16.09.2021 – Um einen besseren Datenupload zu bekommen, verkleinere ich nun meine Blog-Beiträge und muss auch leider meist Bildbeiträge reduzieren.
Die afrikanische Zeitrechnung kenne ich ja schon von meinem Trip mit Ömer zu Mama Rita nach Südafrika. Lovely greatings to my African Mom. Von daher freue ich mich über mich selber, dass ich die deutsche Pünktlichkeit bereits von mir selbst abgelegt habe und Ali von Hand in Hand for the Gambia erst knapp 3 Stunden später als ausgemacht mich beim mittäglichen Strand“frühstück“ besuchte. Das hatte schon was für sich.

Nuha und Sam trafen dann auch noch ein und wir besprachen meine Pläne für die Zeit in der Northbank, in der sich unsere Patenschulen befinden. Morgen werde ich dann Sulayman wieder sehen, ebenso Kebba mit Ali treffen, um das Ganze ein wenig mehr Form annehmen zu lassen. Doch sowohl heute und morgen ebenso steht das Kennenlernen im Vordergrund. So haben wir anschließend auch einen gemeinsamen Ausflug in ein Museum für gambische Kulte, das Kachikally Museum, samt Krokodilfarm unternommen.






Zwar hat sich Nuha als guter Museumsguide herausgestellt und auch Ali konnte mir viel beibringen, doch leider geht es bei den zu sehenden Riten mit den traditionellen Masken der verschiedenen 8 Volksstämme um die Beschneidung. In meinen Augen ist das eher als Verstümmelung anzusehen. Zwar bin ich nicht als Missionar hier, dennoch schmerzt es mich zu sehen, wie man darüber denkt. Die Gamber sind ein sehr stolzes Volk und überwiegend als Moslems streng gläubig. Sie halten sich an den Islam und jeder Volksstamm adaptiert das an traditionellen Riten, was sie davon für gut empfinden. Daraus kommt ein Mix aus Aber- und Glaube. Ebenso die Sicht darauf, dass eine traditionelle Beschneidung im Busch mit dem Schamanen besser ist, als eine im Krankenhaus mit sterilem Besteck.
Anschließend konnte ich noch etwas am Strand chillexan, bevor mich Amadou, meine Bekanntschaft und Leidensgenosse vom Hinflug mit seiner Freundin Fatimeh besuchte und wir zusammen den Abend verbrachten.



Bevor der erneute Regenguss einsetzte, entwickelte sich mein kurzer Schnack mit dem Nachwächter des Patta Patta samt einigen Taxifahrern zur abendfüllenden Unterhaltung mit Überlänge. Dabei wurde mir mein erster typisch gambischer Tee, der Ataya, spendiert. Ein Grüntee, der über offenem Feuer zubereitet wird, zu allen Anlässen im engen Familien- und Freundeskreis getrunken wird und eigentlich sehr bitter schmecken sollte, sofern man nicht das halbe Glas mit Zucker füllt, was man hier sehr gerne macht. Auf alle Fälle habe ich mich sehr gut aufgenommen gefühlt und gut unterhalten. Ob mein Redefluss durch den Zucker bewirkt wurde? Vielleicht haben sich aber auch meine definitiv bescheidenen Englisch-Skills bereits etwas verbessert:). Ich hoffe Letzteres.



Die Sundownergrüße des Tages sind für Tanja und Lamin, die auch aus der Entfernung von Deutschland aus ein gutes Auge auf mich haben und meine Zeit in Gambia mitmanagen.
17.09.2021 – Irgendwie sind die Nächte hier immer kurz und da ich um 8 Uhr nicht mehr in der Falle liegen konnte, dachte ich mir, gehste mal den Strand entlang joggen. Dort war ich absolut nicht der Einzige, denn junge Gamber tummeln sich hier morgens und abends, um zu Pumpen und vor allem ihr Fußballtraining abzuhalten. Gegen deren Fitness stinke ich ganz schön ab. Schade ist nur, dass die Einheimischen diese Chance, Sport am Strand zu treiben, nur haben, wenn keine Saison ist, da man dann die Gegend sperrt, damit sich Touristen auf ihren Liegen aalen können. Ansonsten war es mal wieder toll, mit dem Meeresrauschen und dem Brechen der Wellen zu laufen und den Blick ins weite Nichts zu werfen. Wenn da nicht auch die andere Seite wäre. Leider befand sich auf meiner Strecke neben Muscheln und Kokosnüssen allerhand Plastikmüll, rostiges Metall, verfaulende Fische und ein abgetrennter Ziegenhuf. Am Rande erblickte man nicht wirklich gut genährte Pferde, auf denen die Touristen einen Strandausritt unternehmen können oder wird auch mal von streunenden Hunden abschnittsweise begleitet. Als ich dann plötzlich vor einem vom Inland ins Meer strömenden Fluss stand, war eine Schleife durch die Pampa nötig. Dabei kam ich über eine Brücke in ein Sumpfgebiet über dessen, sowie meinem Kopf nicht nur sprichwörtlich die Geier kreisten, bis ich in einem Eco Park gelandet bin. Vereinzelt arbeiteten Männer in Reisfeldern und leisteten bei ansteigender Hitze ihre zermürbende Arbeit. Für mich hingegen war es dennoch idyllisch, weil neben den Geiern ettliche weitere Vogelarten über die Felder flogen und sich in den unterschiedlichsten Bäumen, Palmen und Schlingpflanzen niederließen. Echt malerisch, sodass sich der Umweg richtig gelohnt hat. Nur schade, dass man dann genau in diesem Moment keine Kamera dabei hat. Gleichwohl war der Entschluss gefasst, diese Strecke nochmals zu laufen und an dieser Stelle mit Bildern zu ergänzen. Die ganze Strecke laufend durchzuhalten bis nach Kotou zum Ende des Strandes, auf den ich danach wieder stieß, und zurück, schaffte ich sowieso bei den stetig ansteigenden Temperaturen nicht. Ich musste Pausen einlegen und konnte dafür alles auf mich wirken lassen. Bis auf einmal ein 1 Meter langer Varan meinen Rückweg passierte und glücklicherweise auf dem engen Pfad als erster das Weite suchte. Bevor mein Appartement kam, musste eine kleine Aklimatisierung erfolgen und ich stürzte mich in die sich auftürmenden Wellen. Geschrieben, getan. Nach dem Meeting mit Ali, Sulayman und Kebba, mit denen mein Transfer, meine Unterkunft und mein Wirken in der Northbank konkretisiert werden konnte, lief ich nochmals Richtung Eco Park.








Anschließend ging das große Zittern los, vor allem für Susanne vom Familiy Health Project Gambia, die ihren Geburtstag mit uns am Strand feiern wollte, weil wieder ein starker Regenschauer einsetzte. Diesen haben wir zuerst etwas ausgesessen, sind dann durch den Regen getanzt und haben danach einen wunderschönen Abend mit Musik, netten Leuten, Kartoffelsalat und gegrillter Ziege verbracht.





Meine Sundownergrüße gehen heute natürlich an das Geburtstagskind Susanne, das uns einen unvergesslichen Abend bereitet hatte.
18.09.2021 – Aufgrund dessen, dass die Nacht kurz war, dehnte sich mein Schlaf etwas länger aus und der Tagesstart hat sich an den Strand verlagert. Endlich kam ich einmal zum Lesen und genoss meine Folienkartoffeln mit Gemüse auf der Veranda der Strandbar. Nachmittags besuchte Susanne uns (Sonja, Solomon und mich) im Appartementkomplex und wir unternahmen das, was am Wochendende gefühlt jeder Gamber macht. Man kommt an den Strand. Entweder wird Sport getrieben oder man legt es auf ein Sehen und Gesehenwerden an. Uns war eher nach schlendern zu Mute.





Nach der Dämmrung traf ich Modou, Lamin Bojangs (2. Vorsitzender von Hand in Hand for the Gambia e.V.) Bruder. Auch mit ihm sprach ich über das Projekt und als Mechaniker und Taxifahrer hat er sich angeboten, mich und meine Lehrerkollegen Ali, Nuha, Sulayman und Kebba morgen zur Fähre zu bringen. Auf alles, was mich nach der Überfahrt ins nördliche Territorium erwartet, bin ich sehr gespannt. Natürlich weiß ich, dass ich mich weiter einschränken muss und die Lebensbedingungen nicht gut sind. Dennoch bin ich sicher, dass meine gambischen Kollegen alles unternehmen werden, um mir einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. So gehen heute die letzten Sundownergrüße von der Küste an meine Eltern.
