07.10.2021 – Meine Schmerzlinderung war nur von kurzer Dauer. Momentan kann ich mein Bein nicht ganz durchstrecken. Die Schwellung an der Wade hat erneut etwas zugenommen. Alles spannt, brennt und schmerzt. Allein mit der Cortisonsalbe wird es wohl nicht getan sein. Ich sollte somit bald einen Arzt aufsuchen. Zuerst steht aber das Finishing für den Ofen in Brikama an. Ich will die weiteren Arbeitsschritte lernen und sehen, wie der Ofen fertiggestellt wird. Dort im Compound eingetroffen, begegnete mir Aminat, die sich erst nach mir floskelhaft erkundigte und sich danach meiner Infektion annahm. Es stellte sich raus, dass sie von Berufs wegen Krankenschwester ist. Ich hatte ein gutes Gefühl bei ihr und sie drückte mir beherzt ziemlich viel eiterndes Sekret aus dem Einstichsloch. Leider tat sie dies, ohne mein Desinfektionsmittel zu nutzen. Einen Mango-Wurm oder Sandfloh habe ich glücklicherweise nicht gesehen. Aber es könnte sein, dass noch nicht alles rauskam, da oberflächlich eine zu starke Verhärtung vorherrschte. Ein Antibiotikum und die Cortisoncreme hatte ich dabei und nehme dies weiter, um eine Lockerung rund um den Infektionsherd zu erzielen. Im Notfall muss ich selbst drücken, pressen, säubern, desinfizieren. Nach dem Eingriff fiel es mir leider noch schwerer zu stehen und zu laufen, weshalb ich keine große Hilfe auf der Baustelle war. Dummerweise stellte sich heraus, dass mir mein Körper als Reaktion auf das Antibiotikum mit einem Hautausschlag dankte. Ich würde sagen, wenn es einmal läuft, dann richtig. Immerhin kann ich vom Ofenbau nur Positives berichten.
Nachdem gestern die Kochstellen gefertigt und der Schornstein angefangen wurde, musste dieser heute erweitert und mit einem Rauchabzug versehen werden. Ebenso mussten die Zwischenräume mit Steinen gefüllt und anschließend mit Beton versiegelt werden, nachdem erneut eine Verschalung angebracht wurde.





Die Kochtöpfe wurden auf die Backsteinblöcke aufgelegt, dann einbetoniert und später sanft aus dem abgehärteten Beton herausgedreht, sodass sich Alui auf ihre neue Kochstelle freuen konnte.

Auf dem Rückweg musste der Firmenbus erneut in die Werkstatt und wir mit dem Taxi heim. Hoffentlich bekommt der Mechaniker die Elektronik bis zu unserer Tour in die Northbank hin.
Und auch aus Prince gab es erfreuliche Nachrichten. Der Neubau der Schulküche schreitet wie geplant voran.



Als Nächstes müssen wir zwei Fenster und die Tür besorgen. Das Dach kommt erst nach dem Ofenbau dran.
Zu guter Letzt sind auch die Schuluniformen von Ali und seinen Kollegen fertig geschneidert und an die Patenkinder verteilt worden. Dass die Uniformen unterschiedliche Farben haben, liegt jeweils an der Schulzugehörigkeit. In Chamen wird zum Beispiel leuchtendes Blau getragen. Man muss schon sagen, unsere Teams machen gerade sehr gute Arbeit. Sicherlich sind alle zudem von der großen Spendenbereitschaft angespornt und wollen zeigen, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt.



Außer für ein Abendessen im Restaurant habe ich jeden weiteren Schritt vermieden, massiere meine Wade und versuche meine Muskeln zu lockern. Morgen kann ich relaxen und dann sieht die Welt bzw. mein Bein bestimmt wieder besser aus. Meine abendlichen Sundownergrüße gehen an Annemirl und Joachim. Vielen lieben Dank für eure Unterstützung und dass ihr mein Auto während meiner Reise hütet.

08.10.2021 – Es war wirklich schön, aufzuwachen und sich wieder halbwegs bewegen zu können. Dennoch ist der Infektionsherd am Bein weiterhin dick, warm und spannt. Vielleicht muss ich nochmal drücken. Zuerst stand aber die Verlängerung meines Visas an. Ich dachte, ich kümmere mich frühzeitig darum, denn wenn es in fünf Tagen abläuft, bin ich auf der Northbank und das kann immer ein Problem sein. Thomas, seit langem mit mir der einzige Bewohner des Patta Patta, nahm mich mit auf das Revier für Ausländerangelegenheiten und ließ seine Beziehungen spielen. Normalerweise hätte ich keine Verlängerung vor Ablauf bekommen. Tausend Dalasis, wie bei Einreise am Flughafen, musste ich dafür investieren. Anschließend war es Zeit, sich auch schon einmal Gedanken über den Rückflug, Flugdetails und Eireisebestimmungen zu machen, bevor ich mir eine Massage im Hotel African Princess mit der Hoffnung gönnte, dass meine Verspannumgen in Armen, Rücken und Nacken, genauso etwas mehr gelöst werden können, wie an meinem schmerzenden Bein.
Meine erste Mahlzeit wollte ich mittags im Solomons mit herrlichem Blick auf das Meer einnehmen. Ein ungutes Gefühl begleitete mich dabei, weil zwei Männer bei gelbrot gehisster Warnflagge eine gute halbe Stunde raus aufs offene Meer schwommen, um, wie ich zuerst dachte, zu ihrem dort ankerten Fischerboot zu gelangen. Sie wurden mit der Zeit von der Richtung des Bootes abgetrieben, die Bewegungen wurden schneller und sie schwammen an den Strand zurück. Die Gedanken an die Gefahr des Ertrinkens ist mir hier stets präsent. Gestern erfuhr ich, dass neben Unterernährung und Malaria (hauptsächlich bei Kindern) ebenso das Ertrinken eine der häufigsten Todesursachen in Gambia ist.
Leider ist meine Wade weiter angeschwollen und ich drückte mindestens nochmal genau so viel Schmodder heraus wie gestern Schwester Aminat. Ich dachte, das ist echt erfolgsversprechend und ich habe echt fast eine Stunde auf der Veranda gesessen und Flüssigkeit herausgepresst, nur um im Nachhinein feststellen zu müssen, dass es etwas später wieder auf gleiche Größe anschwillt. Also entschied ich mich, einen Arzt aufzusuchen. Susanne und Bakary haben sich direkt bereiterklärt, mich in die Klinik in Senegambia zu begleiten. Um einen Arzt zu sprechen, muss man erst einmal 1000 Dalasi zahlen. Dafür, so stellte sich später raus, war das ein Pauschalpreis für Diagnose und Behandlung. Doktor Bah stellte fest, dass es sich um eine Sepsis durch Bakterien oder einen Virus handelt, die sich wenigstens nicht Richtung oben zu den Organen hin ausbreitete, sondern den lokalen Brandherd und den Fuß anschwellen ließ. Es war ganz gut, dass schon Sekret herausgeholt wurde. Somit wurde erstmal das Gewebe angegriffen, sollte sich nicht weiter ausbreiten und nicht lebensbedrohlich sein. Da mein bisheriges Antibiotikum allergische Reaktionen bei mir auslöste, verschrieb mir der Arzt eine Kombination aus zwei weiteren, die ich nun 5-7 Tage einnehmen muss. Dazu kommt noch Füße hochlegen, kein Wasser oder Dreck auf die Wunde kommen lassen. Aber auch nicht pflastern, da sich darunter dann die Hitze staut. Gerade jetzt, wo es bald an den Ofenbau in der Northbank gehen soll, kommt das sehr ungelegen. Ich hoffe, dass mein Körper schnell eine Verbesserung vorzeigt.
Den Abend verbrachte ich in Schonhaltung bei Susi, die mir ein köstliches Benechin zu bereitete und sich toll um mich kümmerte. Von daher gehen meine abendlichen Grüße an Bakary und sie. Vielen Dank für eure Hilfe.
09.10.2021 – Schontag. Tabletten nehmen, Fuß hoch lagern, Wunde sauber halten, im Bett liegen, langweilen. Wer mich kennt, weiß, wie schwierig das für mich ist. Immerhin schwillt mein Bein langsam etwas ab. Mit vielen neuen aktuellen Impressionen kann ich somit nicht dienen. Vielleicht gibt es nachher noch ein Potpourri vergangener Aufnahmen.
Vorab: Wir sind auf der Zielgeraden unserer Spendenaktion, die am Montag auslaufen und uns die Finanzierung der kompletten Schulküche in Prince sichern soll.

Gestern Abend sind wir nochmal die Kalkulation durchgegangen und haben Bilanz gezogen. Unser anvisiertes Ziel von 2500 Euro für den kompletten Bau, samt Material und Arbeiter, ist sehr realistisch. Allen bisherigen Spendern gehört ein riesiges Dankeschön, dafür, dass wir mit zusätzlich vieler freiwilliger Arbeit unserer Teams von Hand in Hand for the Gambia e.V. und dem Family-Health-Projects Gambia e.V. eine Schulküche kostengünstig, dennoch qualitativ hochwertig errichten und der Schulgemeinschaft eine warme Mahlzeit am Tag ermöglichen können. Wer sich ebenso noch zu den Unterstützern gesellen möchte, darf dies natürlich gerne.
Kontoinhaber: Family-Health-Projects e.V.
Kontonummer: DE11 5519 0000 0112 8140 17
Kreditinstitut: Mainzer Volksbank
Verwendungszweck: Schulküche Prince
Bettlegerig war ich brav, bis mich um 16:15 Uhr Susi zu einem frischgepressten Saft bei Aladin (zwischen Swiss Bar und Monkey Park) rausklingelte.

Es war gut, an der frischen Luft zu sein und zusammen abspannen zu können, bis ich zum Abendessen schlenderte und nicht „Nein!“ sagen konnte, als mich die Jungs von der Security im Patta Patta zum Kartenspielen aufgefordert hatten. Seit ich ihnen „Mau Mau“ gezeigt habe, ist es der Renner und weil ich die nächste Zeit eh nicht da bin, habe ich ihnen meine Spielkarten geschenkt. So ein Nachtwächterjob muss ja nicht stets langweilig sein. Trotz Wochenende habe ich mich früh verabschiedet, um morgen fit auf die Northbank zu kommen.
Wie angekündigt füge ich nun ein paar weitere Impressionen der letzten Wochen ein, die es noch nicht in den Blog geschafft hatten:












Es folgen Bilder, die das geschäftliche Leben an den Hauptstraßen zeigen:






Der Warenverkauf findet meistens an der Straße statt. Mit der Präsentation der Produkte entfällt die Werbung.














Das Leben auf der Northbank läuft zwangsweise entschleunigter, weil es für die Menschen einfach zu wenig Möglichkeiten gibt. Hauptsächlich die Landwirtschaft sichert in der Regenzeit und muss auch darüber hinaus den Broterwerb der Menschen sichern.






Meine lieben Sundownergrüße gehen selbstverständlich, aber heute im Besonderen, an alle Leserinnen und Leser, die meine Zeit in Gambia gespannt mitverfolgen und sich für Land, Leute, Kultur, Geschichte und das Leben in Gambia interessieren und vielleicht aus der Ferne ebenso Einblicke und Erkenntnisse sammeln konnten und hoffentlich noch weiter sammeln werden. Als Lehrer im Sabbatjahr freut man sich irgendwie immer noch, wenn man ein wenig Wissen weitergeben kann. Danke auch für eure Zuschriften und Fürsprache, wenn es mir mal schlechter ging.
