Gambia – 19.10. – 23.10.2021

19.10.2021 – Eingeschlafen bin ich erst sehr spät, weshalb ich länger liegen bleiben durfte. Noch mitten im Halbschlaf rief mich Susanne an und erkundigte sich nach mir, ob alles in Ordnung sei. Ich war erstmal verdutzt, bis sie mir ein Video schickte, das zeigt, dass es unweit des Patta Pattas, keine 100 Meter Luftlinie, die Nacht über gebrannt hat. Die Bar „Churchills“ hat es erwischt. Brandursache unklar. Ich hatte nichts mitbekommen, geschlafen wie ein Baby und dabei noch die Kind-Ohrstöpsel drin, um das Geräusch des Deckenventilators einzudämmen. Nachdem ich mir zur Mittagszeit erst Bilder in Facebook davon und die Brandfolgen vor Ort angeschaut habe, war ich froh, dass dies an mir vorbeigegangen war.

Ich schlenderte anschließend am Strand entlang, stapfte durch das Salzwasser, um meine Wunde etwas mehr austrocknen zu lassen und traf Fred Förster, ein weiteres Mitglied von Hand in Hand for the Gambia e.V., der Sonntag in Banjul gelandet war.

Im Poco Loco lernten wir uns näher kennen, tauschten uns über meine Erfahrungen aus und unterhielten uns prächtig. Fred ist schon zum vierten Mal in Gambia und hat ebenso ein Patenkind in Prince und unterstützt weitere Familien im Kombo. Da war es klar, dass wir ihn gerne eingeladen haben, morgen mit uns nach Prince zum Einweihungsfest der Schulküche zu kommen.

Nach einem Spaziergang habe ich mich mit Fred ins „Senegambia Beach Hotel“, in dem er untergebracht ist, an den Pool geschlichen. Da war tatsächlich was los und man merkt, dass mittlerweile vermehrt Touristen landen. Das wird Land und Leuten zumindest kurzfristig helfen und die finanzielle Lage verbessern.

Und weil ich daraufhin immer noch nicht heim wollte, pflanzte ich mich erneut auf einen Cafe ins Poco Loco und mit Einbruch der Dunkelheit zum Abendessen ins Solomons, von wo aus ich meine Sundownergrüße an Luisa B. schicke, die nochmal bei der Spendenaktion nachgelegt hat, worüber wir uns sehr freuen. Unsere Endabrechnung ist bei 2554 Euro, ausgenommen den Gebühren von Facebook für die Bereitstellung der Plattform. Alles, was darüber hinaus mit dem entsprechenden Betreff auf dem Vereinskonto von Family-Health-Projects Gambia e.V. landet, wird für weitere Essensspenden für die Schule in Prince verwendet.

Kleiner Nachtrag: Leider trockneten die verputzten Wände nicht so schnell, wie erhofft, weshalb der Maler erst heute anrücken konnte. Das wirft uns aus dem Zeitplan, wodurch der Komplettanstrich wohl morgen noch nicht geschafft ist/ sein wird. Wir lassen uns überraschen.

20.10.2021 – Der große Tag! Es war soweit. Heute ging es erneut und (vorerst) zum letzten Mal in die Northbank nach Prince. Fred traf pünktlich um halb 9 im Patta Patta ein. Kurz darauf sammelte uns Susi ein und brachte uns nach kurzem Zwischenstopp nach Banjul zur Fähre. In einer Seitenstraße ließen wir den Firmenbus stehen, setzten ohne fahrbaren Untersatz über, weil wir letztes Mal zu lange warten mussten und nicht erst spät in der Nacht wieder heimkommen wollen. Mehr als 30 Fahrzeuge gehen halt nicht auf die Fähre und meistens sind es weitaus mehr als das Doppelte bis Dreifache, die über den Fluss wollen. In Barra erwartete uns der Taxifahrer (Auch er heißt Kebba!), den wir von Hand in Hand for the Gambia e.V. meistens nutzen. Mit uns kam auch ein Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Dezember an, der auf Wahlkampftour war und stürmisch von seinen Anhängern empfangen wurde. Wir schlängelten uns durch die Menge und Fred kaufte für sein Patenkind in Prince, Haddy Touray, einen 50kg Sack Reis, Zwiebeln und 10 Liter Öl, bevor wir unsere Reise fortsetzten. Um 12 Uhr 30 erreichten wir die Schule, mit fast ebenso einem euphorischen Empfang, schüttelten ettliche Hände von bekannten Gesichtern, aber auch extra geladenen Honoratioren und Süßigkeiten-Verteiler Fred war sofort umringt, ja fast verschlungen. Während wir den Bau besichtigten, machte er einen Abstecher mit Haddy zu deren Compound und konnte seine Mitbringsel übergeben.

Die Malerarbeiten waren noch im Gange. Unsere Logos und eine Danksagung wurden noch fertiggestellt und die Frauen waren schon länger am Essen vorbereiten. Es sollte Benechin mit Reis, verschiedenen Gemüsesorten und Fisch geben.

Die Schulgemeinschaft hatte ein ausgedehntes Programm für uns vorbereitet. Gestartet wurde mit einem Singspiel. Der Begrüßungsrede folgten ein Gebet die Nationalhymne wurde gesungen. Danach sprachen der Chairman, die Vorsitzende der Elternschaft wie auch der Direktor ihren Dank aus. Gleichzeitig baten sie um weitere Unterstützung. Ich sollte überraschenderweise ebenfalls eine Rede halten. Auf die war ich natürlich top vorbereitet, schüttelte dann aber doch noch einen Vortrag aus dem Kurzshirtärmel. Alles in allem hat sich das schon kaugummiartig in die Länge gezogen, v. a. weil das Meiste vom Englischen in Walluf übersetzt werden musste. Gefolgt wurden die Redebeiträge noch von Gesangs- und Tanzeinlagen, sowie Gedichtvorträgen in Englisch, Französisch und Arabisch.

Zu guter Letzt erhielten wir ein Dankesschreiben für unsere geleistete Arbeit, bis ab 16 Uhr endlich die grummelnden Mägen gefüllt werden konnten. Das hat uns ehrlich gesagt, neben der enormen Spendenbereitschaft aus Deutschland und dem tollen Arbeitseinsatz aller Beteiligten vor Ort, die wirklich etwas Großartiges, so unglaublich Wichtiges in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben, am meisten gefreut und beeindruckt.

Das baufällige, einsturzgefährdete Gebäude, mit Bruchstellen in den Wänden links war übrigens mal eine Schulküche.

Nach dem Essen war es an der Zeit „Goodbye!“ zu sagen. Wir verabschiedeten uns herzlich und traten den Rückweg an. Bis wir zur Fähre kamen, übersetzten und zurück in Senegambia waren, war es spät genug. Auf der Überfahrt hatte ich das Glück ein paar Delfine auftauchen zu sehen, aber selig gingen wir ins Bett, weil es ein wunderschönes Gesamterlebnis war. Uns bleibt eigentlich nur noch zu sagen:

21.10.2021 – Nachdem ich vertieft über den Mango-Wurm im Internet recherchiert, dabei mehr als anschauliches Bild- und Videomaterial gesichtet hatte, beherrschten die kleinen Racker auch meine nächtlichen Träume. Ich hoffe immer noch, dass nichts Weiteres in meiner Wade brütet. Das Antibiotikum erzielt keine Besserung mehr, wodurch die betroffene Stelle erneut wie zu Beginn des Ausbruchs aussieht und verhärtet ist. Ich hatte sie dem Salzwasser bei Strandspaziergängen ausgesetzt, damit es austrocknen kann und nahm heute zum erstenmal seit Wochen wieder ein Wellenbad. Jetzt ist die Kruste ab. Also heißt es wieder, auf der Liege gammeln, Sonne genießen und lesen. Vorwiegend tat ich das ausgiebig am Poco Loco und dem Solomons, quasi meinem Stammlokal, wo ich mich vorsorglich von Buba, dem Besitzer und ebenso Inhaber des Patta Pattas verabschiedete.

Den wunderbaren Nachrichten von gestern folgen gleich die nächsten. In Chamen hat unser zweites Arbeitsteam mit dem Graben eines Bohrlochs begonnen und nach dauerhaftem Pumpen spät in der Nacht Wasser hervorgebracht. So kann es auch an dieser Partnerschule vorangehen.

Gegen 19:30 Uhr holten mich Solomon, Susanne und Bakary im Appartement ab und wir fuhren ins „Kasumai“ (Hotel & Steakhouse – eine wirklich sehr schöne Anlage), um unseren letzten gemeinsamen Abend miteinander zu verbringen. Ich hätte ihn mit niemandem anderen mehr genießen wollen (außer Steffi). Wir haben echt viel Zeit miteinander verbracht, zusammen gearbeitet, gegrübelt, gelacht, gesungen, getanzt und sind Freunde geworden. Für Susi und Baks war es ebenfalls ein kleiner Abschied, da es für sie morgen in den Senegal und dann auf die Kap Verde geht. Genießt euren Urlaub.

Ich danke euch allen, für die wunderbaren Erlebnisse und Erfahrungen, die ich mit euch machen und teilen durfte. Frohnatur Solomon hat mir zudem meine nächste Afrodance-Einheit verpasst. Es wird besser;). Dankeschön Baks für das Armband. Es wird mich immer an Gambia und euch erinnern. Vielen lieben Dank Susi für die nette Karte. Ich freue mich bereits, dich in Mainz nach unserer beider Sabbatauszeit wieder zu sehen. Popopop summa harrids! Djeredjef!

22.10.2021 – Heute ist der Tag meiner Rückreise gekommen. (Ich schreibe  erstmal im Futur!) Die Koffer sind so gut wie gepackt. Eingecheckt bin ich. Das Online-Formular zur Ein- und Durchreise für Belgien ist ausgefüllt. Meine Rechnungen bezahlt. Einen PCR-Test braucht man momentan nicht mehr. Lediglich 1000 Dalasi Flughafengebühr darf ich später noch entrichten. Momentan sitze und schwitze ich nochmal auf der Veranda im Patta Patta mit meiner Tasse Kaffee, bevor es abermals zum Strand für eine frische Brise und meiner letzten Mahlzeit geht. Sam wird mich um 15:30 Uhr abholen, obwohl mein Flug erst um 19:20 Uhr geht, weil der Verkehr leider unberechenbar ist. Janko kommt zuvor auch noch vorbei, um Geld für Baumaterial, welches mir Susi übergeben hatte, und das Auto bei mir für den nächsten Ofenbau in Musas Compound abzuholen. Ismaila hat sich noch telefonisch von mir verabschiedet und Solomon persönlich.

Wenn alles gut läuft, lande ich nach Zwischenstopp in Dakar morgen gegen 5 Uhr in Brüssel, wo es um 7:30 Uhr eine Stunde weiter nach Frankfurt geht. Dort wird mich mein Kumpel Tom auflesen, während meine Holde Brunch für uns vorbereitet. Einerseits verspüre ich eine Portion Wehmut rückblickend auf die außergewöhnlich schönen Erlebnisse, die erbrachten Leistungen der zwei Vereine, die gewonnenen Erfahrungen, geknüpfte Beziehungen und Freundschaften. Andererseits freue ich mich sehr, nach den mitgenommemen Repressalien, wieder in Deutschland anzukommen und meine Leute zu sehen.

23.10.2021 – Nun wieder rückblickend: Nach 19 Stunden Gesamtreisezeit und Zwischenlandungen in Dakar und Brüssel, legte die Maschine eine extra Runde in Frankfurt auf dem Rollfeld ein und die Koffer ließen 40 Minuten auf sich warten, sodass ich erst gegen 10:20 Uhr in Mainz ankam. Mit Tom und Vera hatten wir ein, von Steffi vorbereitet, ausgedehntes/n Frühstück/Brunch/Kaffee und Kuchen. Nach dem Schlemmen folgte die Müdigkeit und ich schätze es sehr, in den eigenen vier Wänden zu verweilen.

Die Jungs von Hand in Hand in Gambia haben sich da mehr ins Zeug gelegt, Schulausrüstung besorgt und an die Partnerschulen gebracht.

Meine abschließenden Reisegrüße gehen an alle Leserinnen und Leser meines Blogs. Vielen Dank für euer tolles Feedback. Ich freue mich nach wie vor, wenn ich mittels meiner Reiseberichte nicht nur meine Erlebnisse für mich dokumentieren, sondern euch mit auf mein Abenteuer nehmen kann.

03.11.2021 – Kurzer Nachtrag: Die Kinder in Prince bekommen nach wie vor zweimal wöchentlich von dem restlichen Spendengeld eine warme Mahlzeit bereitet.

Zudem konnte das Projekt neues Bohrloch samt Solar betriebener Wasserpumpe für die Patenschule in Chamen erfolgreich fertiggestellt werden. Die Schule wird nun endlich wieder mit Wasser versorgt.

4 Kommentare zu „Gambia – 19.10. – 23.10.2021

  1. Gutes Heimreise Herr Feith, ich habe mich jede Woche gefreut ihren Blog über ihre Reise durchlesen. Vielleicht sieht man sich bald wieder in der Schule.
    Mit freundlichen Grüßen Nikolai Alexander Belkowski

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