25.09.2021 – Meine Magen-Darmprobleme hielten immer noch an, weswegen ich mich entschied die Northbank zu verlassen und auf den Kombo nach Senegambia zurück zu kehren. Bevor ich Barra erreichte, kaufte ich noch die versprochenen Säcke Zwiebeln und brachte sie Fatou und Rohey. Dabei ließ ich es mir nicht nehmen, mich nach Mr. Tobi und KKR zu erkundigen. Ihnen geht’s noch gut;)

In Banjul holte mich Sam von der Fähre ab und brachte mich gut „heim“ ins Patta Patta. Ich konnte mein vorheriges Zimmer beziehen und freute mich sehr auf etwas mehr Komfort und vor allem keine Tiere mehr, die um mich herumwuseln. Als erstes nahm ich eine Grundreinigung vor und musste dabei einen stattlichen Gecko am Bett entdecken. Von daher habe ich mir auf eigene Faust ein neues Zimmer hier besorgt und aus allen anderen unbesetzten Räumen (Die Schlüssel steckten in der Tür) mir Notwendiges (Seife, Handtuch, Müllkorb, Stuhl als Ablage, Badezimmermatte, Rolli für Wäsche) zusammen gesucht und habe eine Dusche genossen, sodass ich mich endlich wieder wohl fühlte. Der Tag sollte fortan dem Entspannen dienen. So bin ich im Anschluss im aufkommenden Regen die 200 Meter zu Solomons Beach Bar & Restaurant gegangen, um mir mal etwas anderes als Reis, Brot und Hühnchen zu gönnen. Gerade als ich meine Spaghetti Bolognese und einen Tee geordert hatte, schlug vier Meter vor mir der Blitz ein. Splitter zweier Palmen schossen mir entgegen, meine Ohren dröhnten und das Chaos war groß. Allen im Restaurant war die Angst ins Gesicht geschrieben. Nach einer Weile schaute ich an meinem Lieblingsplatz Tisch Nummer 4, der direkt zwischen den Palmen normalerweise einen herrlichen Blick auf das offene Meer bietet, nach und stellte fest, dass ich völlig im Zentrum des Einschlages saß. Rechts und links von meinem Sitzplatz lagen auf der Sitzbank Holzsplitter und Sand. Später erkannten wir, dass der Blitz in einen Draht, geschwungen um eine Palme, ohne Funktion und Erdung einschlug und teilweise ebenso abgerissen wurde, sich sogar von gebogen zu kerzengerade verformte. Das war schon heavy. Glücklicherweise sind alle mit dem Schrecken und einem Stromausfall davongekommen.



Nach dem Schrecken kam der Tee zum Beruhigen ganz recht. Daraufhin hatte ich eine nette Unterhaltung mit Ismaila, ein nach Wilhelmshaven ausgewanderter Gamber, der nun wieder zurückgekehrt ist, um sein Wissen weiterzugeben, damit Landwirtschaft ertragreicher betrieben werden kann. Zudem lehrt er an einer Art Berufsschule das Elektrikerhandwerk und hat mich eingeladen, den Ausbildungsbetrieb einmal zu besuchen, was ich dankend annahm. Er will Hilfe zur Selbsthilfe betreiben, weil in, man muss es so sagen, diesem korrupten Land, die Regierung nur schaut, dass sie Ende des Jahres wieder gewählt wird und jeder in seine eigene Tasche arbeitet und sehr gerne die Hand aufhält. Dies verdeutlichte mir auch ein Deutscher, der schon länger im Patta Patta wohnt und u. a. als Berater des Verteidigunhsministers dient.
Den Abend konnte ich mit Susanne, Bakary, Sonja und Solomon genießen. Eigentlich wollte ich mal abschalten und nicht über die Ereignisse und Erlebnisse der letzten Tage berichten, kam aber nicht darum herum. Ansonsten war es ein sehr schönes Zusammensein bis spät in die Nacht.
So gehen meine lieben Grüße auch an die komplette Gruppe. Ihr habt mir einen tollen Empfang zurück bereitet.
26.09.2021 – Es war tatsächlich die erste Nacht, in der ich durchschlafen konnte. Endlich :). Die Medikamenteneinnahme habe ich nun umgestellt, mal schauen, ob es hilft. Ich werde sicherlich noch lange vorsichtig sein, was ich zu mir nehme. Der Tag stand ganz im Sinne des Regenerierens und Entspannens, ist ja schließlich auch Sonntag. So habe ich mich mit einem guten Buch auf die Veranda setzen können, bevor ich mich mit Bakary und Solomon zum Fußball schauen in Sambas Kitchen traf. Danach schlenderten wir zum Strand, wo wir in der „Happy Corner“ mit ein paar Rastas chillten und Reggae hörten. Vorm Sonnenuntergang ließ ich mir es nicht nehmen, erneut ins angenehm warme Wasser zu springen und mir die letzten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen zu lassen.


Meine allerliebsten Sundownergrüße möchte ich meiner Liebsten senden. Danke für deinen Zuspruch, deine Fürsorge und Zuneigung, die du mir auch aus der Ferne spendest.
27.09.2021 – Merklich erging es mir an diesem Montagmorgen besser und um mein Wohlfühlgefühl noch zu steigern, setzte ich mich nach dem Frühstück an den fast Menschen leeren Strand, hörte dem Brechen der Wellen zu und genoss den Blick auf den weiten Ozean, bis ich mir eine Abkühlung darin gönnte. Etwas später startete ich mit John Streleckys „Safari in Afrika“, der auf „Das Cafe am Rande der Welt“ geschrieben hat. Es handelt von einem jungen Auswanderer, der in Afrika ursprünglich nur die Big Five (Löwen, Leoparden, Nashörner, Büffel und Elefanten) sucht, dabei allerdings auch seine Big Five Lebenslehren/Lebensziele kennen lernen wird. Ich bin gespannt wie es weitergeht und nochmals vielen Dank Steffi für diese tolle Reiselektüre. Dennoch musste ich zwischen dem Lesen das ein oder andere Mal vom Buch aufsehen, weil eine herrenlose Kuhherde einen Strandspaziergang tätigte oder eine Rotte Geier vorbeihüpfte. Noch nicht ganz die Big Five, aber immerhin:).
Um irgendwann einen PCR-Test für den nächsten Flug machen zu können, bzw. zu wissen, wie das abläuft, begleitete ich Sonja, die morgen testen wird und am Mittwoch zurück fliegt, zur Ecobank, auf die man die Gebühr einzahlen muss, damit man eine Bescheinigung für die Teststation und somit eine Testung bekommt. Über den Umweg über die Bank will man verhindern, dass die Tester sich bestechen lassen. Online geht allerdings nichts, sodass die zahlreich warteten Kunden eine sehr große Warteschlange bildeten. Unser Taxifahrer machte den Vorschlag, weil wir uns eigentlich unter Zeitdruck wähnten, den Securitymann zu schmieren, um schneller dran zu kommen, da dieser gerne die Hand aufhält, sodass Sonjas Anliegen schnell bearbeitet wurde! So funktioniert es also. Traurig, als ob zum Vergleich unsere Zweiklassengesellschaft im deutschen Gesundheitswesen nicht schon unfair genug wäre, geht hier alles besser mit dem nötigen Kleingeld. Wir wollten um 12 Uhr wieder in der Unterkunft sein. Ein Bekannter von Sonja sollte uns abholen und uns mit Soloman, Bakary und Sonja zum Mandarini River für eine Kanufahrt durch die Mangroven und den Besuch einer Eco Lodge zu fahren. Der ließ Stunden ohne Rückmeldung auf sich warten, wodurch wir etwas enttäuscht umdisponierten. Während Sonja und Solomon zum Fußball gingen, suchten wir andere uns einen Skipper, der uns morgen Früh mit zum Hochseefischen nimmt. Bis wir einen gefunden hatten, meldete sich der Hunger und ich lud Susanne und Bakary ins Poco Loco ein. Auf dem Heimweg entschlossen wir uns noch auf einen Stopp in Solomons Beach Bar und ließen den Abend ausklingen.


Herzliche Sundownergrüße möchte ich Daniel, Kerstin und dem kleinen Anton da lassen. Der Bite-away-Stick ist mein täglicher bzw. nächtlicher Helfer. Danke für eure Reisetipps.