Peru I – 03.03.2022 – 10.03.2022

03.03.2022 – Die Weiterreise von Medellin über Bogota nach Lima, Perus Hauptstadt, war anstrengend. Erst war kaum Schlaf zu finden, da Freunde einer Hostelangestellten um 23:30 Uhr zu Besuch waren, laute Technobeats aus dem Auto liefen ließen und auf die Bitte hin, leiser zu sein, auch noch unverschämt wurden. Die Dame an der Rezeption Schritt nicht ein und mein Ärger war groß, da ich um 5 Uhr aus den Federn musste. Die Nacht war unruhig und entsprechend kurz, bis wir zur Fahrt zum Flughafen abgeholt wurden. Dort kam der nächste Schrecken. Man konnte mich im System nicht für den Anschlussflug von Bogota nach Lima einchecken. So musste ich in einem kleinen Zeitkorridor in Bogota mein aufgegebenes Gepäck einsammeln, erneut an einen Schalter von VivaAir hasten, es aufgeben, durch die Emmigration und die Kontrolle, wodurch ich gerade noch als einer der Letzten am Gate zum Boarden kam. Ich stand also nur oder lief ohne Pause ohne Essen/Trinken. Auch in den Fliegern gab es nichts und als ich landete, war ich nach 9 Stunden Anreise erstmal fertig.

Beim Einchecken im „Inti Killa Hostel“ im beliebten Stadtteil „Miraflores“ durfte ich dann feststellen, dass entgegen der Booking.com – Angaben keiner der angestellten netten älteren Damen Englisch spricht, aber sehr schnell Spanisch. Zu schnell für mich und ich steuerte erstmal einen Supermarkt an, um meinen Flüssigkeitshaushalt etwas auszugleichen und einen Handyshop am „Parque de J.F. Kenedy“, damit ich mir eine Simkarte besorgen konnte. Dort fand ich auch ein Tourismus – Informationsbüro und holte mir Empfehlungen für Busunternehmen, Touren im Land und Aktivitäten in Lima ein. Als ich zum Essen im „Rustica“ kam, war es bereits 18:30 Uhr. Danach spazierte ich noch durch die nähere Umgebung und nahm erste Eindrücke im Zentrum des Stadtteils „Miraflores“ auf.

Im Anschluss ließ ich mich per Uber am „Circuito Magico del Agua“, ein Park mit beeindruckenden Wasserspielen absetzen. Hier fanden sich tolle Illuminationen in Brunnen und Fontänen, wobei eine sogar 120 Meter lang war und visuell einen Querschnitt über die Geschichte und Errungenschaften Perus darbot. Wirklich beeindruckend und faszinierend.

Ich war vollauf begeistert, kämpfte allerdings schon seit Stunden gegen Kopfschmerzen und strich um 21:30 Uhr die Segel und kehrte zurück. Meine Unterkunft hat für ein Hostel echt Flair, ist edel eingerichtet und das Bett (mit vier Kissen) sehr bequem. Ich schmiss mir zwei Ibu rein, zappte durchs Programm und schlief den Schlaf des Gerechten.

Meine allerbesten Grüße gehen an meinen „fliegenden Holländer“ Wout. Es war eine großartige Zeit mit dir. Wir hatten tolle Erlebnisse zusammen in drei Ländern und es war mir eine Freude diese zusammen mit dir teilen zu dürfen. Ich bin mir sicher, dass wir uns zusammen mit Grahem einmal wieder sehen, sein Hausboot an der Themse auf den Kopf stellen, durch Amsterdam streifen und eine Hiwweltour durch Rheinhessen machen werden.

04.03.2022 – Es gab ein wirklich außergewöhnliches Frühstück im „Inki Killa Hostel“, da ich seit langem tatsächlich frische Brötchen und Butter bekommen habe. Danach setzte ich mich an die Planung für meine Rundreise und stieß auf einen Hop on Hop off – Trip durch den Süden. Ich ging zur Company und ließ mich beraten. Dabei buchte ich erstmal eine Bustour für den Norden des Landes. So wird es morgen Abend von Lima 11 Stunden nach Trujilo gehen. Nach der Organisation lief ich eine gute Weile ins Staddteil Barranco, welches ein sehr koloniales Flair und eine tolle Graffiti – Szene hat.

Von hier aus war es nur ein Katzensprung an den Strand und zu einer Abkühlung im Meer.

Zur Mittagszeit fand ich mich in einem Kaffee- und Crepes-Restaurant ein, damit ich an der Jahreshauptversammlung von Family-Health-Projects Gambia e.V. teilnehmen konnte.

Zumindest partiell, da alsbald meine Free Walking Tour am Kenedy – Park am Nachmittag startete. So fuhr ich bis dorthin mit dem Bus zurück und machte mich auf die Tour mit unserem Guide Natalie. Dabei lernte ich unter anderem den Berliner Frank und die Italogriechin Sabrina kennen, mit denen ich später noch den Abend verbrachte. Bei der Tour bekamen wir Informationen im Sinne von: „Vun allem ebbes“. Allerdings war es relativ gewöhnlich. Nichts desto trotz ist eine Stadterkundungstour immer gut, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Und immerhin besuchten wir den Inkamarkt, ein Schokoladenmuseum mit phänomenaler Verkostung von Schokolade und Schokoprodukten, wie Brotaufstrichen, Likören, Tees, veredelten Kakaobohnen und mehr. Den Abschluss hatten wir in einer Rooftop – Bar mit einem Pisco – Sour, dem Nationalgetränk (Ü 18) in Peru. Den Eischaum hätte ich dabei nicht gebraucht. Frank hat mich und Sabrina nach der Tour noch ins „La Gloria“ geschleppt. Ich genehmigte mir das Pasta – Lammragout, zeigte dem Chef, wie man einen guten Pernod serviert und avancierte zum DJ, da das Personal des Nobelrestaurants gerne deutsche Musik hören wollte. Leider standen sie eher auf die Schlager – Hits der 80er Jahre, als auf was Moderneres. Mit Frank und Sabrina hatte ich noch einen unterhaltsamen Abend und Frank konnte mir noch viele Tipps für Peru geben, weil er bereits einen Monat im Lande verbrachte.

Ich möchte heute ganz gerne, trotz für mich unbekannt, „Linsenfutter“ grüßen. Mit Freude erfahre ich von Zeit zu Zeit eine Mitteilung, dass mein Blog dir gefällt. Leider habe ich bis jetzt, zu meiner Schande, keine Idee, wer sich hinter dem Nickname befindet und würde es gerne wissen. Vielleicht bekomme ich ja eine persönliche Nachricht von dir über meine Emailadresse?!;). Siehe „Kontakt“! Den Ausblick auf den Pazifik widme ich heute dir.

05.03.2022 – Morgens fand ich mich erneut am Kenedy – Park in der Touriinfo ein, um eine Walking – Tour, diesmal durchs per Bus zwanzig Minuten entfernte und um 10:30 Uhr erreichte Zentrum der peruanischen Hauptstadt zu unternehmen. Unser Guide war erneut Natalie und diesmal waren die Almans klar in der Überzahl. Sechs Deutsche kamen auf einen Kanadier und zwei Britinnen und ich war nicht der einzige Lehrer;). So gab es viel Privates zwischendurch zu bequatschen und ehrlich gesagt war bei der Führung erneut noch einige Luft nach oben. Wir sahen hauptsächlich Plätze und Kirchen und es gab nicht die spannendsten Geschichten dazu. Dennoch waren die Kirchen, die Regierungsgebäude, insgesamt die Architektur und dabei die überdimensionierten Holzerker durchaus sehenswert.

Die Tour endete nach 3 Stunden mit „herrlichem“ Blick auf die „Favelas“ von Lima.

Und die Almans beschlossen danach, ihren privaten Standrundgang zu starten. Zuerst sollte mal fürs leibliche Wohl in einer traditionellen Schank- und Gastwirtschaft, wie die Bayern aus unserer Gruppe sagen würden, aufgesucht werden. Entgegen dessen hieß unsere gefundene Lokalität „Restaurant Turistico Bar – Usquilano“, hat uns dennoch in unserem Vorhaben lokal zu speisen nicht enttäuscht. Ob Chevice oder Chicherrone, sowie die fantastischen frisch gepressten Säfte – man konnte eigentlich nichts falsch machen. Es schmeckte vorzüglich und kostete im Vergleich fast nichts.

Mit vollem Bauch traten wir einen Verdauungsspaziergang durch Chinatown an. Das war ein Gewusel – wie im Ameisenhaufen.

Doch irgendwie haben wir uns doch noch zur Bushaltestelle durchgeschlängelt und sind zurück zum Kenedy – Park gefahren.

Ich musste mir dann noch weiteres Reiseequipment (Einlagen, bessere Ladekabel und -stecker, Pulli) zulegen und fand mein Glück auf dem Inka – Markt und im Compuplanet. Zudem besorgte ich mir Reiseproviant, kehrte ins Hostel zurück, wo ich freundlicherweise noch duschen und relaxen durfte, bis ich via Uber zur Fernreisebusstation von „Exclusiva“ fuhr. Gegen 21:30 Uhr begann die 11 Stunden dauernde Fahrt. Immerhin konnte ich in einem 180° – Sessel abgedunkelt in meiner Kabine liegen und versuchte die Außengeräusche mittels Ohrstöpsel zu minimieren.

Meine allerliebsten und von Herzen kommenden Grüße möchte ich natürlich an das Geburtstagskind Geli senden. Blumen gibts weiterhin medial auf dem privaten Kanal;). Sigschd!

06.03.2022 – Die Nacht war turbulent. Allerdings nicht so sehr wegen der elfstündigen Busfahrt, sondern aus organisatorischen Gründen. Nachdem ich beschloss, nur einen Tagesaufenthalt in Trujillo zu machen und dafür eine Tour gebucht hatte, suchte ich mir den nötigen Abendbus und eine Unterkunft in Huaraz raus, buchte beides und lehnte mich zufrieden zurück. Allerdings bekam ich dann um 23 Uhr die Nachricht, dass meine Tour gecancelt wurde, weil der englischsprachige Guide erkrankt sei. Ich könne aber gerne die Spanischgruppe verstärken. So gut schätzte ich meine Sprachkenntnisse allerdings nicht ein und konnte natürlich nicht mehr auf einen anderen Tag ausweichen. Auch andere Touranbieter waren nicht zu finden. So ließ ich mir diese herausfordernde Option offen und verabredete ein frühes Treffen nach meiner Ankunft im Office des Anbieters. Lustigerweise stellte sich heraus, dass sich dies direkt Tür an Tür mit meiner „Unterkunft“, dem „Tia Luz Marina“, befindet. Hier hatte ich zwar eine Nacht gebucht, allerdings nur um mich morgens frisch zu machen, mein Gepäck zu verstauen und nach dem Tagesausflug nochmal zu duschen, bevor es abends wieder mit dem nächsten Bus weitergehen soll. Im Büro offerierte man mir für den gleichen Preis einen privaten Guide, da ich tatsächlich der einzige angemeldete nicht Peruaner war. Wie ich erfuhr, sind die kulturellen Stätten am 1. Sonntag im Monat für die Einheimischen kostenlos zu erleben. Ich sagte natürlich nicht nein und wartete auf Napoleon, meinen Guide. Wie der Name vermuten lässt, ist er schon etwas älter, wodurch auch meine Tour etwas gemächlicher ablief, als bei den anderen. Da Napoleon pensionierter Lehrer ist, konnten wir uns ausführlich über Geschichte, Kulur und Politk austauschen und ich habe alle meine Fragen vollends beantwortet bekommen. Zuerst ging es mit dem Shuttle zum „Museo de la Huaca de la Luna“. Fotos waren hier verboten und das, obwohl ich heute der einzig zahlende Kunde war;). Napoleon zeigte mir anhand von Keramik, Grabbeigaben und Schmuck die Lebensweise der Moche auf. Denkt man bei Peru an die antike Hochkultur der Inka, vergisst man die Stämme, die das Land davor prägten, ganz schnell. Zuerst siedelten und prägten die Cupisnique (ab 600 v. Chr.), dann die Salinar (ab 200 v. Chr.), darauf die Moche (bis 200 n. Chr.), anschließend die Chimu (ab 800 n. Chr.), bis schließlich die Inka um 1400 n. Chr. die Geschichte des Landes. Der letzte große Inkaherrscher hatte zwei Söhne, welche sich den Thron gegenseitig streitig machten, das Land in einen Bürgerkrieg führten und die 1572 einfallenden Spanier leichtes Spiel mit den ungeeinten Fraktionen hatten. Insgesamt war und erscheint die Lebensweise der Indigenen in unseren Augen sehr grausam. Es gab so etwas wie Gladiatorenkämpfe, wobei der Besiegte als Menschenopfer vom Schamanen den Göttern dargebracht wurde. Man verehrte Naturgötter, die meist in Form einer Verschmelzung von Mensch und mehreren Tiersymbolen dargestellt wurden, um das spirituelle Zusammenspiel zwischen Luft-, Meeres- und Landlebewesen zu zeigen. Starb ein hoher Priester, welcher vergleichsweise wie ein ägyptischer Pharao betrachtet werden kann und sowohl weltliche, geistliche und militärische Macht innehatte, so wurden seine Bedienstete ebenso vergiftet und mit sonstigen Grabbeigaben unter die Erde, bzw. eine Stufenpyramide gebracht und ins Jenseits entlassen. Zwei solcher Stufenpyramiden besichtigten wir im Huaca, nämlich den „Tempel der Sonne“ und den „Tempel des Mondes“, welche das Tal flankieren, in dem über 7000 Menschen der Moche – Kultur lebten.

Zur Mittagspause wurde unsere Reisegruppe ins „Sombrero“ geschleppt. Hier sollten wir für Umsatz sorgen und konnten im Gegenzug traditionellen Volkstanz begutachten.

Im Anschluss brachte uns das Shuttle zum „Museo de Sitio Chan Chan“ und zum „Nik – An“ – Palast (UNESCO Weltkulturerbe seit 1986), an dem immer noch gegraben wird, sofern der Staat Geld für archeologische Forschung locker machen kann. Grabräuber hatten sich in der Vergangenheit schon Zugriff zum gigantischen Tempelkomplex verschafft und ihre Spuren hinterlassen. Nichts desto trotz war es beeindruckend durch einen kleinen Teil der damals 35000 Seelenmetropole zu gehen und das gesellschaftliche Leben vor dem inneren Auge wieder Gestalt annehmen zu lassen.

Zum Abschluss gab es einen Abstecher zum voll belebten Strand in Huanchaco. Es herrschte Hochbetrieb, sodass nur ein Strandslalomspaziergang drin war. Mit den Schilfkanus fuhren übrigens auch schon die Ureinwohner zum Fischen raus.

Napoleon, der sagte, dass er meine Gesellschaft sehr genoss und den Tag nicht als Arbeit empfand, begleitete mich noch zu einem Reiseveranstalter, wo man sich um ein Taxi für mich bemühte, welches mich später zum Busterminal von „Linea“ bringen sollte. Dazwischen habe ich noch die wohl schlechtesten Pommes meines Lebens gegessen, geduscht, mein Schlafkissen repariert und wartete dann vergeblich auf meinen Fahrer. So stapfte ich zum „Plaza de Armas“, auf dem, wie auch in der Stadt verteilt, ein Festival stattfand, und wurde fündig.

Im Terminal war reger Betrieb, aber eigentlich war es genauso wie bei „Exclusiva“ gut organisiert. 7 Stunden sollte die Fahrt ins Bergdorf Huaraz, welches auf 3200 Metern liegt, dauern. Ich lege also einen Höhenunterschied von 3200 Metern zurück und muss mich dort erstmal aklimatisieren.

Mein Reisebus scheint nicht ganz so komfortabel wie der gestrige. Mal sehen, wie die Nacht wird. Ankunft ist für 5:45 Uhr geplant. Bis dahin grüße ich nachträglich, aber herzlichst Andi C., der gestern einem ganz erlesenen Club beitreten durfte.

07.03.2022 – Auch diese Nachtfahrt war bequemer als gedacht und erneut pünktlich am Zielort. Um 6 Uhr nahm ich ein Taxi zum „Mirador Backpackers BnB“. Nach einer Extrarunde um den Block fand mein Fahrer die Unterkunft, in der ich direkt ins Bett fiel und eine Weile ruhte, bis das Frühstück eingeläutet wurde. Ich wollte mir den Tag über eigentlich Ruhe gönnen, um mich an die Höhenluft zu gewöhnen, dazu noch schauen, was die nächsten Tage anstehen könnte und mal sehen, wer noch so im Hostel ist. Ayne aus Barcelona und Ben aus Colorado beendeten da gerade ihr Frühstück und nach kurzem Kennenlernen, hatte ich bereits meinen Plan über Bord geworfen und machte mich zum Wandern fertig. 5 Minuten später waren wir auf dem Weg, sammelten Aynes Bekannten Henry aus Paris ein und nahmen einen Kleinbus 30 Minuten nach Chiwipampa. Dort befand sich an der Santa Cruz – Brücke auf 3100 Meter der Einstieg zum Aussichtspunkt Wilkacocha. Anfänglich hatte ich auf dem moderat eingestuften Trail gut zu Schnaufen. Wir passierten traditionelle Andendörfer, deren Bewohner hauptsächlich Land- und etwas Viehwirtschaft betreiben. Die imposant aussehenden älteren Frauen mit ihren bunten Gewändern und hohen Hüten laufen diese Strecke täglich mit Gütern  oder Kindern über den Rücken gehängt. Also musste ich das auch meistern können. Die anderen Jungspunte hatten hingegen bereits mehrfach Andentraining die letzten Tage absolviert. Wir schafften es in gut eineinhalb Stunden die 650 Höhenmeter zum Bergsee zurückzulegen.

So konnten wir unseren Blick vom Wilkacocha (3750m), der im Gebiet der „Cordillera Negro“, den „Schwarzen Bergen“ liegt, auf die Bergkette der „Cordillera Blanca“, mit ihrer weißen Gipfeln werfen.

Die weißen Riesen in der Ferne werde ich in den Folgetagen noch aus der Nähe erleben. Fürs Erste war diese Halbtagestour ein guter Einstieg zum lockeren Herantasten. Immerhin war ich gestern noch auf Normalnull.

Zurück im „Backpackers Mirador BnB“, indem erneut kein Englisch, trotz Angabe bei Booking.com gesprochen wird, buchte ich meine weiteren Touren, was natürlich etwas länger dauerte. Dafür spendierte mir der Chef einen leckeren Eintopf und ich goss mir einen Tee mit Kokablättern auf. Kokablätter werden zwar auch zur Herstellung von Kokain benutzt und dürfen deshalb nicht ausgeführt werden, sind in der Kultur der Andenvölker aber mehr Alltagsnahrungs- oder Heilmittel. Man kaut die Blätter, hamstert sie etwas in der Backe und saugt sie aus. Das ist einerseits ein Wachmacher und andererseits hilft dies auch, der Höhenkrankheit vorzubeugen. Von daher habe ich ein paar Selbstversuche unternommen.

Anschließend besuchte ich die Geschäfte um den „Plaza de Armas“ von Huaraz. Auf meinem Einkaufszettel standen warme Socken, Wasser und Powernahrung für die nächsten Touren. In der Unterkunft sicherte ich mir eine weitere Alpakadecke, denn klimatisch ist dies hier schon ein kleiner Schock für mich. Hatte ich doch ursprünglich so gepackt, dass ich nur der Sonne folgen wollte.

Liebe Grüße aus den Anden gehen an Jonny.

08.03.2022 – Vor exakt drei Monaten bin ich im winterlichen Mainz aufgebrochen und lag einen halben Tag später unter der brennenden Sonne Barbados. Heute startete nach dem Frühstück meine Tagestour zum Pastoruri Gletscher im Nationalpark Huascaran. Mit dem vollbesetzten Shuttle wurde erst das „Recreo Restaurant Turistico Faby Star“ in Ticapampa angesteuert. Dem Regen und der Höhe wollte ich vorsorgen und kaufte einen Regenponcho, sowie ein „Mate de Coca (natural con 8 hierbas)“, also einen Kokatee. Hier gab es auch Kokaschokolade, Kokabonbons und Kokablätter. Letztere hatte ich schon von meinem Herbergsvater mitbekommen. Wenig später erreichten wir den Parkeingang und gleichsam den Beginn des Andenhochlandes. Unser Weg führte uns mitten der hochaufragenden grünen Berge im Canyon durchs saftige Tal, wo Kühe und Schafe weideten, sich Lamas blicken ließen und ebenso Wildpferde über die Grasflächen rannten. Rund 1500 Höhenmeter legten wir zurück und hielten zwischendurch am „See der sieben Farben“,

einer heißen Quelle oder an einem Feld voller Puyas. Diese hier einzigartig vorkommende Pflanze kann in einer Lebenszeit von 100 Jahren bis zu 15 Meter heranwachsen und blüht nur einmal im Leben mit ungefähr 50 Jahren. Danach beginnt der Verfall.

Kurz nach Mittag erreichten wir den auf 5000 Meter Höhe gelegenen Parkplatz. Nun hieß es, zu Fuß weiter gehen. Ich schmiss mir meine Kokablätter in die Backen und traute meinen Augen nicht. Die Jüngsten der Gruppe, und auch noch Peruaner, trabten auf Pferden an mir vorbei, während ich versuchte mit dem Sauerstoffmangel und dem Höhendruck klarzukommen. Anfangs war das schon anstrengend, doch irgendwann hatte ich entweder mein Belastungstempo gefunden oder das Koka hat gewirkt. Bis zum Gletscher lief ich gute 40 Minuten 200 Höhenmeter bergauf. Der Pastoruri bildete sich vor 800 Millionen Jahren, als sich die Nascar – Platte und die Amerikanische Platte gegenseitig empor geschoben hatten. In den letzten 12 Jahren verschwand die Gletscherzunge rapide aufgrund der globalen Erwärmung. In den letzten 44 Jahren schmolz die Hälfte der Eisplatte. Die zu sehende Laguna war damals noch komplett mit Eis bedeckt. Überreste von Dinosauriern wurden somit über die Zeit entdeckt.

Auch ohne Kokablätter war es ein berauschendes Erlebnis auf einer Höhe von 5200 Metern, einen Gletscher zu betrachten, ihn gleichsam als Mahnmal zu sehen, dass wir auf unseren Lebensraum achtgeben müssen und zwischen den Steinkolossen als das kleine Rad der Zeit zu gelten, das wir Menschen eben einmal sind. Um diese Mahnung deutlich werden zu lassen, hatte mir Mutter Erde nach dem Abstieg dann doch noch Kopfschmerzen beschert. Ähnlich wie gestern kamen sie verspätet. Doch smarterweise hatte ich an Kopfschmerztabletten gedacht.

Kaum waren wir im Shuttle, brach langanhaltender Regen herein. Erst dadurch wurde es kühl. Von großer Kälte hatte ich beim Laufen nichts gespürt. Auf dem Rückweg wurde erneut im Restaurant gestoppt. Eine warme Suppe kam mir gerade recht. Gegen 18 Uhr war ich zurück, buchte eine weitere Nacht und einen Ausflug am Donnerstag, sowie zwei Busfahrten über Lima nach Ica.

Allerliebste Geburtstagsgrüße David. Genieß deinen Ehrentag in vollen Zügen.

09.03.2022 – Das Highlight des Tages war die Wanderung zur „Laguna 69“ im Huarascan Nationalpark in der „Cordillera Blanca“. Der Einstieg des Trails liegt westlich von Huaraz 101 km entfernt, sodass ich um halb 5 Uhr in der Früh aus den Federn huschte, meine Verpflegung zubereitete und um 5 Uhr zusammen mit den drei Franzosen Marian, Nicolas und Geremy abgeholt wurde. Im Shuttle schlief ich etwas weiter und wachte erst wieder bei einer Verpflegungspause in Yunga auf und stellte fest, dass unsere Reisegruppe auf 30 Köpfe angewachsen war. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt legten wir einen kurzen Stopp an der „Laguna Chinoconcha“ ein.

Wenig später passierten wir die „Laguna Orconcocha“ und erreichten Cebollapampa. Ab hier startete der 14,8 km lange Hike auf 3900 Metern über Normalnull. Ausgelegt ist die Tour für einen 3 – stündigen Auf- und 2 – stündigen Abstieg mit einer Stunde Aufenthalt an der Lagune am Fuße des „Cerro Chacrara“ auf einer Höhe von 4650 Metern. Lief ich zu Beginn als Letzter los und noch gemächlich mit den Franzosen mit, wo ich mich verquatschte, so merkte ich bald, dass ich ein flotteres Tempo laufen musste. Mit der Höhe hatte ich heute keine Probleme und kam sehr gut in Tritt. Der erste Anstieg folgte nach einem Kilometer, nachdem es erstmal durchs grüne Weidetal ging, durch das sich ein Gebirgsfluss ergoss und Richtung Tal mäanderte.

Am ersten Berg wollte ich noch keine Pause machen und mein Tempo durchlaufen. Von daher rollte ich das Feld von hinten auf und merkte erst gar nicht, dass ich bei Kilometer 3 bereits alle überholt hatte. Nach kurzer Verpflegung kam die Bergziege in mir durch und ich erreichte bei Kilometer 5 den ersten Bergsee, die „Laguna Consuelo“. Das Schild zeigte mir eine Höhe von 4300 Metern an und dass ich noch eine Stunde vor mir hätte. Der Blick auf die Uhr zeigte, dass ich gerade mal 80 Minuten unterwegs war. In mir reifte der Gedanke, den Anstieg weiterhin zügig anzugehen, die Lagune für mich alleine zu haben und mir beim Abstieg ausgiebig Zeit zu lassen. So könnte ich dem ab normalerweise 15 Uhr einsetzenden Regen – man kann wirklich die Uhr danach stellen – möglichst ein Schnäppchen schlagen, wie auch vor allem einen zu rasanten Abstieg verhindern, damit mich nicht erneut Kopfschmerzen plagen werden. Auf den nächsten knapp 2,8 Kilometern konnte ich zuerst noch einmal Luft schnappen, bevor es den letzten Kilometer nochmal 350 Höhenmeter bergauf ging.

Da in das Weiße musste ich rauf!

Die Schritte wurden dabei bisweilen etwas kleiner, aber stetig. So erreichte ich die „Laguna 69“ nach genau 2 Stunden und ließ erstmal einen kleinen Urschrei los. Ich wollte ja keine Lawine auslösen (Später hörten wir mehrmals ein Krachen in Richtung Gipfel des „Chacraraju“!). Und tatsächlich, ich war um 11 Uhr 30 der Erste und konnte das mir sich bietende Naturschauspiel gute 20 Minuten alleine genießen.

Mit Lisa und Paul aus Münster entschloss ich mich um 12 Uhr 45 den Rückweg anzutreten, um eben nicht großartig in den Regen zu geraten und trotzdem genug Puffer zu haben, da unser Guide uns anhielt, um 15:30 Uhr pünktlich zur Abfahrt am Shuttle zu sein. Und tatsächlich glich unser Abstieg einem Sonntagnachmittagsrentnerausflug mit vielen Fotopausen.

Tatsächlich benötigten wir die volle Zeit, wurden mehrfach überholt und waren sehr mit uns zufrieden, mit gutem Wohlbefinden die Rückfahrt anzutreten. Kokabonbons und -blätter halfen dabei wohl auch ein wenig. Da ich nun auch kein großes Nickerchen einlegte, genoss ich die Fahrt durch die zahlreichen Andendörfer, realisierte erstmals den bedenklichen Zustand der Schotterstraßen und muss vor den hier lebenden Menschen meine Wollmütze ziehen. Die einfachen Lebensbindungen erscheinen gerade jetzt in der kalten, nassen Regenzeit besonders hart. Die Andenbewohner betreiben Viehzucht, halten Hausschweine, Hühner, Meerschweinchen, Schafe und bauen in ihren Gärten oder auf angelegten Terrassen zum Beispiel Mais, Kartoffeln oder Yuka an. Sie wohnen in einfachen zugigen Steinhäusern, teils mit Dachziegeln oder Blechdächern.

Das Beispiel der dort lebenden Andenperuaner und die Großartigkeit der Natur lehren einem einmal mehr Demut und Respekt.

In der Dunkelheit erreichten wir Huaraz, wo ich nach einem Abstecher im Supermarkt und der Hostelküche nur noch meine Sachen packen, heiß duschen und diese Zeilen, mit denen ich herzlich Katherine White grüßen möchte, verfassen konnte.

10.03.2022 – Auf zum finalen Tagesausflug von Huaraz aus in den Huarascan Nationalpark hieß es erneut in der Früh und erneut musste eine lange Fahrt mit dem Shuttle zurück gelegt werden. Um das Ziel, die „Laguna Paron“, zu erreichen, führen wir nach Caraz und bogen dann auf die Schotterstraßen ein, über die man ins noch höhere hohe Hochland gelangt. Das Wetter war heute ausnahmsweise sonnig, ohne Regen und somit mit toller Aussicht von den zahlreichen Serpentinen aus ins zurückgelegte Tal. Rechts und links flankieren uns die Berge der „Cordillera Blanca“, auf denen sich die Sonnenstrahlen reflektierten und von denen einige Wasserfälle herabstürzten.

Die auf 4155 Meter liegende „Laguna Paron“, gleichsam die größte des Landes, erreichte unsere Reisegruppe um 12 Uhr 30. Von hier aus wanderten wir schlappe 150 Höhenmeter bis zu einem Aussichtspunkt. Der Weg führte bisweilen über Geröllbrocken und war sprichwörtlich eine Gratwanderung. Auf beiden Seiten ging es steil bergab.

Der Ausblick für den leider meines Geschmacks zu kurzen Aufstieg hat sich dennoch vollends gelohnt.

Und auch von unten, strahlte das Türkisblau von der Wasseroberfläche wirklich schön.

Nur schade, dass man insgesamt wieder 9 Stunden im Shuttle verbrachte. Auf dem Rückweg wurde in einem Andendorf mit traditioneller Küche gehalten. Ich habe jetzt mal ein halbes Cuy, ein Meerschweinchen, probiert. Geschmeckt hat es wie ein zähes Hühnchen mit leichtem Fischnachgang. In Zukunft muss keiner der kleinen süßen Nager mehr wegen mir ins Gras beißen.

Spät erreichten wir das „Backpackers Mirador BnB“, wo ich noch duschen, essen und mich auf die nächste 9 – stündige Busfahrt mit „Exclusiva“ zurück nach Lima samt Anschlussfahrt am Morgen nach Ica freuen durfte. Bevor ich mich morgen wieder melde, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich der lieben Hannah Mackie zeitversetzt zum Geburtstag gratulieren.

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