Puerto Rico – 14.01.2022 – 24.01.2022

14.01.2022 – Nach der langen Anreise und dem örtlichen Krähwettberb der bestem Hähne von San Juan fand ich spät in den Schlaf und wurde vier Stunden später durch ein temperamentvolles Gespräch aufgeweckt. Im Hof waren Verwalterin Maria und ihr Mann Luiz mit Hausarbeiten und Reparaturen im kleinen Apartenentkomplex beschäftigt. Beim ersten Eindruck dachte ich: Ui, die haben ein gutes Gras geraucht, bis ich mit ihnen ins Gespräch kam, mir Tipps für die Umgebung einholte und klar war, dass der Geruch von der nahegelegenen medizinischen Marihuanaklinik herrührte. Beide waren bemüht, mir mit Rat und Tat zu helfen, sowie mich mit zusätzlichen Utensilien für das Apartment auszustatten, weshalb ich auch darüber hinwegsehe, dass anfangs nicht alles so top war.

Im Anschluss klapperte ich hiesige Supermärkte ab, fand für mein Handy eine Besserung im Ladeprozess in Simons Cellshop, besorgte mir dort eine lokale Simkarte und ließ mich durch die Straßen treiben. Schon hier um die Calle Loiza herum erkennt man, dass Puerto Rico für seine Künste lebt. Sei es die Musik, der Tanz, das Theater oder die Malerei. In letzterem Falle haben es mir einmal mehr die Graffitis angetan, die oftmals das kulturelle Leben der stolzen Bevölkerung beschreiben. Hier nur einige wenige Auszüge:

Mein Schrittzähler hat mein erreichtes Tagesziel bereits vor der Mittagsstunde angezeigt, weshalb ich nach meiner Tour erst einmal drei Tassen puertoricanischen Kaffee inhalierte, in die Heimat telefonierte und danach durch den Puntas las Marias Skate Park zum Strand, Hobby Beach, flanierte.

Kaum am Wasser angekommen, traf ich auf Jeff and Doyle, zwei Amis, die begannen, den Strand von Plastikmüll und Glasscherben zu befreien. Das fand ich sehr respektabel, sodass ich mich direkt angeschlossen habe. Der Sack war ruckzuck gefüllt und wir hatten eine nette Unterhaltung, bevor ich den kompletten ellenlangen Strandabschnitt entlang und über die Straße zurück lief.

Somit habe ich mir heute erstmals ein gutes Bild über die nähere Umgebung gemacht und mir mein Abendessen, sowie einen gemütlichen Cooldown verdient. Ganz liebe Grüße gehen raus von der Couch an Ralle und Claudi. Ich sammle schon einmal genug Eindrücke für eure zukünftige Reise hierher.

15.01.2022 – In Sachen Begegnungen war der Tag heute noch verrückter als der „Namenstag“ gestern. Während ich noch genüsslich beim Kaffee saß, mir die App „Moovit“ herunterlud und mich dort nach einer Busverbindung in die Altstadt San Juans umschaute, realisierte ich, dass es genau eine Buslinie dahin gibt und ich mich etwas beeilen sollte, sofern ich nicht zu lange warten wollte, bis die nächste Gelegenheit bei mir um die Ecke vorbei fahren würde. So packte ich zügig meinen Rucksack, ließ den dritten Kaffee, der hiesige ist echt top, stehen und sprang noch rechtzeitig in den Bus T5. Das passende Kleingeld hatte ich nicht, weshalb mich der Fahrer durchwinkte, ein anderer Fahrgast mir dann die 0,75 US Dollar spendete. Ein Spottpreis für eine Fahrt von fast 40 Minuten. Diese verflogen regelrecht, da ich ins Gespräch mit zwei älteren Damen aus der USA kam. Sie verbringen seit 20 Jahren ihren Urlaub in Puerto Rico und waren somit die idealen Beraterinnen und gaben mir direkt eine kleine Stadtführung. Dabei stellte sich heraus, dass Nancys Vorfahren teils aus Süddeutschland ausgewandert waren und ihr Mädchenname Hauenstein war, der sich im Laufe der Zeit zu Hohnstine wandelte. Verrückt. Als ich dann noch erklärte, dass viele Pfälzer, wie ich einerseits ehemals für meine Examensarbeit recherchiert, andererseits auf Liberty Island, New York, im Museum für Einwanderungsgeschichte gelesen hatte, zur Zeit der großen Hungersnot im 18. Jahrhundert in die USA, zum Beispiel Philadelphia, emigrierten, wurde es noch doller. Nancy kommt aus Philadelphia, in das auch einige Hauensteiner damals gingen und ihre neue Heimat fanden. Dort kann man übrigens an der Universität die pfälzische Sprache studieren. Und da Nancy ebenso als Lehrerin (u. a. Hauswirtschaftslehre, genau wie ich) tätig war, hatten wir eine dicke Connection zu einander. Janets Nachname ist übrigens Wood. Würfelt man beide Nachnamen zusammen kommt für mich ganz klar „Hauensteiner Wald“ heraus ;). Wie geil, das hat mich völlig geflasht.

Die beiden führten mich ebenso über den samstäglich stattfindenden „Farmers Markt“, ein regionaler Spezialitätenmarkt und Nancy schleuste mich über ihre „Ehrenamtskarte“ kostenlos in die Festung „San Felipe del Morro“ oder kurz „El Morro“, die Mauer, ein.

Sie erhebt sich an der westlichen Landspitze der Altstadt und diente zur Bewachung und Verteidigung des Hafens seit 1533 und trägt ihren Namen zu Recht. Die gigantische „Mauer“ erstreckt sich über 6 Ebenen vom Seelevel bis zur oberen Aussichtsplattform und ist Ausdruck einer ausgeklügelten architektonischen Meisterleistung in Sachen Verteidigungsanlagen.

Anders war das ungefähre Ausmaß nicht fotografierbar.

Die Spanier hielten Puerto Rico, von Christoph Kolumbus 1493 in Besitz genommen und ab 1508 durch Ponce de Leon zur Kolonie erhoben, bis 1898. De Leon war es auch, der die Natives, die eingeborenen Taino Indianer mit seinen waffentechnisch überlegenen Truppen niederstreckte und die Urbevölkerung unterdrückte. Ab Ende des 16. Jahrhunderts musste man sich der Angriffe der Briten und Niederländer erwehren und baute das Fort im Laufe der Zeit immer weiter aus. Es konnte in seiner Geschichte bis zum Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 niemals eingenommen werden. Puerto Rico und somit das Kastell „El Morro“ ging dann als Kriegsbeute in die Hand der Sieger, der Amerikaner, über und ist heute ein US Nationalpark.

Mit Blick auf den Friedhof Maria Magdalena legte ich meine Mittagspause auf der Mauer ein, bevor ich über den milimeterhohen Rasen zur weiteren Erkundung aufbrach.

Im Restaurant „The Cave“ standen Tapas auf meinem Speiseplan, die ich bei lateinamerikanischen Klängen schnabulierte und mir eine Auszeit gönnte. Die Stadt bietet auch im alten Kern so viele Entdeckungsmöglichkeiten, dass ich mir bewusst noch einige Ecken für die nächsten Tage aufgehoben habe. So schaute ich lieber noch in ein paar Geschäfte rein und ließ mich treiben, bis ein Platzregen einsetze und ich mich zum Busterminal durchschlug, da leider auch das Mardi Gras ähnliche Festival zu Ehren von San Sebastian Corona bedingt gestrichen wurde. Schade! So verbrachte ich einen ruhigen Abend und paukte weitere Englischvokabeln mittels eines wenig anspruchsvollen Sylvester Stalone Actionmovies. Von daher können meine voll Testosteron überschäumenden Grüße nur an den „Boss“ aller Expendabels, an Schlossi, gehen.

16.01.2022 – Eigentlich wollte ich mich heute in Ruhe über mögliche To do’s informieren und nochmal die Altstadt besuchen. Es kam anders. Bein Frühstück lernte ich Kenny und Chrystal kennen. Zwei New Yorker mit Wurzeln in Puerto Rico und der Dominikanischen Republik. Wir kamen locker ins Gespräch und verstanden uns gut. So kam eins zum anderen, dass ich mein Frühstück verkürzte, rasch meine Sachen packte und wir gemeinsam zum Schildkrötentauchen aufbrachen. Am Escabron Marine Park ernüchterte sich unsere Stimmung, da die Touren ausgebucht waren. Wir hätten zwar auf eigene Flosse schnorcheln gehen können, aber bereits tauchende Tourbucher rieten uns davon ab. Sie hätten gerade einmal einen Fisch gesehen. So entschieden wir uns, morgen an einem anderen Ort unser Glück erneut zu versuchen und fuhren dafür in den „El Yunque National Forest“, quasi der Dschungel hier.

Auch keine schlechte Wahl. Als wir an am Parkeingang ankamen, empfahl uns die Kassiererin, zurück zu fahren und einen anderen Weg zu nehmen, um die Wasserfälle anzuschauen, sofern wir keine Guided Tour machen wollten. Kenny kommunizierte auf Spanisch mit ihr, mir war es erst mal Wurst. Ich war glücklich, dass ich eine tolle Fahrt über den Ostteil der Insel hatte und das Abenteuer wartete. Doch irgendwann kam uns auch der Weg spanisch vor. Es dauerte lange und wir mussten einige Male nachfragen, bis wir in der Pampa auf der richtigen Strecke waren. Nichts desto trotz fanden wir den Wasserfall am Rio Espiritu Santo und nahmen erst einmal ein Bad, kletterten anschließend noch etwas umher und steuerten den nächsten die Passstraße passierenden Quellfluss an.

Zu meiner Verteidigung: Die Belichtung der Kamera war nicht besonders. Ich bin tatsächlich so viel Farbe, wie noch nie zuvor bekommen;).

Nicht weit entfernt, am Quebrada Sonadora, trafen wir auf eine domenikanische Familie, die am Straßenrand das traditionelle Sanchoco, ein Eintopf mit Kürbis, Wurzelgemüse, Mais, Huhn und Schwein, zubereitete und Langusten fischte. Ich war in Fajrt und zettelte eine Unterhaltung an. Prompt waren wir zum Essen eingeladen. Es schmeckte herrlich.

Das war wirklich nice, sehr gastfreundschaftlich und herzlich. Ich revangierte mich mit einem Rum, als die Musikbox ausgepackt wurde und wir verbrachten eine coole Zeit zusammen, bis wir die Rückfahrt antraten.

Zuhause saßen wir noch etwas zusammen und daraufhin schaute ich mir den Film „The Stand“ an, der von der Black Power Bewegung 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko handelt. Hiermit grüße ich meine „Big Mens“ Bakary, Solomon, Sam und Nuha.

17.01.2022 – Eigentlich hatten Kenny, Chrystal und ich gestern ausgemacht, früh aufzustehen und um 6 Uhr zum Turtle-Watching aufzubrechen. Für die Fahrt mit Fährübertritt auf die Isla de Culebra hatten wir 3-4 Stunden angesetzt. Ich war Abmarsch bereit, alles andere war Pustekuchen. Kurz vor 7 Uhr bekam ich dann Bescheid, dass die beiden zu fertig seien und lieber einen ruhigen Tag verbringen möchten, bevor sie morgen zurück nach New York fliegen. Das kann ich ja verstehen, aber mich eher zu informieren, wäre auch cool gewesen.

Vielleicht war es auch ganz gut so, da Kenny gestern als Fahrer nicht wirklich brillierte. Kein Wunder, er rauchte auf dem Highway erstmal einen halben Joint fertig. Man wird hier schon fast schief angeschaut, wenn man „clean“ ist. Aus dem Auto springen konnte ich in der Situation nicht wirklich. Chrystal versicherte mir, dass sie ihm zu hundert Prozent vertraue. Bei mir waren es ein paar weniger.

Also legte ich mich nochmal ab, pushte mich später mit Kaffee auf, vertiefte meine via Facebook gefundenen Kontakte in Costa Rica etwas mehr und lief anschließend los zum Hotel San Juan, um dort Janet und Nancy zu treffen. Dabei kam ich an einem Urban Gardening Project vorbei, wo ich die wohl größten Eidechsen (~ 35 cm Länge) meines Lebens erblickte. Am Ende des „El Alambique/Hobby Beachs“ angekommen, verbrachte ich etwas Zeit mit den beiden (Ich meine nicht die Eidechsen!) und revanchierte mich für ihre Tipps und Unterstützung mit einer Einladung zum Kaffee.

Der Tag wurde somit zum Strandtag auserkoren. Das war auch nicht schlecht.

Das Meer hier hat eine enorme Strömung und der Sog zieht einem erstmal den Grund unter den Füßen weg, nimmt einen ein Stück raus, spült einen aber auch gleich wieder um so mehr Richtung Strand zurück. An vielen Stellen der Küste wurden natürliche Wellenbrecher in Form von Steinwällen installiert, wodurch es dort nicht so gefährlich ist. Die Wellen türmen sich gut auf, bevor sie brechen, weshalb sich die Küste auch zum Surfen empfiehlt. Bereits bei meinen ersten Strandbesuch traf ich auf einen Surflehrer,  bei dem ich mich informierte und eventuell Stunden nehmen werde, sofern meine Hände in der Zwischenzeit komplett wieder einsatzbereit wären.

Dem anschließenden Einkauf, Kochen (Was bei den zwei vorhandenen Elektroherdplatten, bei denen abwechselnd mindestens eine gerne mal zwischendurch aussetzt, seine Zeit dauert.), Essen folgte die Couch und ich machte da bewusst weiter, wo ich gestern noch zufällig angefangen hatte. Nämlich mit einem Film über die Civil Rights Bewegung in der USA, „I am not your Negro“ mit Portraits über Malcolm X und Martin Luther King, denn heute ist passender Weise:  „Martin Luther King Day“. Solidarische Grüße an euch: Ali, Kebbah und Sulayman.

„History is not the past. It is the present. And we are our history!“ (James Baldwin)

18.01.2022 – Absolut gigantisch – anders lässt sich das Highlight des Tages nicht besser in Worte fassen. Aber dazu später mehr.

Zuerst fuhr ich mit dem Bus zum „Museo de Arte Diseno de Miramar“ kurz „MADMi“, um mir, neben der an den Bauhausstil angelegten kleinen Dauerausstellung, eine Retrospektive zu Suzi Ferrer (1940 – 2006) anzusehen. Was mich dabei erwarten würde, wusste ich nicht. Ich hatte einfach mal wieder Lust, eine Kunstausstellung zu besuchen. Mit meinem Lehrerausweis kam ich sogar umsonst rein. Also konnte ich nichts falsch machen. Die Künstlerin schuf abstrakte Gemälde, Collagen, Plastiken, Zeichnungen auf sich überlagerten Plexiglasscheiben und Installationen im expressionistischen Stil, kombinierte zudem Dadaismus und Surrealismus. Thematisch geht es um den Existenzialismus der Frau. Somit kann man sie als Kämpferin für ein besseres, selbstbestimmteres Frauenbild in der Gesellschaft betrachten. Dabei provoziert sie extrem, teils bis ins Psychedelische, und geht stets nicht nur sprichwörtlich unter die Gürtellinie.

Freud wäre stolz auf Ferrer.

Im Anschluss schlenderte ich in Condando um die Lagune, fand kleine Sanduchten, stieß zufällig auf den „Walk of Fame“ von Puerto Rico, auf dem unter anderem Ricky Martin, Jennifer Lopez und Julio Iglesias verewigt sind und kam am Malecon raus. An dieser kleinen Uferpromenade schlugen die Wellen nur so entgegen und verschafften mir eine leichte Abkühlung.

Auf der Brücke „Los dos Hermanos“ hielt ich mehrfach an und bewusst Ausschau nach Manaties, die sich in der ruhigen Lagune tummeln sollen. Zwei bekam ich sogar von Weitem zu Gesicht, weshalb ich in naher Zukunft noch einmal zurück kehren und mir ein Stand Up Paddle oder Kajak leihen werde, um den sanften Meeressäuger noch näher zu kommen.

Es zog mich nämlich erneut zum „El Escambron Beach“, an dem ich am Samstag mit Kenny und Chrystal kurz stoppte, wir uns aber entschieden, erst den Regenwald anzusteuern. Seit langem habe ich den Wunsch, mit einer  Meeresschildkröte zu tauchen. Ich hatte meine Schnorchelausrüstung im Gepäck, drückte einem Mitarbeiter von der Tauchschule „Scuba Dogs“ 5 Dollar in die Hand, dass er meine Sachen sicher verwahrt und tauchte ab. An einem vorgelagerten Riff wurden noch zwei Wellenbrecher angelegt, sodass die mit Seegras bewucherte Bucht dahinter relativ geschützt liegt und Schildkröten, selten Manaties, dort hinein zum Futtern schwimmen. Bei meinem ersten Schnorchel- und Tauchgang suchte ich die Bucht vergeblich über 40 Minuten ab. Außer mir waren einige Tauchschüler unterwegs und wirbelten Staub auf. Die Sicht war nicht immer gut. Bisher hatte ich den ein oder anderen Fisch vor der Flinte, aber weit und breit war keine Schildkröte in Sicht. So schwomm, schnorchelte und schrumpelte ich vor mich hin. Dann entschied ich mich, die tiefsten mit viel  Seegras bewachsenen Plätze zu erkunden. Fehlanzeige. Irgendwann kam mir ins Gedächtnis, dass die Schildkröten bei „Findet Nemo“ sich mit dem warmen Strom treiben lassen und das tat ich folglich auch. So ließ ich mich in wärmere Gewässer treiben, nicht ganz so tief und zudem mit besserer Sicht. Die Tauchgruppe war mittlerweile aus dem Wasser. Und plötzlich sah ich Bewegung am Grund. Da war sie. Meine erste grüne Meeresschildkröte. Und kurz darauf die zweite, der ich mich zu schnell näherte, sodass sie ebenso fix entschwand. Die andere zupfte dennoch genüsslich ihren Nachmittagssnack und ließ sich von mir nicht aus der Ruhe bringen. An ihrer Seite begleitete ich sie beim Grasen, Schwimmen und Luftschnappen, bis wir erneut abtauchten und dahin gleiteten. Ihr folgen zu können, sie zu betrachten, ihre sanften Bewegungen nachzuahmen, erfüllten mich mit großem Glück. Und als wollte sie mir einen Gefallen tun, führte mich die etwa 70 Zentimeter große Schildkröte zu drei weiteren Artgenossen. Alle waren mindestens einmal an der Flosse gechipt und zwischen 60 – 80 Zentimeter lang. Das ist die Krönung, dachte ich. Nun kann ich selig zurückschwimmen. Bis auf einmal – sie kam. Ich nenne sie „Alma“, was für mich etwas Erhabenes, Allmächtiges, Erfahrenes hat. Alma, eine grüne Riesenschildkröte kreuzte meinen Weg. Im Gegensatz zu ihren kleineren, jüngeren Verwandten war sie ein sanfter Koloss. Auch sie erlaubte mir, sie zu begleiten. Fantastisch – ich schwamm mit einer Riesenschildkröte, schaute ihr in die Augen, wahrte respektvoll ein wenig Abstand und umrundete sie. Allerdings wurde ich die nächste zu Wasser gelassen Tauchgruppe auf Alma aufmerksam und umzingelte uns. Beide suchten wir das Weite. Ich mehr als sie. Schließlich soll dieser denkbare Augenblick auch anderen vergönnt sein. Kurz an Land auszuruhen und die Begegnung mit den Schildkröten im Nachgang nochmal aufzusaugen, war zu der Zeit zudem nicht verkehrt. Den Tauchlehrer fragte ich nach meinem zweiten Tauchgang, bei dem ich „Atlantis „, eine künstlich angelegte Unterwasserwelt mit von Algen und Korallen bewachsenen Säulen, Statuen, Krügen, Amphoren und Steinbänken erkundete, was er mir zu Alma sagen könnte. Er schätzte sie auf rund 10 Jahre, wobei die kleineren 4 – 5 Jahre auf dem Panzer gehabt haben könnten. Das Weibchen Alma dürfte ungefähr 4 Fuß lang gewesen sein, was rund 120 cm entspricht. Anbei ein Archivbild, um das Ausmaß zu verstehen;)

Nach meinem Taucherglück spazierte ich an einer alten Verteidigungsruine vorbei, landete bei der Suche nach der nächsten Busstation in einer nicht ganz so schönen Gegend, bis irgendwann mein Bus kam und mich nach Hause brachte.

Herzliche Sundownergrüße gehen heute an meine Kultur- und Kunstbeauftragten Marion und Milli. 

19.01.2022 – Gerne habe ich mich heute morgen nochmal rungedreht und bin erst gegen 11 Uhr in der Altstadt angekommen, habe mir die Hafenpromenade, den „Jardin de la Princessa“ zu Ehren der einstigen Bürgermeisterin Felisa Rincon de Gautier angeschaut und startete auf dem „El Morro Trail“ um die Stadtmauer, welche von den Spaniern zwischen 1540 und 1635 angelegt wurde, des alten San Juan.

Dabei entdeckte ich wieder so einiges, was kreucht und fleucht oder sogar zum Sonnenbad an Land schwamm. Allein mit den 12 besten Exemplaren könnte man einen fantastischen Leguan-Jahreskalender gestalten.

An der Ostseite der Festungsanlage „El Morro“ endete der Trail. Hier genoss ich auf der Bergkuppe nochmals das Anpeitschen der Wellen an die Felsen und bekam sogar noch Sprühregen von den Wassermassen ab.

Nach der körperlichen Ertüchtigung stand mir der Sinn nach geistiger Nahrung. Die wollte ich mir im „Museo de las Americas“ einverleiben. Wie wir wissen, ist Amerika groß und vielfältig, so auch die thematische Ausstellung und Exponate im Museum. Von der Geschichte der Besiedlung, der Sklaverei, den westafrikanischen Einflüssen (auch die Jolof aus dem Senegal und Gambia wurden hierher verschleppt), traditionellen Kulten  über moderne Kunst wird hier berichtet. Herausheben möchte ich den Festtagskult, angelehnt an den „Dios de la Muerte“ (Tag der Toten), den man genauso feiert, wie Karneval mit Schwellköpfen wie in der Meenzer Fastnacht.

Vom Terminal ab nahm ich einen Bus zur Laguna del Condado“

Visuell überfrachtet verließ ich das Museum, ruhte ein wenig, stattete der Kunstakademie noch einen schnellen Anstandsbesuch ab und entschloss mich, den Gang durch „La Perla“ zu wagen. Das kleine, von der Stadtmauer vom Altstadtbereich abgetrennte, kommunale Wohngebiet schreibt seine eigenen Regeln und lässt sich entfernt mit den Favelas Rio de Janeiros vergleichen. Nachts wäre ich dort nicht durch gelaufen. Macht die Polizei ja auch nicht. Wer sich allerdings abends berauschen möchte, ist in dem verfallenen Wohngebiet am richtigen Ort. Kaum betrat ich die Hauptstraße, wurde ich schon kritisch beäugt und kurz darauf trat der erste Dealer mit seinem Bauchladen auf mich zu. Ich lehnte dankend ab und ließ mich nicht beirren. Fotos schoss ich davon dennoch nicht. Wer weiß, was zurück geschossen kommt, wenn ich versehentlich daneben knipse. Bars wechselten sich mit Behausungen, Bars, Ruinen und Bars ab, bis ich passiert und den Weg durchs nächste Stadtmauertor gefunden hatte. Da stand ich schon fast vor der zweiten großen Festung der Stadt, dem „Castillo de San Christobal“, wendete mich dann zum „Plaza Colon“ zum Gedenken an den Entdecker Puerto Ricos Christoph Kolumbus zu und steuerte darauf den Mittelpunkt „Plaza de Armas“ zum Relaxen an.

Am Terminal stieg ich in den Bis zur „Laguna del Condado“, wo ich bis kurz vor Sonnenuntergang im kristallklaren Wasser dahintrieb, was meinen Beinen echt gut tat. Im Dunkeln gings nach Hause und da nicht mehr viel, außer Essen und die Brause.

Einen ganz lieben Sundownergruß bekommt heute natürlich meine Cousine Anne. Alles Gute zum Geburtstag. Lass dich hochleben.

20.01.2022 – Ruhetag, weil Strandtag. Nachdem ich über eine Stunde einen Laden gesucht hatte, der mir nötige Einreisedokumente für Costa Rica ausdruckte und ich zuletzt gut Kilometer gemacht hatte, entschied ich mich für einen unspektakulären, entspannten Tag am Hobby Beach. Mittags. Nicht zu früh. Alles gemächlich.

So schnappte ich mir einen Rucksackliegestuhl und ein Swimboard aus der Unterkunft und trottete los, ließ mich hier und da nieder, entspannte und genoss das Meer, bis es zu regnen anfing. Das war so nicht angezeigt, aber ist halt so gewesen, weshalb ich mir unter einem Palmenhain Unterschlupf suchte und ausharrte.

Wie zumeist sonst auch: Auf Regenschauer folgt Sonne! Und was lange wärt, wärt gut. Einen Sundowner kann ich dennoch präsentieren und grüße ganz herzlich meinen Studienleidensgenossen Daniel „de Ochs“.

21.01.2022 – Auf der Suche nach den Manaties! Um 9 Uhr war ich bereits an der „Lagune del Condando“, weil man in der Frühe oder vor der Dämmerung die beste Chance hat, Manaties zu sehen. Bisher konnte ich zwei der friedfertigen Seekühe von der Brücke aus beobachten. Heute wollte ich auf Tuchfühlung gehen. Deswegen lieh ich mir zuerst ein Kajak aus und paddelte zur mir beschriebenen Stelle in Brückennähe. Die Zeit verging und auch in der Umgebung hatte ich kein Glück. Einzig ein Leguan kreuzte meinen Weg.

Zurück an der Einstiegsstelle, stieg ich auf ein Stand Up Paddle um. Viel Erfahrung, außer die wackelige halbe Stunde letzten Sommer an der kroatischen Küste, hatte ich darauf noch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ein Manatie aus erhöhter Position erblicken zu können, ist größer als sitzend im Kajak. Also wieder raus, nach kurzer Einweisung und das Glück suchen. Es war mir allerdings auch hier und insgesamt nach 2 1/2 Stunden auf dem Wasser nicht hold. Zwar entdeckte ich etwas graues, längliches unter Wasser, was mich umkreiste, aber genau identifizieren konnte ich es nicht. Immerhin blieb ich trocken (Hätte ich ja nicht gedacht!), hatte des weiteren ein gutes Training zur Stabilisierung und Balance. Zwei meiner Finger kann ich weiterhin nicht zur Faust ballen. Das Paddel umgreifen konnte ich dennoch schmerzfrei. Das stimmte mich froh und bald werde ich wieder ganz hergestellt sein.

Darauf folgte der Besuch des „MAC“, das „Museo des Artes Contemporaneo“. Und schon wieder traf ich mit der Auswahl genau ins Schwarze. Neben der Zerstörung durch Hurrikan Maria, Gedanken zum Tod und dem Femozid (Vergewaltigung, Versklavung und Ermordung von Frauen), sowie der Verfolgung und Ausgrenzung von Transgenderzugehörigen gab es keinerlei leichte Kost. Viel Schwermut wird in der Ausstellung aufgezeigt und aufgearbeitet, während auf den Straßen praktizierte Lebensfreude vorherrscht.

Ein wenig schlapp war ich danach und hungrig, sodass mein nächster Halt der Food Truck Market war. Falafel stand auf meinem Speiseplan.

Anschließend spazierte ich als Kontrastprogramm zum „MAC“ kreuz und quer durch das Viertel Miramar, charakteristisch für seine Streetart, bei der Grafitis ganze Häuserfassaden zieren, und „La pura Vida“ vorherrscht.

In der Bar „Esquina Watusi“ verweilte ich ein wenig, bevor ich es nochmal wissen wollte. Vielleicht zahlt sich Beharrlichkeit aus. Ich ging nochmals zur Lagune zurück. Dieses Mal wollte ich mit Flossen und Schnorcheln auf Manatiesuche gehen. Von einem Kajakinstructor Lorenzo holte ich mir weitere Tipps und schwomm durch die seichte innere Lagune, bis zur Meeresöffnung. Doch außer ein paar angelegte Riffe und sich tummelnde Fische war nichts zu sehen, aber zu hören. Mehrfach vernahm ich allerdings ein Fiepen/Quietschen. Lorenzo erklärte mir später, dass meine Entdeckung am Vormittag ein großer Remora-Fisch gewesen sein könnte. Diese Art begleitet oft Manaties, Haie oder Schildkröten und die gehörten Geräusche sehr wohl die Kommunikationslaute der Manaties wären. Ein kleiner Trost ist das schon. Vielleicht haben sie ja mich gesehen. Im Sonnenuntergang eilte ich über die Brücken zur nächsten Haltestelle, nur um dann nach über einer Stunde Wartezeit endlich in den Bus einsteigen zu können. Es wäre natürlich noch schöner gewesen, wenn Fahrer und Fahrgast an der Folgestation nicht 5 Minuten inmitten des Busses ein hitziges Wortgefecht ausgetragen hätten. Die Prügel lagen in der Luft. So erreichte ich mein Apartment erst um 20 Uhr. Das war Balsam für meine Füße.

Mit der Erkenntnis des Tages: „Pack es an. Auch die kleinen Erfolge zählen!“, möchte ich ganz liebe Sundownergrüße an meine KKR+-Kollegin Suis senden.

22.01.2022 – Priorität hatte erstmal ausspannen und die Weiterreise organisieren. In Cosat Rica rein kommt man nämlich nur, wenn man wieder ein Weitereiseticket vorweisen kann. Mein Anschluss geht somit, stand jetzt am 19.02.2022 nach Panama City. Zudem sollte man einen Versicherungsnachweis vorlegen und den „Pass de Salude“ ausfüllen Meine Unterkunft für die ersten Tage werde ich in San Jose, Rohrmoser, haben und dann die alles weitere auschecken.

Nachmittags wollte ich dann mit dem Bus Richtung Stadt, doch es kam mal wieder keiner. Zweimal. Also das ist wohl Usus am Wochenende. Man sollte lieber direkt auf Uber setzen. Ich disponierte dann um und ging an den Strand. War mir auch genehm.

Meine herzlichen Grüße gehen heute an Alex und Felix. Lasst es euch gut gehen.

23.01.2022 – Lockeres Auslaufen in Puerto Rico war angesagt. Für heute nahm ich mir das letzte Museum vor, welches ich besuchen wollte. Das „Museo de Puerto Rico“ stellt die Geschichte und Entwicklung der Kunst des Landes, vor allem in den letzten 80 Jahren, in den Vordergrund. Hier ist von allem für jeden etwas dabei. Der dazugehörige botanische Garten lud zudem zum Luft schnappen ein.

Die „Episcopal Cathedral of St. John the Baptist“ konnte ich leider nicht besichtigen, da sie für Besucher zu meiner Ankunftszeit gerade geschlossen wurde. So machte ich mich weiter auf, um abermals Schildkröten zu begegnen. Am „Escabron Beach“ wusste ich mittlerweile genau, wo ich schnorcheln musste und hatte ziemlich gleich Erfolg. Insgesamt konnte ich vier „kleinere“ Exemplare von 60-70 Zentimeter Länge und wieder eine ausgewachsene Riesenschildkröte finden und mit ihnen tauchen.

Am Abend belohnte ich mich im benachbarten Grillrestaurant „Barbacoa“ mit einer Pullporkplatte mit Coleslaw. Habe es gerade so geschafft und traf daraufhin die letzten Weiterreisevorbereitungen.

Einen „bonito Saludo“ vom letzten Abendmahl aus geht an de Haugibär.

24.01.2022 – Ausschlafen, aufstehen, aufessen, auschecken. Das war eige glich ein guter Plan mit viel Luft dazwischen. Etwas gegen nach halb 12 war ich am Flughafen in San Juan. Zuvor checkte ich nochmals die Flugdetails. Alles sollte „right in time“ sein. Doch schon eine Stunde später nach der Kofferaufgabe kam die erste Verspätungsemail rein. 20 Minuten, kein Grund zur Panik. Etwas später – 40 Minuten – alles easy machbar. Dann 1 Stunde – ist noch gut. Danach 1 Stunde 30 Minuten – gerade noch im grünen Bereich. Anschließend 2 Stunden Verspätung – jetzt wird es äußerst knifflig. Als Nächstes 3 Stunden – und mein Anschluss war dahin. Im Endeffekt wurden es 3 1/2 Stunden Verspätung, was bedeutete, dass ich mir in Miami eine Übernachtungsmöglichkeit suchen musste, ein neues Ticket und einen Anschlussflug, sowie Transfers brauchte. Und das Schönste ist immer, sich zusätzlich mit der Versicherung und der Airline beschäftigen zu müssen.

So kam ich gegen 20 Uhr in Miami an, statt eine Stunde später in San Jose. Costa Rica muss also noch auf mich warten. Untergebracht hat man mich im Holiday Inn. Das ist jetzt nicht das Sheraton, aber so viel Komfort hatte ich lange nicht mehr. Ein kleiner Trost.

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