ich stürzte mich in der „Bui Vien Walking Street“ ins Nachtleben. Ich fühlte mich etwas wie in Patong.

Ganz lieb grüßen muss ich noch die alte Wurschthaut. Sorry, für die Verspätung. Bussy.

09.07.2022 – Die Nacht war lang. Half mir mit Ohropax und einem Hörspiel auf voller Lautstärke weiter, den Partylärm zu überdröhnen. Schleppend machte ich mich auf, ein Frühstück zu bekommen. Ich fand sogar mal eine gute Bäckerei.

Anschließend besorgte ich auf dem Markt Souveniers und wechselte Euro in Dollar, welche ich für mein Visa nach Kambodscha brauche. Vorm Abflug war ich ein letztes Mal vietnamesisch essen und holte mir ein Grab gegen 13 Uhr zum Flughafen.

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