10.02.2022 – Überpünklich wurde ich in „Maris BnB“ vor 8 Uhr eingesammelt und, wie viele andere Reisende, über das Hinterland nach El Castillo zur Laguna de Arenal gefahren. Anfänglich noch sonnig erinnerte die Gegend ans bayrische Voralpenland mit Weidelandwirtschaft, saftigen Wiesen, steilen Berghängen und vereinzelten Wäldern bis zur Baumgrenze. Mit der Zeit merkte man sichtlich, dass man an Höhe gewann und der Nebel sich über die Bergrücken zog, bis es leicht zu regnen anfing und sich ein Regenbogen nahezu horizontal am Himmel erstreckte. Zum Schluss der 90-minütigen Fahrt verlief die Schotterpiste abfallend, bis wir die Lagune erreichten und mit Fährbooten eine gute halbe Stunde zur Anlegestelle in Arenal schipperten und dabei den ersten Blick auf den gleichnamigen Vulkan „Arenal“ erhaschen konnten.


Erneut stiegen wir auf ein Shuttle um und kurz vor 12 Uhr erreichte ich mein Ziel, das Hotel „San Bosco Inn“. Nach dem Check-In machte ich erstmal im „Ketchup“ Mittag und nutze im Anschluss die Möglichkeit zur Entspannung im Schwesternhotel „Volcano Lodge & Spa“, welches 6 Kilometer entfernt liegt, aber heiße Thermalquellenbecken, die so genannten „Hot Springs“, besitzt. Neben mehreren bis zu 45 Grad heißen Becken, genoss ich meine Auszeit im Pool, dem Jacuzzi, in der Hängematte oder bei Saunagängen.



Der Name des Resorts versprach weiterhin einen tollen Blick auf den Vulkan und hat dies auch gehalten, sodass ich hier gute 6 Stunden verbrachte.


Zum Abendessen im „La Fonda“ traf ich Stefanie Lö., die sich für eine Weile in La Fortuna niedergelassen hat und ich zuvor übers Internet kennengelernt hatte. Wir beschlossen, sobald ich in der Nähe bin, uns mal auszutauschen und den ein oder anderen Trip ins Auge zu nehmen. Wir haben uns gut unterhalten und verstanden, weshalb wir auch morgen auf kleine Tour gehen werden.

Grüße, Glück, Gesundheit möchte ich Karolin und Johannes zum Geburtstag übersenden.
11.02.2022 – Easy going und leckeres Frühstück im „San Bosco Inn“ – und somit hatte ich einen gemütlichen Start. Ich suchte danach die Wäscherei auf und setzte mein gestrig geschmiedetes Vorhaben, mehr Spanisch zu sprechen und deshalb mittels Apps meine Kenntnisse zu vertiefen, in die Tat um. Anschließend traf ich mich mit Stefanie, die mich fernab der touristischen Faultierparks in ein Insider-Waldstück mitnahm, wo wir Ausschau nach den gemächlichen Baumbesetzern hielten. Allerdings entdeckten wir nicht eimmal ansatzweise ein Fellbündel in den Bäumen. Am Boden waren wir erfolgreicher. Hunderte Blattschneideameisen verrichteten ihren Dienst und zum ersten Mal und zweiten und dritten Mal konnte ich einen „Blue Jeans“ – Frosch sichten, dessen Gift zu harten, bis tödlichen Krämpfen, Fieber und Atemnot führen kann.


Brüllaffen machten auf sich aufmerksam und auch Leguane konnten wir in ungewohnter Höhe entdecken.

Es war aber weit und breit kein Faultier zu sehen, bis wir zwei nette US-Amerikaner mit einem Guide trafen, die uns einluden, sie zu begleiten. Da sagten wir nicht nein und hatten direkt Erfolg. Der Guide hatte wirklich gute Augen und kannte die Gegend wie seine Westentasche, sodass wir vier Faultiere, darunter Mutter mit klammerndem Kind, sehen konnten, bis ein starker Regenguss einsetzte und wir den Rückweg antraten.


Nachmittags vertiefte ich motiviert mein Spanisch und wartete auf Jason, den ich im „Iyok Ami“ zu Beginn meiner Costa Rica – Reise kennengelernt hatte. Er arbeitet in La Fortuna beim Gericht und wohnt in der Nähe des Rio Celeste. Wir hatten schon vor zwei Wochen ausgemacht, dass wir uns nochmal kurzschließen, wenn ich weiter nördlich bin. Nach seiner Arbeit nahm er mich somit mit nach San Rafael de Guatuso. Von hier aus werden wir morgen eine Tour starten.

Den weiteren Abend verbrachte ich mit Fabian, Oscar und Bredyan, dem Verwalter des „Rio Frio“, in dem ich untergekommen bin. Es war ziemlich erfrischend, sich mal wieder mit den Locals auszutauschen und mehr über Land, Leute und Alltag zu lernen. Die Stimmung war gut und Oscar und Bredyan gaben mir noch ein progressive Rock VIP – Konzert in ihrem angrenzenden Proberaum.

Meine ganz lieben Grüße gehen heuer anlässlich ihres Ehrentages an meine liebe Godi Burga.
12.02.2022 – Jason stand etwas nach 9 Uhr mit dem Motorrad vor der Tür, lud mich auf und wir legten die rund 25 Kilometer auf dem Geländehobel bis zum Nationalpark Tenoria zurück. Dort befinden sich zwei Vulkankrater, welche aus der selben Lavakammer gespeist werden. Direkt nach dem Parkeintritt machten wir eine Bande Kapuzineraffen in den Bäumen aus, fanden später zwei Schlangen, schauten einem Nasenbär beim Verschlingen seines Mittagessens zu und legten die zwei laufbaren Trails zum Wasserfall und zur Verschmelzung zweier Flüsse zurück.



Hier trifft der „Rio Buenavista“ (braun) auf mineralisches Sedimentgestein und fließt im „Rio Celeste“ weiter. Kein schlechtes Naturschauspiel und auch der Wasserfall konnte sich sehen lassen.

Nach Verlassen des Parks und anschließender Stärkung, sowie vergeblicher Suche eines Tapirreservats weiter nördlich, entschlossen wir uns, bei Bekannten von Jason auf dem „Rio Celeste“ eine Rivertubbing-Tour zu unternehmen.


Und das war nicht einfach nur ein Rumgeschippere mit Brumkreisel in den Stromschwellen auf einem Reifen. Mehrfach meldeten sich mein Podex oder das Becken rechts und links aufgrund hartem Steinkontakt. Der Fluss hätte gerne etwas mehr Wasser mit sich führen können. Froh war ich definitiv über den Helm, als mich ein Strudel mitriss und ich kopfüber den Steinen auf dem Grund meine Aufwartung machte. Aber was soll man machen? Man muss ja irgendwie den Fluß runter. Besser als rauf! Im Endeffekt war es nicht ganz Kanufahren auf der Ardeche, aber trotzdem nice.
Für den coolen Tag bedanke ich mich herzlich bei Jason, der sich meine Grüße mit der lieben Anna, die heute Geburtstag feiert, teilen darf. Fühl dich gedrückt Anna.
13.02.2022 – Aufstehen, auschecken und den Bus zurück nach La Fortuna nehmen und dann mal weitersehen war angesagt. Das hat soweit alles geklappt und ich bin im „Nice Place Hostel“ für eine Nacht untergebracht. Nach kurzer Rast traf ich und hatte einen netten Plausch mit Graham, mit dem ich noch einen Burger essen war, bevor ich mich mit Stefanie traf und wir an den „Rio Fortuna“ liefen, wo wir verweilten und uns abkühlten. Es war wirklich sehr gut kühl;).

Anschließend unternahmen wir noch einen ausgedehnten Marsch, bis wir uns in einer fancy Chocolateria, in der sogar Livemusik aufspielte, für unsere zurückgelegten Kilometer entlohnten und später im Hostel zusammen kochten und aßen.


Nach den Süßigkeiten gab es Wraps, anständig scharf. Mit Graham und seinem Buddy Wouter aus den Niederlanden bin ich dann noch was Trinken gegangen. Kaum im „La Parada“ angelangt, schlappte der verrückte Schwede Mattis, den ich in Monteverde kennengelernt hatte, vorbei. Er war schon gut dabei, sodass wir nicht mithalten konnten, aber mit Sicherheit eine Menge Spaß und uns auch so super unterhalten hatten. Alles in allem war es ein cooler Abend.

Meine ganz lieben Grüße gehen heute allerdings an Jason, der mir wirklich gestern eine tolle Tour bot und mir die Kultur und Geschichte der costaricanischen Natives sehr gut näher brachte.
14.02.2022 – Trotz langer Nacht gestern, stand ich früh in der Küche und frühstückte ordentlich, um genug Power für den Aufstieg zum „Cerro Chato“, der kleine Nachbarvulkan direkt neben dem „Arenal“, zu haben. Mein Gepäck brachte ich ins „La Posada de Mama“ und organisierte mir ein Uber zum 70 Meter Wasserfall in La Fortuna. Von Zlati, die diese Tour letzte Woche unternahm, wusste ich, dass man in der Nähe des Parkplatzes einen kostenlosen Schleichweg nutzen kann, um auf den Hauptweg zu gelangen. Nach kurzer Suche war ich mir sicher, den richtigen Trampelpfad gefunden zu haben und steuerte auf den Waldrand zu, wo ich bereits schwitzend, aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, ankam und einen erstmal gut angelegten Weg mit vielen hohen Holztreppenstufen fand.

Diesem folgte ich eine gute halbe Stunde, in der mich bisweilen ein mulmiges Gefühl beschlich. Zlati beschrieb den Hike als den schlimmsten, den sie je gelaufen war. Der 3-stündige Aufstieg hatte sie echt fertig gemacht. Ich wollte da gar nicht so viele Details wissen, sondern endlich einen Vulkan auf Costa Rica besteigen. Der „Cerro Chato“ bietet zudem die Möglichkeit, im Kratersee zu schwimmen. Dennoch, ich war allein unterwegs und weit und breit war keine Menschenseele. Ich hoffte dabei, weder auf Schlangen, Skorpione, Spinnen, giftige Frösche oder Pflanzen, noch gar auf einen Puma zu stoßen. Froh war ich dann, Stimmen zu hören und nach einiger Zeit auf eine Familie aus Israel zu treffen, die einen schlammigen Hang hoch stiegen. Wir schlossen uns zusammen und übertrafen die Markierung, die einem das weitere bewandern des „Weges“ untersagt. Ab hier konnte man auch wirklich nicht mehr von einem Weg sprechen, sodass einem auch klar wurde, warum das Verbot ausgesprochen wurde. Mit Wandern hatte das nun nichts mehr zu tun. Mehr und mehr kam man ins Bergsteigen und Klettern, wobei man sich vor allem an Wurzeln hochziehen oder in Felsspalten hochdrücken musste. Dabei nahm die Matschepampe unter den Füßen und an den Hängen immer weiter zu. Bisweilen musste man sich durch 20 – 30 cm breite Spaltöffnungen zwängen und sonst auch schauen, dass man nirgends ab- oder wegrutscht.

Irgendwann wollte ich das gar nicht mehr auf einem Foto festhalten, weil ich stets matschige Hände hatte und nach dem Erreichen des oberen Kraterrandes es steil und rutschig weitere 10 Minuten bergab verlief, wobei man sich seinen Weg echt suchen musste. Teils rutschte man somit etwas mehr und suchte stets nach passendem Halt für Hände und Füße. Endlich am Kratersee angekommen, sah ich, dass ich nichts sah, außer einen Holländer und einen Kanadier. Der Rest des bei gutem Wetter blaugrün gefärbten rund 200 Meter im Durchmesser große Kratersee hing schwer in den Wolken.


Ein kühles Bad auf 1140 Meter Höhe ließ ich mir dennoch nicht entgehen. Entstanden ist der Vulkan, der übersetzt so viel heißt wie „flacher Hügel“ vor 38000 Jahren und zum letzten Mal vor 3500 Jahren ausgebrochen. Seit dem ist er inaktiv.
Erst bergauf, dann vom Kraterrand wieder bergab folgte ich den beiden Jungs, Casper und Joel. Auf dem Rückweg trafen wir zu Beginn ein paar weitere Wagemutige, die das Ziel noch vor Augen hatten. Kurz danach setzte starker anhaltender Regen ein, was den Weg für diese Nachzügler überaus schwieriger und noch fordernder bis nicht machbar machte. Pfützen wie Schlammmassen nahmen zu, die Rutschpartie war eröffnet. Wir waren daher ziemlich froh, den leichteren Teil vor uns zu haben. Konzentrieren mussten auch wir uns bei jedem Schritt. Geschafft haben wir es letztendlich, bis sich unsere Wege genau dort trennten, wo ich zu Beginn auf meine ersten Teiletappenmitstreiter aus Israel traf. Den Rest legte ich flotten Fußes zurück, freute mich, gut durchgekommen zu sein und wurde dann von einem Streckenposten kurz vorm Ziel aufgehalten. Statt mich am Ende abzukasieren, lotste er mich auf einen weiteren Pfad, dem ich bis zum Eingang des La Fortuna Wasserfalls folgte. La Fortuna war mir wettertechnisch wirklich nicht hold. Glücklich war ich allerdings, als ich Graham und Wouters dort auf dem Parkplatz erblickte. Sie hatten sich Motorroller für den Tag gemietet und machten kurz am Parkeingang einen Stopp. Sie hatten mir sogar einen Extrahelm organisiert und boten sich an, mich mitzunehmen. Pfundskerle – die Jungs. Da hatte ich aber 30 Sekunden vorher ein Uber bestellt, sodass ich das Angebot erstmal ablehnte, bis ich feststellen musste, dass der Uberfahrer zwar kam, mich allerdings nicht eingesammelt hat und Abfuhr, während ich gestikulierend und verbal auf mich aufmerksam machte. Von daher ging es dann auf dem Rücksitz bei Wouters zurück zum Hostel, wo ich ausgiebig duschte, meine Klamotten wusch, sowie meinen Socken und Schuhen das letzte Geleit gab.

Nach kurzer Rast und Regenpausen luden mich die zwei Easy Rider erneut auf. Unser Ziel waren die „naturell Hot Springs“, gespeist mit warmem Wasser vom „Arenal“ 14 Kilometer nördlich. Hier tummelten sich Einheinische wie Touristen und aalten sich in den kleinen Becken entlang des Flusses.


Und auch wir verweilten dort, während Kolibris unermüdlich über unseren Köpfen schwirrten, bis wir schrumpelig waren. (Insider: Selbst Wouters konnte seine luftgetrockneten Finger nicht komplett aus dem Wasser halten.) Wir hatten eine Menge Spaß und selbst der Regen konnte uns den Buckel runterrutschen.
Zum Abendessen mit ausgelassener Stimmung trafen wir uns mit Stefanie nochmal im „Le Parada“ und ließen unsere gemeinsame Zeit in La Fortuna ausklingen.

Für die wunderbare Gesellschaft der letzten Tage bin ich sehr dankbar und wünsche uns allen eine gute weitere Zeit auf unseren Wegen, wo auch immer sie uns hinführen mögen. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Meine weiteren Grüße möchte ich natürlich Marion und Lukas Schw. senden, die beide heute ein Lebensjahr dazugewonnen haben. Alles Gute und Liebe euch beiden.
15.02.2022 – Nach morgendlicher Mahlzeit, das gewohnte „Gallo Pinto“, schlappte ich zum Bus, der mich nach Quesada kutschierte. Hier stieg ich um und hatte nochmal weitere 2 Stunden Fahrt bis Alajuela vor mir. Dort nahm ich ein Uber, das mich in die Berge Richtung Vulkan Poas nach Poasito brachte. Gegen 14 Uhr konnte ich im „Churrasco Hotel y Restaurant“ einchecken. Das liegt in the middle of nowhere.


Ich erkundete die nähere Umgebung und sorgte fürs leibliche Wohl. Der Rest des Tages stand unter dem Motto: „Probiers mal mit Gemütlichkeit!“


Die Ödnis nutze ich somit etwas zur Entschleunigung und starte morgen wieder durch. Ganz lieb grüßen möchte ich heute den verrückten Schweden Mattias. (Insider: He is amazing!)
16.02.2022 – Vorhang auf, leicht wolkig, aber ausreichend Sonne. Der Wetterbericht hatte nicht gelogen und ich habe mich umso mehr gefreut, dass ich gestern noch online ein Eintrittsticket für den „Nationalpark Vulkan Poas“ erworben hatte. Glücklicherweise bekam ich in der Abgeschiedenheit von Poasito sogar ein Uber, nachdem sich sogar die Taxisuche schwierig gestaltete. Nach 9 Kilometern Fahrt erreichte ich den Eingang und schloss mich der Gruppe für 8 Uhr 40 an. Hier war alles streng zeitlich getaktet. Zuerst bekommt man einen kurzen Film über die Gefahren am Krater und nötige Verhaltensweisen im Falle einer Eruption oder eines verstärkten Gasaustritts gezeigt. Danach hat man Zeit, zum Vulkan zu laufen und dort 20 Minuten zu verweilen. Trotz der Hetze – der Anblick hat sich gelohnt. Vor allem, nachdem ich nach dem quälenden Anstieg zum „Cerro Chato“ vor zwei Tagen nur trübes Wasser im Wolkengürtel, statt einen blaugrünen Kratersee erblicken musste. Beim 260 Meter tiefen und 1 Kilometer breiten „Poas“ hingegen war mir Fortuna hold.



Der Koloss soll sich vor rund 5000 Jahren in der 600000 Jahre alten seismischen Zone, die heute den Nationalpark darstellt, gebildet haben und ist immer noch aktiv. Der erste Ausbruch wurde 1834 dokumentiert, Schwefelsäure tritt eigentlich dauerhaft aus. Es war ein schönes Schauspiel, wie die leichten vorbeiziehenden Wolken ihre Schatten auf dem Kratersee abbildeten.
Zwei Niederländer schlugen mir vor, mich mit zurück zum Hotel zu nehmen. Ich nahm dankend an. Allerdings war mir aufgrund des schönen Wetters und da der ganze Tag noch vor mir stand, eher nach einem „Hop on, hop off“. Daher ließ ich mich auf halber Strecke absetzen und hockte mich mit meinem Krimi, „Die Pestglocke“ von Patrick Dunne, in ein Restaurant mit herrlichem Ausblick über die Landschaft bis nach Alajuela und San Jose, welches meine nächsten und letzten Ziele in Costa Rica sein werden.

Trotz dessen, dass ich im Restaurant „El Mirador de Poas“ saß, merkte man den stark aufkommenden Wind am Gebäude zerren und ich war durchaus froh, gerade jetzt meine Auszeit genommen zu haben. Entlang der Straße absolvierte ich die nächsten 4 Kilometer zu Fuß. Irgendwie habe ich mich zwischenzeitlich an Deutschland zurück erinnert gefühlt. Landschaftlich sah es aus wie im Allgäu mit großen Weideflächen und Kuhherden, gepaart mit dem eisigen Wind der Eifel. Es zog wie Hechtsuppe.


Doch heute hieß es, jeden Sonnenstrahl mitzunehmen, nachdem es die letzten Tage so trübe, regnerisch und ungemütlich war. Weshalb ich auch nach dem Mittagessen im „El Sabor de la Montana“, anschließendem Fußball schauen, sowie Kaffee und Kuchen nochmal für zwei Stunden wandern ging.
Für den späten Snack holte ich mir Empanadas in einer Bäckerei, wobei mir das Nachbargebäude mehr als nur dezent auffiel und ich mal „Hola!“ sagte. Ich traf auf Gustavo, den Besitzer des bunten Cafes und Hobbykünstler, der gerade bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Malen, war.



Wir hatten noch eine nette längere Unterhaltung und er ließ mich nicht ziehen, bevor ich nicht auf seinem heißen Ofen geritten bin.

Natürlich ließ ich mich nicht zweimal bitten. Pura Vida und liebe Grüße an meinen lieben fränkischen Sauer(teig)braten Stefan mit Familie.
17.02.2022 – Tatsächlich konnte ich gemächlich in die Puschen kommen und trat motiviert meinen Weg mit vollem Marschgepäck in Richtung ins 21 Kilometer entfernte Alajuela an. An den Vortagen hatte ich nämlich feststellen müssen, dass der erste Bus von Poasito aus nachmittags um 15 Uhr in die Nachbarstadt von San Jose geht. Also entschied ich mich dafür, meinen ohnehin am Tragegurt leicht lädierten Wanderrucksack, sowie meinen Rücken, auf Herz und Nieren zu prüfen. Im Notfall könnte ich es ja immer noch per Anhalter probieren. Von meinem Balkon in Poasito aus sah ich mein Ziel bereits in der Ferne und wusste, dass es hauptsächlich bergab gehen würde. Die nächste brauchbare Bushaltestelle war 30 Minuten entfernt. Als ich sie erreichte, durfte ich feststellen, dass der nächste Bus noch etwas auf sich warten ließ und ich eigentlich auch voll motiviert weiterlaufen wollte. In einer Stunde legte ich 6 Kilometer strammen Schrittes zurück und konnte dann doch nicht widerstehen, in den vorbeifahrenden Bus einzusteigen. Die letzten 15 Kilometer liefen somit im Energiesparmodus ab. Im sehr geschäftigen Alajuela schaute ich mich etwas um, erkundigte mich nach einer Weiterfahrtmöglichkeit mit Ziel San Jose und stieg doch in den falschen Bus, wie ich feststellen musste. Meine Spanischkenntnisse stecken eben noch in den Kinderschuhen. Immerhin bemerkte ich den Fauxpas dank Google Maps rechtzeitig, zog die „Notbremse“ und trat die letzten 18 Kilometer zum „El Castillito“ mit einem Uber an.
Denira begrüßte mich dort direkt herzlich. Ebenso auch Diego, nachdem ich nach dem Mittagessen aus dem „Yettsy“ zurück kam. Ein Sprung in den Pool durfte nicht fehlen. Schließlich hatte ich ja doch ein paar Meter zurückgelegt. Zudem musste ich mich etwas um meine Weiterreise kümmern und traf abends Abby wieder. Darauf hatte ich mich besonders gefreut. So enden meine letzten Tage in Costa Rica mit den netten Menschen und an dem Ort, an dem meine Tour begonnen hatte.
Mit meinem Backpacker zogen Abby und ich in die Innenstadt San Joses, um im Totto-Laden zu erfragen, ob ein Umtausch möglich wäre. Den Kassenzettel hatte ich als Vorzeige-Alman vorschriftsmäßig aufbewahrt, sodass mir zumindest Optionen gemacht wurden. Dafür muss ich allerdings wohl morgen ins Werk fahren. Schauen wir mal. Daraufhin lud mich Abby zum Dinner und Cocktails ein. Neben toller Unterhaltung hatten wir einen ebenso tollen Blick von der Rooftopbar des „P3“ aus. Vielen lieben Dank für den schönen Abend Abby.

Meine liebsten Grüße und besten Wünsche möchte ich Sepp und Helga da lassen.
18.02.2022 – Spannendes gibt es heute nichts, was großartig zu berichten wäre. Der Tag stand im Sinne der Vorbereitung auf die Weiterreise. Schließlich musste ich meinen Rucksack umtauschen. Dabei half mir erneut Abby, welche nötige Anrufe mit dem Totto-Werk und dem Shop in San Jose Innenstadt führte. Dort musste ich dann auch nochmals mit dem Bus hindüsen, wobei der Umtausch dann problemlos verlief. Somit kann die Backpackertour weitergehen und mein Koffer konnte aussortiert werden. Da mir die letzte Wäscherei in La Fortuna ein paar Anziehsachen bei der Rückgabe unterschlagen hatte, kaufte ich mir ein paar Shirts nach. Einige Sachen hatte ich auch schon aussortiert und Dinera geschenkt. Meinen Koffer, sowie den Tischventilator und ein paar Andenken überreichte ich Abby, welche ich mittags zum Essen einladen und mich für den gestrigen Abend revanchieren durfte. Von ihr bekam ich als Abschiedsgeschenk Paulo Coelhos „Handbuch des Kriegers des Lichts“, das ihr viel bedeutet und welches ich nicht nur alsbald lesen, sondern auch in Ehren halten werde. Um 16 Uhr trat ich die nächsten Bustouren nach Alajuela an, um für morgen stressfreier zum Flughafen zu kommen. Keine schlechte Idee von mir, wie sich herausstellte. Für die 19 Kilometer brauchte ich knappe 2 Stunden und war froh, gerade noch vor Sonnenuntergang im „Casa Lapa“ einzuchecken. Sowohl gestern Mittag im Zentrum Alajuelas, gestern Abend und heute morgen in San Jose wurde ich immer wieder angehalten, angebettelt und teils sehr offensiv fordernd nach Geld gefragt. Weitere zwei Stunden waren nötig, um die erforderlichen Nachweise für die Einreise nach Panama zu erbringen: Einreiseformular, den Check-In bei der Airline, Unterkunftsbestätigung, onward-Ticket zur Weiterreise und Versicherungsschein. Reisen ist trotz 3 Impfungen mitunter immer noch etwas nervig und zeitintensiv im Vorfeld. Aber, geschafft.
Meine allerbesten Grüße möchte ich heute natürlich Abby senden. Sie kommen von Herzen. Nicht nur, weil sie mich beim Start und meiner Weiterreise einfach toll unterstützt hat. Sondern, weil sie so super herzlich ist und meinen San Jose – Aufenthalt wirklich bereichert hat. Ich danke dir kleine Kriegerin. Diesen Sonnenuntergang habe ich für dich aufgehoben:
