Peru II – 11.03.2022 – 18.03.2022

11.03.2022 – Taxi, Bus, Taxi, Bus, Internet – Guthaben aufladen, Tuktuk – so lässt sich die 16 – stündige Anreise von Huaraz über Lima nach Ica ins Hostel „Ica Adventures II“ am besten beschreiben. Dank Steffis L. Reisebericht buchte ich im Hostel direkt mal vier Touren für die nächsten Tage. Mit gemütlichem Ausspannen heute war wohl doch nix. Das war aber auch ganz gut so, denn ich hatte einen Riesenspaß in dem nahegelegenen Huacachina. Dort fand ich mich mit einer netten Truppe aus dem Hostel (Diana, Judith, Mickey, Lea, Fi, Maria und Cecilia) zur Buggy – Tour durch die Wüste und Sandboarding ein. Hier befindet sich auch die einzige Oase des Landes. Ich war abermals verblüfft, wie vielfältig Peru doch wieder ist. Verbrachte ich die letzten Tage noch in Eiseskälte, wechselte ich innerhalb eines Tages ins andere Extrem.

Unser Buggy – Fahrer hatte es echt drauf und raste mit uns durch die Wüste, jagte uns waghalsig über die Dünen und brachte den ein oder anderen schrill zum Schreien. Kurzum, das war genau Meins. Ich grinste mir während der Fahrt einen Ast vom Logenplatz in der ersten Reihe ab.

Fürs Sandboarding hielten wir an drei Spots und jagten die Pisten hinunter. Diese Art von Abfahrtssport machte wirklich Fun. Ich hätte noch ewig weiter machen können.

Auf einer Anhöhe formte ich meinen eigenen Sandengel in die Nazcarlinie in Huacachina und bin gespannt, was die Forschung in einigen Jahren dazu sagen wird.

Irgendwann muss aber halt mal Schluss sein. Doch bevor unser Fahrer nochmal so richtig Stoff gab, genossen wir den Sonnenuntergang. Zauberhaft.

Meine Sundownergrüße gehen heute klaro an die liebe Carmi. Feier schön Geburtstag und freu dich auf den lieben Besuch morgen aus Mainz.

PS: Imagine all the people, …

12.03.2022 – Mit Mickey und den vier Dänninen unternahm ich heute einen Ausflug nach Pisco. Die Stadt gilt als das Wein – Mekka Perus und leiht ebenso dem Nationalgetränk, welches aus destilliertem Most besteht, seinen Namen. Insgesamt steuerten wir drei Weingüter und Bodegas an. In dem 1540 von den Spaniern gegründeten und somit ältesten Weingut Südamerikas „Tacama“ erhielten wir eine Fabrikführung mit anschließender Verköstigung.

Im Jahr werden hier 1 Million Liter Wein und 200000 Liter Pisco produziert. Die 20 Traubenarten werden für den Wein doppelt fermentiert und wenn man Pisco herstellen möchte, kocht man den Wein nochmals auf, gibt eine Menge Zucker hinzu und erhält den 38 – 40 %-igen Schnapps, welcher wiederum mit unzähligen Früchten verfeinert werden kann.

Anschließend hatten wir weitere Verköstigungen in den Bodegas „Nietto“ und „El Catador“.

Nach der Rückfahrt gingen Mickey und ich erstmal in Ica was essen und ich schaute mir anschließend noch das Städtchen an. Den Abend verbrachten wir im Hostel an der Tischtennisplatte.

Meine Grüße möchte ich an mein Kollegium senden – in Gedanken und zum Andenken an unseren „Fels in der Brandung“.

13.03.2022 – Zur unmenschlichen Zeit wurden Kareen (CR), Dennis (NL) und ich (Pfalz) am Hostel als Erste eingesammelt, nur um dann doch eine Stunde im Stau zu stehen, da sich leider vor uns ein schwerer Unfall ereignete. Ein Tuktuk hatte es sehr unglücklich zerlegt, der Insasse musste verletzt abtransportiert werden. Das, sowie weitere Berichte meiner Mitreisenden brachte mich zur Überlegung, vielleicht auf meinen geplanten Nazcaflug zu verzichten und nur die Aussichsplattformen am Dienstag anzusteuern. Über die veralteten Cesnas hört und liest man nichts Gutes.

Gegen 10 Uhr 30 kamen wir in Paracas an, wo wir zuerst mit dem Schnellboot zu den „Balestas Islands“, einem „Galapagos für Arme“ wie man hier sagt, fuhren. Auf dem Weg dorthin konnten wir ebenso eine Nazcalinie in den roten Bergen sehen. Die kleine Inselkette befindet sich im Nationalpark Paracas und weist eine große Population von Möwen, Pelikanen, Seebären (Mann hatten die Radau gemacht!) und ein paar Humboldt-Pinguinen auf. Schön gestunken hatte es da. So war ich eigentlich froh um meine Maske.

Die restlichen 45 % des Nationalparks befinden sich an Land der Halbinsel, genauer gesagt, ist es die Atakama – Wüste, welche sich von hier über Bolivien und Chile bis nach Argentinien zieht. Die Quechua gaben Paracas übrigens seinen Namen, welcher so viel wie „Regen aus Sand“ bedeutet und auf die Sandstürme von bis zu 60 km/h hinweist. Den nächsten Stopp legten wir bei „Lagunilas“ zum Mittagessen ein.

Gefolgt von einem Abstecher am Strand „El Raspon“ und anschließend ging es zum Aussichtspunkt „Santa Maria“, von wo aus man die ganze Halbinsel überblicken konnte.

Zurück im Hostel erwartete mich noch eine Überraschung. Ein schönes Zimmerupgrade mit riesigem Bett, Bad und Balkon. Das kostete ich richtig aus und sende meine Sundownergrüße an den lieben Ralle. Ich bin mir sicher, dass Peru auf deiner Urlaubsliste einen stabilen Platz einnehmen wird.

14.03.2022 – Für die heutige Tour musste mal wieder ein langer Weg zurück gelegt werden. Drei Stunden benötigten wir, um an den „Canyon of the lost people“, nach mehreren Vorfällen so von einem Journalisten in der Presse bezeichnet, zu gelangen. Dabei fuhren wir die Hälfte der Zeit einfach nur durch die Wüste und ich dachte, dass wir niemals ankommen würden. Während wir wie im Brutkasten auf den Kunstledersitzen, ohne Möglichkeit ein Fenster zu öffnen, vor uns hinschwitzten, wurden wir zudem noch anständig durchgeschottert. Wenigstens hatte unser Guide eine ordentliche Playlist parat. Einen Stop legten wir mit Aussicht auf „Colorado“ ein. Die Peruaner nennen so die roten Berge. Die Baumgruppe rührt daher, dass hier bisweilen ein Fluss das kleine Tal speist.

Früher war die komplette Wüste samt ihren Bergketten und Canyons unter der Wasseroberfläche, weshalb sich heute immer noch Fossilien und Zähne von Meeresbewohnern, wie auch dem ausgestorbenen Megalodon, finden lassen. Der Boden ist zudem sehr salzhaltig. Unterirdisch befinden sich große Wasservorräte und es findet Osmose statt. Der „El Nino“, ein Naturphänomen, welches hier alle 100 Jahre enorme Wassermassen hereinstürzen lässt, wird erst wieder Ende des Jahrhunderts auftauchen. Der Canyon ist zwar uralt, jedoch erst 2009 entdeckt worden, hat 2016 eine Zugangs“straße“ erhalten und darf seit 2020 besichtigt und bewandert werden.

Mit einer Länge von 1,8 Kilometern und einer maximalen Höhe bzw. Tiefe von 150 Metern ist er relativ überschaubar. Um zum Fuße des Canyons zu gelangen, muss man zuerst einen längeren Abstieg wagen und folgt dann dem „Dry River“, bis zum Ende (, dem obigen Aussichtspunkt). Zwischendurch konnten wir eine sehr seltene Wüsteneule sowie eine kleinere Condorart sehen. Aus dem bröckeligen Gestein ragen bisweilen Knochen (z. B. Delphin) heraus. Zudem findet sich immer wieder Salzgestein, welches genau so salzig schmeckt, wie die roten Blütenstängel der Salzpflanze. Zu viel konnte ich davon nicht probieren, allerdings würde man im Notfall viele Elektrolyte durch sie aufnehmen können.

Ist man den „Canyon of the lost people“ bis zu seinem Schluss gelaufen, erkennt man, in welcher Sackgasse man steckt und gleichsam ein Rundbecken, das nach starkem Regen voll mit Wasser gefüllt ist. Aber eben nicht, als wir da waren. Ab hier gab es kein Weiterkommen und wir mussten den Rückweg samt der langen Rückfahrt antreten.

Als Zwischenstopp wurde wenigstens, wie auch überraschenderweise, eine Bodega besucht, bei der es eine erneute Wein- und Piscoverkostung gab. War ich zwar lange unterwegs, hatte ich doch wieder nette Menschen kennengelernt. Maelle (B) treffe ich vielleicht in Nazca, wo mich abends der Nachtbus hinbrachte, wieder. Mir fällt so langsam auf, dass ich mich mehr im Transportmittel befinde als im Bett. Im „Anccalla Inn Guesthouse“ kam ich erst gegen 21 Uhr 40 an, da der Bus von „Civa“ Verspätung hatte. Bisher waren sonst alle überaus pünktlich. Aber irgendwie rasen die Tage dahin und ich möchte zum Monatsende ein neues Ziel ansteuern. Wobei es noch so viele Highlights in Peru zu sehen und zu erleben gilt.

Grüße bekommt heute die liebe Vera gesendet. Ich freue mich sehr, wenn es klappt, dich in Ecuador zu sehen.

15.03.2022 – Lange erwartet, konnte ich die Nazca – Linien bestaunen. Zuerst steuerte ich das „Museo Arqueologico Antonini“ an. Es zeigt die Frühkultur um den Tempel „Cahuachi“, welcher das religiöse Zentrum der um Nazca lebenden Völker bildet. Totenkult, Bestatungsriten, Kunst, Textilwesen, Keramik, Schmuck, Malerei und auch die Nazca- und Palpalinien werden hier thematisiert. Viele originale Fundstücke mit einer Datierung ab 600 v. Chr. sind hier ausgestellt.

Nachmittags traf ich Maelle und Antonio aus Belgien und wir ließen uns zu Aussichtspunkten für die Palpa- und Nazcalinien fahren.

Leider gab es meist keine Erklärungen zu den Figuren. Die Palpa stellten oft Menschen und Gottheiten dar, die Nazca mehr Pflanzen und Tiere, die sie teils, wie Katze und Orca, Gott ähnlich verehrten.

Zwischen den Beobachtungsstationen besuchten wir das „Museo Maria Reiche“. Die in Dresden geborene Mathematikerin, Geologin, Physikerin und Pädagogin widmete ihr Leben der Erforschung, dem Erhalt und der Kartografierung der Nazcalinie, nachdem sie die erste (die Spinne) entdeckte. Bis ins hohe Alter und über die eigene Erblindung hinaus lebte sie mehr in der Wüste Nazcas mit ihrem VW – Bus und Camping – Käfer als in der gleichnamigen Stadt. Ihr verdanken wir die umfangreichen Aufzeichnungen über die Figuren, den unzähligen Linien in der kargen Steinwüste.

Doch auch nach dem Besuch blieben bei uns viele Fragen zu den mysteriösen Steinzeichnungen und -gebilden offen. Erst der Besuch des Planetariums brachte etwas mehr Licht ins Dunkel. Die Vorstellung war in Französisch, sodass ich meine Mühe hatte, aber dennoch Grundzüge der Erklärungen verstehen konnte. Es gibt mehrere Theorien zu den Nazca – Linien. Einerseits könnten sie Aufschluss über die Wassergewinnung in der kargen Gegend, in der es nur alle Dekaden mal richtig regnet, geben. Viele der Linien haben ihren Anfangs- und Endpunkt an angelegten Bohrquellen. Somit wären sie äußerst wichtig für die Besiedlung dieser Region gewesen. Zudem muten die breiten Prachtstraßen an, als wären sie Paradenplätze, auf denen kulturelle Zeremonien abgehalten wurden. Des Weiteren richten sich viele Linien, die in Verlängerung der Figuren liegen, nach Sternbildern (z. B. Affe -> großer Wagen) oder der Sonne (-> Kolibri, Kondor) aus. Ebenso gibt es die Theorie, dass sich ein Kalender ablesen lässt. Vielleicht ist es sogar eine Kombination von allen. Manche Linien und Figuren stammen weit aus der vorchristlichen Zeit. Andere folgten mit der Zeit, sodass stets eine Erweiterung des Vorhandenen, vielleicht durch neue Erkenntnisse der Menschen oder neue Notwendigkeiten, stattfand. Auf alle Fälle stellen sowohl die passgenauen Arbeiten, als auch das Lebenswerk von Maria Reiche eine unglaubliche Leistung dar.

Zum Abschluss schlemmten wir noch wie die „Götter in Nazca“ im „La Entrada“, bevor sich unsere Wege trennten und wir unterschiedliche Nachtbusse nehmen mussten. Meiner wird mich hoffentlich sicher in 10 Stunden nach Arequipa bringen. Gute – Nacht – Grüße gehen an meine Begleiter Maelle und Antonio.

16.03.2022 – Rund eine Stunde verspätet kam ich in Arequipa an und man merkte schon vormittags, dass dies eine ganz geschäftige Stadt ist. Gleichsam war sie schon lange und ist weiterhin das Handels-, aber auch religiöse Zentrum des Südens. Ich habe mich dafür entschieden, nur einen kurzen Stopp einzulegen und abends einen weiteren Nachtbus nach Puna zu nehmen. Es ist mal wieder schön, Stadtluft zu schnuppern, durch die Gassen mit zahlreichen Cafés, Shops oder ganzen Themenstraßen, wie für Alpaca – Produkte, Musikgeräte oder Piscoshops zu schlendern. Das lud zum Shoppen ein. Man merkt, in der Stadt ist Geld Zuhause.

Ebenso landete ich in einem Kameliten – Museum, in dem die Produktion von Textilprodukten von unter anderem Lamas, Merinos, Yaks und Alpacas gezeigt wird, bzw. auch, wie die Indigen die Wolle damals und teils auch heute noch mit einfachsten Mitteln fertigen. Und, es gab einen kleinen Streichelzoo. Die schauen einfach so schön treudoof.

Im Anschluss verbrachte ich den restlichen Nachmittag in der Rooftop -Bar „Waya Lookout“ mit herrlichem Blick auf den „Plaza de Armas“ und die Kathedrale „Iglesia de San Augustin“ von Arequipa, bis ich mich zum Abendessen aufbrechen musste.

Meine allabendlichen Grüße gehen an Hildegard und Peter.

17.03.2022 – Nachdem zuerst mein Sitz im Bus der Firma „Transleza“ repariert werden musste und dann irgendwie der Motor streikte, kamen wir verspätet aus Arequipa los. Bei Nacht sah man erstmals das gigantische Ausmaß der südlichen Metropole Perus anhand der unzähligen Lichtern und Laternen. Aufgeholt hat der Fahrer die verlorene Zeit natürlich nicht, was ich sehr begrüßte, da ich über den Hinterrädern saß und ständig was geklappert hat. Da hätte er nicht rasen brauchen. Die Straßen auf das 3800 Meter gelegene Puno waren auch nicht die besten. Somit hatte ich weniger Schlaf als erhofft und knackte nach dem Einchecken im „Hotel Hacienda“ zwei Stunden bis zum Frühstück, nahm mir dafür im Restaurant ausreichend Gelegenheit, um auf den Titikaka – See und die das Zentrum einkreisende Bergkette zu blicken, bevor ich abermals in die Falle stieg. Gegen Mittag erkundete ich die Umgebung und organisierte mir zwei Touren, wobei die erste um 14 Uhr startete und ich somit nur noch eine Weile durch die Stadt, über Märkte, zum Hafen und zurück spazierte.

Mit dem Reisebus ging es rund 40 Kilometer westlich. Unseren ersten Stopp legten wir bei einer Familie ein, die Hochlandwirtschaft betreibt und nebenbei, wie sollte es anders sein, einen Souvenirshop. Immerhin habe ich etwas über die Anbauprodukte (u. a. Kartoffeln, Quinoa) und die Kleieherstellung erfahren und durfte testen.

Der nächste Halt war in Sillustani, wo sich uralte Begräbnisstätten, die so genannten „Chullpa“ in Form von Türmen, befinden. Sie alle sind mit einer kleinen Öffnung versehen nach Osten zur Sonne hin ausgerichtet. Sonne und Mond spielen mit den drei Tierzeichen – Puma (steht für die Menschen), Kondor (steht für die größte Gottheit) und Schlange (steht für den Tod) – eine übergeordnete Rolle im Glauben der Qollos und Inkas, welche zwischen 800 v. Chr. und 500 n. Chr hier siedelten und ihre Necropole errichteten. So konnte neben den Begräbnistürmen ein Mond- und ein Sonnenkalender besichtigt werden. Unser Guide erklärte, dass in Sillustani nur einflussreiche Personen (gediente Krieger, Schamanen oder Anführer eines Stammes) beerdigt wurden. Sollte ein Toter bestattet werden, wurde er zuerst in eine fötale Position eingebunden, bevor er unter die Erde kam. Grabbeigaben wurden hier keine dazugegeben. Allerdings fand man auf dem Terrain große Vorkommen von bearbeitetem Gold, Silber, Kupfer und Edelsteinen. Üblich ist eine dreißigtägige Totenwache. Der Turm war nicht das Grab, sondern ritueller Ort. Je höher der Turm (maximale Höhe 12 Meter) über dem Grab des Toten, in dem die Zeremonie stattfand, errichtet wurde, desto mehr Bedeutung sprach man dem Verstorbenen zu. Während die Qollos noch Iglu förmige Aufschüttumgen hatten, stellte der Turm unter den Inka einen Phallus dar. Es soll die Verbundenheit mit Mutter Erde darstellen und symbolisiert weiterhin den Glauben an ein Leben in der nächsten Welt. Ein Turmstein ziert eine Eidechse, deren Schwanz bekanntlich nachwächst, quasi eine Reinkarnation verdeutlicht. Bezeichnenderweise lebten sowohl die Qollos als auch die Inkas nach ihnen hier in unglaublich bescheidenen und asketischen Verhältnissen und kargen Bauten. Für ihren Totenkult jedoch wandten sie alle Kunstfertigkeit und Mühen an, um sowohl Götter sowie die Verstorbenen zu ehren.

Anschließend hatte ich die Möglichkeit mehr über die Anhöhe zu laufen und mir die Lagune „Umayo“ mit der gleichnamigen Halbinsel, auf der sich die Necropole befindet, zu betrachten.

Pünktlich zum Zapfenstreich der örtlichen Polizei und dem Einholen der Staatsflagge war ich nach einer durchgeschüttelten Heimfahrt (Mir flog sogar das Handy aus der Hand!) am Plaza de Armas angekommen, holte meine Wäsche aus der Wäscherei und war heiß auf eine Pizza aus dem Steinofen, welche ich bei Folklore bekam.

Gestärkt und doch müde goss ich mir das erste Bad seit … ??? ein und arbeitete an meinem Spanisch. Entspannte Grüße an Toni Seibel und Anhang.

18.03.2022 – Im Trüben stieg ich aufs Boot, um den Titikakasee samt der dort lebenden Menschen näher kennen zu lernen. Zuerst fuhren wir auf eine von 160 bewohnten schwimmenden Reetinseln der Uros. Der Titikakasee ist der am höchsten gelegene beschiffbare Binnensee der Welt und verbindet Peru mit Bolivien. La Paz liegt nur 170 km von Puno entfernt. Die Einreise über den Landweg ist nun wieder genehmigt, sofern man einen negativen PCR – Test vorweisen kann. Der Süßwassersee ist an den maximalen Stellen 248 Meter tief, 165 Kilometer lang und 62 Kilometer breit. Als der See vor 4,5 Millionen Jahren entstand, war er nur 30 Meter unter dem Wasserlevel. Jacques Custo unternahm Unterwasserforschungen und fand hier Gold- und Keramikerzeugnisse, was auf eine frühere Besiedlung hinweist. Aus der Quechua – Sprache der Indigenen übersetzt bedeutet „Titikaka“ soviel wie „grau gefärbter Puma“. Mit viel Fantasie, sofern man die geologische Karte des Sees auf den Kopf stellt, kann man erahnen, dass ein Puma (= göttliches Symbol für die Menschen Perus) zu sehen ist, der einen Hasen jagt.

Die Uros lebten nicht ursprünglich auf dem Wasser, sondern mussten gezwungenerweise vor Eroberern Schutz im Reetdickicht suchen. Dort konnten sie sehr lange nicht lokalisiert werden. Die Todora – Pflanze bildet die Lebensgrundlage der Uros. Sie ist sowohl ein sehr Kalzium haltiges Nahrungsmittel, als auch benötigtes Baumaterial für Boote, Behausungen und die Insel selbst. Ich besuchte eine 10 Jahre alte Insel, auf der 9 Familien mit circa 30 Mitgliedern leben. Die Insel liegt 7 Meter über dem Grund und ihre Basis bilden 10 verwurzelte Blöcke mit jeweils 8 auf 5 Metern. Sie werden mit Linoleumleinen festgezurrt, mit 8 Holzankern versehen und mit Reet bedeckt, wie auch nach Außen hin erweitert.

Das Reet wird ebenso zusammen gebunden und an Land als Deckmaterial für Dächer verkauft oder wie ebenfalls gefangene Fische und geschossene Vögel gegen Kartoffeln und Alpakafleisch getauscht. Das Süßwasser ist, sofern man nicht zu nah an Puno lebt, trinkbar. Denn dort hat man zwar als Inselbewohner vielleicht mehr Annehmlichkeiten wie Solarstrom, TV und kürzere Wege, bekommt aber auch Chemikalien ab.

Ganz ohne den Tourismus geht es nicht. Die Uros brauchen Besucher als zusätzliche Einnahmequelle, um Propangas, Stoffe für Textilien, Schuhe, Schulmaterial oder Medizin zu kaufen. Denn, es gibt auch eine schwimmende Insel, auf der eine Schule und ein Sportplatz errichtet wurden. Möchte man allerdings groß auf die Toilette gehen, muss man das Reetboot zur 10 Minuten entfernen Insel nehmen. Hat man den Flotten Otto wirds eng. So werden Olympioniken im Rudersport geboren. Mit dem so betitelten „Mercedes Benz“, dem Schlachtschiff der Uros – Flotte, unternahmen wir eine kleine Rundfahrt auf dem See und ich konnte erntefrisches Todora probieren.

Dabei durften wir einen geringen Unkostenbeitrag entrichten, der auf die gesamte Gemeinschaft verteilt wird. Denn, bisweilen herrschten Unmut und Streitigkeiten, sofern jemand mehr hatte als andere. Das bezieht sich nicht nur auf die Familien einer Insel, sondern auf die Gemeinschaften aller Uros. Um eine gerechtere Verteilung von dem wirtschaftlichen Plus, welches der Tourismus bringt, zu gewährleisten, wurde ein Anführer gewählt, der regelt, welche Boote, wann welche Inseln anfahren. Sowieso haben die Inselbewohner strenge Regeln. Scheidungen sind verboten. Wer Unzucht betreibt oder nicht mitarbeitet, wird öffentlich bestraft und muss die Insel verlassen. Um auf einer schwimmenden Insel zu leben oder selbst eine errichten zu dürfen, muss man als Außenstehender einheiraten. Angesichts der globalen Erwärmung ist dies für mich weniger erstrebenswert. Wir wurden allerdings sehr freundlich von allen Bewohnern begrüßt. Auch den Kindern fehlte es an jeder Scheu. Im Gegenteil, sie ließen es an Distanz fehlen, durchwühlten Außentaschen von Rücksäcken oder kletterten auf dem Boot herum. Da wusste ich, ohne etwas unterstellen zu wollen, warum wir keine Wertsachen zurück lassen sollten. Der Stammesführer stellte uns zusammen mit unserem Guide die Bewohner vor. Sie erklärten uns ihre Lebensart, die Inselbauweise, wie auch die Nahrungsmittelsicherung und veranschaulichten dies mit Tot- und Lebendmaterial.

Verabschiedet wurden wir mit einem Ständchen: „Vamos a la playa“ und einem lockeren: „Asta la vista, chicos!“

Im Anschluss fuhren wir zur Insel Taquile, wo erst einmal ein strammer Aufstieg zum Hauptplatz des gleichnamigen Ortes folgte.

Dabei lernte ich Sebastian, der seine Zelte in Köln abgebrochen hat und seit letzten Sommer auch mit dem Motorrad in Europa und später in Südamerika unterwegs war und ist, kennen. Wir hatten uns auf Anhieb viel zu erzählen und es sollte noch ein cooler Tag zusammen werden. Doch zuerst besichtigten wir mit unserer Gruppe die Kunsttextilwerkstatt von Taquile. Das Weben ist hier Frauensache, während die Männer stricken. Das traditionelle Handwerk wurde von der UNESCO 2005 ins Weltkulturerbegut aufgenommen. Die Kleidung hat bei den Inselbewohnern eine übergeordnete Rolle. Sie zeigt sowohl den Beziehungsstand an (Je größer der Bommel am Rock einer Frau oder am Hut eines Mannes, desto größer das Bedürfnis einer Partnerschaft!), als auch den Rang innerhalb der Gemeinschaft. Ein Mann muss filigran eine bestimmte Art Mütze, teils mit 5 Nadeln, stricken können, bevor er heiraten darf. Verarbeitet und in die Texttilien eingearbeitet werden neben Schafs- und Alpakawolle auch Menschenhaar.

Neben der Textilherstellung betreiben die Inselbewohner Agrikultur und leben autonom. Strom gibt es nur übers Solarpanel. Die alten Gebräuche werden hoch gehalten und gerne in Form von Tanz und Gesang präsentiert.

Danach wurde das Mittagessen aufgetischt. Es gab als Vorspeise eine Quinoasuppe mit Kartoffeln, Bohnen und Karotten. Dem folgte Trutcha oder Omelette. Dazu konnte ich einen „Munia“, einen starken Kräutertee, probieren, bevor es mit dem Boot zurück nach Puno ging.

Mit Sebastian traf ich mich an der Kathedrale später wieder, um den Aufstieg zum „Kondor“ zu wagen. Er wacht, wie die Statuen von Schlange und Puma, auf einer Erhöhung über Puno. Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick über die Stadt und auf den Titikakasee.

Abschließend gingen wir noch einen Happen essen. Ich hatte Alpaka in Rotweinsoße mit Apfelkompott, Püree und Gemüse. Das war ziemlich stark und für uns beide ein toller letzter Abend in Puno, für Sebastian gleichsam auch in Peru, da er morgen nach Bolivien weiter reisen wird. Mein Bus nach Cusco, welches ich seit meiner Ankunft ersehne, geht morgen früh.

Herzliche Sundownergrüße gehen heute an Sebastian. Es war schön dich getroffen und mit dir einen coolen Tag gehabt zu haben. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder in der Heimat.

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