Panama – 19.02.2022 – 28.02.2022

19.02.2022 – Die Nacht war extrem durchwachsen, da die Wände eher aus Pappe waren, die Türen ständig ab 3 Uhr bis früh morgens nachts knallten, weil Leute eintrafen oder das „Casa Lapa“ verließen. Ich stand dann um 7 Uhr auf, hatte direkt ein Uber zum Flughafen und war planmäßig am Gate. Ohne Probleme wurde mein onward – Ticket akzeptiert. Das hat sich echt bewährt und ich werde wohl ebenso künftig darauf setzen, damit ich flexibel reisen kann. Mein Flieger nach Panama – City war glücklicherweise auch right in time und ich erreichte mein neues Urlaubsland mit einer Stunde Zeitverschiebung nach vorne um 12 Uhr 20 Ortszeit. Erneut nutzte ich ein Uber, um ans „Hotel Doral“ am nördlichen Punkt der Altstadt zu kommen. Hier teile ich mir ein Zimmer zwei Nächte mit Alberto, den ich in Corcovado kennengelernt hatte und der ebenso heute eintreffen wird. Nach dem Check In, in dem nicht wirklich vorzeigbaren Schuppen, besorgte ich mir mal wieder eine lokale Simkarte und spazierte los. Zu Beginn hatte ich nicht ganz die richtige Abzweigung und entdeckte eher schlechte als rechte Gegenden. Dort war es sehr ärmlich, dreckig und heruntergekommen. Ein ganz anderes Bild präsentierte die Stadt von sich im zentralen Altstadtbezirk. Hier reihen sich Bars und Restaurants, unterbrochen von historischen Gebäuden, aneinander.

Um den ersten Schock zu verdauen, sowie angelockt von Musik und regem Treiben, betrat ich die „Pedro Mandinga Rum Bar“. Was die Herren für ein Gedeck am Nachbartisch hatten, weckte mein Interesse und man kam ins Gespräch.

Übrigens Deutsche;) – Tobias und Uli, zu denen später noch Marcel und Bernd stießen. Letzteren begrüßte ich mit einem fröhlichen „Gude“. Unglaublich, was das mal wieder ein Türöffner war. Er wohnt in Offenbach und daher war ihm die Floskel mehr als vertraut. Lustiger allerdings war, dass wir feststellten, dass wir beide eigentlich Pfälzer sind und eine weitere entfernte Verbindung haben. Er ist ursprünglich ein Landauer und bei seinem Vater, Herr Rothenberger, war angangs an der Uni mein Geschichtsdozent für neuere Geschichte. Es war zudem sehr schön, mol wirrer so richdich pälzisch zu babble.

Danach schlenderte ich weiter durch die Altstadt und verschaffte mir einen ersten Überblick, bis sich Alberto meldete, dass er bald am Hotel eintreffen würde. So machte ich mich auf den Weg zu ihm und wir hatten ein herzliches Wiedersehen.

Wir zogen dann noch los durch die Altstadt, aßen beide unsere erste Pizza seit Monaten im „Calicanto“. Und sie war wirklich gut. Ich hatte die Vegatarische ohne Käse, aber mit Hühnchen;). Ja, ich weiß: Typisch!

Danach zog es uns auf die Rooftopbars. Im „Lazotea“ nahmen wir unseren Absacker, bevor wir den Heimweg zum Hotel antraten.

Die allerbesten Grüße von den Dächern Panamas aus möchte ich meinen Kumpels aus dem Geschichtsstudium: „Wünschels Zeitzeugen“ senden. Wir hatten schon Korifäen als Dozenten.

20.02.2022 – Das Hotel Doral bietet so ziemlich nichts, außer Pritsche und Dusche, sodass wir nach durchwachsener Nacht aufgrund der ziemlich lauten Klimaanlage früh raus zum Frühstücken unterwegs waren. Im „Nomada“ in der Altstadt wurden wir fündig.

Anschließend nahmen wir ein Uber, um zum Panama-Kanal zu kommen, doch leider gab es für das Besucherzentrum keine Tickets mehr, Imax-3D – Kino und Musuem waren dauerhaft geschlossen. Daher warteten wir auf ein nächstes Uber, sahen im Nebenarm des Kanals noch zwei Krokodile, und ließen uns zum Naturschutzgebiet und -park um den Hausberg Panamas, den „Cerro Cedro“, bringen. Den Aussichtspunkt erliefen wir in einer knappen Stunde und erblickten erstmals einen guten Teil der Skyline, auf die wir im Anschluss erneut auch auf Straßenhöhe blicken konnten. Auch ein ziemlich aktives Faultier machten wir in einer Baumkrone aus.

Dazwischen schoben wir eine Siesta im Park ein.

Ja, so schön ist Panama, bzw. kann es auch sein. Nachdem wir gestern eher feststellen mussten, dass sich um die Altstadt herum viele Armutsviertel befinden, in denen es äußerst dreckig und heruntergekommen war, realisierten wir heute umso mehr, wie eng hier Armut und Reichtum, Traditionen und Moderne, Einfachheit und Materialismus beieinander liegen.

Zu Fuß liefen wir an der Promenade entlang in die Altstadt und fanden uns rechtzeitig zur Happy Hour im „Chingada Madre“ ein, wo wir uns durchs Margarita – Angebot durchtesteten und absolut hochprofessionel den Poolbillardtisch bespielten.

Auf dem Rückweg zum Hotel für einen kurzen Zwischenstopp schnappten wir uns an der Straßenküche Hähnchen mit Yukka und Honigsauce – köstlich. Frisch herausgeputzt verbrachten wir unseren letzten gemeinsamen Abend in der Rooftopbar „Villa Amazonica“.

Wir haben den ganzen Tag eigentlich nur rumgealbert und uns schlapp gelacht. Alberto, du warst mir ein toller Reisebegleiter und daher gehen meine Grüße natürlich an dich. (Insider, auch für Vas: „Let’s Rock!)

21.02.2022 – Der Wecker von Alberto riss uns um 5 Uhr aus dem Schlaf. Er musste sich auf den 16-stündigen Rückweg mit dem Bus nach San Jose, Costa Rica machen, da ihn seine Eltern von Madrid aus besuchen kommen. Wir verabschiedeten uns und ich versuchte in dem Moloch, was sich unser Zimmer nannte, nochmal zu schlafen. Am besten hätte ich eine FFP2-Maske tragen sollen. So war ich eigentlich froh im frühen Morgen das Hotel zu verlassen, zu frühstücken und in die Altstadt zu laufen, wo ich Ruinen, Plätze (Plaza de la Indepencia, Plaza Tomas Hererra, Plaza Santa Ana, Plaza El Emperador Carlo V, Plaza de Francia), Kirchen (Cathedral Basilica Metropolitana Santa Maria La Antigua, Iglesia de la Merced, Iglesia Francisco de Asis) und eine Ausstellung zur neuen Kunst Panamas besuchte und somit mir selbst eine Stadtführung bescherte.

Die Museen sind auch hier montags geschlossen. Ich genoss nochmals den Blick auf die Skyline, aß zu Mittag und kehrte zum Zimmer zurück, um gefühlt in einer Millisekunde meine Sachen zu schnappen und aus dem Hotel Doral auszuchecken. Mit dem Uber ging es in die City zum „Nomada Container Hotel Panama City“. Ich dachte mir, erneut im Container zu hausen, nach den positiven Erfahrungen, die ich in Jaco gemacht hatte, kann nicht schaden und wo passt es besser, als hier?

Ich habe mir mal gleich ein Upgrade besorgt und lebe nun auf weitläufigen 30 Quadratmetern mit Küche, Bad, Schlafzimmer und TV.

Oh, wie schön ist Panama. Nachdem ich mich eingerichtet hatte, suchte ich gleich vier kleinere und größere Supermärkte auf, damit sich mein Kühlschrank nicht unnütz fühlen muss. Letztendlich kaufte ich das meiste im Koscheren Delimarkt ein, weil das Angebot in den kleineren Märkten sehr zu wünschen übrig ließ. Billig war es nicht, aber zumindest lupenrein und ich wollte unbedingt mal wieder etwas gesundes Frisches.

So war ich heute doch noch gut auf den Beinen unterwegs und schlief sogar auf der Couch ein, bevor ich meinen Kadaver ins fantastische Bett hievte und meine Grüße an meine Couchpotato zu Hause schicke.

22.02.2022 – Da morgen Wouters, eine meiner Bekanntschaften aus La Fortuna, in Panama – City ankommen wird, spare ich mir den Kanal noch etwas auf und schaute mal, was wir uns sonst noch so alles gemeinsam anschauen könnten.

So entschied ich mich heute, eher meinen historischen Interessen nachzugehen und erforschte das wirkliche „Panama la Vieja“, wo die ersten Siedlungsformen des ursprünglichen Panamas gefunden wurden. Auf dem Areal findet sich nicht nur eine ausgedehnte Ruinenlandschaft, sondern auch ein Museum, welches über die Stadtgeschichte Auskunft gibt.

In dem heutzutage abgesperrten archäologischen Bereich werden einerseits nach wie vor Ausgrabungen und geschichtliche Forschung betrieben, andererseits zeugen die baulichen Überreste und Funde von der Besiedlung und Lebensweise der indigenen Ureinwohner ab 800 v. Christus über die Inanspruchnahme des strategisch wichtigen Landstrichs an der Südküste durch die Spanier im frühen 15. Jahrhundert. Vasco Nunez de Balboa folgte den Berichten der Einheimischen, welche ihm von einem weiteren Ozean erzählten. Er war der erste Europäer, der den später so titulierten Pazifik 1513 zu Gesicht bekam. 

Bis 1519 hatten die Spanier den strategisch wichtigen Knotenpunkt dort, den sie Panama – Stadt nannten, nicht nur besetzt und die Indigenen weitgehend vertrieben oder durch Missionare christianisiert, sondern gründeten neben einem Handelszentrum ebenso einen Bischofssitz. Hier wurde peruanisches Gold und Silber vom Hafen erst über den Landweg und auf der Karibikseite nach Spanien verschifft. Franziskanermönche gründeten mehrere Konvents, um das gesellschaftliche Zentrum der Stadt, der Kirche, herum, neben der ein Ratsgebäude, sowie die Herrenhäuser reicher Kaufleute standen.

Die Entdeckungsgeschichte Panamas mit seiner Bedeutung in der Weltwirtschaft ist also auch eine Geschichte der Ausbeutung, Versklavung und Vernichtung der einheimischen Völker durch die Conquistadores bis zum 17. Jahrhundert. Als nun Arbeitskräfte Mangelware waren, verschleppte man Sklaven aus Afrika, um für den Profit der Kolonialherren zu schuften und zu sterben. Sklavenaufstände wurden durch in die Wälder geflüchtete Indigene und sogar Piraten wie Francis Drake unterstützt. Der Berüchtigste unter ihnen war Henry Morgan, der den Spaniern immer wieder schwer zusetzte. Auch Panama – Stadt wurde durch seine Truppen zerstört und man entschied sich, es zehn Kilometer weiter südlich neu zu bauen, weshalb sich dort nun ebenfalls eine Altsatdt befindet. Bis 1821 war das Land unter spanischer Herrschaft, verlor aber bis ins 18. Jahrhundert stark an Bedeutung, da die Überwindung des Landwegs sehr beschwerlich war, wodurch die Schiffe folglich eher ums Kap Horn segelten. Bis zum Bau des Panamakanals, der Karibik und Pazifik mit einander verbindet, sollte es noch dauern.

Input hatte ich bis dahin reichlich eingesaugt, sodass es einem totalen Abschalten bedurfte. Mit einem Leguan machte ich im Schatten eines Unterstandes Siesta und wir ließen uns von den vorbei hüpfenden oder über uns kreisenden Geiern nicht beunruhigen. Danach ging es zum Shopping in die „Alta Plaza Mall“.

Den Abend verbrachte ich mit Udo im Hof, einem Rheinländer, der nach Kanada ausgewandert ist und, so vermuteten wir, den ortsansässigen Narcos oder Panama – Paper – Betreibern am Nebentisch, die mit ihren fetten Karren direkt ins Hotelgelände des Kontainerhafens einfuhren, reichlich Drinks und dicken Cohibas frönten und zu guter Letzt bis spät nachts monoton unnötige Technobeats laufen ließen. Und natürlich war es notwendig um halb 1 Uhr noch die Motoren der Protzkarren dermaßen aufheizen zu lassen, dass man dachte, es schlägt eine Bombe ein. Morgen beschwert sich der Alman. Anzeige ist raus!

Somit grüße ich alle mir bekannten Schutzmänner.

23.02.2022 – Die Nacht war bescheiden und am Morgen wandte ich mich an den Concierge aufgrund der gestrigen Störung und fehlerhaften Angaben bei Booking, sowie nicht funktionierender Einrichtung. Natürlich entschuldigte er sich, fand diese Aktion ebenso nicht korrekt und hat dies leider auch schon öfters erlebt. Allerdings seien ihm ohne Beschwerde der Gäste die Hände gebunden. Mein Verdacht von gestern verhärtete sich. In der über 10 – köpfigen Männerrunde befanden sich allesamt einflussreiche Teilhaber oder Freunde derer. Udo meinte, dass da gut Geld gewaschen wird. Schließlich kostet ein kleines Bier 5 Dollar:). Sichtlich unwohl informierte der Verwalter seinen Chef. Abwarten, ob da noch eine Antwort folgt.

Müde statt munter versuchte ich den letzteren Zustand, mit einem guten Frühstück zu erreichen und genoss die Ruhe im Containerhof.

Zu Mittag trabte ich ins „El Machico Hostel“, in dem Wouters gelandet ist. Es war wirklich toll, den holländischen Haudegen wiederzusehen. Bis er sein Zimmer beziehen konnte, sprangen wir in den Pool des Hostels und machten uns dann auf den Weg zur Aussichtsplattform Miraflores am Panamakanal. Sehr beeindruckend zu sehen, wie die Ozeanriesen die Schleusen überwinden und das letzte Stück in den Pazifik zurücklegen. Mit viel Geduld produzierte Wouters ein Zeitraffervideo dazu:

Daraufhin ging es mit dem nächsten Uber in die Altstadt, wo ich Wouters etwas herumführen konnte und wir einen Abstecher im kleinen „Historischen Museum von Panama“ unternahmen.

Hier kann man vor allem den politischen Weg und Kampf des Landes zur Unabhängigkeit Panamas verfolgen. Und das bis in die jüngste Vergangenheit hinein. War Panama zuvor von den Spaniern und später Kolumbianern bis um 1900 herum besetzt und fremd beherrscht, gab es auch im Innern Unruhen und blutige Niederwerfungen von Studentenprotesten in einer Zeit, in der bei uns die Mauer fiel, bis auch in Panama die demokratischen Bürgerrechte mehr und mehr Einzug erhielten. Die erste Nationalflagge ist ebenso hier ausgestellt.

Die Sonne schickte uns noch ihre letzten Strahlen, als wir weiter durch die Altstadt schlenderten, bevor wir in das Kontainerhafenhotel fuhren, kochten und unsere weiteren Aktivitäten planten.

Kurzerhand beschlossen wir nicht nur eine Eintagestour nach San Blas Islands zu buchen (Leider waren alle Übernachtungstouren für das Wochenende ausgebucht, da Carneval ist!), sondern auch einen Flug nach Medellin für kommenden Montag.

Die Sundownergrüße möchte ich der lieben Abby zu ihrem Geburtstag, wenn auch leicht verspätet, senden. Lass es dir gut gehen auf deiner Reise und fühl dich gedrückt.

24.02.2022 – Morgens lernte ich Luane aus Kanada kennen. Sie wohnt auch ein paar Tage im Kontainerhotel und entschloss sich, sich mir und Wouters für eine Halbtagestour anzuschließen, nachdem ich mich beim Pförtner Luis nach möglichen To Do’s erkundigt hatte. Mit Samuel, den wir als Fahrer für unsere Tour engagierten, fuhren wir nach Gamboa und ich organisierte uns dort ein Schnellboot samt Skipper für eine Privattour zu den „Monkey Islands“. Dabei fuhren wir über den Panamakanal in die Mangroven und Seenlandschaft der Lagune Catun, stoppten an mehreren kleinen Inseln und unser Skipper Carlos lockte die Affen an – Manchmal näher, als uns aufgrund der spitzen Zähne und Nähe lieb war!

Neben den Brüllaffen und Weißkopfaffen, entdeckten wir einen Basilisk, Seeadler, Ibisse, Leguane und auch zwei Krokodile.

Die Lagunenlandschaft war idyllisch, sofern uns nicht allzuviele Boote kreuzten.

Ebenfalls war es beeindruckend, erneut die großen Ozeanriesen oder Industrieschiffe an uns vorbeifahren zu sehen.

Im Anschluss unternahmen wir einen kleinen Spaziergang zum Beginn des Ölpipelineweges, wo wir erneut eine Bande Brüllaffen in Action beobachten konnten, bevor es wieder zurück ging. Ich verbrachte mit Wouters noch etwas Zeit in seinem Hostel im Pool und am Billardtisch.

Wir setzten uns ebenso an die Buchung unserer Kolumbienflüge, wie auch einer Unterkunft und organisierten uns für morgen Räder.

Erschrocken hat uns heute alle die Kriegshandlung Russlands gegenüber der Ukraine. Wir können nur hoffen, dass es nicht weiter ausartet, eine Deeskalation möglichst schnell stattfindet und weitere Opfer vermieden werden können. Mit großer Besorgnis schaue ich in die Ukraine und auf Europa. Es kann doch nicht sein, dass man aus der jüngsten Vergangenheit überhaupt nichts gelernt hat! Meine Sympathien gehen an alle Verfächter für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Friedensaktivisten.

25.02.2022 – Hatten Wouters und ich gestern noch unsere Mountainbikes für heute reserviert, durften wir direkt feststellen, dass noch genau zwei Räder im Hostel vorhanden, allerdings abgeschlossen und der Schlüssel von einem Mitarbeiter mitgenommen war. Also musste mal wieder ein Uber bestellt werden, das uns zum Biomuseum brachte.

Dies ist ein tolles und teils interaktiv aufgebautes Museum, das die geologische Entstehung Panamas, welches auf einer eigenen tektonischen Platte liegt und somit von Erdbeben eigentlich verschont bleibt, aber auch neben der Menschheits- die Besiedlingsgeschichte näher verdeutlicht und sehr gut erklärt. Auch das Personal war sehr freundlich und zuvorkommend und präsentierte jeweils die unterschiedlichen Themenfelder zu Beginn einer neuen Ausstellung.

Zudem wird nicht nur die archäologische Entwicklung aufgezeigt, es schließt sich nahtlos die naturhistorische Wissenschaft mit an und zeigt die enorme Biodiversität zu Wasser, an Land und in der Luft, ebenso von der Urzeit bis heute. Panama, wie auch Costa Rica, entstand durch Vulkanausbrüche, die erst zum Zusammenwachsen mehrerer Inseln zu einem Eiland führte. Ein Land, das gleichsam Mittelamerika mit Südamerika erst verband und somit zwei Ozeane von einander trennte. (Um später den Seeweg und die Verbindung über den im 19. Jahrhundert geschaffenen Panamakanal zu ermöglichen, musste übrigens das Inland um die neu geschaffene Lagune Gatun herum geflutet werden. Deshalb müssen die Schiffe auch zweimal den Höhenunterschied mittels der Schleusen überwinden.) Durch das Schaffen einer Landbrücke zwischen Nord-/Mittel- und Südamerika kam es in der Steinzeit zur Wanderung der Urtiere, wobei die mehr agressiven Tiere des Nordens viele Arten des Südens ausrotteten. So hat unter anderem leider auch das riesige „Walking Ground Sloth“ nicht überlebt. Säbelzahntiger waren dann doch stärker, schneller und vor allem sehr taktische Jäger.

Erstaunliche 3 Stunden konnten wir uns im Biomuseum beschäftigen und fanden daraufhin einen Fahrradverleih, sodass wir doch noch zu einer kleinen Tour gekommen sind. Wir radelten den Hafen Panamas und die „Isla Flamenco“ an.

Der Hunger übermannte uns natürlich am Nachmittag, weshalb wir am „Plaza Santa – Ana“ eine Soda (= lokale einfache Küche) aufsuchten. Danach führte ich Wouters durch den oberen Teil der Altstadt, bis wir schlussendlich doch in meiner bevorzugten Rum – Bar landeten und eine wohl verdiente Pause einlegten.

In der Dämmerung erreichten wir Wouters Hostel und zockten etwas Karten und Billiard, bevor ich heimwärts trottete und nun meine lieben Grüße an meine Bikerboys absende. (Weder) Hals noch Beinbruch!

26.02.2022 – 4:40 Uhr bin ich aufgestanden, weil ich mich zwischen 5 und 5:30 Uhr für die Tagestour zu den San Blas Islands bereithalten sollte. 4:48 Uhr klopfte der Abholdienst. Zusammen mit Wouters und 4 weiteren Gästen wurde ich einmal von der Süd- zur Nordküste über den gesamten Isthmus gefahren. Erst in totaler Dunkelheit und später im panamaischen Hochland ging es über 3 Stunden durch die Pampa und dann auch lange durch den Regen. Es war trüb, grau, nass und ungemütlich, so dass wir alle bangten und hofften, dass wenigstens der Regen nachlassen würde, wenn wir zu unserem Inselhopping aufbrechen können. Dass wir so früh los sind, hatte wirklich Sinn gemacht, denn halb Panama hatte die gleiche Idee. Das lag auch daran, dass der Präsident verboten hatte, Karneval zu feiern, weshalb viele Einheimische quasi in internationale Gewässer bzw. die San Blas Inseln flüchteten, um dort die Tage zu verbringen. Auf dem Weg zum Fährhafen für die Schnellboote, dem Puerto Tupile Dibin, passierten wir mehrere Polizeikontrollen, mussten Vakzination und Pass vorzeigen, sowie eine Gebühr von 22 Dollar an die Cuna, der ursprünglich hier lebende indigene Volksstamm begleichen. Ich stellte mir die körperlich sehr kleinen Cuna im Vorfeld andächtig, traditionell, naturverbunden und bescheiden vor. Meine erste Begegnung riss mich aus meiner falschen Vorstellung. Zum einen herrschte eine große Umweltverschmutzung um den Anleger und zum anderen war der Cuna sehr fordernd und harsch. Kurioser war allerdings, dass ich ein Tattoo auf seinem Arm entdeckte, das weder eine abstrakte Schildkröte, noch ein traditionelles Symbol aufzeigte, sondern ein deutsches Wort: „saufen…“ verdeutlichte seine Lieblingsbeschäftigung. Er konnte sogar deutsch und hat Verwandte in München. Eine gut antrainierte Hopfenkugel schob er schwerfällig vor sich her. Da war ich schon perplex und wenig später noch mehr, als ich auf dem Schnellboot einen Cuna zur Hausbauweise fragte. Dieser stellte sich als ein weiterer Verwandter heraus, der gestern zu viel „saufen…“ war. Immerhin konnte er mir erklären, dass hier kaum ein Gezeitenunterschied (Im südlichen Küstenabschnitt, wie zum Beispiel in Panama – City dagegen herrscht der größte gemessene Unterschied zwischen Ebbe und Flut.) merkbar ist und die Cuna ihre Behausungen entweder auf den kleinen Sandinseln oder Korallenriffen errichten können, ohne Angst haben zu müssen, dass einmal die eigenen vier Wände davongetrieben werden. Ob das allerdings so bleibt, wenn insgesamt der Meeresspiegel aufgrund der Klimaerwärmung steigt, mag ich zu bezweifeln. Im Notfall hilft immer noch: „saufen…“!

Unsere Überfahrt zur ersten Insel, der „Isla Perro“, glich einer Kombination zwischen Rollercoaster und Rodeo. Die Wellen waren heute ungewöhnlich hoch und wir wurden im hohen Tempo gut durchgeschüttelt. Mir hat es auf alle Fälle tierisch Spaß gemacht. Und das kleine aus dem türkisblauen Meer herausragende Eiland war paradiesisch.

Später, wie erreichten als erste Besucher die Insel, trafen immer mehr Tagestouristen oder Camper ein und „zelebrierten“ Karneval auf panamaisch.

Nach dem Mittagessen steuerten wir zwei Sandbänke, „Natural Pools“ genannt, an.

Bis wir dann vor „Isla Diablo“ den Anker warfen und ein wenig Zeit hatten, ein durchaus schönes Korallenriff mit teils stattlichen Fischlis zu schnorcheln. Alles in allem war das bis dahin ein echt gelungener Ausflug und ich rief mir wieder einmal vor Augen, welch ein Glück ich doch gerade habe.

Auf der Rückfahrt mit dem Boot war ich ordentlich geschafft und froh, dass ich nicht über Bord ging, weil ich beinahe mehrmals eingenickt wäre. Mit dem Auto dauerte es dann noch weitere 3 1/2 Stunden bis zur Unterkunft (Wouters ist die nächsten 2 Nächte ebenfalls im Kontainerhotel unter.), die wir um 19:30 Uhr erreichten, was kochten und dann den Abend ausklingen ließen.

Meine lieben Grüße gehen an de Ichel, der mir den Tipp mit den San Blas Inseln gab und hundertprozentig damit bei mir ins Schwarze getroffen hat.

27.02.2022 – Nix los heute in Panama – City oder gar bei mir, nachdem der gestrige Ausflug nun Tribut forderte. So verlief der Tagesstart sehr gemächlich. Wäsche waschen, ein leckeres Brot im „Petit Paris“ holen, lecker frühstücken und notwendigen „Papier“kram für die nächsten Ziele erledigen, war angesagt und damit der Morgen auch schon gefüllt. Der Kühlschrank wurde langsam geleert und nachmittags spazierte ich zwischen den Wolkenkratzern hindurch und an der Promenade entlang Richtung Altstadt, nahm mir Zeit für eine Siesta im Park und nahm nochmal etwas die Energie der Stadt auf, bevor es morgen weitergeht nach Medellin.

Nach einer Einkehr beim Mexikaner in „Casco Vieja“ machte ich mich auf den Rückweg. Mit Wouters verbrachte ich den Abend mit weiteren Buchungsangelegenheiten. Natürlich gehen die Geschehnisse in der Ukraine nicht an uns vorbei und sind seit Tagen in unseren Köpfen präsent. Es ist gut, über die sozialen Medien zu sehen, dass sich Menschen aus vielen Teilen der Welt solidarisch hinter die Ukraine stellen, für das Selbstbestimmungsrecht und die Menschenrechte eintreten, v. a. für Frieden demonstrieren. Auch in Panama erstrahlte heute ein Gebäude in Blau und Gelb. Durch Menschlichkeit kann dieser Wahnsinn vielleicht gestoppt werden. Sanktionen und klare Positionierung der einflussreichen Mächte müssen ihr Übriges tun.

Grüße an alle Despoten dieser Welt. Genau euch brauchen wir in solch katastrophalen Zeiten. Ihr schafft es auch noch die Klimaerwärmung, vergangene Flüchtlingskrisen, Bankencrashs, sowie eine globale Pandemie in den Schatten zu stellen. Eine wirklich große Leistung, für die ihr zurecht in die Geschichtsbücher eingehen werdet. Lasst euch von euren Familien, Kindern und Kindeskindern feiern. Alle nachfolgenden Generationen werden es euch danken. Euer Name wird auf ewig mit solch ruhmreichen Begriffen wie Unterdrückung, Willkür, Terror, Tod, Vertreibung, Vernichtung oder Völkermord verbunden sein.

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